HOUSTON
STEWART CHAMBERLAIN
DIE
GRUNDLAGEN DES NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERTS
Abschnitt II, Einleitendes,
Seite 297—306

INHALTSÜBERSICHT
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ABSCHNITT II
DIE ERBEN
Der hohe Sinn, das
Rühmliche
Von dem
Gerühmten
rein zu unterscheiden.
Goethe
298
(Leere Seite)
255 299
EINLEITENDES
Rechtfertigung
Wer trat das Erbe
des Altertums an? Diese Frage ist mindestens ebenso gewichtig wie die
nach
der Erbschaft selbst und womöglich noch verwickelter. Denn sie
führt
uns in das Studium der Rassenprobleme hinein, Probleme, welche die
Wissenschaft
des letzten Vierteljahrhunderts nicht gelöst, sondern im Gegenteil
in ihrer vollen Unentwirrbarkeit aufgedeckt hat. Und doch hängt
jedes
wahre Verständnis des 19. Jahrhunderts von der klaren Beantwortung
dieser Frage ab. Hier heisst es also zugleich kühn und vorsichtig
sein, wollen wir der Mahnung meines Vorwortes eingedenk bleiben und
zwischen
jener ScyIla einer fast unerreichbaren und in ihren bisherigen
Ergebnissen
höchst problematischen Wissenschaft und der Charybdis
unstatthafter,
grundloser Verallgemeinerungen sicher hindurchsteuern. Die Not zwingt
uns,
das Wagnis zu unternehmen.
Das
Völkerchaos
Rom hatte den
Schwerpunkt
der Civilisation nach Westen verlegt. Dies erwies sich als eine jener
unbewusst
vollzogenen welthistorischen Thaten, die durch keine Gewalt
rückgängig
gemacht werden können. Der von Asien abgewandte Westen Europas
sollte
der Herd aller ferneren Civilisation und Kultur sein. Das geschah aber
nur nach und nach. Zunächst war es lediglich die Politik, die sieh
immer mehr nach Westen und nach Norden wandte; geistig blieb Rom selbst
lange in starker Abhängigkeit vom früheren östlichen
Kulturcentrum.
In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung kommt ausser Rom nur
was
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Erben. Einleitendes.
südlich und östlich von ihm
gelegen ist in geistiger Beziehung in Betracht: Alexandria, Ephesus,
Antiochia,
überhaupt Syrien, dann Griechenland mit Byzanz, sowie Karthago und
die übrigen Städte aus der Africa vetus, das sind die
Gegenden, wo die Erbschaft angetreten und lange verwaltet wurde, deren
Einwohner sie späteren Zeiten und anderen Völkern
übermittelten.
Und
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gerade diese Länder waren damals
wie Rom selbst nicht mehr von irgend einem bestimmten Volke bewohnt,
sondern
von einem unentwirrbaren Durcheinander der verschiedensten Rassen und
Völker.
Es ist ein Chaos. Und dieses Chaos ist nicht etwa später
vernichtet
worden. An vielen Orten durch vordringende reine Rassen
zurückgedrängt,
an anderen durch seine eigene Charakterlosigkeit und Untüchtigkeit
aus den Reihen der Mitzurechnenden herausgefallen, hat sich
zweifelsohne
dieses chaotische Element doch im Süden und Osten erhalten; durch
neue Mischungen wurde es ausserdem häufig wieder gestärkt.
Das
ist ein erster Punkt von weittragender Wichtigkeit. Man bedenke zum
Beispiel,
dass alle Grundlagen zur historischen Gestaltung des Christentums von
dieser
Mestizenbevölkerung gelegt und ausgebaut wurden! Mit Ausnahme
einiger
Griechen (die aber auch alle, Origenes an der Spitze, höchst
unorthodoxe,
direkt antijüdische Lehren verbreiteten, mit denen sie nicht
durchdrangen),¹)
—————
¹)
Origenes zum Beispiel war ausgesprochener Pessimist (im metaphysischen
Sinne des Wortes), wodurch allein schon er seine indoeuropäische
Rasse
dokumentiert; er sah in der Welt überall Leiden und zog daraus den
Schluss, ihr Hauptzweck sei nicht der Genuss eines gottgeschenkten
Glückes,
sondern die Abwendung eines Übels (man denke an die Hauptlehre
Christi
von der „Umwendung des Willens“ vergl. S.
