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Hereunder
follows the transcription of the appendix & registers of Houston
Stewart
Chamberlain's boek Goethe, 3rd ed., published by F. Bruckmann
A.-G.,
Munich 1921. The
1st edition appeared in 1912.
Hieronder
volgt de transcriptie van aanhangsel en registers van
Houston
Stewart Chamberlain's book Goethe, 3e druk, verschenen bij
uitgeverij
F. Bruckmann A.-G., München 1921. De 1e
editie verscheen in 1912.
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763
ANHANG UND
REGISTER
764
(Leere Seite)
765
ANHANG
S. 17 ...(innere Krisis). Schon
in früheren Zeiten hatte sich krisenartig der selbe Wahngedanke
aufgedrängt; so schreibt z. B. Goethe am 20. 11. 74 (an Sophie von
La Roche): „Ich werde diesen Nachmittag zuerst den Ölpinsel in die
Hand nehmen! Mit welcher Beugung, Andacht und Hoffnung drück' ich
nicht aus; das Schicksal meines Lebens hängt sehr an dem
Augenblick.“
S. 22
...(zurückkehren). Vielfach herrscht noch die Vorstellung, als
habe Goethe in diesem Werke mehr gedichtet als berichtet, und deswegen
den Titel gewählt; doch ist das grundfalsch. Goethe schreibt: „Was
den freilich einigermaßen paradoxen Titel der Vertraulichkeiten
aus meinem Leben Wahrheit und
Dichtung betrifft, so ward derselbige
durch die Erfahrung veranlaßt, daß das Publikum immer an
der
Wahrhaftigkeit solcher biographischen Versuche einigen Zweifel hege.
Diesem zu begegnen, bekannte ich mich zu einer Art Fiktion,
gewissermaßen ohne Not, durch einen gewissen Widerspruchsgeist
getrieben; denn es war mein ernstestes Bestreben, das eigentliche
Grundwahre, das, insofern ich es einsah, in meinem Leben obgewaltet
hatte, möglichst darzustellen und auszudrucken“ (Brief an Zelter,
15.2.30). Und in den Annalen
(1809 und 1811) lesen wir, es sei Goethe's
Vorsatz gewesen „sich der Wahrheit möglichst zu nähern,
insoweit die Erinnerung nur immer dazu behülflich sein wollte“,
und: „In diesem Sinne nannt' ich bescheiden genug ein solches mit
sorgfältiger Treue behandeltes Werk Wahrheit und Dichtung, innigst
überzeugt, daß der Mensch in der Gegenwart ja vielmehr noch
in
der Erinnerung die Außenwelt nach seinen Eigenheiten bildend
modele.“
S. 30 ...(öfters
wieder). Über Goethe's Krankheiten und über das angeblich
„Pathologische“ in seinen Werken usw. hat Möbius ein
widerwärtiges Buch geschrieben, zuerst 1898 in einem kleinen Bande
erschienen, dann 1903 in zwei großen Bänden.
S. 34 ...(in Goethe). Über die Bedeutung des
Begriffes „Genie“ bei Goethe, die von
derjenigen durch die Romantik und Schopenhauer heute in Deutschland
verbreiteten völlig abweicht, findet der Leser Näheres im 6.
Kapitel, S. 675—687.
S. 35 ...(„der Dr.“)
Der Verleihung der eigentlichen Doktorwürde, ihm von der
Fakultät angeboten, wich Goethe wegen des „Cärimoniells“ aus
und weil die von ihm erlangte Lizentiatur, damals wie heute noch in
Frankreich, das Doktorat umfaßte und überflüssig machte.
S. 36 ...(erfinden). Aus
den Monaten gleich nach dem Wetzlarer Aufenthalt sind
verhältnismäßig viele Briefe erhalten, in der
aufrichtigen Unmittelbarkeit jener Jugendzeit; in keinem einzigen wird
man die Spur eines Selbstmordgedankens oder auch nur einer
Selbstmordstimmung finden.
S. 44 ...(z u l e i c h
t). Brief Carl August's an Knebel, 22. 1. 88: Zur
Ergänzung dieses
Urteils über die Frauen Weimars diene Knebel's Urteil über
die Männer: „Der schwache und zweideutige Charakter der meisten
Herren in Weimar unterstützt noch die Bosheit der Weiber“ (Brief
an Goethe vom 5. 1. 98; in dem von Guhrauer, angeblich in der
„ursprünglichen Fassung“ herausgegebenen Briefwechsel zwischen
beiden, ist diese ganze Stelle ohne Auslassungszeichen
unterdrückt; man findet sie jetzt in der Weimarer Ausgabe von
Goethe's Briefen).
S. 57 ...(ihn offen). Es
gibt aber doch schriftliche Zeugnisse aus jener Zeit. So z. B. lesen
wir in einem Brief an den Komponisten Kayser vom 14. 7. 87
766 ANHANG
aus Rom: „Ich weiß
noch nicht, wie ich mich von Rom losmachen will. Ich finde hier die
Erfüllung aller meiner Wünsche und Träume; wie soll ich
den Ort verlassen, der für mich allein auf der ganzen Erde zum
Paradies werden kann? Mit jedem Tage scheint die Gesundheit Leibes und
der Seele zu wachsen und ich habe bald nichts als die Dauer meines
Zustandes zu wünschen.“
S. 61 ...(vorübergehend statt). Bald nach seiner
Rückkehr aus Italien
fuhr Goethe der Herzogin Mutter, die von Rom heimkehrte, nach Venedig
entgegen; dieser zweite italienische Aufenthalt ist oben im Texte
erwähnt; dem Herzog folgte er in das Schlesische Lager (1790) und
in den kurzen Kriegszug gegen Frankreich (1792), sowie zu der bald
darauffolgenden Belagerung von Mainz (1793); außerdem verbrachte
er im Herbste 1797 zum letzten Male einige Wochen in der Schweiz. Zu
erwähnen wären noch die Badereisen, die sein
Gesundheitszustand ihm zur dringenden Notwendigkeit machte, und die ihn
noch vierzehnmal nach Karlsbad, Marienbad oder Teplitz und zweimal an
den Rhein führten.
S. 70 ...(Schönemann
usw.). Bei den Briefen Goethe's an Christiane ist zu bedenken,
daß die allermeisten an einen Sekretär diktiert sind und
Goethe auch bei den seltenen eigenhändigen damit rechnen
muß, ein Dritter lese sie ihr vor, da Christiane noch nach
fünfundzwanzig Jahren Mühe hatte, seine Handschrift zu
entziffern; insofern kann man nicht beurteilen, ob ihr Ton demjenigen
entspricht, der sonst zwischen ihnen herrschte.
S. 77 ...(gehört).
Herzog Bernhard, einer der Söhne Carl August's, erzählte
Goethe, er habe seinen Faust I.
bei einem Indianer in Ober-Karolina
gefunden! Siehe Brief an Zelter, 28. 3. 29.
S. 80 ...(erheben
können). Die zerstreute Literatur über Goethe's Tod ist von
Schüddekopf zusammengetragen worden in einem Band des
Inselverlags, „Goethe's Tod“, 1907; daher es nunmehr
überflüssig ist, auf andere Quellen einzeln zu verweisen.
Dies gilt auch für die folgende Darstellung.
S. 100 ...(verschmolzen
wird). In dem Brief an Zelter vom 29. 3. 27 unterscheidet Goethe
zwischen erblicken, sehen, schauen, bemerken, beobachten; bei den zwei
ersten wiegt das rein sinnliche Element vor, bei den zwei letzten nimmt
die gedankenmäßige Gestaltung progressiv zu; das wahre
Schauen steht genau in der Mitte: die sinnliche Tätigkeit bis
über das Sehen hinaus gesteigert, der Gedanke zu Gestalt
verklärt.
S. 103 ...(Urpflanze). „...so wurde mir nach und nach
klar und klärer, daß die Anschauung
noch auf eine höhere Weise belebt werden könnte: eine
Forderung, die mir damals unter der sinnlichen Form einer
übersinnlichen Urpflanze vorschwebte.“ („Der Verfasser teilt die
Geschichte seiner botanischen Studien mit.“)
S. 109 ...(T i e f e g e h
e n). Es braucht wohl kaum betont zu werden, daß
dieser
gehaltreichste aller Briefe Goethe's an Schiller nicht bloß auf
die eine Reise Bezug hat, sondern allgemeine und bleibende Bedeutung
besitzt; das geht aus dem Konzept noch deutlicher als aus dem
redigierten Briefe hervor; dreißig Jahre später nannte
Goethe dessen Gedankengang „die Achse, um die sich des Korrespondenten
uneinige Einigkeit bewegte“ (Brief an Schultz, 29. 6. 29).
S. 110 ...(der Hand).
Schon hier, wo die Frage aus der Tiefe beleuchtet wird, muß ich
aufmerksam machen, wie töricht das Spiel der Identifikationen ist,
an dem unsere Philologen eine nie versiegende Beschäftigung
finden. Nicht bloß ist es von Grund aus unkünstlerisch und
ungenial, sondern gerade Goethe gegenüber empörend absurd.
Ihn selbst brachte diese „Deutelei in Verzweiflung“ (Annalen 1795);
beim Tasso z. B. „werde das ganze Stück verschoben“, sobald man
die Charaktere auf ihn, die Herzogin, „die Steinin“ usw. deute; von den
wirklichen Individuen nehme er doch nur die
767 ANHANG
Anregung zu diesem und
jenem Zuge, gestalte sie im übrigen „aus sich selbst“ (siehe
Caroline Herder's Berichte an ihren Mann über Unterhaltungen mit
Goethen, „Herders Reise nach Italien“, 1859); ein Verfahren, für
das wir außerdem bestimmte Belege besitzen, so z. B. wenn er an
Charlotte von Stein schreibt, die Giovanna in seinem „Falken“ „werde
viel von Lili haben“, darein werde er aber „einige Tropfen von
Charlottens Wesen gießen, nur so viel es braucht, um zu tingiren“
(Brief vom 8. 8. 76). Solcher Argumente und Beweise bedarf es
aber nicht für diejenigen, die irgend eine wahre Kenntnis von
Goethe's Wesen und Wirken besitzen. Es wiederholt sich auf allen
Gebieten das gleiche: die blutigsten aller Dilettanten fanden sich
immer unter Fachgelehrten; und wenn Goethe einmal seufzt: „Ich habe nun
noch eine besondere Qual, daß gute, wohlwollende,
verständige Menschen meine Gedichte auslegen wollen“ (Brief an
Zelter, 27. 3. 30), so weiß ich nicht, ob man allen diesen Herren
die selben mildernden Umstände zuerkennen kann; manche unter ihnen
verfahren dabei boshaft, mißwollend und unglaublich
beschränkt.
S. 112
...(Lebensgedankens). Fast noch widerwärtiger als das rohe
Mißverstehen der Menge ist der Abgrund hohler Gedankenlosigkeit,
der uns aus
den Büchern der sogenannten Gelehrten anstarrt. So lesen wir in
der Cottaschen Jubiläumsausgabe als Kommentar zu dem Chorus
Mysticus einen Widersinn nach dem andern, und schließlich zu
diesem Worte: „Das Absolut- oder Ideal-Weibliche, die reinste
geistigste Liebe.“ Was soll wohl das Absolut-Weibliche besagen? Kann
nicht jede Kuhmagd das Prädikat absoluter Weiblichkeit fordern?
Bedeutet hier absolut so viel wie „schlechthin“, so besitzt das Wort
den einen Vorzug, das Gegenteil von dem, was Goethe meint, ziemlich
genau auszudrücken: denn er redet gerade nicht von dem schlechthin
Weiblichen, sondern nur von dem einen Element des Weiblichen, ein
Element, das auch sonst in der Welt, vor allem in Goethe's eigenem
Herzen heimisch ist: das Ewig-Weibliche ist der Gegensatz des
Absolut-Weiblichen. Und nun gar das Ideal-Weibliche! Was mag das wohl
für ein konfuser Gedankenbrei sein? Aber es kommt noch besser: die
„geistigste Liebe“. Lehrt die Erfahrung, daß die Liebe des Weibes
besonders „geistig“ sei? Eine geistige Liebe würde wohl
heißen — wie in den Katechismen — eine nicht leibliche; ich
fürchte, Goethe's Enthusiasmus hätte auf Erden damit wenig
anzufangen gewußt. Doch gleichviel, denn jetzt schwebt ja sein
Faust im Himmel, als „edles Glied der Geisterwelt“. Wie mag aber die
Steigerung gedacht sein? Was für eine Destillation nimmt man mit
einer geistigen Liebe vor, damit sie „geistiger“ werde? Und gar eine
„geistig-ste“? Wobei der entsprechende Geist jedenfalls die selbe
Stufenreihe durchzumachen hat, erst zu einem „Geisterer“ und dann zu
einem „Geistester“.
