Here under follows the transcription of the fourth chapter of Houston Stewart Chamberlain's Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts (Foundations of the 19th century), 10th ed., published by F. Bruckmann A.-G., Munich 1912. Page numbers in red correspond with the „Volksausgabe“, in black with the „Hauptausgabe“ (the hard cover edition).

Hieronder volgt de transcriptie van het vierde hoofdstuk van Houston Stewart Chamberlain's Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts, 10e druk, verschenen bij uitgeverij F. Bruckmann A.-G., München 1912. De rode paginanummering komt overeen met die in de „Volksausgabe“, de zwarte met die van de „Hauptausgabe“.
 
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The Foundations of the nineteenth century
Kommentare und Besprechungen der Grundlagen
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INHALTSÜBERSICHT

VORWORTE IX
ALLGEMEINE EINLEITUNG 3

ABSCHNITT I: DAS ERBE DER ALTEN WELT
EINLEITENDES 41
ERSTES KAPITEL: HELLENISCHE KUNST UND PHILOSOPHIE 53
ZWEITES KAPITEL: RÖMISCHES RECHT 121
DRITTES KAPITEL: DIE ERSCHEINUNG CHRISTI 189

ABSCHNITT II: DIE ERBEN
EINLEITENDES 255
VIERTES KAPITEL: DAS VÖLKERCHAOS 263
FÜNFTES KAPITEL: DER EINTRITT DER JUDEN IN DIE ABENDLÄNDISCHE GESCHICHTE 323
SECHSTES KAPITEL: DER EINTRITT DER GERMANEN IN DIE WELTGESCHICHTE 463

ABSCHNITT III: DER KAMPF
EINLEITENDES 535
SIEBENTES KAPITEL: RELIGION 545
ACHTES KAPITEL: STAAT 651
NEUNTES KAPITEL: VOM JAHRE 1200 BIS ZUM JAHRE 1800
A) DIE GERMANEN ALS SCHÖPFER EINER NEUEN KULTUR
693
B) GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK 729
1. ENTDECKUNG 752
2. WISSENSCHAFT 778
3. INDUSTRIE 808
4. WIRTSCHAFT 821
5. POLITIK UND KIRCHE 838
6. WELTANSCHAUUNG UND RELIGION 858
7. KUNST 946
REGISTER 1005

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VIERTES KAPITEL

DAS VÖLKERCHAOS

 

So viel ist wohl mit Wahrscheinlichkeit
zu urteilen: dass die Vermischung der
Stämme, welche nach und nach die
Charaktere auslöscht, dem Menschen-
geschlecht, alles vorgeblichen Philanthro-
pismus ungeachtet, nicht zuträglich sei.

Immanuel Kant


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(Leere Seite)

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Wissenschaftliche Wirrnis
    Zur allgemeinen Einführung in dieses Kapitel über das Völkerchaos des untergehenden römischen Imperiums werden die Worte genügen, die ich dem Gegenstand in der Einleitung zu diesem zweiten Abschnitt gewidmet habe; sie erklären, was ich räumlich und zeitlich als Völkerchaos bezeichne. Die historischen Kenntnisse setze ich, mindestens in den allgemeinen Umrissen, hier wie überall, voraus, und da ich nun ausserdem in diesem ganzen Buche keine Zeile schreiben möchte, die nicht aus dem Bedürfnis entspränge, das 19. Jahrhundert besser zu begreifen und zu beurteilen, so glaube ich den vorliegenden Gegenstand vor Allem zu der Prüfung und Beantwortung der wichtigen Frage benützen zu sollen: ist Nation, ist Rasse ein blosses Wort? Soll, wie der Ethnograph Ratzel es beteuert, die   V e r s c h m e l z u n g   a l l e r   M e n s c h e n   in eine Einheit als „Ziel und Aufgabe, Hoffnung und Wunsch“ uns vorschweben? Oder entnehmen wir nicht vielmehr aus dem Beispiel, einerseits von Hellas und Rom, anderseits vom pseudorömischen Imperium, sowie aus manchen anderen Beispielen der Geschichte, dass nur innerhalb jener Abgrenzungen, in denen scharf ausgeprägte, individuelle Volkscharaktere entstehen, der Mensch sein höchstes Mass erreicht? Ist wirklich unser jetziger Zustand in Europa mit seinen vielen, durchgebildeten Idiomen, ein jedes mit einer eigenen, eigenartigen Poesie und Litteratur, ein jedes der Ausdruck einer bestimmten, charakteristischen Volksseele, ist dieser Zustand ein Rückschritt gegenüber der Zeit, wo Lateinisch und Griechisch als eine Art Zwillingsvolapük die vaterlandslosen römischen Unterthanen alle

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miteinander verbanden? Ist Blutgemeinschaft nichts? Kann Gemeinsamkeit der Erinnerung und des Glaubens durch abstrakte Ideale ersetzt werden? Vor allem, handelt es sich um eine Sache des persönlichen Gutdünkens, und liegt kein deutlich erkennbares Naturgesetz vor, nach welchem unser Urteil sich richten   m u s s ?   Lehren uns nicht die biologischen Wissenschaften, dass im gesamten Tier- und Pflanzenreich ausnehmend edle Geschlechter
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— das heisst also, Geschlechter mit ungewöhnlichen Leibes- und Geisteskräften begabt — nur unter bestimmten, die Zeugung neuer Individuen beschränkenden Bedingungen entstehen? Ist es nicht unter Berücksichtigung dieser sämtlichen, menschlichen und aussermenschlichen, Phänomene möglich, eine klare Antwort auf die Frage zu erhalten:   W a s   i s t   R a s s e ?   Und wird sich nicht aus dem Bewusstsein dessen, was Rasse ist, dann ohne Weiteres ergeben, was das Fehlen bestimmter Rassen für die Geschichte bedeuten muss? Zu allen diesen Fragen regt der Anblick jener unmittelbaren Erben des grossen Vermächtnisses lebhaft an. Fragen wir zunächst nach Rassen ganz im Allgemeinen; daran erst wird sich eine nutzbringende Betrachtung der hier speziell vorliegenden Verhältnisse und ihrer Bedeutung im Gange der Geschichte, somit auch für das 19. Jahrhundert knüpfen.
    Vielleicht giebt es keine Frage, über die selbst bei hochgebildeten, ja gelehrten Männern eine so mitternächtliche Unwissenheit herrscht, wie über das Wesen und die Bedeutung des Begriffes   „R a s s e“.   Was sind reine Rassen? Woher kommen sie? Haben sie geschichtlich etwas zu bedeuten? Ist der Begriff weit oder eng zu nehmen? Weiss man etwas darüber, oder nicht? Wie verhalten sich die Begriffe Rasse und Nation zu einander? Ich gestehe, mein Leben lang über alle diese Dinge lauter Unzusammenhängendes, Widerspruchsvolles gehört und gelesen zu haben, ausser von einigen Specialisten unter den Naturforschern, die aber nur in den seltensten Fällen ihr klares, ausführliches Wissen auf das Menschengeschlecht anwenden. Kein Jahr vergeht, ohne dass uns auf internationalen Kongressen von tonangebenden Nationalökonomen, Ministern, Bischöfen, Natur-

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forschern versichert werde, es gebe zwischen den Völkern keinen Unterschied, keine Ungleichheit. Germanen, die auf das Moment der Rassenverwandtschaft Nachdruck legen, Juden, die unter uns sich fremd fühlen und sich in ihre asiatische Heimat zurücksehnen, pflegen gerade von Männern der Wissenschaft mit Tadel und Hohn überschüttet zu werden. Professor Virchow zum Beispiel sagt¹) von den Regungen des Stammesbewusstseins unter uns, sie seien nur durch den „Verlust des gesunden Menschenverstandes“ zu erklären; im Übrigen stünde man „ratlos vor
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einem Rätsel, von dem Niemand weiss, was es eigentlich soll in dieser Zeit der Rechtsgleichheit.“ Nichtsdestoweniger schliesst der gelehrte Mann seinen Vortrag mit dem Wunsche nach „in sich selbst ruhenden, schönen Persönlichkeiten.“ Als ob die gesamte Geschichte nicht da wäre, um uns zu zeigen, wie Persönlichkeit und Rasse auf das Engste zusammenhängen, wie die Art der Persönlichkeit durch die Art ihrer Rasse bestimmt wird und die Macht der Persönlichkeit an gewisse Bedingungen ihres Blutes geknüpft ist! Und als ob die wissenschaftliche Tier- und Pflanzenzüchtung uns nicht ein ungeheuer reiches und zuverlässiges Material böte, an dem wir sowohl die Bedingungen, wie auch die Bedeutung von „Rasse“ kennen lernen! Entstehen die sogenannten (und mit Recht so genannten) „edlen“ Tierrassen, die Zugpferde vom Limousin, die amerikanischen Traber, die irischen Renner, die absolut zuverlässigen Jagdhunde durch Zufall und Promiskuität? Entstehen sie, indem man den Tieren Rechtsgleichheit gewährt, ihnen das selbe Futter vorwirft und über sie die nämliche Rute schwingt? Nein, sie entstehen durch geschlechtliche Zuchtwahl und durch strenge Reinhaltung der Rasse. Und zwar bieten uns die Pferde, namentlich aber die Hunde jede Gelegenheit zu der Beobachtung, dass die geistigen Gaben Hand in Hand mit den
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    ¹) Der Übergang aus dem philosophischen in das naturwissenschaftliche Zeitalter, Rektoratsrede 1893, S. 30 fg. — Ich wähle dieses eine Beispiel aus hunderten, weil Virchow als einer der fleissigsten Anthropologen und Ethnographen des 19. Jahrhunderts, auch sonst ein vielerfahrener und gelehrter Mann, hier eigentlich hätte Bescheid wissen müssen.