200). Augustinus, der afrikanische Mestize, hatte leichtes Spiel,
ihn
zu widerlegen; er berief sich auf das erste Kapitel des ersten Buches
der
jüdischen Thora, um unwiderlegbar darzuthun, alles sei gut und
„die
Welt bestehe aus keinem anderen Grunde, als weil es einem guten Gott
gefallen
habe, das absolut Gute zu schaffen“. (Man sehe die höchst
lehrreiche
Auseinandersetzung im De civitate Dei, Buch XI, Kap. 23.)
Augustinus
führt hier triumphierend noch ein zweites Argument an: wenn
Origenes
Recht hätte, so müssten die sündhaftesten Wesen die
schwersten
Körper besitzen und die Teufel sichtbar sein, nun hätten aber
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Erben. Einleitendes.
könnte man von kaum einem
Kirchenvater
auch nur vermuten, welchem Volksstamme er der Hauptsache nach
angehörte.
Das selbe gilt für das corpus juris; auch hier war es das
Chaos
(nach hellenischer Vorstellung die Mutter des Erebos und der Nyx, der
Finsternis
und der Nacht), welchem die Aufgabe zufiel, das lebendige Werk eines
lebendigen
Volkes zu einem internationalen Dogma aus- und umzuarbeiten. Unter dem
nämlichen Einfluss wurde die Kunst immer mehr des
persönlichen,
freischöpferischen Momentes beraubt und zu einer
hieratisch-formelhaften
Übung umgewandelt, und an die Stelle der hohen, philosophischen
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Spekulation der Hellenen schob man deren
Nachäffung, den kabbalistischen Spuk der Demiurgen und Engel und
Dämonen,
lauter Vorstellungen, die man im besten Falle als „luftigen
Materialismus“
bezeichnen könnte.¹) Jenem V ö l k e r c h a
o s müssen wir also zunächst unsere
Aufmerksamkeit
schenken.
Die Juden
In seiner Mitte ragt,
wie ein scharfgeschnittener Fels aus gestaltlosem Meere, ein einziges
Volk
empor, ein ganz kleines Völkchen, die Juden. Dieser eine einzige
Stamm
hat als Grundgesetz die Reinheit der Rasse aufgestellt; er allein
besitzt
daher Physiognomie und Charakter. Blickt man auf jene südlichen
und
östlichen Kulturstätten des in Auflösung begriffenen
Weltreiches,
lässt man das prüfende Auge durch keine Sympathien und
Antipathien
irregeleitet werden, so muss man sagen, als Nation verdient damals die
jüdische allein Achtung. Wohl mögen wir auf dieses Volk das
Wort
Goethe's anwenden: „Glaube weit, eng der Gedanke.“ Im Verhältnis
zu
Rom und gar erst zu Hellas erscheint uns sein geistiger Horizont so
eng,
seine geistigen Fähigkeiten so beschränkt, dass wir eine
durchaus
andere Wesensgattung vor uns zu haben wähnen; was jedoch dem
Gedanken
an Weite und an schöpferischer Befähigung abgehen mag, wird
durch
die Gewalt des Glaubens reichlich aufgewogen, eines Glau-
—————
die Teufel luftartige,
unsichtbare Körper, folglich u. s. w. So siegten Gedanken des
Chaos
über metaphysische Religion. (Ganz buchstäblich die selben
Argumente
findet man in dem Führer der Irrenden des Juden Maimuni)
¹)
„Luftiges Gesindel“, sagt Bürger in seiner „Lenore“.