S. 117 ...(fassungslos).
In jeder Biographie findet man das Nähere. Interessant ist der
Gegensatz zu Richard Wagner, der ohne jede Furcht 1848 über die
Barrikaden kletterte und ruhig Zettel unter die Soldaten verteilte, sie
auffordernd, nicht gegen das Volk mit Waffen vorzugehen.
S. 121 ...(erzählen). Infolgedessen ist für
unsere Zeitgenossen der
„Kunschtmeyer“, wie man ihn in spöttischer Nachahmung des kernigen
Züricher Dialektes zu nennen pflegt, kaum mehr als die fast
komische Figur eines wortkargen, pedantischen Kunstpfuschers, der als
das eine Beweisstück, unter anderen, für die Behauptung
dient, Goethe habe es geliebt, sich mit untergeordneten Begabungen zu
umgeben. Daß bei dieser grundirrigen Beurteilung Meyer's der
schalste und eitelste Schwätzer, den die deutsche Literatur- und
Kunstgeschichte jemals hervorgebracht, Hermann Grimm, alle anderen an
Urteilslosigkeit übertrifft, sei nur unter uns Laien, bei
verschlossenen Türen, zur Vermeidung fernerer Irrfahrten
festgestellt.
768 ANHANG
S. 123 ...(Boisserée). Siehe Brief an Meyer,
20. 7. 31. Und vergl.
Tagebuch für Juli 1831, wo „Hauptzweck“ und
„Hauptgeschäft“ immer die Arbeit an Faust II bedeuten. Der
eigentliche Abschluß der Dichtung fand erst am 21. 7. 31 statt,
und die Beendigung der letzten Reinschrift am 22. 7. 31.
S. 127 ...(d a s E r h a
b e n e). Eine herrliche neue Gabe des Weimarer Archivs hat
kurz vor
dem Druck der Volksausgabe dieses Buches zu erscheinen begonnen:
„Goethe's Briefwechsel mit Heinrich Meyer, herausg. von Max Hecker,
1. Bd., Juli 1788—Juni 1799“ (Weimar, Schriften der Goethegesellschaft,
32. Bd., 1917). Fortan wird es unmöglich sein, Meyer's Bedeutung
und die Eigenart seines Wesen zu vertuschen. Hecker schließt
seine vortreffliche Einführung mit den Worten: „Möge ihm aus
unserem Bemühen endlich die Anerkennung erwachsen, auf die ihm
sein Wesen und Werk vollgültigen Anspruch geben!“
S. 128 ...(abgeht).
In Dichtung und Wahrheit
erzählt Goethe von seinem ersten
Vereintsein mit Jacobi: „Und so schieden wir endlich in der seligen
Empfindung ewiger Vereinigung, ganz ohne Vorgefühl, daß
unser Streben eine entgegengesetzte Richtung nehmen werde, wie es sich
im Laufe des Lebens nur allzu sehr offenbarte.“ Hier liegt offenbar
ein Gedächtnisfehler vor, wie ihm denn Jacobi auf diese Stelle hin
schrieb: „Diese Verschiedenheit wußte ich von dem Anfang
unserer Bekanntschaft an; und dies, Lieber, ist auch dein Fall gewesen.“
S. 136 ...(Vielverdiente). Dieses große
Hauptverdienst Zelter's um den Meister aller deutschen Meister belieben
unsere Juden in der
bekannten Weise zugunsten von Zelter's Schüler, Felix Mendelssohn,
zu eskamotieren; daß Mendelssohn irgendeine — wenn
auch nur rein formale — Beziehung zu Bach gewann, verdankt er dem
wackeren, grunddeutschen Zelter. Freilich, wenn man es erlebt, das
„Buch des Schenken“ im Divan,
auf Goethe's überschwengliche Liebe
zu diesem selben Felix gedeutet zu sehen, so kann einen keine noch so
unverfrorene Geschichtserdichtung zu Ehren Israel's mehr wundern:
das ganze Schenkenbuch ist in den Jahren 1814 und 1815 entstanden
und schon 1818 für die mit der Jahreszahl 1819 versehene erste
Ausgabe des Divan gedruckt;
Goethe aber erblickte den hoffnungsvollen,
im Jahre 1809 geborenen Jüngling zum ersten Male am 4. November
1821. Nur zwei Gedichte wurden bei späteren Auflagen des Divan
ins Schenkenbuch eingeschoben: „Du kleiner Schelm du!“ und „Was in der
Schenke waren heute“, beide fast wörtlich nach Hafis: ob
dieser auch erst durch einen Juden zum Dichten begeistert werden
mußte?
S. 141 ...(s p e n d e n k
ö n n e). Wanderjahre, 1. Buch, 6. Kapitel. In den
meisten Ausgaben findet man statt „Egotist“ Egoist, da der
unheilvolle Philolog Göttling, der Korrektor der Ausgabe letzter
Hand, diese Emendation — so nennen die gelehrten Herren ihr freches
Befingern der Werke genialer Männer — für angezeigt gehalten
hatte: und doch besitzen wir zufällig gerade für dieses Wort
die eigene Handschrift Goethe's, da der sächselnde Sekretär
beim Diktat „Ekodist“ geschrieben hatte, was den Dichter zu einer
eigenhändigen Verbesserung veranlaßte. Übrigens ist die
an letzter Stelle beigefügte erklärende Note weder genau noch
genügend; in der englischen Literatur jener Zeit ist das Wort
„egotist“ verbreitet. In Whitney's Century Dictionary wird der Begriff
Egotismus definiert als: „Übertriebene Hochschätzung seiner
selbst, welche dahin führt, alles auf die eigenen Interessen und
die eigene Wichtigkeit zu beziehen und demgemäß zu
beurteilen.“ Wogegen es von dem Wort Egoismus heißt: „Egoismus
ist der Gegensatz zu Altruismus; es eignet diesem Worte nicht notwendig
eine tadelnde Bedeutung und es ist nicht ein Synonym zu Egotismus.“ In
einem Brief an Zelter vom 27. 1. 32 schreibt Goethe: „Ein
starrzäher Egoismus verstockt sich auf halbem oder gar falschem
Wege und Hindert die
769 ANHANG
reine S e l b s t
h e i
t, sich auszubilden.“ Der starrzähe Egoismus ist
Egotismus, die
reine Selbstheit ist die von Goethe als unumgänglich gepriesene
Form des Egoismus.
S. 142 ...(helfen). In
Knebel's hinterlassenen Papieren findet sich folgendes Fragment:
„Goethe war Egoist im höchsten Grade: aber er mußte es sein,
denn er wußte, welchen Schatz er zu verwahren hatte.“
S. 146 ...(Augenpaar).
Dies ist eine poetische Lizenz Wieland's; Goethe's Augen waren nicht
schwarz, sondern braun, und zwar umkreist von einem rein blauen Saume,
weswegen sie je nach Beleuchtung und Stimmung in sehr verschiedenen
Farben schimmern konnten.
S. 153 ...(begegnet). Wem
die Berichte in den Biographien nicht genügen, wird gut tun,
Ludwig Geiger: „Aus Alt-Weimar“, 1897, Kap. 7, „Goethe's Unterredung
mit Napoleon“ und Suphan: „Napoleon's Unterhaltungen mit Goethe und
Wieland“, im Goethe-Jahrbuch, 1894, nachzuschlagen. Doch sind beide
Arbeiten, wenn auch als Zusammentragung eines Teiles des Stoffes
unentbehrlich, in Wirklichkeit nicht einmal äußerlich
wahrhaft kritisch, und, was die innere Analyse anbelangt, leer. Eher
trifft die kleine Notiz von Biedermann ins Schwarze (Goethe-Jahrbuch,
1893), dringt aber leider nicht tief. Die wichtigeren Quellenschriften
werden unten im Laufe der Schilderung genannt.
S. 153 ...(festzustellen). Goethe selber
erwähnt in seinem Tagebuch einzig
und allein den Empfang am 2. Oktober; ausdrücklich sagt er, er
habe an der großen Jagd am 6. Oktober n i c h
t teilgenommen, von
dem Ball am selben Abend spricht er nicht, wobei es auffallend bleibt,
daß er ein noch so kurzes Gespräch mit Napoleon wortlos
übergehen sollte; da er aber in einem Brief an Cotta vom 2. 12. 8
schreibt, der Kaiser habe „das zweite Mal, in Weimar, die Unterhaltung
in gleichem Sinne fortgesetzt“, so darf wohl die von mehreren
Berichterstattern gemeldete Anrede auf dem Ball als sicher gelten.
Dagegen scheint Kanzler von Müller's Behauptung einer dritten
Begegnung auf Irrtum zu beruhen. In seinen „Erinnerungen aus den
Kriegszeiten von 1806—1813“, schreibt dieser: „Goethe und Wieland
wurden noch einmal (später also als der Ball am 6. Oktober) zu
Napoleon gerufen während er frühstückte...“ Von Wieland
bewährt sich die Nachricht, denn wir besitzen von ihm eine
köstliche, ironische Schilderung des „Levers“ vom 10. Oktober in
einem Brief vom 13. desselben Monats, so daß jede
Gedächtnisirrung ausgeschlossen ist („Auswahl denkwürdiger
Briefe von C. M. Wieland“, 1815); Goethe aber war, laut seinem
Tagebuch, am 10. Oktober den ganzen Tag in Weimar beschäftigt und
scheint überhaupt seit dem 4., an welchem Tage er, um im Weimarer
Theater alles für die Comédie
française
vorzubereiten, schleunigst aus Erfurt dorthin zurückgekehrt war,
nicht mehr nach Erfurt gekommen zu sein. Übrigens weiß von
Müller selber in dem „Mémoire“,
den er noch Oktober 1808
für Talleyrand aufsetzte (vergl. Goethe-Jahrbuch, 1894) wohl von
Wieland's Empfang in Erfurt später als den 6. Oktober, nicht aber
von einem solchen Goethe's zu melden.
S. 154 ...(beilegt). Die
älteste Version ist von Kanzler von Müller aufbewahrt; nach
ihr hat Napoleon, als Goethe im Weggehen der Türe zuschritt, gegen
Berthier und Daru gewandt, ausgerufen: Voilà un homme! Das Alter
dieser Version ist dadurch verbürgt, daß Graf Reinhard, der
mit Müller nahe befreundet war, sie in einem Brief an Goethe vom
24. November 1808 zitiert. Dagegen soll nach Goethe's erst am 15.
Februar 1824 (also fast sechzehn Jahre nach der Begegnung)
verfaßten Berichte (vergl. seinen Brief an Müller vom selben
Tage) dies nicht das Schlußwort gewesen und nicht zu anderen
gesprochen worden sein, vielmehr stellt er es als die an ihn
gerichtete, allererste Bemerkung des Kaisers hin. „Der Kaiser winkt mir
heranzukommen.
770 ANHANG
Ich bleibe in
schicklicher Entfernung vor ihm stehen. Nachdem er mich aufmerksam
angeblickt, sagte er: „Vous
êtes un homme“ (Biographische
Einzelnheiten, „Unterredung mit Napoleon“). Verschiedene
Erwägungen sprechen für die Echtheit der früheren
Erzählung und lassen voraussetzen, daß Goethe, bei der
Idealisierung, die nachweislich diese ganze Episode in seiner Phantasie
erfuhr, auch bei diesem Satz sowohl den Wortlaut wie den Zeitpunkt
transponiert hat. Zunächst ist bemerkenswert: schon nach Verlauf
eines einzigen Monats war Goethe nicht imstande, einen
zusammenhängend klaren Bericht zu geben, so daß W. von
Humboldt am 19. November 1808, sofort nach einem zweitägigen
Besuch in Weimar, an seine Frau schreibt: „Schlicht historisches
Erzählen ist, weißt Du, seine Sache nicht.“ Sodann
können wir selbst von Napoleons berüchtigter Manierlosigkeit
etwas so Plumpes kaum glauben. Vor allem aber hätte ohne Frage
Talleyrand, der nach Goethe's eigenem Berichte, als er hineintrat,
rechts neben dem Kaiser stand, eine so auffallende Äußerung
behalten, erzählt und glossiert, wogegen er in seinen Memoiren
(vergl. unten) das Gespräch gut französisch anheben
läßt: Monsieur Goethe, je
suis charmé de vous voir,
woran sich eine Reihe von Sätzen angliedern, die durchaus den
Eindruck des Echten, gut Gemerkten machen. Am Schlusse der Audienz war,
nach Goethe's Versicherung, Talleyrand nicht mehr anwesend; dies geht
auch aus Müller's Bericht hervor, der nur Berthier und Daru
erwähnt; darum hat Talleyrand das Voilà un homme! nicht
gehört. — Nun muß aber noch eine grundsätzliche
Erwägung Platz finden. Dürfen wir als höchst
wahrscheinlich voraussetzen, daß Napoleon, zu Daru und Berthier
gewendet, Voilà un homme!
ausgerufen hat — nicht Vous
êtes
un homme — so muß bemerkt werden, daß dieses Wort
ganz und
gar nicht die Bedeutung besitzt, die Goethe ihm beilegte und über
welche seitdem so viel gefabelt und gefaselt worden. Da ich in meinem
ersten Lebensjahre nach Frankreich kam und jahrelang dort in die Schule
ging, darf ich mich wohl ohne Anmaßung als Sachverständigen
betrachten. Und da muß ich bezeugen, die Sätze mit voilà —
Voilà un enfant! — Voilà un chef-d'oeuvre! — Voilà
un imbécile usw. ins Unendliche —
sind eine triviale, hundertmal am Tag gebrauchte Konstruktion, die zu
jenen bei den Franzosen beliebten Exklamationssätzen gehört.