312 Die Erben. Das Völkerchaos.



physischen gehen; speziell gilt dies von den   m o r a l i s c h e n   Anlagen. Ein Bastardhund ist nicht selten sehr klug, jedoch niemals zuverlässig, sittlich ist er stets ein Lump. Andauernde Promiskuität unter zwei hervorragenden Tierrassen führt ausnahmslos zur   V e r n i c h t u n g   d e r   h e r v o r r a g e n d e n   M e r k m a l e   v o n   b e i d e n !¹)   Warum sollte die Menschheit eine Ausnahme bilden? Ein Kirchenvater mochte das wohl wähnen; steht es aber einem hochangesehenen Naturforscher gut an, das Gewicht seines grossen Einflusses in die Wagschale mittelalterlichen Aberglaubens und Unwissens zu werfen? Wahrlich, man möchte unseren philosophisch so verwahrlosten naturwissenschaftlichen Autoritäten einen logischen Kursus bei Thomas von Aquin wünschen; er könnte ihnen nur heilsam sein. In Wahrheit sind die Menschenrassen, trotz des breiten, gemeinsamen Untergrundes, von einander in Bezug auf Charakter, auf Anlagen, und vor Allem in Bezug auf den Grad der einzelnen Befähigungen so verschieden wie Windhund, Bulldogge, Pudel und Neufund-
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länder. Die Ungleichheit ist ein Zustand, auf den die Natur überall hinarbeitet; nichts Ausserordentliches entsteht ohne „Specialisierung“; beim Menschen, genau so wie beim Tier, ist es die Specialisierung, welche edle Rassen hervorbringt; die Geschichte und die Ethnologie sind da, um dem blödesten Auge dieses Geheimnis zu enthüllen. Hat nicht jede echte Rasse ihre eigene Physiognomie, herrlich, unvergleichlich? Wie wäre hellenische Kunst ohne Hellenen entstanden? Wie bald hat nicht die eifersüchtige Feindschaft zwischen den einzelnen Städten des kleinen Griechenland jedem Teilchen seine eigene scharf ausgeprägte Individualität innerhalb des eigenen Familientypus gespendet! Wie schnell ward sie wieder verwischt, als Makedonier und Römer mit ihrer nivellierenden Hand über das Land hinwegführen! Und wie entfloh nach und nach alles, was dem Wort „hellenisch“
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    ¹) Siehe namentlich Darwin Animals and Plants under Domestication, Kap. XV und XIX. „Free crossing obliterates characters.“ Über „die abergläubische Sorgfalt, mit welcher die Araber ihre Pferderasse rein erhalten“, findet man interessante Angaben in Gibbon's Roman Empire, Kap. 50. Siehe auch Burton's Meccah. Kap. 29.

313 Die Erben. Das Völkerchaos.



ewigen Sinn verliehen hatte, als von Norden, von Osten und von Westen immer neue Scharen unverwandter Völker ins Land zogen und mit echten Hellenen sich vermengten! Die Gleichheit, vor der Professor Virchow seinen Bonzendienst verrichtet, war jetzt da, alle Wälle waren geschleift, alle Grenzen bedeutungslos; auch war die Philosophie, gegen die sich Virchow in dem selben Vortrag so sehr ereifert, ausgetilgt und durch den allergesündesten „Menschenverstand“ ersetzt; die schöne hellenische Persönlichkeit jedoch, ohne die wir alle noch heute nur mehr oder weniger civilisierte Barbaren wären, — sie war verschwunden, auf ewig verschwunden. „Crossing obliterates characters.“
    Wenn nun die Männer, die über Wesen und Bedeutung der Rassen am genauesten Bescheid wissen sollten, einen so unglaublichen Mangel an Urteil an den Tag legen, wenn sie dort, wo reichste Anschauung sicherste Erkenntnis giebt, ihr hohle politische Phrasen entgegenstellen, wer soll sich da noch wundern, dass ungelehrte Menschen viel Unsinn reden, selbst dann, wenn ihr Instinkt sie den richtigen Weg weist? Denn das Interesse für diesen Gegenstand ist in weiten Schichten geweckt, und da der Gelehrte kläglich versagt, sucht der Ungelehrte sich allein zu helfen. Als Graf Gobineau in den fünfziger Jahren sein geniales Werk über die Ungleichheit der menschlichen Rassen veröffentlichte, blieb es unbeachtet; kein Mensch wusste, was eine solche Betrachtung sollte; man stand, wie der arme Virchow, „ratlos vor einem Rätsel“. Seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts ist es anders geworden: der leidenschaftlichere, treibende Teil der Nationen schenkt jetzt gerade dieser Frage viel Aufmerksamkeit. Aber in welchem Wirrwarr von Widersprüchen, von Irrtümern, von
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Wahngebilden bewegt sich die öffentliche Meinung! Man sehe doch, wie Gobineau seine Darlegung — so erstaunlich reich an später bestätigten intuitiven Ahnungen und an historischem Wissen — auf die dogmatische Annahme gründet, die Welt sei von Sem, Ham und Japhet bevölkert worden;   e i n   solch' klaffender Riss in dem Urteilsvermögen genügt, um ein derartiges Werk, trotz aller dokumentarischen Begründung, in die hybride Gattung der „wissenschaftlichen Phantasmagorieen“ zu verweisen. Hiermit

314 Die Erben. Das Völkerchaos.



hängt Gobineau's weitere Wahnvorstellung zusammen: die von Hause aus „reinen“, edlen Rassen vermischten sich im Verlauf der Geschichte und würden mit jeder Vermischung unwiederbringlich unreiner und unedler, woraus sich dann notwendigerweise eine trostlos pessimistische Ansicht über die Zukunft des Menschengeschlechtes ergeben muss. Die erwähnte Annahme beruht jedoch auf einer gänzlichen Unkenntnis der physiologischen Bedeutung dessen, was man unter „Rasse“ zu verstehen hat. Eine edle Rasse fällt nicht vom Himmel herab, sondern sie   w i r d   nach und nach edel, genau so wie die Obstbäume, und dieser Werdeprozess kann jeden Augenblick von Neuem beginnen, sobald ein geographisch-historischer Zufall oder ein fester Plan (wie bei den Juden) die Bedingungen schafft. Ähnlichen Widersinnigkeiten begegnen wir überall auf Schritt an Tritt. Wir haben z. B. eine mächtige „antisemitische“ Bewegung: ja, sind denn die Juden und die übrigen Semiten identisch? Haben sich nicht die Juden gerade durch ihre Entwickelung zu einer besonderen, reinen Rasse tief differenziert? Ist es sicher, dass der Entstehung dieses Volkes nicht eine wichtige Kreuzung voranging? Und was ist ein   A r i e r ?   Wir hören so Vieles und Bestimmtes darüber aussagen. Dem Semiten, unter dem wir im gewöhnlichen Leben lediglich den Juden verstehen (was doch wenigstens eine durchaus konkrete, auf Erfahrung beruhende Vorstellung bedeutet) stellen wir den Arier entgegen. Was ist das aber für ein Mensch? Welcher konkreten Vorstellung entspricht er? Nur wer nichts von Ethnographie weiss, kann eine bestimmte Antwort auf diese Frage wagen. Sobald man diesen Ausdruck nicht auf die zweifelsohne miteinander verwandten Indo-Eranier beschränkt, gerät man in das Gebiet der ungewissen
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Hypothesen.¹) Physisch weichen die Völker, die wir unter dem
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    ¹) Selbst mit dieser so sehr eingeschränkten Behauptung, die ich aus den besten mir bekannten Büchern schöpfte, scheine ich mehr vorausgesetzt zu haben, als die Wissenschaft mit Sicherheit behaupten kann; denn ich lese in einer Specialarbeit: Les Aryens au nord et au sud de l'Hindou-Kousch von Charles de Ujfalvi (Paris 1896, S. 15) : „Le terme d'aryen est de pure convention; les peuples

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Namen „Arier“ zusammenzufassen gelernt haben, weit von einander ab; sie weisen den verschiedensten Schädelbau auf, auch verschiedene Farbe der Haut, der Augen und des Haares; und gesetzt, es habe eine gemeinsame indoeuropäische Urrasse gegeben, was kann man gegen das sich täglich anhäufende Material anführen, welches wahrscheinlich macht, dass auch andere, ganz unverwandte Typen von jeher in unseren heutigen sog. arischen Nationen reichlich vertreten sind, wonach man höchstens von einzelnen Individuen, nimmer von einem ganzen Volke sagen dürfte, es sei „arisch“? Sprachliche Verwandtschaft liefert keinen zwingenden Beweis für Gemeinschaft des Blutes; die auf sehr geringe Indizien hin vorausgesetzte Einwanderung der sogenannten Indoeuropäer aus Asien stösst auf die grosse Schwierigkeit, dass die Forschung immer mehr Gründe zu der Annahme findet, die Bevölkerung, welche wir als europäische Arier zu bezeichnen pflegen, sei seit undenklichen Zeiten in Europa ansässig;¹) für die umgekehrte Hypothese einer Kolonisation Indiens von Europa aus finden sich nicht die geringsten Anhaltspunkte... kurz, es ist diese Frage das, was die Bergleute ein „schwimmendes Land“ nennen; wer die Gefahr kennt, wagt sich möglichst wenig darauf. Je mehr man sich bei den Fachmännern erkundigt, um so weniger kennt man sich aus. Ursprünglich waren es die Sprachforscher, die den Kollektivbegriff „Arier“ aufstellten. Dann
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éraniens au nord et les tribus hindoues au sud du Caucasc indien diffèrent absolument comme type et descendent, sans aucun doute de deux races différentes.“
    ¹) G. Schrader (Sprachvergleichung und Urgeschichte), der die Frage mehr vom rein linguistischen Standpunkt aus studiert hat, gelangt zu dem Schluss: „Die uralte Ansässigkeit der Indogermanen in Europa ist erwiesen“; Johannes Ranke (Der Mensch) meint, es sei nunmehr erhärtet, dass wenigstens ein grosser Teil der Bevölkerung Europas schon zur Steinzeit „Arier gewesen sind“; und Virchow, dessen Autorität auf anthropologischem Gebiete um so grösser ist, als er unbedingten Respekt vor Thatsachen beweist und nicht wie Huxley und manche Andere darwinistische Luftschlösser aufbaut, Virchow meint, man könne nach dem anatomischen Befund die Behauptung aufstellen: „Die ältesten Troglodyten Europas seien vom arischen Stamme gewesen!“ (nach Ranke: Der Mensch, II, 578 citiert).