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Erben. Einleitendes.
bens, den man zunächst sehr einfach
bestimmen könnte: es ist der Glaube an sich. Und da dieser Glaube
an sich den Glauben an ein höheres Wesen einschloss, so entbehrte
er nicht einer ethischen Bedeutung. Wie armselig das jüdische
„Gesetz“
sich auch ausnehmen mag, wenn man es mit den religiösen
Schöpfungen
der verschiedenen indoeuropäischen Völker vergleicht, einen
Vorzug
besass es im damaligen verfallenen römischen Reich ganz allein: es
war eben ein G e s e t z; ein Gesetz, dem
Menschen
demütig gehorchten, und gerade dieser Gehorsam musste in einer
Welt
der Zügellosigkeit ethisch von grosser Wirkung sein. Hier wie
überall
werden wir finden, dass der Einfluss des Juden — zum Guten und zum
Bösen
— in seinem Charakter, nicht in seinen geistigen Leistungen
begründet
liegt.¹) Gewisse Historiker des 19. Jahrhunderts, sogar ein
geistig
so bedeutender wie Graf Gobineau, haben die Ansicht vertreten, das
Judentum
wirke stets lediglich auflösend auf alle Völker. Ich kann
diese
Überzeugung nicht teilen. Zwar, wo die Juden in einem fremden
Lande
sich stark vermehren, da mögen sie es sich angelegen sein
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lassen, die Verheissungen ihrer
Propheten
zu erfüllen und nach bestem Wissen und Gewissen „die fremden
Völker
zu fressen“; sagten sie doch schon zu Lebzeiten des Moses von sich
selbst
sie seien „als wie die Heuschrecken“; man muss aber das Judentum von
den
Juden trennen und zugeben, dass das Judentum als Idee, zu den
konservativsten
Gedanken der Welt gehört. Der Begriff der physischen Rasseneinheit
und -reinheit, welcher den Kern des Judentums ausmacht, bedeutet die
Anerkennung
einer grundlegenden physiologischen Thatsache des Lebens; wo immer wir
auch Leben beobachten, vom Schimmelpilz bis zum edlen Rosse, bemerken
wir
die Bedeutung der „Rasse“: das Judentum heiligte dieses Naturgesetz.
Darum
drang es auch in jenem kritischen Augenblick der Weltgeschichte, wo
eine
reiche Erbschaft ohne würdige Erben dastand, siegreich durch. Es
beförderte
nicht die allgemeine Auflösung, im Gegenteil, es gebot ihr
Einhalt.
Das jüdische Dogma war wie eine scharfe Säure,
—————
¹)
Siehe S. 241 fg.
303 Die
Erben. Einleitendes.
die man in eine in Zersetzung geratene
Flüssigkeit giesst, um sie zu klären und vor dem weiteren
Verfaulen
zu bewahren. Mag auch diese Säure nicht Jedem munden, sie hat in
der
Geschichte der Kulturepoche, zu der wir gehören, eine so
entscheidende
Rolle gespielt, dass wir dem Spender Dankbarkeit schulden und anstatt
unwillig
zu sein, besser thun werden, uns Klarheit zu verschaffen über die
Bedeutung dieses E i n t r i t t e s d e
r
J u d e n i n d i e a b e n d l
ä
n d i s c h e G e s c h i c h t e — für unsere ganze
noch
im Werden begriffene Kultur jedenfalls ein Ereignis von unermessbarer
Tragweite.
Ein Wort noch zur
Erläuterung. Ich rede von Juden, nicht von Semiten im Allgemeinen;
nicht weil ich die Rolle der Letzteren in der Weltgeschichte verkenne,
sondern weil meine Aufgabe zeitlich und räumlich beschränkt
ist.
Zwar hatten schon seit vielen Jahrhunderten andere Zweige der
semitischen
Rasse mächtige Reiche an den Süd- und Ostküsten des
Mittelländischen
Meeres und Handelsniederlassungen bis an die Küsten des
Atlantischen
Ozeans gegründet; zweifelsohne hatten sie auch manche Anregungen
vermittelt
und manche Kenntnisse und Fertigkeiten verbreitet; zu einer
näheren
geistigen Berührung zwischen ihnen und den übrigen Einwohnern
des zukünftigen Europa war es jedoch nirgends gekommen. Das
geschah
erst durch die Juden; nicht aber durch die Millionen von Juden, die in
der Diaspora lebten, sondern erst durch die c h r i s t l i
c h e Idee. Erst als die Juden Christum an das Kreuz
schlugen,
brachen sie, un-
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wissend, den Bann, der sie bisher in
ignorantem Hochmut isoliert hatte. — Später freilich stürzte
noch einmal eine semitische Flut über die europäische,
asiatische
und afrikanische Welt, eine Flut, wie sie, ohne die Vernichtung
Karthagos
durch Rom, schon tausend Jahre früher und dann auf immer
entscheidend
Europa überschwemmt haben würde.¹) Auch hier wieder
bewährte
sich die semitische „Idee“ — Glaube weit, eng der Gedanke — als viel
mächtiger
denn ihre Träger; die Araber wurden nach und nach
zurückgeworfen,
im Gegensatz zu den Juden verblieb kein
—————
¹)
Siehe S. 137.