Dieses Voilà
würde ich als ungefähr dem deutschen
Potztausend entsprechend bewerten; wonach Napoleon's Satz etwa
„Potztausend, ein Mordskerl!“ zu übersetzen wäre. Wogegen der
erhabene Poet, dem nur das hinkende Französisch deutscher
Höfe geläufig war, sich daraus gar ein ecce homo
konstruierte! (siehe Goethe's Brief an Reinhard, 2. 12. 8). Nebenbei
gesagt, ist es bemerkenswert, daß Wilhelm von Humboldt, der so
bald nach dem Vorfall in Weimar weilte und nicht bloß an seine
Frau, in dem obenerwähnten Briefe, sondern auch unterm 21. 11. 8
an Fritz Jacobi nach Goethe's eigenen mündlichen Mitteilungen
ausführlich berichtet, das betreffende Wort nicht erwähnt, es
also entweder nicht gehört, oder aber, bei seiner Vertrautheit mit
der französischen Sprache, ihm kein Gewicht beigelegt hat.
S. 156 ...(Tacitus). Auch
die berühmte kritische Bemerkung über Werther, nämlich
die Mißbilligung der Hereinmischung von Motiven
gesellschaftlicher Kränkung und getäuschten Ehrgeizes — soll
nach W. von Biedermann Napoleon einer Frau entnommen haben,
nämlich seiner Feindin, Madame de Staël, die den selben Tadel
schon früher ausgesprochen habe. Hier muß insofern ein
Irrtum des verdienten Goetheforschers vorliegen, als nur ein einziges
Buch dieser Verfasserin in jenem Jahre 1808 in Frage kommen kann,
nämlich De la
littérature considérée dans
ses rapports avec l'état moral et politique des nations,
erschienen 1799; in diesem Buche verteidigt sie aber Goethe mit
Wärme g e g e n jenen — nach ihrer Meinung
hinfälligen —
Vorwurf. On a voulu blâmer
l'auteur de Werther de supposer au
771 ANHANG
héros de son roman
une autre peine que celle de l'amour, de laisser voir dans son
âme la vive douleur d'une humiliation, et le ressentiment profond
contre l'orgueil des rangs, qui a causé cette humiliation; c'est
selon moi l'un des plus beaux traits de génie de l'ouvrage.
Goethe voulait peindre un être souffrant par toutes les
affections d'une âme tendre et fière; il voulait peindre
ce mélange de maux, qui seul peut conduire un homme au dernier
degré du désespoir. Les peines de la nature peuvent
laisser encore quelques ressources: il faut que la
société jette ses poisons dans la blessure, pour que la
raison soit tout-à-fait altérée, et que la mort
devienne
un besoin. Madame
de Staël
widerlegt, wie man sieht, mit Scharfsinn die unbegründete Kritik,
die vielfach laut geworden war, und die Napoleon noch nach Jahren
anderen unbelehrt nachspricht.
S. 195 ...(a n t i g o e t
h e s c h). Kupferstecher Karl Barth, in Rollet's genanntem
Buch S. 254
angeführt. Goethe selber erklärt den besonderen Ausdruck auf
diesem Bilde durch den Schmerz über den Tod Carl August's: „So
wurde denn auch das Ausmalen durch die Exaltation, in die uns jede
Leidenschaft versetzt, auf eine sonderbare Weise begünstigt“
(Brief an Boisserée, 4. 7. 28).
S. 196 ...(redet an).
Ich rede natürlich von der Originalmaske, von der jetzt getreue
Nachbildungen von den Gebrüdern Micheli in Berlin zu beziehen
sind, versehen mit dem Stempel des Goethe-Nationalmuseums; hingegen die
verbreitete „Bearbeitung“, mit geöffneten Augen und
abgeglätteten Gesichtszügen als Dokument geringen Wert
besitzt.
S. 198 ...(Z e u g n i s g
i b t). Wanderjahre,
1. Buch, 10. Kap. Die Ausgabe letzter Hand und
nach ihr eine Anzahl anderer haben statt „beharrlich Bewegtes“ ein
nichtssagendes „herrlich Bewegtes“. Auch diese Emendation stammt von
dem uns schon bekannten Professor Göttling (zu S. 141); ils n'en
font jamais d'autres!: Der gute Philolog konnte sich nicht
vorstellen,
wie das zugehen sollte, zugleich bewegt und beharrlich sein; und doch
hätte jeder Blick empor zum Tages- oder Nachthimmel ihn
darüber belehren können; lieber aber ließ er uns ein
Denkmal seiner gelehrten Dazwischenkunft, strich schnell Goethe's
handschriftlich bezeugtes „beharrlich“ und setzte dafür das
pathetische, sinnleere „herrlich“.
S. 258 ...(Wissenschaften). Man schlage z. B. Ludwig
Tesar: „Die Mechanik“, 1909,
S. 202, auf: Der Ausgangsort aller Kraftäußerung ist ein
Punkt; dieser Punkt ist das wahre Atom im reellen und doch
unstofflichen Sinne des Wortes; er ist das „einzige Reale“ in der
unorganischen Natur; er ist ausdehnungslos und unteilbar. ... Also
für unsere exakte Wissenschaft ist das einzige Reale unstofflich
und ohne Ausdehnung! Alle anderen Behauptungen, die sie gelegentlich
aufstellt, sind lediglich allegorisch zu verstehen.
S. 268 ...(zutreffen).
Die Phantasie ist ein persönlicher Koeffizient, dessen Wert in
einem Werke der Kunst gleich x bleibt und Auflösung weder
erfordert noch zuläßt, wogegen er einer objektiven Natur
gegenüber genauere Bestimmung erheischt. Das, was man in der Kunst
„die Unfehlbarkeit eines echt genialen Werkes“ nennen kann, wo einzig
der Stoff, die bruta materia,
dem Schaffen schrankenbildende Hemmnisse
des Ausdrucks entgegenstellt, ist nicht in ähnlicher Weise hier zu
erwarten, wo eine objektiv vorhandene, vollendet ausgestaltete Natur
der Schöpferkraft als Unterlage und Thema dient, sie zugleich von
allen Seiten bestimmend und begrenzend.
S. 295 ...(z u s a m m e
n s e t z e n). Brief an Boisserée, 27. 5. 17.
Goethe spricht
hier von dem beklagenswerten Einfluß, welchen die „Anarchie, die
einen schwankenden Empirismus jeder geprüften, anerkannten
Gesetzlichkeit vorzieht“, auf die Kunst ausübt; doch heißt
es zu Beginn dieser Ausführung: „In Kunst wie in Wissenschaft“ ...
Schade, daß ihm Ronsard's prächtige Ironisierung unbekannt
war:
772 ANHANG
Les petits
corps,
culbutants de travers,
Par
leur descente en biais vagabonde,
Heurtés
ensemble, ont composé le monde,
S'entr'accrochants
d'accrochements divers.
(„Le premier livre des
Amours“, sonnet 37).
S. 304 ...(verloren). Die
Frage des Maßstabes wirft gerade innerhalb der allerexaktesten
Wissenschaft viel heiklere Fragen auf als der Laie ahnt; um gemessen,
ja, um überhaupt nachgewiesen zu werden, muß jede Bewegung
auf irgend ein ihr gegenüber unbewegliches „Bezugssystem“
zurückgeführt werden; und hier schwankt alles: weder die Erde
noch das Sonnensystem liefern — selbst nicht für rein mechanische
Probleme — ein bei allen Fällen ausreichendes Bezugssystem; die
zunehmende Kenntnis aber derjenigen Phänomene, als deren „Ort“
(wenn ich mich so ausdrücken darf) man sich den hypothetischen
„Äther“ vorzustellen gewohnt war, hat zu einer noch verwickelteren
Erkenntnis geführt, welche immer zwingender nötigt, die
Elektrodynamik und die Mechanik als zwei getrennte Gebiete zu
behandeln, woraus dann aber folgt, daß der Begriff „Bewegung“ ein
schillernder wird und „es keinen physikalischen Sinn hat, von der
Geschwindigkeit als etwas Absolutem zu reden“. So schwimmt und schwankt
es innerhalb der Wissenschaft, was aber ohne Nachteil wäre, wenn
nicht unter uns der Wahn herrschte, diese Wissenschaft selbst für
„etwas Absolutes“, anstatt für ein ewig Relatives zu halten. Denn
sicher ist, daß für uns Menschen nur ein einziger
Maßstab sich als „absolut“ bewähren kann: der Mensch.
(Vergl. M. Laue: „Das Relativitätsprinzip“, 1911, S. 6. Die
empfehlenswerteste mir bekannte Zusammenfassung über diese
schwierige Frage.)
S. 305 ...(aufmerksam
macht). Diese Formel hatte ich in gut gelaunter Stunde als
übermütigen Spaß erdacht; nachträglich erfahre ich
aber, daß dieser angeblich „wissenschaftliche“ Unsinn schon in
priesterlichem Ernste sich hervortut. Wilhelm Ostwald, auf dessen
Schultern der Prophetenmantel des greisen Haeckel herabglitt (ich sehe,
es kommt noch der Tag, wo wir diesen in seiner kindlichen Arglosigkeit
zurückersehnen!), Wilhelm Ostwald, der als Physikochemiker die
strenge Schule wahrer Exaktheit hinter sich hat, löst heute alle
Fragen der Psychologie und Moral, teils chemisch, (wobei die Katalyse
entscheidend mitwirkt), teils physisch. Sannen z. B. Dichter, Denker
und Heilige der Vergangenheit sorgenvoll über die Frage nach: was
ist des Menschen Glück? so kann sie Ostwald billig verachten; dem
„exakten Forscher“ bietet eine derartige Frage nicht die geringste
Schwierigkeit. Denn wenn G
die gesuchte Glückssumme bezeichnet, E
die Energiemasse des betreffenden Individuums, W seinen
Willenskoeffizient (der aber, notabene, „widerwillig“ ausgeübt
wird), so lautet die Formel:
G = (E + W) (E - W).
Wer hinfürder auf
dieser Welt nicht glücklich ist, hat es sich selber zuzuschreiben.
S. 319 ...(entspringen).
In diesem Zusammenhang verdient ein Aufsatz von Painlevé: „La
Mécanique“ (in dem Sammelwerk „De la méthode dans les
Sciences, 1910“) alle Beachtung. Hier weist dieser hervorragende
Fachmann nach, die moderne Mechanik — Galilei, Huyghens, Newton — sei
nicht, wie uns immer gelehrt wird, aus der Beobachtung entsprungen,
vielmehr aus vorgefaßten Begriffen und Ideen, die zum Teil
scholastischen Ursprungs sind. C'est par un effort
logique que les axiomes de la mécanique ont été
déduits du principe de causalité. ... Ce sont des
idées générales, précédant toute
expérience scientifique, qui ont engendré les axiomes de
cette science, et le rôle de l'expérience a
été surtout de préciser ces idées
générales et de guider les tâtonnements
qu'entrainait leur interprétation (p. 110 suiv.).
S. 327 ...(ausgelernt
haben). Trotz einer Anzahl interessanter Einzelstudien, die
773 ANHANG
wir tüchtigen
Naturforschern verdanken, ist, meines Erachtens, noch nicht der Anfang
zu einer wahren Einschätzung von Goethe's Gesamtleistung gemacht,
da noch keiner das Eigenwesen dieser Deutung der Natur durch
„schöpferisch unabhängige Seelenkraft“ klar erfaßt hat.
S. 342 ...(w a h r n e h
m e n). Kelvin: „The six
gateways of knowledge“. Mancher Physiker
ist freilich kühner; so erzeugt z. B. Lodge im finstern
Hörsaal auf elektromagnetischem Wege unsichtbare „Schwingungen“
und versichert sein Auditorium: „Dieser Saal, obwohl Sie im Dunkeln zu
sitzen wähnen, ist voller Licht, gerade so guten Lichtes wie
irgend ein anderes; wenn Sie dessen nicht gewahr werden, so liegt die
Schuld nicht am Licht, sondern an Ihren Augen“ (The Ether of Space, p.