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kamen die anatomischen Anthropologen; die Unzulässigkeit der Schlüsse aus blosser Sprachenkunde wurde dargethan, und nun ging es ans Schädelmessen; die Craniometrie wurde ein Beruf, sie lieferte auch eine Menge enorm interessanten Materials; neuerdings aber ereilt diese sog. „somatische Anthropologie“
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das selbe Schicksal wie seiner Zeit die Linguistik: die Ethnographen haben zu reisen und wissenschaftlich-planmässige Beobachtungen am   l e b e n d e n   Menschen zu unternehmen begonnen und dabei dargethan, dass der Knochenmessung durchaus nicht die Wichtigkeit zukommt, die man ihr beizulegen pflegte; einer der bedeutendsten Schüler Virchow's ist zu der Überzeugung gelangt: der Gedanke, durch Schädelmessungen Probleme der Völkerkunde zu lösen, sei unfruchtbar.¹) Diese ganze Entwickelung hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stattgefunden; wer weiss, was man im Jahre 1950 über den „Arier“ lehrt? Heute jedenfalls, ich wiederhole es, kann der Laie nur schweigen.²) Schlägt er aber bei einem der bekannten Fachmänner nach, so wird er belehrt, die Arier „seien eine Erfindung der Studierstube und kein Urvolk“,³) erkundigt er sich bei einem anderen, so wird ihm geantwortet, die gemeinsamen Merkmale der Indoeuropäer, vom Atlantischen Ozean bis nach Indien, seien genügend, um die thatsächliche Blutsverwandt s c h a f t   ausser allen Zweifel zu stellen.4)
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    ¹) Ehrenreich: Anthropologische Studien über die Urbewohner Brasiliens (1897).
    ²) Wenn ich in diesem Buche das Wort Arier gebrauche, so thue ich es in dem Sinne des ursprünglichen Sanskritwortes ârya = „zu den Freunden gehörig“, ohne mich zu irgend einer Hypothese zu verpflichten. Die Verwandtschaft im Denken und im Fühlen bedeutet auf alle Fälle eine Zusammengehörigkeit. (Vgl. das S. 121, Anmerk. 1 Gesagte).
    ³) R. Hartmann: Die Negritier (1876) S. 185. Ähnlich Luschan und viele Forscher. Salomon Reinach z. B. (L'origine des Aryens, 1892, S. 90) schreibt: „Parler d'une race aryenne d'il y a trois mille ans, c'est émettre une hypothèse gratuite: en parler comme si elle existait encore aujourd'hui, c'est dire tout simplement une absurdité.“
   4) Friedrich Ratzel, Johannes Ranke, Paul Ehrenreich u. s. w.,

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    Ich hoffe, in diesen zwei Absätzen die grosse Konfusion veranschaulicht zu haben, welche unter uns heute in Bezug auf den Begriff „Rasse“ besteht. Diese Konfusion ist nicht nötig, d. h., bei
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uns praktischen, handelnden, dem Leben angehörigen Männern nicht. Und zwar darum nicht, weil wir, um die Lehren der Geschichte zu deuten und um, im Zusammenhang hiermit, unsere Gegenwart zu begreifen, gar nicht nach verborgenen Ursprüngen und Ursachen zu forschen brauchen. Schon im vorigen Abschnitt habe ich Goethe's Worte angeführt: „Lebhafte Frage nach der Ursache ist von grosser Schädlichkeit.“ Was klar vor Aller Augen liegt, genügt schon, wenn nicht für die Wissenschaft, so doch für das Leben. Die Wissenschaft freilich muss ihren dornigen, doch ewig reizvollen Weg weiterwandeln; sie gleicht
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überhaupt die neueren, vielgereisten Ethnographen. Jedoch geschieht das mit vielen Schwankungen, da die Verwandtschaft nicht notwendigerweise auf gemeinsamem Ursprung beruht, sondern auch durch Kreuzung entstanden sein könnte. Ratzel z. B., der an einer Stelle die Einheitlichkeit der gesamten indoeuropäischen Rasse positiv behauptet (siehe Litterarisches Centralblatt, 1897, S. 1295) sagt an einer anderen (Völkerkunde, 1895, II., 731): „die Annahme, dass alle diese Völker einerlei Ursprungs seien, ist nicht notwendig oder wahrscheinlich.“ — Sehr bemerkenswert ist es, dass auch die Leugner der arischen Rasse nichtsdestoweniger immerfort von ihr sprechen; als „working hypothesis“ können sie sie nicht entbehren. Selbst Reinach redet, nachdem er nachgewiesen hat, eine arische Rasse habe es niemals gegeben, später doch in einem unvorsichtigen Augenblick von dem „gemeinsamen Ursprung der Semiten und der Arier“ (a. a. O., S. 98). — Der oben angeführte Ujfalvi ist infolge eingehenderer Studien später zu dem entgegengesetzten Schlusse gekommen und glaubt an eine grande famille aryenne. Überhaupt können Anthropologen, Ethnologen und selbst Historiker, Religionsforscher, Philologen, Rechtsgelehrte des Begriffes „Arier“ von Jahr zu Jahr weniger entraten. Und dennoch wird Unsereiner, wenn er noch so vorsichtigen und streng umschränkten Gebrauch von dieser Vorstellung macht, von akademischen Skribenten und namenlosen Zeitungsreferenten verhöhnt und verunglimpft. Möge der Leser dieses Buches der Wissenschaft mehr trauen als den offiziellen Verflachern und Nivellierern und als den berufsmässigen antiarischen Konfusionsmachern. Würde auch bewiesen, dass es in der Vergangenheit nie eine arische Rasse gegeben hat, so wollen wir, dass es in der Zukunft eine gebe; für Männer der That ist dies der entscheidende Gesichtspunkt.

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einem Bergsteiger, der jeden Augenblick die höchste Kuppe zu erreichen wähnt, dahinter aber alsbald eine noch höhere entdeckt. Doch ist das Leben an diesen wechselnden Hypothesen nur ganz indirekt beteiligt. Eine der verhängnisvollsten Verirrungen unserer Zeit ist die, welche uns dazu treibt, den sogenannten „Ergebnissen“ der Wissenschaft ein Übergewicht in unseren Urteilen einzuräumen. Gewiss kann Wissen aufklärend wirken, das ist aber nicht immer der Fall, namentlich deswegen nicht, weil dieses Wissen ewig auf schwanken Füssen steht. Wie können denn einsichtsvolle Menschen bezweifeln, dass vieles, was wir heute zu wissen wähnen, in 100, 200, 500 Jahren als krasse Ignoranz belächelt werden wird? Manche Thatsachen mögen freilich schon heute als endgültig sichergestellt betrachtet werden; neues Wissen rückt aber die selben Thatsachen in ein völlig neues Licht, verbindet sie zu früher nicht geahnten Figuren, verrückt sie in der Perspektive; das Urteil nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft richten, ist das selbe, als wenn ein Maler die Welt durch ein durchsichtiges, ewig wechselndes Kaleidoskop statt mit dem blossen Auge betrachten wollte. Reine Wissenschaft (im Gegensatz zur industriellen) ist ein edles Spielzeug; ihr grosser geistiger und sittlicher Wert beruht zum nicht geringen Teil gerade darauf, dass sie nichts „nützt“; in dieser Beziehung ist sie der Kunst durchaus analog, sie bedeutet das nach aussen gewandte Sinnen; und da die Natur unerschöpflich reich ist, führt sie dadurch dem Inneren immer neues Material zu, bereichert dessen Inventar an Vorstellungen und bereitet der Phantasie eine neue Traumwelt als Ersatz für die allmählich ver-
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blassende alte.¹) Das Leben dagegen, rein als solches, ist ein anderes Wesen als das systematische Wissen, ein weit stabileres, fester gegründetes, umfassenderes; es ist eben der Inbegriff aller Wirklichkeit, während selbst die präziseste Wissenschaft schon
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    ¹) In ähnlicher Weise äussert sich der Physiker Lichtenberg: „Die Naturlehre ist, für mich wenigstens, eine Art von sinking fund (Tilgungsfond) für die Religion, wenn die vorwitzige Vernunft Schulden macht.“ (Fragmentarische Bemerkungen über physikalische Gegenstände, 15.)

319 Die Erben. Das Völkerchaos.



das verdünnte, verallgemeinerte, nicht mehr unmittelbare Wirkliche darstellt. Ich verstehe hier unter Leben, was man sonst wohl auch „Natur“ nennt, wie wenn zum Beispiel die moderne Medizin lehrt: durch das Fieber befördert die   N a t u r   den Stoffwechsel und verteidigt den Menschen gegen die Krankheit, die ihn beschlichen hat. Die Natur ist eben, was man „selbstwirkend“ nennt; ihre Wurzeln reichen weit tiefer hinunter, als bis wohin das Wissen wird jemals gelangen können. Und so meine ich nun, dass wir — die wir als denkende, vielwissende, kühn träumende und forschende Wesen doch gewiss eben solche integrierende Bestandteile der Natur sind wie alle anderen Wesen und Dinge und wie unser eigener Leib — mit grosser Zuversicht uns dieser Natur, diesem Leben anvertrauen dürfen. Wenn auch die Wissenschaft uns an gar vielen Stellen im Stiche lässt, wenn sie, wetterwendisch wie ein moderner Parlamentspolitiker, heute verlacht, was sie gestern als ewige Wahrheit lehrte, das darf uns nicht beirren; so viel wir zum Leben brauchen, werden wir schon erfahren. Überhaupt ist die Wissenschaft eine zwar herrliche, doch nicht ungefährliche Freundin; sie ist eine grosse Gauklerin und verführt den Geist leicht zu toller Schwärmerei; Wissenschaft und Kunst sind wie die Rosse an Plato's Seelenwagen; der „gesunde Menschenverstand“ (um dessen Verlust Professor Virchow klagte) bewährt sich nicht zum wenigsten darin, dass er die Zügel straff spannt und diesen edlen Tieren nicht gestattet, mit seinem natürlichen, gesunden Urteil durchzugehen. Einfach vermöge unserer Eigenschaft als lebendige Wesen steckt in uns eine unendlich reiche und sichere Fähigkeit, dort, wo es Not thut, auch ohne Gelehrsamkeit das Richtige zu treffen. Wer unbefangen und mit lauterem Sinn die Natur befragt — „die Mütter“, wie sie die alten Mythen nannten — kann sicher sein, eine Antwort zu erhalten, wie sie eine Mutter ihrem Sohne giebt, nicht immer logisch untadelhaft, doch wesentlich richtig, verständlich und auf das Beste des Sohnes mit sicherem Instinkte gerichtet. So auch in der Frage, was   R a s s e   zu bedeuten habe: eine der wichtigsten, vielleicht die allerwichtigste Lebensfrage, die an den Menschen herantreten kann.