304 Die
Erben. Einleitendes.
einziger auf europäischem Boden;
doch wo ihr abstrakter Götzendienst¹) Fuss gefasst hatte,
schwand
jede Möglichkeit einer Kultur; edle Menschenrassen wurden durch
das
semitische Dogma des Materialismus, das sich in diesem Falle, und im
Gegensatz
zum Christentum, frei von allen arischen Beimischungen erhalten hatte,
für immer entseelt und aus dem „ins Helle strebenden Geschlecht“
ausgeschlossen.
— Von den Semiten haben, wie man sieht, einzig die Juden an unserer
Kultur
positiv mitgearbeitet und auch, so weit ihr sehr
assimilationsfähiger
Geist es ihnen erlaubte, sich als Erben an dem Vermächtnis des
Altertums
beteiligt.
Die
Germanen
Den Widerpart zu
der Verbreitung dieses winzigen und doch so einflussreichen
Völkchens
bildet der E i n t r i t t d e r G
e r m a n e n i n d i e W e l t g e
s c h i c h t e. Auch hier sehen wir, was reine Rasse zu
bedeuten
hat, zugleich aber auch, was Verschiedenheit der Rassen ist — jenes
grosse
Naturprinzip der Vielseitigkeit, sowie der Ungleichheit in den Anlagen,
welches heute fade, feile und ignorante Schwätzer wegleugnen
möchten,
dem Völkerchaos entsprossene Sklavenseelen, denen einzig im Urbrei
der Charakter- und Individualitätslosigkeit wohl zu Mute ist. Noch
immer stehen sich diese beiden Mächte — Juden und Germanen — dort,
wo das neuerliche Umsichgreifen des Chaos ihre Züge nicht
verwischt
hat, bald freundlich, bald feindlich, stets fremd gegenüber.
Ich verstehe in
diesem
Buche unter dem Wort „Germanen“ die verschiedenen nordeuropäischen
Völkerschaften, die als Kelten, Germanen und Slaven in der
Geschichte
auftreten und aus denen — meist in unentwirrbarer Vermengung — die
Völker
des modernen Europa entstanden sind. Dass sie ursprünglich einer
einzigen
Familie entstammten, ist sicher, ich werde im
260
sechsten
Kapitel den Nachweis führen; doch hat sich der Germane im
engeren,
taciteischen Sinne des Wortes so sehr als geistig, sittlich und
physisch
unter seinen Verwandten hervorragend bewährt, dass wir berechtigt
sind, seinen Namen als Inbegriff der
—————
¹)
Siehe S. 243.
305 Die
Erben. Einleitendes.
ganzen Familie hinzustellen. Der Germane
ist die Seele unserer Kultur. Das heutige Europa, weithin über den
Erdball verzweigt, stellt das bunte Ergebnis einer unendlich
mannigfaltigen
Vermischung dar: was uns alle aneinander bindet und zu einer
organischen
Einheit verknüpft, das ist germanisches Blut. Blicken wir heute
umher,
wir sehen, dass die Bedeutung einer jeden Nation als lebendige Kraft
von
dem Verhältnis des echt germanischen Blutes in seiner
Bevölkerung
abhängt. Nur Germanen sitzen auf den Thronen Europas. — Was in der
Weltgeschichte voranging, sind für uns Prolegomena; wahre
Geschichte,
die Geschichte, welche heute noch den Rhythmus unseres Herzens
beherrscht
und in unseren eigenen Adern zu fernerem Hoffen und Schaffen kreist,
beginnt
in dem Augenblick, wo der Germane das Erbe des Altertums mit
kraftstrotzender
Hand ergreift.
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(Leere Seite)
Letzte
Änderung
am / Last update: 15. September 2003.