8).
S. 342 ...(aussprechen). In seinem sehr
empfehlenswerten Buche „Goethe als
Naturforscher“, 1906, S. 175 ff., zeigt der Pharmakolog Professor
Magnus, inwiefern die heutige Wissenschaft — die man „exakt“ zu nennen
gewohnt ist — unter dem einen Wort Licht drei ganz verschiedene
Phänomene versteht: den die Schwingungen erregenden Körper,
die Schwingungen selbst (oder vielmehr dasjenige Phänomen, das wir
uneigentlich als Schwingung im Äther uns vorzustellen beliebten),
und drittens, die Empfindung in einem mit Augen begabten Lebewesen; und
Magnus meint, aus dieser Vieldeutigkeit entstehe „eine heillose
Verwirrung der Nomenklatur“. Ich füge hinzu: diese Verwirrung ist
die unausbleibliche Folge eines heillos verworrenen Denkens.
S. 347 ...(Deutung
nennen). Magnus sagt: „Die physiologische Optik des 19. Jahrhunderts
geht in ihren Wurzeln direkt auf Goethe's Farbenlehre zurück.“
Vergl. auch Jacob Stilling: „Über Goethe's Farbenlehre“ in den
Straßburger Goethevorträgen, 2. Abdruck, 1899, S. 147 ff.
Wohingegen die Herren Philologen auch hier das Unglaublichste an
Beschränktheit und verbohrtem Nichtverstehenwollen leisten; man
sehe nur die Einleitung in Band 39, 40 der Cottaschen
Jubiläumsausgabe!
S. 348 ...(bezeugt). Im
„Handbuch der physiologischen Optik“, Ausg. von 1867, S. 268, schreibt
Helmholtz: „Die Versuche, welche Goethe in seiner Farbenlehre angibt,
sind genau beobachtet und lebhaft beschrieben, über ihre
Richtigkeit ist kein Streit.“
S. 356 ...(d i e R e d e
s e i n). Handschriftliches zur Farbenlehre. An der selben,
erst 1906
veröffentlichten Stelle zeigt Goethe, daß man auch von
fünf, von sieben und von acht Grundfarben reden könnte, jede
derartige Erörterung zeige aber, „daß man nicht wohl
überlege, wovon die Rede sei“.
S. 361 ...(Cope). Siehe
dessen „The Primary factors of
organic Evolution“, 1896,
namentlich Kap. 9, „The energy of
Evolution“, wo Cope ausführt,
man könne das Nichtlebende vielleicht als Erzeugnis des Lebenden
auffassen, niemals aber umgekehrt das Lebende als hervorgebracht durch
das Nichtlebende (siehe namentlich S. 482 ff.).
S. 361 ...(Uexküll).
Man studiere in erster Reihe die unvergleichliche kleine Schrift:
„Umwelt und Innenwelt der Tiere“, 1909, und hierin vor allem das
Kapitel: „Das Protoplasmaproblem“.
S. 380 ...(umgebildet
wird). Man vergl. z. B. Goebel: „Organographie der Pflanzen“ 1898, 1, 1
ff. Wenn z. B. die grundständigen Laubblätter von Lilium
candidum später in ihrem unteren Teile zu
schuppenförmigen Reservestoffbehältern auswachsen,
während der obere Teil abstirbt, so haben sie eine Umbildung —
eine wirkliche, faßbare Metamorphose — erlitten (S. 6). Nur in
diesem Sinne kann exakte Wissenschaft dem Begriffe einer Metamorphose
Bürgerrecht gewähren. Auf die tiefere Frage der Beziehungen
zwischen Gestalt und Funktion einzugehen, ist hier der Ort nicht,
wenngleich sie Goethe manchmal beschäftigt hat (so z. B. in seinem
unvergleichlichen Aufsatz über „Die Skelette der Nagetiere“.
774 ANHANG
S. 382 ...(1832). Um
vollständig zu sein, müßte man natürlich auf
Hutton's Theory of the earth,
erschienen 1796, hinweisen. Die deutschen
Bücher pflegen Hutton bloß als ersten Vulkanisten
anzuführen; sein wahrhaft schöpferischer Gedanke ist aber
der, daß „geringe Ursachen, durch lange Zeiten wirksam, die
ungeheuersten Veränderungen auf der Erde hervorbringen
können“ (a. a. O. 2, 205). Es wäre verwunderlich, wenn
Goethe, der alles Ausforschende, von diesem Werke oder wenigstens von
der darin ausgesprochenen Tendenz nichts erfahren hätte; ich
erinnere mich aber nicht, dem Namen bei ihm begegnet zu sein.
Ebensowenig bin ich dem meines Urgroßvaters, Sir James Hall,
begegnet, dem eifrigen Schüler Hutton's, dessen Experimente
über die Entstehung der metamorphischen Gesteine geeignet gewesen
wären, Goethe's leidenschaftliche Aufmerksamkeit zu erregen.
S. 397 ...(gepriesen).
Ich nenne Sömmerring, Seebeck, Johannes Müller, Purkinje,
Nees von Esenbeck, Alexander von Humboldt, Schleiden, Alexander Braun,
Helmholtz, Virchow, Ferdinand Cohn, Julius Wiesner.
S. 413
...(einzuführen). Man vergl. Grimm's „Wörterbuch“
unter K u n
s t. Den dort betonten Einfluß Voltaire's will ich nicht
anzweifeln, doch mache ich aufmerksam, daß wir die
Gegenüberstellung Kunst — Natur genau im heutigen Sinne zwei
Jahrhunderte früher unter den Dichtern der Pléïade
finden,
z. B. in den Versen:
Ce
procès tant
mené et qui encore dure,
Lequel
des deux vaut
mieux, ou l'Art ou la Nature.
Auch Montaigne schreibt
(Essais, 3, 5): Si j'étais du
métier je naturaliserais
l'art autant comme ils artialisent la nature.
S. 418 ...(erfahren
haben). Man schlage für Näheres nach in Wundt's
„Physiologische Psychologie“, 2. Abschnitt, Kap. 8; in der 5. Aufl., S.
367, sowie vorher und nachher.
S. 423 ...(erblicken).
Hin und wieder tritt bei Goethe eine Umkehrung des Vorgangs auf, welche
die enge Zusammengehörigkeit beider Sinnesbetätigungen bei
ihm bestätigt; so wenn er in der „3. Ode an Behrisch“ die Sonne
„das donnernde Rad“ nennt, oder im Anfang des zweiten Teiles Faust von
der aufgehenden Sonne sagt: „Welch' Getöse bringt das Licht!“
S. 424 ...(vollendet
wird). Man vergl. in Wagner's „Über das Operndichten und
Komponieren“ (Gesammelte Schriften, 10, 225 ff.) die Schilderung von
der Art, wie er zuerst seine Gestalten mit Augen erblicke und erst
später aus ihren Lippen die Musik vernehme, worauf dann dem
Gesichtssinn „alles verschwinde“. Es ist die genaue Umkehrung des
Vorganges bei Goethe.
S. 431 ...(W i r k l i c
h k e i t e n). Sehr belehrend wirkt es, das Urteil eines
großen
Wirklichkeitskünstlers zu hören. Richard Wagner, so hoch er
auch Goethe's Werke verehrte, nennt es „ganz unkünstlerisch“ und
„ein unmögliches Drama“: was aber nur von seinem Standpunkt als
Wirklichkeitskünstler aus zugegeben werden kann. Dieses Drama wird
gerade dadurch „möglich“, daß es auf die Bühne
verzichtet; wie denn Wagner selber einmal das Wort darüber
gesprochen haben soll: „für die Bühne gedacht mit Vergessen
aller Bühnen“ (Wolzogen: Erinnerungen, S. 17). Indem es die
alleinige Phantasie zu der allerhöchsten Leistung aufruft, gewinnt
es einen solchen Grad von Reinheit, daß es unter den Werken der
Wahnkunst das Prädikat einer vollendet „künstlerischen“
Gestaltung verdient; es sei denn, man sage mit Goethe, reine und echte
Poesie dürfe überhaupt nicht zu Kunst gerechnet
werden, weil sie außerhalb alles Technischen stehe. (Vergl. das
Motto zu diesem Kapitel mit R. Wagner's Gesamm. Schr., 10, 191.)
S. 482 ...(ermahnt). So
z. B. in bezug auf sein Dichtung und
Wahrheit: „Lesen Sie hie und da
zwischen den Zeilen was nicht auf dem Blatte steht“ (Brief an Marianne
von Willemer, 23. 7. 30).
775 ANHANG
S. 484 ...(m e i n L i e
d). Harzreise im Winter. Da der Leser die achtundachtzig
kurzen Verse
dieser Dichtung sich gegenwärtig halten muß, um den
Ausführungen folgen zu können, werden nähere Belege zu
den einzelnen Zitaten daraus auf den folgenden Seiten nicht gegeben
werden.
S. 490 ...(D a s e i n i s t).
Wer die Bedeutung dieser Besteigung für die tiefgewaltige
Erfassung des eigenen Ich ermessen will, lese den Aufsatz „Über
den Granit“: „So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen ganz
nackten Gipfel hinabsehe, und kaum in der Ferne am Fuße ein
geringwachsendes Moos erblicke, so einsam, sage ich, wird es dem
Menschen zu Mute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten
Gefühlen der Menschheit seine Seele eröffnen will.“
S. 518 ...(Gehörs).
Siehe z. B. Brief an Zelter 9. 11. 29. Übrigens hat Goethe in
früher Jugend auch Gesang geübt und Flöte geblasen.
S. 525 ...(U r w o r t e. O r p h i s c
h.) Gott und Welt, „Urworte. Orphisch“. Der ernste Leser
wird wohltun, diese Dichtung in der Weimarer Ausgabe aufzuschlagen, wo
Goethe's Paraphrase aus „Kunst und Altertum“ mit abgedruckt ist, und wo
er die Varianten des ersten Druckes in den Heften „Zur Morphologie“
verzeichnet findet.
S. 530 ...(Ä o l s h
a r f e n). „Äolsharfen, Gespräch“. Da dieses
Gedicht wenig
bekannt ist und der Text dessen Kenntnis voraussetzt, drucke ich es
hier ab.
Er.
Ich dacht' ich habe
keinen Schmerz,
Und doch war mir so bang
ums Herz,
Mir war's gebunden
vor der Stirn
Und hohl im innersten
Gehirn —
Bis endlich Trän'
auf
Träne fließt,
Verhaltnes Lebewohl
ergießt. —
Ihr Lebewohl
war heitre Ruh,
Sie weint wohl jetzund
auch wie du.
Sie.
Ja, er ist fort, das
muß nun sein!
Ihr Lieben, laßt
mich nur allein,
Sollt' ich
euch seltsam scheinen,
Es wird nicht ewig
währen!
Jetzt kann ich ihn nicht
entbehren.
Und da muß ich
weinen.
—————
Er.
Zur Trauer bin ich nicht
gestimmt
Und Freude kann ich auch
nicht haben;
Was sollen mir die reifen
Gaben,
Die man von jedem Baume
nimmt!
Der Tag ist mir zum
Überdruß,
Langweilig ist's, wenn
Nächte sich befeuern;
Mir bleibt der einzige
Genuß,
Dein
holdes Bild mir ewig zu erneuern,
Und fühltest du den
Wunsch nach diesem Segen,
Du kämest mir auf
halbem Weg entgegen.
Sie.
Du trauerst, daß
ich nicht erscheine,
Vielleicht entfernt so
treu nicht meine,
Sonst
wär' mein Geist im Bilde da.
Schmückt Iris wohl
des Himmels
Bläue?
Laß regnen, gleich
erscheint die Neue,
Du weinst!
Schon bin ich wieder da.
776 ANHANG
Er.
Ja, du bist wohl an Iris
zu vergleichen!
Ein liebenswürdig
Wunderzeichen.
So schmiegsam herrlich,
bunt in Harmonie
Und immer neu und immer
gleich wie sie.
—————
Die Gegenwart weiß
nichts von sich,
Der Abschied fühlt
sich mit Entsetzen,
Entfernen zieht dich
hinter dich,
Abwesenheit allein
versteht zu schätzen.
S. 545 ...(leiden). Die
erst in der Ausgabe letzter Hand eingeführte Änderung des
zarten „ihr“ in „ihm“ ist ohne Zweifel dem unheilvollen Philologen und
Pedanten Göttling zuzuschreiben, der, Goethe's Vollmacht
mißbrauchend, noch so manchen anderen feinen Zug verwischt hat.