320 Die Erben. Das Völkerchaos.



Bedeutung von Rasse
    Unmittelbar überzeugend wie nichts anderes ist der Besitz von   „R a s s e“   im   e i g e n e n   Bewusstsein. Wer einer ausge-
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sprochenen, reinen Rasse angehört, empfindet es täglich. Die Tyche seines Stammes weicht nicht von seiner Seite: sie trägt ihn, wo sein Fuss wankt, sie warnt ihn, wie der Sokratische Daimon, wo er im Begriffe steht, auf Irrwege zu geraten, sie fordert Gehorsam und zwingt ihn oft zu Handlungen, die er, weil er ihre Möglichkeit nicht begriff, niemals zu unternehmen gewagt hätte. Schwach und fehlervoll wie alles Menschliche, erkennt dennoch ein solcher Mann sich selbst (und wird von guten Beobachtern erkannt) an der   S i c h e r h e i t   seines Charakters, sowie daran, dass seinem Thun eine einfache Grösse zu eigen ist, die in dem bestimmt Typischen, Überpersönlichen ihre Erklärung findet. Rasse hebt eben einen Menschen über sich selbst hinaus, sie verleiht ihm ausserordentliche, fast möchte ich sagen übernatürliche Fähigkeiten, so sehr zeichnet sie ihn vor dem aus einem chaotischen Mischmasch von allerhand Völkern hervorgegangenen Individuum aus; und ist nun dieser edelgezüchtete Mensch zufällig ungewöhnlich begabt, so stärkt und hebt ihn die Rassenangehörigkeit von allen Seiten, und er wird ein die gesamte Menschheit überragendes Genie, nicht weil er wie ein flammendes Meteor durch eine Laune der Natur auf die Erde herabgeworfen wurde, sondern weil er wie ein aus tausend und abertausend Wurzeln genährter Baum stark, schlank und gerade zum Himmel emporwächst — kein vereinzeltes Individuum, sondern die lebendige Summe ungezählter, gleichgerichteter Seelen. Wer ein offenes Auge besitzt, erkennt ja bei Tieren „Rasse“ sofort. Sie zeigt sich an dem ganzen Habitus und bekundet sich in hundert Einzelheiten, die sich der Analyse entziehen; ausserdem bewährt sie sich in den Leistungen, denn ihr Besitz führt immer zu etwas Excessivem, Ungewöhnlichem, ja, wenn man will, zu Übertriebenem und Einseitigem. Man kennt Goethe's Behauptung, einzig das Überschwängliche mache die Grösse;¹) das ist es, was
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    ¹) Materialien zur Geschichte der Farbenlehre, Abschnitt über Newton's Persönlichkeit.

321 Die Erben. Das Völkerchaos.



eine aus vorzüglichem Material gezüchtete Rasse den Individuen verleiht: ein Überschwängliches. Und wahrlich, was jedes Rennpferd, jeder rein gezüchtete Fuchsterrier, jedes Cochinchinahuhn uns lehrt, das lehrt uns die Geschichte unseres eigenen Geschlechtes mit beredter Zunge! Ist nicht die Blüte des hellenischen Volkes ein Überschwängliches sondergleichen? Und sehen wir dieses Überschwängliche nicht erst entstehen, als die Zuzüge
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aus dem Norden aufgehört haben und die verschiedenen kräftigen Stämme auf der Halbinsel nunmehr abgeschlossen zu einer neuen Rasse verschmelzen, reicher und schillernder dort, wo das verwandte Blut aus verschiedenen Quellen zusammenfloss, wie in Athen, einfacher und widerstandsfähiger, wo selbst dieser Vermischung ein Riegel vorgeschoben worden war, wie in Lakedämon? Wird die Rasse nicht wie ausgelöscht, sobald das Schicksal das Land aus seiner stolzen Exklusivität losreisst und es einem grösseren Ganzen einverleibt?¹) Lehrt nicht Rom das selbe? Sehen wir nicht auch hier aus einer besonderen Blut-
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    ¹) Dass dieses Auslöschen nur allmählich geschah, und zwar trotz einer politischen Situation, die eigentlich, wenn hier nicht Rassenanlagen bestimmend gewesen wären, das Hellenische sofort hätte aus der Welt austilgen müssen, ist bekannt. Bis weit in die christliche Zeit hinein blieb Athen der Mittelpunkt des geistigen Lebens der Menschheit; Alexandrien machte zwar mehr von sich reden, dafür sorgte das starke semitische Kontingent; wer aber ernstlich studieren wollte, reiste nach Athen, bis christliche Beschränktheit im Jahre 529 die dortigen Schulen auf immer schloss, und wir erfahren, dass noch damals selbst der Mann aus dem Volke sich in Athen „durch die Lebhaftigkeit seines Geistes, die Korrektheit der Sprache und die Sicherheit des Geschmackes auszeichnete“. (Gibbon, Kap. 40.) Eine ausführliche und in ihrer Klarheit höchst fesselnde Darlegung der allmählichen Vernichtung der hellenischen Rasse durch fremde Einwanderung findet man in George Finlay: Medieval Greece, ch. 1. Nacheinander waren römische Soldatenkolonien aus allen Teilen des Imperiums, dann Kelten, Germanen, Slavonier, Bulgaren, Wallachen, Albanesen u. s. w. in das Land gezogen und hatten sich mit der ursprünglichen Bevölkerung vermischt. Die Zakonen, die noch im 15. Jahrhundert zahlreich waren, jetzt aber fast ganz ausgestorben sind, sollen die einzigen reinen Hellenen sein.

322 Die Erben. Das Völkerchaos.



mischung¹) eine durchaus neue Rasse hervorgehen, keiner späteren in Anlagen und Fähigkeiten ähnlich, mit überschwänglicher Kraft begabt? Und vollbringt nicht hier der Sieg, was dort die Niederlage vollbrachte, nur noch viel schneller? Wie ein Katarakt stürzt das fremde Blut in das fast entvölkerte Rom, und alsbald haben die Römer aufgehört zu sein. Wäre von allen Semiten ein einziges winziges Völkchen zu einer die Welt umspannenden Macht geworden, wenn nicht die Reinheit der Rasse sein unerschütterliches Grundgesetz gebildet hätte? In Tagen, wo so viel Unsinn über diese Frage geredet wird, lasse man sich von Disraeli belehren, dass die ganze Bedeutung des Judentums in der Reinheit seiner Rasse liege, diese allein verleihe ihm Kraft und Bestand, und wie es die Völker des Altertums überlebt habe, so
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werde es, dank seiner Kenntnis dieses Naturgesetzes, die sich ewig vermischenden Stämme der Gegenwart überleben.²)
    Was sollen uns die weitläufigen wissenschaftlichen Untersuchungen, ob es unterschiedliche Rassen gebe? ob Rasse einen Wert habe? wie das möglich sei und so weiter? Wir kehren den Spiess um und sagen: dass es welche giebt, ist evident; dass die Qualität der Rasse entscheidende Wichtigkeit besitzt, ist eine Thatsache der unmittelbaren Erfahrung; Euch kommt nur zu, das Wie und das Warum zu erforschen, nicht Eurer Unwissenheit zuliebe die Thatsachen selbst abzuleugnen. Einer der bedeutendsten Ethnologen des heutigen Tages, Adolf Bastian, bezeugt: „Was wir in der Geschichte bemerken, ist keine Umwandlung, kein Übergehen der Rassen ineinander, sondern es sind   n e u e   u n d   v o l l k o m m e n e   S c h ö p f u n g e n,   die die ewig junge Produktionskraft der Natur aus dem Unsichtbaren des Hades hervortreten lässt.“³) Wer die kleine Strecke von
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    ¹) Vergl. S. 135, Anm.
    ²) Siehe die Romane Tancred und Coningsby. In letzterem sagt Sidonia: „Rasse ist alles; es giebt keine andere Wahrheit. Und jede Rasse muss zu Grunde gehen, die ihr Blut sorglos Vermischungen hingiebt.“
    ³) Das Beständige in den Menschenrassen und die Spielweite ihrer Veränderlichkeit, 1868, S. 26.

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Calais nach Dover zurückgelegt hat, glaubt sich auf einem anderen Gestirn angekommen, so tief ist der Unterschied zwischen den doch so vielfach verwandten Engländern und Franzosen. Zugleich kann der Beobachter an diesem Beispiel den Wert der reineren „Inzüchtung“ kennen lernen. England ist durch seine Insellage so gut wie abgeschnitten; die letzte (nicht sehr zahlreiche) Invasion fand vor 800 Jahren statt, seitdem sind nur einige Tausend Niederländer, später einige Tausend Hugenotten hinübergesiedelt (alles Stammesverwandte), und so ist die augenblicklich unzweifelhaft   s t ä r k s t e   Rasse Europas gezüchtet worden.¹)
    Die unmittelbare Erfahrung bietet uns aber eine Reihe ganz andersgearteter Beobachtungen über Rasse, durch die wir nach und nach unser Wissen erweitern und bestimmter gestalten
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können. Im Gegensatz zu der neuen, werdenden, angelsächsischen Rasse sehe man sich zum Beispiel die Sephardim an, die sogenannten „spanischen Juden“; hier erfährt man, wie eine echte Rasse sich durch Reinheit Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch edel erhalten kann, zugleich aber, wie sehr es not thut, zwischen den wirklich edel gezüchteten Teilen eines Volkes und den übrigen zu unterscheiden. In England, Holland und Italien giebt es noch echte Sephardim, wenige aber, da sie der Vermengung mit den Aschkenazim (den sogenannten „deutschen Juden“) kaum mehr ausweichen können. So haben zum Beispiel die Montefiores der jetzigen Generation alle ohne Ausnahme deutsche Jüdinnen geheiratet. Jeder aber, der im Osten von Europa gereist ist, wo die unverfälschten Sephardim noch heute jeglichem Verkehr mit deutschen Juden, vor denen sie einen fast
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    ¹) Hier wäre auch Japan zu nennen, wo ebenfalls eine glückliche Vermischung und nachher inselhafte Abgeschiedenheit zur Bildung einer sehr merkwürdigen Rasse geführt hat, viel stärker und (innerhalb der mongoloiden Möglichkeitssphäre) viel tiefer beanlagt als die meisten Europäer es ahnen. Vielleicht die einzigen Bücher, in denen man die japanische Seele kennen lernt, sind die des   L a f c a d i o   H e a r n:   Kokoro, hints and echoes of Japanese inner life; Gleanings in Buddha fields; u. A.