Auch ist die Lesung „mußte“ der ersten Ausgabe von Goethe's
Schriften, die sowohl Herder wie Goethe selber korrigiert hatten, der
jetzigen Lesung „mußt“ vorzuziehen, welche sich erst in der
Ausgabe von 1806—1810, mitten in den Kriegsunruhen, einschlich.
S. 560 ...(s c h i c k
t). Faust, zweiter Teil, 2. Akt.
Ich wache ja! O laßt
sie walten
Die unvergleichlichen
Gestalten,
Wie sie dorthin mein Auge
schickt.
S. 566 ...(ausführen).
Vergl. Tagebuch, 24. 1. 32. „Neue Aufregung zu Faust
in Rücksicht
größerer Ausführung der Hauptmotive, die ich, um fertig
zu
werden, allzu lakonisch
behandelt hatte.“
S. 571 ...(z u s t e i g e n).
Wer sich vergegenwärtigen will, welche ungeheure Kraft lebendiger
Kunstwirkung Goethe der genial vorgetragenen Ballade zuschreibt,
muß „Wilhelm Meister's Lehrjahre“, 2. Buch, 11. Kap.
nachschlagen, wo es von dem Harfner heißt: „Wie sehr
beschämt dieser Mann manchen Schauspieler! (in W. M.'s
Theatralischer Sendung lesen wir: Wahrhaftig, dieser Mensch
beschämt uns alle!) Haben Sie bemerkt, wie richtig der dramatische
Ausdruck seiner Romanze war? Gewiß, es lebte mehr Darstellung in
seinem Gesang als in unsern steifen Personen auf der Bühne; man
sollte die Aufführung mancher Stücke eher für eine
Erzählung halten und diesen musikalischen Erzählungen (in W.
M.'s Th. S. steht: diesen dichterischen Erzählungen) eine
sinnliche Gegenwart zuschreiben.“ Man lese auch das ganze 13. Kapitel
von neuem, um sich einen Begriff von Goethe's Verhältnis zur Musik
zu machen.
S. 585 ...(Instinkt). Es
gehört zu dem Antinomischen in Goethe, daß er in der
Erforschung der Natur gern zur Abrundung eilt, beim Dichten dagegen
weit eher davor scheut, „das Wort zum Buch erstarren“ zu sehen
(Maskenzug, „Die romantische Poesie“).
S. 641 ...(fällt).
Selbst die sogenannten Gesetze der Gravitation stimmen in der
vereinfachenden Formel, die der Menschengeist dafür fand, nicht
genau. So hat z. B. Brown gezeigt, daß wahrscheinlich nicht das
Quadrat der Entfernung der Wirklichkeit entspricht, sondern eine um ein
wenig höhere Potenz, etwa 2.000 000 04. Aber selbst unter dieser
Annahme ist es unmöglich, die tatsächlichen Bewegungen des
Mondes mit den theoretisch berechneten in Einklang zu bringen. (Siehe
Newcomb, angeführt von Arthur A. Hinks: „Astronomy“, S. 130 ff.)
S. 654 ...(entstehen).
Für nähere Belege siehe Houston Stewart Chamberlain: „Goethe,
Linné und die exakte Wissenschaft der Natur“, in der
„Festschrift zu Julius Wiesner's siebzigstem Geburtstag“, 1908, S. 225
ff. Linné's Idee der Mutation wurde später in erweiterter
Form von Schopenhauer, Kölliker und Thury wieder aufgenommen.
777 ANHANG
S. 662 ...(angezettelt).
Gott und Welt, „Antepirrhema“, Vers 7 ff. Daß Goethe in einem
Gespräch gesagt haben soll, die Natur „könne zu allem, was
sie machen will, nur in einer Folge gelangen“, entspringt einem andren
Gedankengang, als angenommen zu werden pflegt; da Goethe die Ursachen
verwirft, kann er auch nicht die Wirkungen zur Grundlage seiner
Naturdeutung machen; vielmehr handelt er, wie wir hörten, nur von
„Bedingungen“; und da ist die hier gemeinte F o l g e
ein notwendiges
Ergebnis aus der Überzeugung von der „Gemeinschaft aller
Organisation“, von der „Verbindung“ zwischen allen lebendigen Wesen.
Bestünde diese „Folge“ nicht, so wären wir wieder beim
Atomismus der Evolutionisten angelangt. Mit obigen Worten hat also
Goethe genau das Gegenteil dessen sagen wollen, was ihm in den Sinn
gelegt wird.
S. 677 ...(gefallen).
Einmal nimmt sogar, mit offenbarem Bezug auf den lateinischen genius,
Goethe das Wort als „schönste Blüte der Sprache“ in Schutz
(Dichtung und Wahrheit, 19.
Buch).
S. 681 ...(h e r v o r b r
i n g t). Vorträge über den Entwurf einer allgem.
Einleitung
in die vergleichende Anatomie. Hier wie überall muß der
Leser nicht unterlassen, den Wert der einzelnen Wörter genau zu
erwägen. Ebenso wie Goethe einmal — ein einziges Mal — das Genie
als eine „Kraft d e s Menschen“ bezeichnet (Dichtung und Wahrheit, 19.
Buch), wo er nach sämtlichen anderen Äußerungen
darunter eine allgemeine Kraft versteht, die, wie in der Natur,
auch i
m Menschen zur Erscheinung gelangen kann, ebenso redet er
hier von dem
„Genie der Natur“, wo ihm, wie der ganze Zusammenhang offenbart, einzig
daran liegt, mit aller Energie zu betonen, in der unindividuellen Natur
gelange das Genie „gewisser und unzweideutiger“ zur Erscheinung,
hingegen jede Monade, infolge ihrer notwendigen, scharfen,
organbildenden Beschränkung, dieser Schöpferkraft ihren
eigenen Stempel aufdrücke, was hier und dort zu „sehr zweideutigen
Wirkungen“ führen könne. Man schlage übrigens in der
Schrift Über Wahrheit und
Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke die Stelle
nach, die von dem „übernatürlichen, aber nicht
Außernatürlichen“ handelt; hier wird genau bezeichnet,
inwiefern
der Künstler „über der Natur ist“, inwiefern aber auch alle
Kunst in einer systematischen Deformation des Naturgegebenen besteht,
was sehr leicht zu Zweideutigkeit führen muß. Herrlich an
der Goetheschen Auffassung ist ihre Lebensfülle, wogegen die
physiologische Auffassung des Genies — so viel sich sonst zu ihren
Gunsten vorbringen läßt — einem kosmischen Problem
gegenüber doch recht engbrüstig anmutet und außerdem
leicht zu einem widerwärtigen Bonzendienst führt, der die
Freiheit des Urteils vernichtet und zu aller übrigen Dogmatik die
unerträgliche Plage einer neuen hinzufügt.
S. 717 ...(Bücher).
Man übersehe jedoch nicht, daß gerade Goethe an die
Zusammenstellung eines großen „Volksbuches historischen Inhalts“
für die Deutschen gedacht hat, bestimmt „mit dem biblischen zu
wetteifern“ und es mit der Zeit zu verdrängen. „Zwar möchte
man vor einem solchen Vornehmen erschrecken. Aber eben das ist recht.
Wenn eine Tat folgenreich sein soll, so muß der Unternehmende
selbst davor erstaunen.“ (Vorarbeiten zu einem deutschen Volksbuch.)
S. 732 ...(machte).
Annalen, 1811. — Wenn Goethe diese seine „Vorstellungsart“ auch hier
wieder in eine gewisse Beziehung zu Spinoza zu stellen scheint, so
begeht er damit einen Irrtum, der bei Poeten in ihrer Beurteilung der
Philosophen öfters vorkommt. Schon längst haben
philosophische Fachmänner auf die Unmöglichkeit aufmerksam
gemacht, Goethe's Anschauungen mit den Grundlehren Spinoza's in
Einklang zu bringen. Benno Erdmann schreibt 1878 in seinem Buche
„Kant's Kriticismus“ (S. 102), Goethe habe Spinoza „in seine Eigenart
umgewandelt“, und Bruno Bauch
778 ANHANG
belehrt uns in den
„Preußischen Jahrbüchern“ für März 1904 (Band 115,
519), Goethe stehe „seinem ganzen Wesen gemäß dem
großen jüdischen Denker viel ferner als er es selber ahnt
und als man überhaupt im allgemeinen glaubt“. In einer
ungewöhnlich interessanten Schrift, „Spinozismus“, von Dr. M. E.
Gans (Wien, 1907), einem glühenden, kenntnisreichen Verehrer des
Philosophen, spricht der Verfasser seine Überzeugung aus: „Niemand
hat
das Wesen des Spinozismus gründlicher mißverstanden als
Goethe“ (S. 101). Eine unerwartete Bestätigung bringt Goethe
selber, indem er nicht allein gesteht, er habe überhaupt die Werke
Spinoza's niemals „in einer Folge gelesen“ und niemals dessen
Gedankengebäude „überschaulich vor der Seele“ erblickt,
sondern des weiteren bekennt, beides erlaube ihm die eigene
„Vorstellungsart“ nicht, welche von derjenigen Spinoza's abweiche
(Briefe an Jacobi, 9. 6. 85 und 21. 10. 85). Das bis zur näheren
Berührung mit Schiller krampfhaft festgehaltene Verhältnis zu
Spinoza entstammt nicht eigenem Triebe und eigenem Instinkt, vielmehr
erkennt man darin eine bedenkliche Zugabe Herder's, dessen
Unzulänglichkeit in philosophischen Fragen Goethe erst aus
Schiller's Belehrungen erkennen lernte. Herder hatte sich schon in
seinen Rigaer Jahren intensiv mit Spinoza beschäftigt, dessen
Weltanschauung einen verhängnisvollen Einfluß auf seine
ganze fernere Entwickelung gewann. Dem Theologen erschien diese
„jüdische Religionslehre ins Abstrakte übertragen“ (siehe
Jowett: „The Dialogues of Plato“,
3. ed. 2, 21), als willkommene
Brücke, um aus den ihm aufgezwungenen engen Anschauungen des Alten
Testamentes zu kosmischen Gedanken zu gelangen; darum hielt er fest
daran; hingegen einem Goethe diese zugleich abstrakte, rabbulistische
und mathematische Denkart f e r n e r a l
s i r g e n d e i n e m M e n s c h
e n a u f d e r W e l t
l i e g t. Einzig der Einfluß des gelehrteren Freundes,
des
„großen Künstlers von Blendwerken“ (wie ihn Kant nannte),
hat den reinen Instinkt des Naturschauers und Poeten irreführen
können; das hat schon vor vielen Jahren Bernhard Suphan gezeigt
(vergl. „Goethe und Spinoza“, in der Festschrift zur 2.
Säkularfeier des Friedrich-Werderischen Gymnasiums in Berlin,
1881, S. 23 ff.): „Goethe hat die Gesichtspunkte, welche ihm das Ganze
des Spinozischen Systems überschaulich machten, von Herder
angenommen.“ Das geht so weit, daß er Aussprüche Herder's
sich wörtlich aneignet und für echt spinozistisch hält.
Sehr bezeichnend ist es, daß Herder, um sein Ziel zu erreichen,
sich noch der Beihilfe einer Frau bedienen mußte, nämlich
der durchaus rationalistisch veranlagten, leidenschaftslosen Charlotte
von Stein; in einem Widmungsgedicht nennt Herder Spinoza „den Weisen,
den du (Charlotte) gefällig ihm (Goethe) machtest“ (siehe Brief
Goethe's an Charlotte von Stein, Ausg. von Wahle, 1900, 2, 551), und
das einzige karge Blatt in Goethe's gesamtem Nachlaß, das sich
auf
Spinoza's Lehre zu beziehen scheint (obwohl sein Name nicht genannt
wird), ist von Frau von Stein's Hand und enthält nicht eine
einzige Wendung, welche auf eine Beteiligung Goethe's schließen
ließe, (wenn es auch wegen des Fundorts in der Weimarer Ausgabe
aufgenommen worden ist). Von dem Augenblick an, wo Schiller ihn
aufklärte, hat Goethe nie mehr gewankt: die Berührung mit
Spinoza lebte zwar als dankbare Erinnerung an ferne Zeiten in seinem
Gedächtnis fort, doch war es nunmehr Kant's Lehre, die er seinen
„frühesten Überzeugungen“ gemäß fand (Brief an J.
S.
C. Schweigger, 25. 4. 18), und zwar nach den beiden Richtungen hin, auf
die es ihm bei philosophischer Besinnung ankam: für seine
Erforschung der Natur, für seine Befassung mit dem Wesen aller
Kunst.
S. 741 ...(w a
s s i e w i l l). Maximen und
Reflexionen. Der
etwaige Einwurf, obiger Spruch richte
sich nicht besonders gegen politische Zustände, sondern gegen jede
Majoritätsherrschaft, auch in anderen Fragen, ist ohne Kraft.
779
REGISTER DER EIGENNAMEN
Agassiz, Louis 261; 380; 381.
Alexander I.,
Kaiser von Rußland, 156—157.
Amalie, Herzogin-Witwe
von Weimar 22; 46 zit.; 53.
Anaxagoras 273—275; 277; 286; 297; 302; 309; 751.
Aristophanes 573.
Aristoteles 94; 302; 311; 312; 511; 729.
Arndt, Ernst Moritz 163 zit.
Augustinus 276; 394; 699; 722; 760.
Bach, Johann Sebastian 136; 474; 476; 523; 723.
Bacon, Francis 303; 308; 623; 630 u. zit.
Bacon, Roger 182; 303; 308 zit.
Baer, Karl Ernst von 377.
Balzac 653 zit.; 731 u. zit.
Batteux 428 u. zit.
Baudelaire 550.
Beaumarchais, Pierre Auguste de 239.
Beck, Joh. Christ. 244.
Beethoven 6; 7; 10; 412; 417; 420; 723; ü. G. 435; 488 (2); 514;
522; 657.
Behrisch, Ernst Wolfgang 29; 98.
Bellay, Joachim du 106 u. zit.
Belluomo, Joseph 240.
Berkeley 307.
Berthier, Alexandre 157.
Bismarck, Fürst 221; 229; 722.
Bissing, Henriette von 45 zit.
Böhme, Jakob 278 zit.
Boisserée, Sulpiz 123; 135; 161; 504; 510.
Bonnet, Charles de 654.
Börne,
Ludwig 747; 748; 749.
Böttiger, Carl August 246.
Boucke, Ewald A. 269 zit.
Bovy, Antoine 194.
Boyle, Robert 351.
Brentano, Bettina 718.
Brentano,
die Familie 120.
Brentano, Maximiliane 36; 518.
Brentano, Peter Anton 36.
Brion, Friederike 34—35; 69; 75; 99; 104.
Bruno Giordano 90 zit.; 278 zit.; 283 zit.; 293; 307; 634 zit.
Büchner, Ludwig 281.
Buddha 581.
Buff, Lotte 36; 69; 75; 91; 99.
Buffon 653.
Bürger, Gottfried August 142; 556.
Büttner, Christian Wilhelm 166.
Byron 99; 527.
Caesar 736.
Calderon 3 zit.
Calvin 152.
Camper, Petrus 265 ü. G.; 377.
Carl August, Herzog (Erbprinz, Erbherzog, Großherzog) von Weimar,
— Über: 42; 74; 228; 240; 246; 247.
— und G.: 39—43; 74; 123; 133; 139; 213; 215—217; 222; 223; 242—248;
362; 559.
— zit.: 40; 44; 133.
— über G.: 23; 133; 207.
— erwähnt: 20; 44; 50; 54; 55; 115; 121; 123; 142; 209; 213; 223;
227; 228; 231; 232; 234; 236; 238; 240; 246; 247; 487; 492; 559.
Carlyle, Thomas 23 ü. G.; 43; 267; 581 ü. G.; 721 u. ü.
G.
Carus, Karl Gustav 378.
Cervantes 527.
Chamfort 684 zit.
Chaucer 99; 726.
Cicero 609.
Cohn, Ferdinand 265 ü. G.
Condillac 295.
Cope, Edward Drinker 361.
Cotta, Johann Friedrich von 158; 234.
Coudray, Clemens Wenzeslaus 81; 125.
Couturat, Louis 112 u. zit.
Cromwell, Oliver 221; 722.
Currie, Mme. 389.
Cuvier 261; 470; 610 zit.; 654.
Dante 24; 676; 722.
Daru, Pierre Bruno Graf 153.
780 REGISTER
DER EIGENNAMEN
Darwin, Charles 263; 374; 379;
386 u. zit.; 470; 651; 653 u. zit.
David, Jaques Louis 195.
Dawe, George 194.
Demokrit 302; 358; 391.
Descartes 6; 96; 282 zit.; 303; 304; 341; 393 u. zit.
Desor, Eduard 381.
De Vries, Hugo 654.
Diderot 23; 239; 541; 654; 676.
Döbereiner, Johann Wolfgang 211; 328.
Dove, Heinrich Wilhelm 341.
Dürer, Albrecht 85; 428 u. zit; 473; 636.
Eckermann, Johann Peter 120; 125; 249; 617; 636;
zit.: 38; 126; 134;
509; 559; 676; 738.
Eckhart, Meister 278 zit.; 608 zit.; 728 zit.; 733.
Eckhof, Konrad 238.
Egil 106.
Egloffstein, Gräfin Julie von 73.
Eichstädt, Heinrich Karl Abr.
119; 231; 232; 243.
Emerson, Ralph Waldo 23.
Euklid, 638.
Fahlmer, Johanna 86 ü. G.; 110 u. ü.
G.; 111 (2) ü. G.
Faraday, Michael 688; 723.
Fechner,
Gustav Theodor 731 zit.
Flaubert, Gustave 247 zit.; 324 zit.
Franziskus 278;
280; 760.
Fraunhofer, Joseph von 320.
Friedrich der Große 25; 208 (2); 219; 221; 723.
Fritsch, G. F. von 57.
Füeßli, Johann Heinrich 122.
Galilei 303; 319.
Gellert, Christian Fürchtegott 29; 682.
Giotto 435.
Gluck 568.
Goethe siehe das folgende Register.
Goethe, August von 70; 74; 78; 115 ü. G.; 119; 504; 510; 559.
Goethe, Cornelia 27; 48; 75.
Goethe,
Christiane von 18; 23; 69—72 zit.; 70; 75; 110; 111.
Goethe, Johann Caspar 25—27; 150; 177; 206.
Goethe, Katharina Elisabeth 22—26; 22 zit.; 69 zit.; 206; 212; 895.
Goethe, Ottilie von 80.
Goethe's Diener und Famulus 23; 116.
Goethe's Nichte 70 zit.
Goldoni 239.
Goncourt de, Brüder 550.
Gotha, Herzog von 234; 237.
Gottsched, Johann Christof 28.
Gottsched, Luise 28.
Gräf, Hans Gerhard zit.: 497; 527; 566.
Gretchen, Wirtstochter in Frankfurt 75.
Grimm, Jakob 48 zit.; 269 zit.; 552; 556 zit.; 604 zit.; 677 zit.; 729
zit.
Grüner, Karl Franz 250.
Guhrauer, Gottschalk Eduard 716 bis 717.
Güldenapfel, G. G. 235.
Haeckel, Ernst 654; 655.
Hafis 478; 689.
Haller,
Albrecht von 456 u. zit.; 458.
Hammurabi 738.
Hegel 78; 232; 276; 664.
Hehn, Victor 748 zit.
Heine, Heinrich 462; 747; 749.
Helmho1tz, H.
von 265 ü. G.; 347 ü. G.; 348; 354 zit.; 386 zit.
Heraklit, 94; 470 (2) u. zit.
Herder, Caroline 19; 33; 44; 132.
Herder, Über: 31—35; 59; 121; 130—132; 232; 582; 722.
— und G.: 31—35; 54; 62; 130—132; 135; 139; 142; 216; 293; 437; 483;
504; 543.
— zit.: 32; 37; 43; 131 (5); 677—678.
— über G.: 25; 37; 163; 209;
487; 565.
— erwähnt: 35; 43; 44; 128; 543; 556; 565; 582; 718.
Hertz, Heinrich 321; 325 zit.
Herzlieb, Wilhelmine 72.
Hildebrand,
Rudolf 679 u. zit.
Holbach, Paul 295.
Homer 272; 434; 436; 477; 511; 597.
Horaz 153.
Hugo, Victor 460.
Humboldt, Alexander von 67; 265; 374; 400 ü. G.; 743.
Humboldt, Wilhelmvon, Über: 67; 91; 135; 437; 511.
— zit.: 128; 419.
— über G.: 91—92; 95; 102; 193; 198; 400; 402; 409; 419; 468; 508;
525; 589; 730.
781 REGISTER
DER EIGENNAMEN
— erwähnt: 102; 121; 123;
189; 232; 400; 508; 511; 743.
Hume 96.
Huyghens, Christian 341.
Iffland, August 571.
Jacobi, Fritz 121; 128—130; 129 zit. 139; 288;
337; 594; 706; 718.
Jagemann, Christian Joseph195.
Jagemann, Karoline 247.
Jean, Paul 677 u.
zit.
Jerusalem, Karl Wilhelm 36; 99; 526.
Job, A. 395.
Josquin de Près 532.
Joule, James Prescott 642.
Kallikrates 417.
Kant, Über: 6; 8; 10; 196; 268; 282; 310; 320; 324; 441; 468; 515;
556; 614—622; 624; 633 (2); 701; 704; 710; 722; 726; 729.
— und G.: 310; 402; 417; 441; 468; 614—622; 709; 739.
— zit.: 51; 142—143; 218; 258; 265; 268; 282; 319; 320; 323; 324; 353;
359—360 (2); 368; 402—403; 495; 534; 595; 614—616; 624; 633 (2); 667;
688; 692—693; 705—706; 723—724; 729; 734.
— erwähnt: 268; 347; 701; 704; 709; 710; 738; 739; 750; 757; 759.
Karl August, Herzog von Weimar siehe Carl August.
Karl der Große 722.
Kelvin, Lord 341 u. zit.; 361; 386 zit.; 392 zit.
Kestner, Johann Heinrich 36; 91 ü. G.; 147 ü. G.; 187 ü.
G.
Kielmeyer (Lehrer Cuviers) 654.
Kirchhoff, Gustav Robert 361.
Kirms,
Franz 119; 179; 242; 246.
Kleist, Heinrich von 167.
Klettenberg, Katharina von 293.
Klinger, Friedrich Max 142.
Klopstock,
131 ü. G.; 460; 556.
Kluge, Friedrich 751 zit.
Knebel, Carl Ludwig von 43 zit.; 44; 45 u. zit.; 127 zit.; 142; 150 u.
ü. G.; 224; 408; 493; 655; 716.
König Arthur 356 u. zit.
Kopernikus, 371; 393; 723.
Körner, Chr.
Gottfried 44; 64; 92; 131; 134; 176.
Kotzebue, August von 231; 571.
Krafft, Johann Friedrich 144—146; 171; 487; 761.
Krantz, Johann Friedrich 246.
Kügelgen, Franz Gerhard von 194.
Kugler, Franz 194 ü. G.
Lamarck 470; 654.
La Roche, Maximiliane von 36; 69.
Lavater 30; 65 ü. G.; 127—128; 135; 139; 165; 672; 676; 697.
Lehmann, Joh. August O. L. 552 u. zit.
Leibniz 6; 384; 607; 636; 639—647; 639 zit.; 642 zit.; 643 zit.; 653;
655; 664; 669.
Lengefeld,
Lotte 46 zit.; 64 zit.
Lenz, Jak. Mich. Reinhold 142.
Lenz,
Johann Georg 119; 134; 385.
Leo der Isaurier 723.
Leonardo da Vinci 6; 195;
447; 473; 527; 528; 636.
Leonhard, Karl Caesar von 388.
Lessing 239; 411; 412; 556; 718.
Levetzow,
Amalie von 72; 73.
Levetzow, Ulrike von 62; 68; 73 bis 76;
73 zit.; 75 zit.; 89; 104.
Lichtenberg, Georg Christoph 181.
Linné 96;
470; 654.
Locke 282 zit.; 303.
Loder, Justus Christian 68; 119.
Loeb,
Jacques 301 zit.; 305 zit.; 361; 727; 732.
Lombroso, Cesare 30.
Lucretius 273—274; 277; 281; 286.
Luise, Herzogin von Weimar 44; 128; 133; 139; 155 zit.; 163.
Luther, Martin 182; 270 zit.; 277 zit.; 532 zit.; 596 zit.; 696; 701;
702; 705; 760.
Lyell; Charles 382 u. zit.; 383; 386.
Macpherson, James 568.
Maillet, Benoit 654.
Malcolmi (Schauspieler) 244.
Maret, Hugo Bernard 154; 156.
Marivaux 573.
Maupertuis, Pierre Louis Moreau de 653.
Maxwell, Clerk 261; 319; 333; 636.
Mayer, Richard 642.
Meckel,
Johann Friedrich 377.
Melanchthon 393.
Mendelssohn, Moses 718.
Mendelssohn-Bartholdy, Felix 529.
Merck, Johann Heinrich 38; 40 ü. G.;
782 REGISTER
DER EIGENNAMEN
43 zit.; 45; 142; 211; 291;
331; 483 565; 725.
Meyer, Johann Heinrich 120—127; 137; 138; 139; 142; 194; 232; 510; 673.