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komischen Abscheu an den Tag legen, möglichst aus dem Wege gehen, wird mir beistimmen, wenn ich sage, dass man erst durch den Anblick und den Verkehr mit diesen Männern die Bedeutung des Judentums in der Weltgeschichte begreifen lernt. Das ist Adel im vollsten Sinne des Wortes, echter Rassenadel! Schöne Gestalten, edle Köpfe, Würde im Reden und Gebahren. Der Typus ist „semitisch“ in dem selben Sinne wie der gewisser vornehmer syrischer oder arabischer Männer. Dass aus solcher Leute Mitte Propheten und Psalmisten hervorgehen konnten, das verstand ich beim ersten Anblick, was mir, aufrichtig gestanden, selbst bei der genauesten Betrachtung der vielen hundert Bochers in der Friedrichstrasse zu Berlin nie hatte gelingen wollen. Wenn wir in den heiligen Büchern der Juden Umschau halten, so sehen wir auch, dass die Umbildung des Monopolytheismus dieses Volkes zu der immerhin grossartigen (wenn auch für unser Gefühl zu mechanisch-materialistischen) Vorstellung eines wirkliche kosmischen Monotheismus das Werk nicht der Gesamtheit, sondern eines ganz kleinen Bruchteiles der Bevölkerung ist; ja, diese Minorität hat einen unaufhörlichen Kampf gegen jene Majorität zu führen, und sie muss ihr die edlere Lebensauffassung mit Macht aufzwingen, d. h. mit der höchsten menschlichen Gewalt, der Macht der Persönlichkeit. Die übrige Bevölkerung macht den Eindruck einer ungewöhnlich gemeinen, jeder höheren Regung baren Masse, die Reichen hart und ungläubig, die Armen wankelhaft und stets voll der Sehnsucht, sich dem erbärmlichsten schmutzigsten Götzendienst in die Arme zu werfen — oder es müssten die Propheten stark übertrieben haben. Der Gang der
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jüdischen Geschichte hat nun für eine eigentümliche Zuchtwahl der moralisch höher Stehenden gesorgt: durch die Exile, durch die fortwährende Ausscheidung in die Diaspora, welche eine Folge der Armut des Landes und der bedrängten Lage war, blieben (von den besseren Klassen) nur die gesinnungstreuesten zurück, und diese perhorrescierten jegliche eheliche Verbindung — auch mit Juden! — in welcher nicht beide Teile die ungetrübt reine Abstammung aus einem der Stämme Israels darthun konnten und deren strenge Orthodoxie nicht über jeden Zweifel erhaben

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war.¹) Da blieb denn keine sehr grosse Auswahl; denn die nächsten Nachbarn, die Samaritaner, waren heteredox, und in den ferneren Landesteilen war, ausser bei den getrennt sich haltenden Leviten, die Bevölkerung vielfach stark gemischt. Auf diese Art wurde dort Rasse gezüchtet. Und als nun die endliche Zerstreuung kam, wurden diese einzigen echten Juden alle, oder fast alle, nach Spanien übergeführt. Da die klugen Römer nämlich sehr wohl zu unterscheiden wussten, versetzten sie diese gefährlichen Fanatiker, diese stolzen Männer, deren blosser Blick Gehorsam von der Menge erzwang, aus ihrer östlichen Heimat in den fernsten Westen,²) wogegen sie das jüdische Volk ausserhalb des engeren Judäa nicht mehr belästigten als die Juden der Diaspora.³) — Da haben wir nun wieder einen höchst interessanten Anschauungsunterricht über Entstehung und Wert einer „Rasse“! Denn von allen den Menschen, die wir gewohnt sind als   J u d e n   zu bezeichnen, stammen verhältnismässig wenige von jenen echten, grossen Hebräern, vielmehr sind es die Nachkommen der Juden aus der Diaspora, Juden, die nicht die letzten grossen Kämpfe, ja, zum grossen Teil nicht einmal die Makkabäerzeit mitgemacht hatten; diese und dann das arme, in Palästina zurückgebliebene Landvolk, das später in christlichen Zeiten vertrieben wurde oder flüchtete, das sind die Leute, von denen „unsere Juden“ abstammen. Wer nun durch den Augenschein kennen lernen will, was edle Rasse ist und was nicht, der lasse
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    ¹) Uneheliche Kinder werden bei gläubigen Juden gar nicht in die Gemeinde aufgenommen. Bei den heutigen Sephardim im Osten Europas wird ein Mädchen, von welchem es ruchbar wird, dass sie gefehlt hat, sofort von Bevollmächtigten der Gemeinde in irgend ein fremdes Land geführt und dort untergebracht; weder sie noch ihr Kind darf je wieder etwas von sich hören lassen, sie gelten als gestorben. Auf diese Art wird dafür gesorgt, dass auch die blinde Liebe nicht fremdes Blut in den Stamm hineinbringe.
    ²) Siehe z. B. Graetz a. a. O., Kap. 9, „Der diasporische Zeitraum“.
    ³) In Tiberias z. B. bestand Jahrhunderte lang eine tonangebende Rabbinerschule. (Über die Veredlung der Sephardim durch Gotenblut, siehe weiter unten.)

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sich aus Salonichi oder Sarajevo den ärmsten der Sephardim holen (grosse Reichtümer sind unter diesen Leuten sehr selten, denn sie sind makellos ehrenhaft) und stelle ihn neben einen beliebigen Baron Rothschild oder Hirsch hin: dann wird er den Unterschied gewahr werden zwischen dem durch Rasse verliehenen Adel und dem von einem Monarchen oktroyierten.¹)

Die fünf Grundgesetze
    Weitere Beispiele liessen sich in HülIe und Fülle beibringen Ich glaube aber, wir haben schon jetzt alles beisammen, was nötig ist, um unser Wissen über Rasse systematisch zu analysieren und so die Grundprinzipien zu einem bewussten, sachgemässen Urteil zu gewinnen. Wir schliessen hier nicht von hypothetischen Urzuständen auf mögliche Folgen, sondern wir schreiten von sicheren Thatsachen auf ihre unmittelbaren Ursachen zurück. Die Ungleichheit der Anlagen selbst zwischen offenbar nahe verwandten Stämmen ist evident; ausserdem ist aber für Jeden, der genauer beobachtet, ebenso evident, dass hier und dort, während längerer oder kürzerer Zeit, ein Stamm sich nicht allein von den anderen unterscheidet, sondern sie mächtig überragt, weil in ihm ein Überschwängliches an Begabung und Leistungsfähigkeit sich kundgiebt. Dass dies auf Rassenzüchtung beruht, habe ich durch die vorangehenden Beispiele anschaulich zu machen versucht. Was sich aus diesen Beispielen (die jeder beliebig vermehren mag) ergiebt, gestattet nun, die Entstehung solcher edler Rassen als von fünf Naturgesetzen abhängig zu erkennen.
    1. Die erste, grundlegende Bedingung ist unstreitig das Vor-
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    ¹) Die Goten, die später in hellen Scharen zum Mohammedanismus übertraten, dessen edelste und fanatischeste Verfechter sie wurden, sollen früher in grossen Zahlen das Judentum angenommen haben, und ein gelehrter Fachmann der Wiener Universität versichert mir, die moralische und intellektuelle, sowie auch die physische Überlegenheit der sog. „spanischen“ und „portugiesischen“ Juden sei eher aus diesem reichlichen Zufluss echt germanischen Blutes zu erklären, als aus jener Züchtung, die ich einzig hervorgehoben habe, und deren Bedeutung er übrigens auch nicht unterschätzt wissen wollte. Ob diese Ansicht Berechtigung besitzt, möge dahingestellt bleiben.

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handensein   v o r t r e f f l i c h e n   Materials. Wo es nichts giebt, verliert der König seine Rechte. Wenn Jemand aber fragt, woher kommt dieses Material? so antworte ich, ich weiss es nicht, ich bin in dieser Beziehung ebenso ignorant als wäre ich der grösste aller Gelehrten, und ich verweise den Frager auf die Worte des erhabenen Weltweisen des 19. Jahrhunderts, Goethe: „Was nicht mehr entsteht, können wir uns als entstehend nicht denken. Das Entstandene begreifen wir nicht“. Soweit unser Blick zurückreicht, sehen wir Menschen, sehen, dass sie grundverschieden in ihrer Anlage sind, und sehen, dass Einige kräftigere Wachstumskeime zeigen, als andere. Nur Eines kann man, ohne den Boden historischer Beobachtung zu verlassen, behaupten: hohe Vortrefflichkeit tritt nur durch die Veranlassung besonderer Umstände nach und nach in die Erscheinung, sie wächst durch erzwungene Bethätigung; andere Umstände können sie gänzlich verkümmern lassen. Der Kampf, an dem ein von Hause aus
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schwaches Menschenmaterial zu Grunde geht, stählt das starke; ausserdem stärkt der Kampf ums Leben dieses Starke durch Ausscheidung der schwächeren Elemente. Die Kindheit grosser Rassen sehen wir stets von Krieg umtobt, selbst die der metaphysischen Inder.
    2. Das Vorhandensein wackerer Menschen giebt jedoch noch lange kein Überschwängliches; solche Rassen wie die Griechen, die Römer, die Franken, die Schwaben, die Italiener und Spanier der Glanzzeit, die Mauren, die Engländer, solche abnorme Erscheinungen wie die arischen Inder und die Juden entstehen nur durch fortgesetzte   I n z u c h t.   Sie entstehen und sie vergehen vor unseren Augen. Inzucht nennt man die Erzeugung von Nachkommenschaft ausschliesslich im Kreise der engeren Stammesgenossen mit Vermeidung jeder fremden Blutmischung. Schlagende Beispiele habe ich schon oben genannt.
    3. Jedoch die Inzucht pure et simple reicht zu dem Werke nicht hin; mit der Inzucht muss Auswahl oder, wie die Fachmänner sagen,   „Z u c h t w a h l“   Hand in Hand gehen. Am besten begreift man dieses Gesetz, wenn man die Prinzipien der künstlichen Züchtung im Pflanzen- und Tierreich studiert; das möchte

328 Die Erben. Das Völkerchaos.



ich auch Jedem anempfehlen, denn es giebt wenige Dinge, welche unsere Vorstellungen von den plastischen Möglichkeiten des Lebens so bereichern.¹) Hat man nun einsehen gelernt, welche Wunder die Wahl vollbringt, wie ein Rennpferd oder ein Dachshund oder ein „überschwängliches“ Chrysanthemum nach und nach durch sorgfältige Ausscheidung alles Minderwertigen erzeugt wird, dann wird man das selbe Phänomen auch im Menschengeschlecht als wirksam erkennen, wenngleich es hier natürlich nie mit der Klarheit und Bestimmtheit wie dort auftreten kann. Als Beispiel führte ich vorhin die Juden an; das Aussetzen schwächlicher Kinder ist ein weiteres und war jedenfalls eines der segenvollsten Gesetze der Griechen, Römer und Germanen; harte Zeiten, welche nur der stämmige Mann, das ausdauernde Weib überlebt, wirken in ähnlichem Sinne.²)
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    4. Wenig beachtet wurde bisher ein weiteres Grundgesetz, welches mir mit voller Sicherheit aus der Geschichte hervorzugehen scheint, ebenso wie es eine Erfahrungsthatsache der Tierzüchtung ist: dem Entstehen ausserordentlicher Rassen geht ausnahmslos eine   B l u t m i s c h u n g   voraus. Wie der scharfsinnige Denker, Emerson, sagt: „We are piqued with pure descent, but nature loves inoculation.“ Von den arischen Indern können wir freilich in dieser Beziehung nichts aussagen, ihre Vorgeschichte verliert sich in zu nebelhaften Fernen; dagegen liegen betreffs der Juden, Hellenen und Römer die Thatsachen vollkommen klar vor Augen, nicht minder klar in Betreff aller Nationen Europas, die sich durch Gesamtleistungen und durch die Hervorbringung einer grossen Zahl „überschwänglich“ begabter Individuen ausgezeichnet haben. Bezüglich der Juden
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    ¹) Die Litteratur ist enorm; wegen der Einfachheit, Verständlichkeit und umfassenden Vielseitigkeit sei jedem Laien vor Allem Darwin's Animals and Plants under Domestication empfohlen. Im Origin of Species ist über das selbe Thema etwas zu kurz und tendenziös berichtet.
    ²) Dass zum Beispiel die viele Jahrhunderte umfassende Epoche der Wanderung im Sinne einer zunehmend veredelnden Zuchtwahl auf die Germanen hat wirken müssen, veranschaulicht Jhering mit besonderer Klarheit (Vorgeschichte, S. 462 fg.).