Michelangelo 6; 56; 446; 476; 512; 527; 675; 684; 686; 692; 722.
Milton 88; 460; 710 zit.
Mohammed 736.
Moleschott, Jakob 281.
Molière 342.
Montaigne 306 zit.; 399 zit.
Montgelas, Maximilian Josef Graf 154.
Moses 651.
Mozart 243; 572.
Müller, Friedrich von (Kanzler) 57 u. zit.; 60; 73 u. ü. G.;
125;
153 zit.; 374; 637; 716; 720 zit.
Müller, Johannes 260 ü. G.; 265 ü. G. 333 ü. G.
Müller, Johannes von 154; 156; 232.
Napoleon 37; 153—163; 154 zit.; 155; 157 zit.;
160; 168; 170; 736.
Neumann, Christiane 421.
Neureuther, Eugen Napoleon 682; 686.
Newton 204; 295; 322; 341; 343; 345; 346; 349; 350; 392; 723.
Niebuhr, B. G. 136; 182.
Niethammer, Friedr. Imm. 232.
Novalis 289 ü. G.
Oeser, Adam Friedrich 29; 31.
Oeser, Friederike 29.
Oken, Lorenz 378.
Origines 722.
Ovid 460.
Paracelsus 674.
Pascal 88 zit.; 278 u. zit.; 303.
Paulus (der Apostel) 752; 760.
Paulus der Einsiedler 63.
Peter der Große, Zar 676.
Petrarca 99.
Phidias 435.
Picard, Emile 395 zit.
Plato, Über: 6; 263; 302—303; 310 bis 313; 316; 448; 468; 474—475;
532; 588; 629.
— und G.: 310-316.
— zit.: 80; 89; 103; 152; 286; 303; 309; 311; 319—320; 581; 632; 633;
674; 713.
— erwähnt: 9; 78; 94; 112; 152; 188; 275; 365; 581; 584; 588; 598;
629; 674.
Plessing, Friedr. Victor Leberecht 140; 143; 150; 487; 491—494; 761.
Poincaré, H. 341 u. zit.; 391 u. zit.
Radde 356.
Raffael 56; 96; 449; 597; 684.
Rauch, Christian 194.
Reichardt, Johann Friedrich 250 zit.
Reinhard, Karl Friedr. Graf 78; 135; 496; 671.
Reinhold, K. L. 232.
Rembrandt 46; 85; 675; 722.
Richardson, Samuel 36;
526.
Riemer, Friedr. Wilhelm 119; 125; 408; 437; 636; 694; 716.
Rochlitz, Joh. Friedr. 135; 250.
Rollett, Hermann 194.
Ronsard 40 zit.
Rothschild 720.
Rousseau, Jean Jacques 36; 239; 453; 526.
Rubens 446.
Saint-Hilaire, Geoffroy 265 ü. G.; 652 zit.;
660.
Saint Simon 582.
Salzmann, Joh. Dan. 91; 99.
Sanders, Daniel 117 zit.
Schardt, Johann Chr. W. von 43.
Schardt, Sophie von 49.
Schelling, Fr. W. von 9; 67; 93; 129; 232; 276; 378; 654; 664; 677.
Scherer, Wilhelm 71 ü. G.
Schiller, Charlotte von 46 zit.; 64 ü. G.
Schiller, Über: 7; 10; 23; 24; 28; 29; 59; 67; 75; 81; 88; 99;
139; 148; 167;
214; 362; 413; 428; 448; 477; 497; 501; 504; 565; 575; 676.
— und G.: 62—68; 75; 91—96; 104; 134; 137; 142; 167; 175—176; 252; 309;
413; 414; 513; 571—572.
— zit.: 10; 43; 44; 51; 94; 121; 123; 134; 414; 428; 430; 459; 462; 499
bis 500;
501; 502; 508; 566; 571—572; 671; 686; 711; 729; 758.
— über G.: 63;
64; 65; 66; 67; 71; 92—95; 103; 134—135; 142—143; 149; 151; 193; 198;
400; 402; 500; 501; 502; 508; 566; 574; 576; 597—598; 603; 614;
627—628; 647; 648; 730.
783 REGISTER
DER EIGENNAMEN
— erwähnt: 19; 23; 24;
29; 43; 44; 46; 61—69; 71; 72; 75; 81; 88; 91; 92; 93; 94; 96; 97; 99;
106; 114; 121; 122; 123; 125; 126; 131; 132; 134; 135; 139; 148; 167;
175; 176; 189; 190; 232; 233; 243; 246; 251; 252; 264; 267; 323; 363;
366; 367; 400; 402; 413; 414; 432; 451; 458; 497; 501; 504; 506; 508;
513; 527; 565; 571; 575; 589; 676; 679; 684; 717; 726; 750; 751.
Schlegel, August Wilhelm von 67; 232; 506—507 ü. G.
Schlegel,
Friedrich von 67; 677 u. zit.
Schleiden, Matthias Jakob 265 ü. G.
Schleiermacher 232.
Schlosser, Henriette 70 zit.
Schmidt, Johann Adam 232.
Schönemann, Lili 37—38; 47; 69; 75; 99; 102; 105; 110; 111.
Schönkopf, Annette (Kätchen) 29; 98.
Schopenhauer 9; 65 ü.
G.; 152; 581; 607; 667; 669; 677; 681; 691; 757 u. zit.; 760.
Schroeder, Friedr. Ludwig 240.
Schubarth, Karl Ernst 120.
Schultz,
Christoph Ludw. Friedrich 135.
Schwedenborg 492; 612.
Scotus, Erigena 277 zit.
Seidel, Philipp Friedrich 23; 116.
Seneca 609.
Serres, Etienne Renauld Auguste 377.
Shakespeare, Über: 6; 49; 430; 436; 694—695; 722; 726.
— zit.: 140; 190; 521; 555.
— erwähnt: 33; 131; 243; 477; 514; 527; 565; 676; 726.
Simonides 524.
Sokrates 285 zit.
Sömmerring, Samuel Thomas von 377.
Sophokles 477; 572; 726.
Soret, Frédéric 37 u. zit.
Soult, Nicolas Jean de Dieu 153; 157.
Spinoza 129; 293; 324; 709; 730.
Staël, Madame de 23 ü. G.
Stein, Charlotte von 38; 69; 116; 490; 493; 654 zit.; 718.
— und G.: 17; 18; 21; 43—54; 55; 56; 105; 110; 132; 139; 483.
— 's Gatte 43; 138.
— 's Schwägerin 49.
— 's Söhne 46 u. zit.
— 's Vater 43.
Stein, Ernst u. Friedr. Const. 46 u. zit.
Stein, Gottlob Ernst J. F. Frh.
von 43; 138.
Stein, Heinrich von 414.
Sternberg, Kaspar Graf 135.
Sterne, Lawrence 22; 181; 204 zit.; 221.
Stieler, Josef Karl 194; 195.
Stolberg, Auguste Gräfin zu 105.
Strohmeyer, Heinrich (Bassist) 247.
Suphan, Bernhard 124.
Swedenborg 492; 612.
Tacitus 156.
Talleyrand-Périgord, Charles Maurice 153 u. zit.; 154; 155 u.
zit.; 156.
Tertullian 394 u. zit.
Thomson, J. J. 392 zit.
Thomson, William siehe Kelvin, Lord.
Theodosius, Kaiser 722.
Theophrast 351.
Thomas von Aquin 281.
Tieck,
Ludwig 744 zit.
Uexküll, J. von 361.
Umbreit (Professor) 720.
Urban VIII. 393.
Van Dyck 46.
Vauvenargues 433 zit.
Virchow, Rudolf 265 ü. G.
Vischer, F. T. 537.
Vogel, Karl 81 ü. G.; 125; 218 ü. G.
Voigt, Christian Gottlob 55;
118; 141 u. ü. G.; 209; 232.
Voigt, Johann Karl Wilhelm 118.
Voltaire 54; 239; 278 zit.; 319 zit.; 652.
Voß, Heinrich (der jüngere) 23 zit. u. ü. G.; 437.
Voß, Johann Heinrich (der ältere) 437; 702.
Vulpius, Christiane siehe Goethe, Christiane.
Wagner, Heinrich Leopold 142.
Wagner, Richard 6; 9; 10; 99; 105; 182; 251; 266; 412; 424; 435; 436;
438; 442; 462; 514; 568—571; 575; 576; 722.
Weber, B. A. 570.
Weber, Carl Maria von 410.
Wesendonck, Mathilde 105.
784 REGISTER
DER EIGENNAMEN
Weimar, Amalie, Carl August,
Luise usw. siehe Amalie, Carl August,
Luise usw.
Weismann, August, 645.
Wieland 40; 45 zit.; 133; 146 u. zit.; 147; 150 zit.; 155 zit.; 239;
437; 556; 676.
— über G.: 40; 43; 133; 146; 147; 150; 209; 574—575.
Wiesner, Julius 265 ü. G.; 356.
Willemer, Marianne von 72.
Winckelmann 34; 122.
Wolf, Friedrich August 119; 134; 232.
Wolff, Pius Alexander 250.
Wordsworth, William 456 u. zit.; 457.
Wright, Thomas 194.
Zauper, J. S. 120.
Zelter, Karl Friedrich 117; 123; 135—137; 137 zit.; 167; 195 zit.;
420 ü. G.; 510; 717; 743; 753 zit.
785
REGISTER DER
HAUPTBEGRIFFE
ADEL, der 226.
ALLEGORIE, die: Goethe's
A. von Gott und Natur 711—734.
ALLEINHEIT, die: ein
anderes Wort für Chaos 633, „es bleibt Zero übrig“ 633, „wir verkürzen uns“
durch diese Annahme 706.
ALLGEMEINE, das: ist „der
einzelne Fall“ 600, vermittelt zwischen dem Besonderen und dem Einfachen
364.
ALLGEMEINHEITEN, die:
„sich gegen die ungeheuren A. abschließen“ 387.
ANALYSE, die: setzt „eine prägnante Synthese
voraus“ 589.
ANARCHIE, die: ist G. „verdrießlicher als der
Tod“ 295.
ANSCHAUEN, das 186 ff.,
401; fragt nicht Warum, sondern Was 259, Übung der
Sinne 257, 402, ihre
grundsätzliche Erweiterung 402, Unterscheidung zwischen scharfem und reinem
Sehen 473, Anschauen und Wissen 450 ff.; „in dem Auge spiegelt sich
von außen die Welt, von innen der Mensch“ 423, „die Welt des Auges“ 264,
298, 343, 348, 363, 376, 399, 403.
ART,
die Idee einer: eine
Notwendigkeit 642, eine reine Idee 642, 649, Leibniz über sie 642 ff.;
die Entstehung der Arten 643 ff.
ÄTHER, der: 391.
ATOMENLEHRE, die 274 ff.,
390 ff.; G. gegen sie 296 ff., wer Atome voraussetzt, wird sie
finden 360.
ATMAN,
der 595; 667.
BALLADE, die: etwas
Mysterioses 570, enthält die Grundarten der Poesie „wie in einem Ur-Ei zusammen“
571.
BARBAREI, die: „die
barbarische Art, sich aus der Barbarei zu retten“ 394.
BEHAGEN, das
heilige 7.
BEJAHUNG, die, des
Willens zum Leben (siehe Goethe's Weisheit).
BESCHRÄNKUNG, die:
ist nicht mit Beschränktheit zu verwechseln 601, unsere B. sollten
wir oft überdenken 607, sie ist eine Bedingung der Meisterschaft
602 ff., der Vollkommenheit der Person 607, der belebenden Tat 604 ff.,
des Menschenglücks 171.
BESONDERE, das: ist „die
Millionen Fälle“ 600, in ihm erschauen wir das Allgemeine 363 ff.,
wächst durch vollkommene Darstellung zum Symbol aus 600,
vermittelt „Offenbarung des Unerforschlichen“ 364.
BIBLIOTHEK, die
Reorganisation der Jenensischen 233—238.
BILDENDE KUNST, die: G's
Verhältnis zu ihr (siehe Goethe), G's Rat an die bildenden
Künstler 419 ff; Verwandtschaft der b. K. mit Tonkunst 416
ff.; die hellenische Plastik 415, 434 ff. (siehe auch Kunst, Wahnkunst,
Sinnenkünste).
BILDUNG, die: das einzige
Erfordernis ist, daß sie ein Ganzes ausmache 607.
BIOGENETISCHE
GRUNDGESETZ, das 654.
BOTANIK, die: G's
Beschäftigung mit Botanik 68, 118, 229, 328, 335, 365—374.
CHEMIE, die: G's Verhältnis zur C. 328, 387
ff.; die moderne C.
von A. Job beurteilt
395; die Chemie
des Heldentums 300 ff., 305, 361.
CHRISTENTUM, das: nach G. die einzige
Religion, welche Glaube, Liebe, Hoffnung lehrt 715, steht in
weit stärkerem Gegensatz zu dem Judentum als zu dem Heidentum 711, G.
schließt alles Nichtchristliche von unserer Kultur aus; eine vorgeschlagene
Geschichte des C. 722.
CORRELATION, die 610.
786 REGISTER DER
HAUPTBEGRIFFE
DEMUT, die:
die
größten Menschen sind demütig, sagt G. 87, 602 (vergl.
Goethe).
DENKEN, das: „alles Denken hilft zum Denken nichts“
485.
DESPOTIE, die: „schafft große Charaktere“ 740.
DEUTSCHTUM, das: G. als
Deutscher 744—749, „ich darf mich den Befreier der Deutschen nennen“
745, den Bewahrer ihrer Reinheit 747 ff., Tieck's Urteil über G.
als Schöpfer und Verklärer des D. 744; das Deutschland
Heine's und Börne's 749.
DIALEKTIK, die: und G. 92.
DIASTOLE UND SYSTOLE 593
ff.
DILETTANT, der: G. ist
der eigentliche D. 441.
DINGE,
die 472, 640.
DOGMATIKER, die 280, 289
ff. (siehe Monismus).
DRAMA,
das: Erweiterung
des Begriffes „dramatisch“ 574 ff., dramatisch ist nicht gleich
„theatralisch“ und noch weniger gleich „bretterhaft“ 565, 575, der Dramatiker ist
Wahnkünstler, nicht Sinnenkünstler 429 ff.; 574 ff.
DUMMHEIT, die 470.
EHRFURCHT, die: bildet
den Kern von G's Weltanschauung 754, „ein höherer Sinn“ 171, 602, 690, ein
„Quellpunkt“ 603, 691, die E. könnte die Erde von allen Übeln heilen
691, G's Lehre von der E. 10, 753 ff., „jedes Ereignis mit E. betrachten“ 690;
E. und Religion 687—691.
EINFACHE, das: ist im Mannigfaltigen verborgen 364 ff., nur durch eine
Stufenleiter aus
jenem
auszuwickeln 364; „man muß an das E. glauben“ 184.
EINFALT, die:
keimt aus Liebe 602, blüht auf als mächtiges Wirken 603.
EINHEIT, die: Unterschied zwischen technischer und
architektonischer E.
319.
EISENBAHN, die 742.
EISZEIT, die 380 ff.
ELEKTROCHEMIE, die: von
G. vorausgesagt 388.
EMPIRIE, die: die
„zarte E.“ 617, „die millionenfache Hydra der E.“ 259, 266, 294, 444,
658.
ENTHUSIASMUS, der: G.
empfiehlt den „parteiischen E.“ 8, 600, den „unsinnigen E.“ 600.
ERFAHRUNG, die: entsteht
aus dem Bunde des Ideellen mit dem Reellen 624, alle E. wird erschaffen
617, die angeblich „bloße E. existiert nicht
315, die „recht
lebendige E.“ im Gegensatz zur vermeintlichen Wahrheit 344; Kant's Frage: wie ist E.
möglich? 624 (siehe Idee).
ERFINDEN, das: die
eigentliche Funktion des Menschengeistes 152.
ERHABENE, das: einmal
zerpflückt, tritt nicht leicht wieder zusammen 690.
ERKLÄREN,
das: G. gegen das E. 325 ff.
ERSCHEINUNGEN, die: „die
E. retten“ 392 ff.; Kant's Auffassung 614 ff.
EVOLUTIONSLEHRE, die:
Geschichtliches über sie 651 ff. G's Verhältnis zur E. 650—663, „Gemeinschaft
aller Organisation“ 652, 656 ff., die Gestalt beharrt 660.
EWIG-LEERE, das 577, 727.
EWIG-WEIBLICHE, das 79,
112, 728 ff., Verhältnis zum Ewig-Leeren 577.
FACHGELEHRTEN, die: G's
Antipathie gegen sie 41, 62, 228, 235 ff., 261 ff., „beschränkt“
595, „Fratzen“ 534, „barbarische Obskuranten“ 582, „für lauter
Wissenschaft sehen sie nichts“ 582, errichten „das andere Papsttum“
263, reden über die Farben, ohne sie zu kennen 348; wie die F.
über G's Sprache urteilen 534, 551—561.
FARBENLEHRE, Goethe's:
Herder's Widerspruch die treibende Veranlassung 131, dann leitet der
„führende Genius“ 338, hier hat G. alles selber erfunden 119, 337
ff., seine F. bildet einen Gegensatz zur Optik 338, sie hat mit
Mathematik nichts zu tun 338, 397, der Kern seiner Lehre 354 ff., sie
erschöpft jeden möglichen Fall 351, sie soll uns sehen lehren
348 ff., darum kostet sie Mühe 352, zugleich soll sie „die
Natursprache bereichern“ 343, 358. — Die Farben „sind mehr
Tätigkeiten als Gegenstände“ 348, durch
787 REGISTER DER
HAUPTBEGRIFFE
Newton wird man „die
Farbe für's ganze Leben los“ 350; die Frage nach Grundfarben
353—358, die antagonistischen Farben 357 ff., die Zahl der
unterscheidbaren Farben 356 ff.
FORM,
die: ist „das Glas,
wodurch wir die Strahlen zum Feuerblick sammeln“ 532, „jede F. hat
etwas Unwahres“ 532.
FORTSCHRITT, der: G.
glaubt vielmehr an „Verharren in der Mittelmäßigkeit“ und an
neu hereinbrechende „Barbarei“ 583.
FREIHEIT, die: ist der
Natur entgegengesetzt 750, kann nicht mit Gleichheit zusammen bestehen
214, 740, sondern nur dort, wo „alle Rechte geschätzt werden“ 741.
FREIHEITSKRIEGE, die: G.
und die F. 744.
FÜRSTEN, die 207, 213, 225 ff., 247 ff., 744 ff.
FÜRSTENBUND, der 223 ff.
GANZES, ein: Wesen und
Wert der Intuition eines G. 623, Hauptabhandlung, 621—628, „ein
gewisses ideales Ganze“ 625, ein G. ist ein bestimmter, aber
verschiebbarer Begriff 599, bezeichnet nicht eine absolute, sondern
eine relative Größe 627 ff., unendlich, unerreichbar,
unerforschlich 613, „ein G. ohne Ende“ 613, besteht immer aus zwei
Welten 616 ff., 618, weswegen zwei „Halbtümer“ nie ein G.
ausmachen
599; nur wer ein G. innerlich besitzt, versteht das Einzelne 5, 601
ff., „ohne Ganzheit ist niemand wahrhaft groß“ 613; ein G. in der
Bildung 625, im Erschaffen 625, in der Meisterschaft 624, bei
Hypothesen 626, im Häuslichen 626, im Handwerk 626, in der Sprache
627, moralisch 626, „erhebt die Seele“ 626.
GEDULD, die: „eine
Pandora im höheren Sinne“ 174.
GEGENWART, die: wir
verlieren das Heute über das Gestern und Morgen 609, „die G.
läßt sich ihr ungeheures Recht nicht rauben“ 608, „Gott ist
ein Gott der G.“ 608 (sagt Eckhart).
GEGENWART, unsere: der
geistige Verfall in unserer G. und was ihn verursacht 299 ff.
GEIST,
der: ist Einheit
und schafft Einheit 645 (vergl. auch nûs).
GEMEINE, das: Goethe's
Definition 725, sein Verhalten dem G. gegenüber 754 (vergl. auch
Mephistopheles); 449.
GEMEINSAMKEIT, die 114
ff., 666, Wechselwirkung zwischen G. und Individuum 663—705, G. und
Religion 687—705; der einzelne ist sich nicht hinreichend 671, die G.
bedingt seinen Wert 670, der aber wieder auf die G. zurückwirkt
671; die G. hat „etwas Magisches“ 695, sie führt notwendig zu
Sittlichkeit und Religion 666 ff., das corpus mysticum 692.
GENIE,
das: der
lebenzeugende Mensch 31, Geschichte des Wortes 675 ff., Auffassung der
Romantik 677, Schopenhauer's Definition 677, 681, Herder's Auffassung
677, Goethe's Auffassung 675—686; das G. liegt überall latent 681,
ist ein Durchsichtigwerden der Monade 680 ff., der creator
spiritus 679—687, wirkt unbewußt 684,
übernatürlich,
magisch 684, „leistet willig Gehorsam“ 680, benützt die eigene
Grenze als Stützpunkt 529, „die furchtbaren Bedingungen“ 597,
erreicht nicht, was es wollte 476, „zweideutige Wirkungen“ 265 ff.,
681, „erschreckend“ 597, „dem G. traut man alles zu, da es doch nur ein
Gewisses vermag“ 680, „objektiv irrt sich das G. oft“ 683; G. und
Religion 687, 694, G. und Talent 686.
GEOLOGIE, die: Goethe's
Studien 330, 380, seine Entdeckungen 336, 380 ff., die Eiszeit 380,
sein Kampf gegen die Kataklysten aller Schulen 331, 382, 384, er ist
ein Bahnbrecher der modernen Geologie 375, „still, einfach, grandios“
382, „niemals Gewalt“ 383 ff.
GERECHTIGKEIT, die: der
Sinn für G. kann zu einem „kranken Gefühl“ entarten 758.
GESCHICHTE, die: nennt
Goethe „das gefährlichste und undankbarste Fach“ 656; das
Gottverwandte (Kunst und Religion) gehört nicht eigentlich in ihr
Gebiet 736.
788 REGISTER DER
HAUPTBEGRIFFE
GESTALT:
schließt
sich nur dem Geist auf 651.
GEWISSEN, das: nennt G.
„das höchste Erbteil des Menschen“ 739, es ist „Sonne seinem
Sittentag“ 739, „man kann das G. belügen, aber nicht täuschen
739; G. „bedarf keines Ahnherrn“ 738, es gehört auf eine Stufe mit
Vernunft und Genie 681, 750.
GLAUBE, der: „ein Akt des
Willens“ 692, „ein heiliges Gefäß“ 692, zu echtem G.
gehört „viel Zartheit der Gesinnung“ 704, die jüdische
Auffassung des G. vernichtet Religion und Kultur 705, was diese
Auffassung von der arischen unterscheidet 721; Aberglaube steht
ungleich höher als Unglaube 694 ff., „was man glaubt,
gleichgültig“ 693.
GLEICHHEIT, die 214, 226,
741.
GOETHE, G's C h a r a k t e r: 164—184;
barmherzig 140—146, 761, beharrlich 18, 177 ff., 230,
besonnen 88, demütig 87, 174, 249, 455, 494, 588, 754 (lehnt die
Benennung „Meister“ ab 7) ; ehrfurchtsvoll 171, 753 (siehe Ehrfurcht),
entsagend 173 ff., ernst 23, 180, geduldig 174, gelassen 174, heiter
180—183, 759, hoffnungsvoll 176 ff., 609, kein Diplomat 166,
leidenschaftlich 86, 89, nachgiebig bei großem Willen 177, 246,
pflichttreu 78, 510, 755—760, zurückhaltend 8, 165, ruhevoll 175,
schmeichelt nie 167, sichbeschränkend 171 ff., 600—628, grenzenlos
tätig 168 ff., 178, 188, 203—252, 289, 464, 530, 753,
ungestüm 23, vergessensfähig 180, vermeidet Streit 178,
verschwiegen 10, 165, 588, wahrhaftig 165 ff., 167, 170, 288 ff. 464,
willenskräftig 7, 30, 60 ff., 207, wohlwollend 752; „ablehnend“
148, desultorisch 169, „Dunkelheit und Zaudern“ 66, „fahriges Wesen“
26, „grillenhaft“ 24, hypochondrisch 147, leichtfertig 24, planlos 24,
„Schattenleidenschaften“ 149, „spatzenmäßig“ 25, 487,
stöckig 148, „stumm wie ein Fisch“ 148, tyrannisch 207, verstockt
148, übertriebene Würde 23, bisweilen zudringlich 148. „Wo
die Worte fehlen, spricht die Tat“ 409.
G's G e s t a l t: 193—196.
G's G o t t e s g l a u b e: nicht
mystisch 710, 730 ff., nicht rationalistisch 710, ein
Gott-Schöpfer wird nicht postuliert 583, „Pantheist, Polytheist,
Monotheist“ 288, über und gegen die Alleinheitslehre 293 ff.,
706, 731 ff., G. erblickt Gott überall in der Natur 594, 706, in
der Geliebten 689, der creator
spiritus (Genie) 679—686, die „Absichten
der Gottheit“ 667, „unbedingtes Ergeben in den unergründlichen
Willen Gottes“ 761,