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verweise ich auf das folgende Kapitel, bezüglich der Griechen, der Römer und der Engländer habe ich schon öfters auf diese Thatsache hingedeutet;¹) jedoch, ich möchte den Leser ersuchen, sich die Mühe nicht verdriessen zu lassen, in Curtius und in Mommsen jene Kapitel am Anfang, die man wegen der vielen Namen und des wirren Durcheinanders gewöhnlich mehr durchblättert als studiert, einmal aufmerksam zu lesen. Nie hat eine so gründliche und günstige Vermischung stattgefunden, wie in Griechenland: aus einem gemeinsamen Urstock hervorgegangen, bilden sich in Ebenen, die durch Berge oder Meere getrennt sind, charakteristisch unterschiedene Stämme, jagende, friedlich Ackerbau treibende, seefahrende u. s. w.; und nun findet unter diesen differenzierten Bestandteilen ein Durcheinanderschieben, eine Vermengung statt, wie sie ein künstlich züchtender Verstand sich nicht vollkommener ausgerechnet haben könnte. Wir haben zunächst Wanderungen von Osten nach Westen, später umgekehrt von Westen nach Osten über das Ägäische Meer hinüber; inzwischen sind aber die Stämme des äussersten Nordens (in erster Reihe die Dorier) bis nach dem äussersten Süden vorgedrungen, wobei sie viele der Edelsten, die sich nicht unterjochen lassen wollten, aus diesem Süden nach jenem Norden, aus dem sie selbst eben gekommen waren, oder auch über das Meer auf die Inseln und nach der hellenischen Küste Asiens hinüberdrängten. Eine jede dieser Verschiebungen bedingte aber Blutmischung. So zogen zum Beispiel die Dorier nicht alle nach dem Peloponnes,
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sondern Teile von ihnen blieben an jeder Station ihrer langsamen Wanderungen haften und verschmolzen dort mit den früheren Einwohnern. Ja, diese ursprünglichen Dorier selber, die uns als ein besonderes einheitliches Ganzes vorschweben, wussten in alter Zeit, dass sie aus drei verschiedenen Stämmen zusammengesetzt waren, von denen der eine ausserdem der Stamm der   P a m p h y l e n   hiess, d. h. „der Stamm der Leute von allerlei Herkunft“. Wo die glücklichste Mischung vor sich ging, da entstand die überschwänglichste Begabung: in Neu-Ionien und in
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    ¹) Siehe namentlich S. 135,273 und weiter unten S. 286 u. 292.

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Attika. In Neu-Ionien „kamen Griechen zu Griechen, es kamen Ionier in ihre alte Heimat, aber sie kamen so umgewandelt, dass aus der neuen Vereinigung des ursprünglich Verwandten eine durchaus nationale, aber zugleich ungemein gesteigerte, reiche und in ihrem Ergebnisse vollständig neue Entwickelung in dem alten Ionierlande anhob“. Am lehrreichsten ist aber die Entstehungsgeschichte des attischen, speziell des atheniensischen Volkes. Gerade in Attika (wie sonst einzig in Arkadien) blieb die ursprüngliche pelasgische Bevölkerung festhaften, „sie wurde niemals von fremder Gewalt ausgetrieben“. Das zum Inselmeer gehörige Küstenland lud aber zur Einwanderung; diese kam auch von allen Seiten; und während die fremden Phönicier nur auf den benachbarten Inseln Handelsstationen gründeten, drangen die stammverwandten Griechen von diesseits und jenseits des Meeres ins Innere ein und vermischten sich nach und nach mit den früheren Einwohnern. Nun kam die Zeit der vorhin erwähnten dorischen Völkerwanderung und der grossen, langanhaltenden Umwälzungen; Attika allein blieb verschont; und da flüchteten neuerdings aus allen Himmelsrichtungen viele dorthin, aus Böotien, Achaja und Messenien, aus Argos und Ägina u. s. w.; diese neuen Einwanderer stellten aber nicht ganze Bevölkerungen dar, sondern waren in der überwiegenden Mehrzahl ausgewählte Männer, Männer aus erlauchtem, oft königlichem Geschlecht. Durch sie fand eine ungewöhnliche Bereicherung des einen kleinen Landes an echtem, gezüchtetem Rassenadel statt. Dann erst, also erst aus einer bunten Vermischung, entstand jenes Athen, welchem die Menschheit mehr verdankt als je auszurechnen wäre.¹) —
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Die geringste Überlegung wird nun zeigen, wie das selbe Gesetz sich bei Deutschen, Franzosen, Italienern und Spaniern bewährt.
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    ¹) Siehe Curtius: Griechische Geschichte, Buch I, Kap. 4 und Buch II, Kap. 1 und 2. — Dass Graf Gobineau lehrt, die ausserordentliche geistige und namentlich künstlerische Begabung der Griechen sei auf eine Infiltration semitischen Blutes zurückzuführen, zeigt, zu welchen unsinnigen Annahmen man durch falsche, künstliche, der Geschichte und der Naturbeobachtung widersprechende Grundhypothesen gedrängt wird.

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Die einzelnen germanischen Stämme zum Beispiel sind wie eine rein brutale Naturkraft, bis sie sich miteinander zu vermengen beginnen; man sehe, wie das an bedeutenden Männern reiche Burgund durch ein inniges Gemisch des germanischen mit dem romanischen Element seine ihm eigentümliche Bevölkerung erhält und in Folge der lang anhaltenden politischen Isolierung zur charakteristischen Individualität ausbildet;¹) die Franken erwachsen zur vollen Kraft und schenken der Welt einen neuen Typus des Menschlichen dort, wo sie mit den vorangegangenen
germanischen Stämmen und mit Galloromanen verschmelzen, oder aber dort, wo sie, wie in Franken, gerade den Vereinigungspunkt der verschiedensten deutschen und slavischen Elemente bilden; Schwaben, das Vaterland Mozart's und Schiller's, ist von einem halbkeltischen Stamme bewohnt; Sachsen, welches dem deutschen Volke so viele seiner grössten Männer geschenkt hat, enthält eine fast durchwegs mit slavischem Blute verquickte Bevölkerung; und hat Europa es nicht innerhalb der letzten drei Jahrhunderte erlebt, dass eine erst neu entstandene Nation, bei welcher die Blutmischung eine noch viel gründlichere war, die preussische, sich durch ihre hervorragende Kraft zum Führer des gesamten deutschen Reiches aufgeschwungen hat? — Es kann natürlich an diesem Orte nicht meine Aufgabe sein, das hier Angedeutete ausführlich zu begründen; da ich jedoch gerade die hohe Bedeutung von reingezüchteten Rassen verfechte, so muss es mir besonders am Herzen liegen, die Notwendigkeit, oder zum
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    ¹) Diese innige Vermischung fand dadurch statt, dass die Burgunder im ganzen Lande einzeln angesiedelt und jeder von ihnen der „Hospes“ eines früheren Einwohners wurde, von dessen bebautem Land er zwei Drittel, von dessen Hof und Garten er die Hälfte zu eigen erhielt, während Wälder und Weideplätze gemeinschaftlich blieben. Mochte nun zunächst gewiss keine grosse Sympathie zwischen dem Eingedrungenen und seinem Wirt bestehen, sie lebten doch Thür an Thür und waren miteinander solidarisch bei Grenzstreitigkeiten und ähnlichen auf den Besitz sich beziehenden Rechtsfragen; da konnte die Verschmelzung nicht lange ausbleiben. Vergl. namentlich Savigny: Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter, Kap. 5, Abschn. 1.)

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Mindesten Nützlichkeit der Blutmischung zu betonen, und zwar nicht allein um dem Vorwurf der Einseitigkeit und der apriorischen Voreingenommenheit zu begegnen, sondern weil ich glaube, die Vertreter dieser Sache haben ihr gerade durch die Verkennung
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des wichtigen Gesetzes der Vermischung sehr geschadet. Sie geraten dann auf den mystischen Begriff einer an und für sich „reinen Rasse“, welcher ein luftiges Gedankending ist und, anstatt zu fördern, nur hemmt. Weder die Geschichte, noch die Experimentalbiologie spricht zu Gunsten einer derartigen Auffassung. Die Rasse der englischen Vollblutpferde ist durch die Kreuzung arabischer Hengste mit gewöhnlichen (natürlich ausgesuchten) englischen Stuten erzeugt worden, gefolgt von Inzucht, jedoch so, dass neuerliche Kreuzung zwischen Varietäten von geringer Abweichung, oder auch mit Arabern, von Zeit zu Zeit ratsam ist; eines der edelsten Wesen, welches die Natur überhaupt aufweisen kann, der sogenannte „echte“ Neufundländer, ist ursprünglich aus der Kreuzung zwischen dem Eskimohund und einem französischen Hetzhund entstanden, sodann, in Folge der abgeschiedenen Lage Neufundlands, durch andauernde Inzucht fest und „rein“ geworden, zuletzt, als Exemplare dieser Rasse von Liebhabern nach Europa gebracht wurden, durch Zuchtwahl zur höchsten Veredelung ausgebildet worden. — Vielleicht lächelt mancher Leser, wenn ich immer wieder von Tierzüchtung spreche? Sicherlich sind aber die Gesetze des Lebens grosse, einfache Gesetze, welche alles Lebende umfassen und gestalten; wir haben nicht die geringste Veranlassung, das Menschengeschlecht als eine Ausnahme zu betrachten; und da wir gerade in Bezug auf Rassenzüchtung leider nicht in der Lage sind, Experimente mit Menschen anzustellen, so müssen wir die an Tieren und Pflanzen gemachten Versuche zu Rate ziehen. — Ich darf jedoch die Besprechung des vierten Gesetzes nicht abschliessen, ohne eine andere Seite dieses Vermischungsgesetzes hervorgehoben zu haben; fortgesetzte Inzucht innerhalb eines sehr kleinen Kreises, das, was man „Engzucht“ nennen könnte, führt mit der Zeit zur Entartung und namentlich zur Sterilität. Zahllose Erfahrungen der Tierzucht beweisen das. Es genügt dann bisweilen eine

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einzige Kreuzung, nur an einzelnen Mitgliedern einer Meute zum Beispiel vorgenommen, damit die geschwächte Rasse wieder aufblühe und die geschlechtliche Fruchtbarkeit sich wieder einstelle. Bei Menschen sorgt schon der Schalk Eros so ausgiebig für diese Auffrischung, dass wir nur in hochadeligen Kreisen und bei einigen königlichen Familien¹) zunehmenden Verfall der geisti-
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gen und physischen Anlagen in Folge von „Engzucht“ beobachten können.²) Die geringste Entfernung im Verwandtschaftsgrade der sich ehelich Verbindenden (auch innerhalb genau des selben Typus) genügt, um die hohen Vorzüge der Inzucht mit Ausschluss dieser Nachteile zu sichern. Doch sieht Jeder, dass hier sich irgend ein geheimnisvolles Lebensgesetz kund thut, ein so dringendes Lebensgesetz, dass im Pflanzenreich — wo die Befruchtung innerhalb einer und der selben Blüte auf den ersten Blick das Natürliche und Unvermeidliche dünkt — meistens die kompliziertesten Einrichtungen vorhanden sind, um dies zu verhindern und um zugleich dafür zu sorgen, dass, wenn der männliche Pollenstaub nicht im Winde fliegt, er durch Insekten von einem Individuum zum anderen getragen werde.³) Die Einsicht
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    ¹) Siehe die Angaben bei Haeckel: Natürliche Schöpfungsgeschichte (Vorl. 8). Weit ausführlichere Angaben in einem Buche von P. Jacoby: Études sur la sélection dans ses rapports avec l'hérédité chez l'homme, das ich leider nicht vor Augen habe.
    ²) Hierher gehören allerdings auch die allbekannten schlimmen Folgen der Ehen zwischen Nächstverwandten; die Sinnesorgane (sowie überhaupt das Nervensystem) und die Geschlechtsorgane haben am häufigsten darunter zu leiden. (Siehe George H. Darwin's Vorträge: Die Ehen zwischen Geschwisterkindern und ihre Folgen, Leipzig 1876.)
    ³) Die leider noch zahlreichen Menschen, die der Naturforschung fernstehen, mache ich auf Christian Konrad Sprengel's: Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen, 1793, aufmerksam. Dieses Werk sollte ein Stolz der ganzen deutschen Nation sein; es liegt seit 1893 in einem Facsimiledruck (Berlin bei Mayer & Müller) vor und kann vom Ungelehrtesten gelesen werden. Von neueren Publikationen ist namentlich Hermann Müller's: Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Insekten und ihre Anpassungen an dieselben (Engelmann 1881) anregend, durch die vielen Illustrationen anschaulich, auch vollständig.

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in ein offenbar so grundlegendes Naturgesetz lässt vermuten, dass die Entstehung ausgezeichneter Rassen aus einer ursprünglichen Durchdringung verschiedener Stämme, wie wir sie in der Geschichte beobachteten, nicht ein Zufall war; vielmehr bilden die historischen Thatsachen weitere Belege dafür, dass Blutvermischung für die Entstehung edler Rassen besonders günstige physiologische Bedingungen schafft.¹)
    5. Noch ein fünftes Gesetz muss namhaft gemacht werden,
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wenngleich es mehr einschränkend und erläuternd ist, als dass es ein neues Element zur Rassenfrage beibrächte.   N u r   g a n z   b e s t i m m t e,   b e s c h r ä n k t e   B l u t m i s c h u n g e n   sind für die Veredelung einer Rasse, resp. für die Entstehung einer neuen, förderlich. Auch hier wieder liefert uns die Tierzüchtung die klarsten, unzweideutigsten Beispiele. Die Blutmischung muss zeitlich streng beschränkt, ausserdem muss sie eine zweckmässige sein; nicht alle beliebigen Vermischungen, sondern nur bestimmte können die Grundlage zur Veredelung abgeben. Mit zeitlicher Beschränkung will ich sagen, dass die Zufuhr neuen Blutes möglichst schnell vor sich gehen und dann aufhören muss; fortdauernde Blutmischung richtet die stärkste Rasse zu Grunde. Um ein extremes Beispiel zu nehmen, die berühmteste Windhundmeute Englands wurde ein   e i n z i g e s   Mal mit Bulldoggen gekreuzt, wodurch sie an Mut und Ausdauer gewann; dagegen
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Zusammenfassend und die aussereuropäischen Pflanzen berücksichtigend ist des selben Verfassers: Blumen und Insekten in der Trewendt'schen Encyklopädie der Naturwissenschaften. Es giebt wohl wenige Betrachtungen, die uns auf so kurzem Wege unmittelbar in die geheimnisvollsten Wunder der Natur hineinführen, wie diese Aufdeckung der gegenseitigen Lebensbeziehungen zwischen Pflanzen- und Tierwelt. Was heisst unser Wissen, was bedeuten unsere Hypothesen solchen Erscheinungen gegenüber? Diese lehren uns treu beobachten und uns im Kreise des Erreichbaren bescheiden. (Während der Drucklegung dieses Buches begann Knuth's: Handbuch der Blütenbiologie bei Engelmann zu erscheinen.)
    ¹) Zu dieser Frage der für die Entstehung ausserordentlich leistungsfähiger Rassen unentbehrlichen Blutmischung ist namentlich Reibmayr: Inzucht und Vermischung beim Menschen, 1897, zu Rate zu ziehen.

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lehren weitere Experimente, dass bei Fortsetzung einer derartigen Kreuzung die Charaktere beider Rassen verschwinden und gänzlich charakterlose Bastarde übrig bleiben.¹) Crossing obliterates characters. Die bestimmt zweckmässige Beschränkung bezieht sich darauf, dass nur   g e w i s s e   Kreuzungen, nicht alle, veredeln. Es giebt Mischungen, die, weit entfernt veredelnd zu wirken, beide Rassen verderben, und es kommt ausserdem recht häufig vor, dass die bestimmten, wertvollen Charaktere zweier verschiedener Typen sich gar nicht miteinander zu verschmelzen vermögen; im letzteren Falle richtet sich ein Teil der Nachkommenschaft nach dem einen Elternteil, der andere nach dem anderen, aber natürlich mit vermischten Zügen, oder aber es kommen die eigentlichen echten Bastarde zum Vorschein, Wesen, deren Körper den Eindruck macht, als sei er aus unzusammengehörigen Teilen zusammengeschraubt, und deren geistige Beschaffenheit der körperlichen entspricht.²) Wobei noch ausserdem zu bemerken ist, dass die Verbindung von Bastard mit Bastard den vollkommenen Niedergang aller und jeder hervorragenden Rasseneigenschaft mit rasender Schnelligkeit vollbringt. Man darf also durchaus nicht glauben, dass Blutvermischung zwischen verschiedenen Stämmen die Rasse unter allen Umständen veredelt und als Bereicherung ihrer Anlagen durch fremde Anlagen wirkt. Das ist nur unter seltenen, bestimmten Bedingungen und strengen Einschränkungen der Fall; als Regel führt Blutvermischung zur Entartung. Es zeigt sich namentlich das Eine recht
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deutlich: dass Vermischung zweier sehr fremdartiger Wesen nur dann zur Bildung einer edlen Rasse führt, wenn sie höchst selten stattfindet und von strenger Inzucht gefolgt wird (wie beim englischen Vollblutpferd und beim Neufundländer), dagegen sonst Vermischung nur wo sie zwischen nahen Verwandten, zwischen Angehörigen des selben Grundtypus vorkommt, von Erfolg ist. — Auch hier wiederum kann Keiner, der die ausführlichen Ergebnisse
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    ¹) Darwin: Animals and Plants, Kap. 15.
    ²) Auch hierfür findet man bei Darwin zahlreiche Beispiele. Was speziell die Hunde betrifft, so sind Beispiele Jedem gegenwärtig.

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der Tierzucht kennt, im Zweifel sein, dass die Menschengeschichte vor uns und um uns herum dem selben Gesetze gehorcht. Natürlich tritt es hier zunächst nicht mit der gleichen Deutlichkeit auf wie dort; wir sind nicht in der Lage, eine Anzahl Menschen einzuhegen und durch etliche Generationen hindurch Versuche mit ihnen anzustellen; ausserdem, was dem Pferde die Schnelligkeit, was dem Hunde die merkwürdig plastisch bewegliche Gestalt ist, das ist dem Menschen der Geist: hier drängt bei ihm alle Lebenskraft hin, hier konzentriert sich darum seine Variabilität, und gerade diese Unterschiede in Charakter und Intelligenz sind dem Auge nicht sichtbar.¹) Doch hat die Geschichte Experimente im grossen Stil durchgeführt, und Jeder, dessen Auge nicht an Einzelheiten kleben bleibt, sondern grosse Komplexe zu übersehen gelernt hat, Jeder, der das Seelenleben der Völker verfolgt, wird Bestätigungen für das hier genannte Gesetz in Hülle und Fülle entdecken. Entstehen z. B. die überschwänglich begabte attische und die unerhört kluge und starke römische Rasse durch die Vermengung mehrerer Stämme, so sind dies miteinander nahe verwandte und edle, reine Stämme, und diese Elemente werden durch die Staatenbildung dann Jahrhunderte lang von aussen abgeschlossen, so dass sie Zeit haben, sich zu einem neuen festen Gebilde zu amalgamieren; als dagegen diese Staaten jedem Fremden aufgerissen werden, geht die Rasse zu Grunde, und zwar in Athen langsam, weil dort in Folge der politischen Lage nichts Besonderes zu holen war, die Vermengung folglich
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    ¹) Nur darf nicht übersehen werden, dass, wenn man in der Lage wäre, künstliche Menschenzüchtungen anzustellen, man sicherlich auch körperlich die ungeheuersten Unterschiede erzielen würde in Bezug auf Grösse, Behaarung, Proportionen u. s. w. Man stelle nur einen Zwerg aus den Urwäldern am mittleren Congo, wenig über einen Meter hoch, den ganzen Körper mit Haarflaum bedeckt, neben einen preussischen Gardegrenadier: man wird sehen, welche plastische Möglichkeiten in der menschlichen Körperbildung schlummern. — Was den Hund anbelangt, so ist noch daran zu erinnern, dass seine verschiedenen Rassen „sicherlich von mehr als einer wilden Stammart herzuleiten sind“ (Claus: Zoologie, 4. Aufl., II, 458); daher seine fast beängstigende Polymorphie.

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nur nach und nach und dann noch zum grössten Teil mit Indoeuropäischen Völkern stattfand,¹) in Rom mit furchtbarer Schnelligkeit, nachdem Marius und Sulla die Blüte der echten Römer ermordet, den Urquell edlen Blutes also eingedämmt und im selben Augenblick durch die Freisprechung der Sklaven wahre Fluten afrikanischen und asiatischen Blutes ins Volk gebracht hatten und bald darauf Rom das Stelldichein aller Mestizen der Welt, die cloaca gentium, geworden war.²) Ähnliches bemerken wir auf allen Seiten. Wir sehen die Engländer aus einer gegenseitigen Durchdringung getrennter, doch nahe verwandter germanischer Stämme hervorgehen; die normannische Invasion giebt hier gewissermassen die letzte Würze, den letzten Glanz; dagegen haben es die historisch-geographischen Bedingungen mit sich gebracht, dass die verwandtschaftlich etwas ferner stehenden Kelten bei Seite blieben und selbst noch heute nur nach und nach mit der herrschenden Rasse verschmelzen. Wie offenbar anregend und auffrischend wirkt auf die Bevölkerung Berlins (noch bis heute) die Einwanderung der französischen Hugenotten, fremd genug, um das Leben durch Neues zu bereichern, freund genug, um mit ihren preussischen Wirten nicht zusammengeschraubte Bastarde, sondern charakterstarke Männer von seltener Begabung zu zeugen. Um das Entgegengesetzte zu erblicken, brauchen wir nur nach Südamerika hinüberzuschauen. Giebt es einen jammervolleren Anblick als den der südamerikanischen Mestizenstaaten? Die sogenannten Wilden von Zentralaustralien führen ein weit harmonischeres, menschenwürdigeres, sagen wir ein „heiligeres“ Dasein, als diese unseligen Peruaner, Para-
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    ¹) Wogegen die Beobachtung höchst lehrreich ist, dass in Ionien der Hellene, den buntesten Bastardierungen ausgesetzt, viel schneller verschwand.
    ²) Lange vor mir hatte Gibbon die Ursachen des Untergangs des römischen Reiches in der physischen Verschlechterung der Rasse erkannt; jetzt wird das selbe in ausführlicher Weise von O. Seeck in seiner Geschichte des Unterganges der antiken Welt dargethan. Nur die Einwanderung der kraftstrotzenden Germanen hat das chaotische Reich noch künstlich ein paar Jahrhunderte länger am Leben erhalten.

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guayaner u. s. w., Blendlinge aus zwei (und oft aus mehr) unvereinbaren Rassen, aus zwei Kulturen, denen nichts gemeinsam war, aus zwei Entwickelungsstufen, zu verschieden an Alter und Gestalt, um eine Ehe eingehen zu können, Kinder einer naturwidrigen Unzucht. Wer sich ernstlich über die Bedeutung von Rasse belehren will, kann recht viel an diesen Staaten lernen; nehme nur die Statistiken zur Hand; er wird die verschiedensten Verhältnisse finden zwischen der rein europäischen resp. rein indianischen Bevölkerung und der halbschlächtigen, und er wird sehen, dass die relative Entartung mit der Blutvermischung genau Schritt hält. Ich nehme die zwei extremen Fälle, Chile und Peru. In Chile, dem einzigen dieser Staaten,¹) der einigen, bescheidenen Anspruch auf wahre Kultur erheben kann und der
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auch verhältnismässig geordnete politische Zustände aufweist, sind gegen 30 Prozent der Bewohner noch rein spanischer Herkunft, und dieses Drittel genügt schon, um die moralische Auflösung hintanzuhalten;²) dagegen giebt es in Peru, das bekanntlich den anderen Republiken mit dem Beispiel des totalen moralischen und materiellen Bankerotts vorangegangen ist, fast gar keine Indoeuropäer reiner Rasse mehr; mit Ausnahme der noch uncivilisierten Indianer des Innern besteht dort die gesamte Bevölkerung aus Cholos, Musties, Fusties, Terceronen, Quarteronen u. s. w., Kreuzungen zwischen Indianern und Spaniern, zwischen Indianern und Negern, Spaniern und Negern, weiter zwischen den verschiedenen Rassen und jenen Mestizen oder Kreuzungen der Mestizenarten untereinander; in letzterer Zeit sind viele Tausende von Chinesen hinzugekommen... Da sehen wir die von Virchow und Ratzel ersehnte Promiskuität am Werke, und wir sehen, was dabei herauskommt! Freilich ist es ein sehr extremes Beispiel, aber um so lehrreicher. Wenn nicht die enorme Macht der umgebenden Civilisation einen solchen Staat von allen Seiten
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    ¹) Im portugiesischen Brasilien herrschen wesentlich andere Verhältnisse.
    ²) Nach Albrecht Wirth: Volkstum und Weltmacht in der Geschichte, 1901, S. 159, kommt den Chilenen noch zugute, dass ihre Indianer — die Araukaner — einer besonders edlen Rasse angehören.

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künstlich unterstützte, wenn er z. B. durch einen Zufall abgeschnitten und sich selbst überlassen bliebe, er würde in kurzer Zeit in völlige Barbarei verfallen, nicht in eine menschliche, nein, in eine bestialische Barbarei. Einem ähnlichen Schicksal gehen alle diese Staaten entgegen.¹) — Auch hier überlasse ich dem Leser das weitere Nachdenken und Belegesammeln bezüglich dieses fünften Naturgesetzes, welches uns zeigt, dass jede Blutmischung eine gefährliche Sache ist und nur unter Beobachtung bestimmter Kautelen zur Veredelung der Rasse beitragen kann, sowie dass viele mögliche Kreuzungen unbedingt schädlich und zerstörend wirken; sind dem Leser die Augen erst geöffnet, so wird er für dieses Gesetz wie für die anderen vier in Gegenwart und Vergangenheit überall Belege finden.²)
    Das sind also die fünf Prinzipien, die mir grundlegend erscheinen: die Qualität des Materials, die Inzucht, die Zuchtwahl, die Notwendigkeit von Blutmischungen, die Notwendigkeit, dass diese Blutmischungen in der Wahl und in der Zeit streng beschränkt seien. Aus diesen Prinzipien ergiebt sich dann des Weiteren als Folgesatz, dass die Entstehung einer hochedlen
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Menschenrasse unter Anderem auch von bestimmten   h i s t o r i s c h - g e o g r a p h i s c h e n   B e d i n g u n g e n   abhängt; diese sind es, welche die Veredelung des Grundmaterials, sowie die Inzucht und die Zuchtwahl unbewusst vollbringen, sie auch — wenn ein guter Stern über der Geburtsstätte eines neuen
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    ¹) Bekanntlich herrschen sehr ähnliche Verhältnisse in den spanischen Kolonien. Eine einzige Ausnahme bildet die Insel Porto-Rico; hier wurden nämlich die eingeborenen Kariben gänzlich ausgerottet, und die Folge ist eine rein indoeuropäische Bevölkerung, welche sich durch Fleiss, Klugheit und Ordnungssinn auszeichnet: ein eklatantes Beispiel von der Bedeutung von Rasse!
    ²) Heinrich Schurtz kommt in seinem Werk Altersklassen und Männerbünde (S. 32) zu dem Schluss: „Erfolgreiche Kreuzungen sind nur innerhalb einer gewissen Verwandtschaftssphäre möglich und vorteilhaft. Ist die Verwandtschaft zu eng, wirklich nahe Blutsverwandtschaft, dann werden krankhafte Neigungen nicht kompensiert, sondern gesteigert; ist sie zu weit, dann ist keine günstige Mischung der Eigenschaften mehr möglich...“.

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Volkes waltet — führen die glücklichen Stammesehen herbei und wenden die Prostitution des Edlen in den Armen des Unedlen ab. Dass es im 19. Jahrhundert eine Zeit gab, wo gelehrte Forscher (Buckle an der Spitze) lehren konnten, die geographischen Verhältnisse   e r z e u g t e n   die Rassen, des dürfen wir heute füglich mit der kargen Ehre einer Paralipse gedenken; jene Lehre bedeutet einen Schlag ins Gesicht aller Geschichte und aller Beobachtung. Dagegen lässt jedes einzelne der aufgezählten Gesetze, dazu namentlich die Beispiele aus Rom, Griechenland, England, Judäa und Südamerika so deutlich begreifen, inwiefern die historisch-geographischen Bedingungen zu dem Entstehen und zu dem Vergehen eines Stammes nicht nur beitragen, sondern geradezu ein entscheidendes Moment dabei bilden, dass ich hier von weiteren Ausführungen absehen kann.¹)

Andere Einflüsse
Ist hiermit die Rassenfrage erschöpft? Weit entfernt davon! Diese biologischen Probleme sind ganz ausserordentlich verwickelt. Sie umfassen z. B. die noch so geheimnisvolle Thatsache der Vererbung, über deren Grundprinzipien die bedeutendsten Fachleute alle Tage uneiniger werden.²) Ausserdem wären noch allerhand andere Umstände in Betracht zu ziehen, die ein eingehendes Studium zu Tage fördert. Die Natur ist eben ein Unerschöpfliches; wir mögen das Lotblei noch so tief senken, den Boden erreichen wir niemals. Wer über diese Dinge nachdenken will, wird z. B. nicht übersehen dürfen, dass geringe
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    ¹) Wäre z. B., wie man häufig behauptet, das   K l i m a   von Attika das Ausschlaggebende gewesen, so wäre nicht einzusehen, warum die Genialität seiner Einwohner nur unter gewissen Rassenbedingungen entstand und nach ihrer Aufhebung auf ewig verschwand; ganz klar wird dagegen die Bedeutung der historisch-geographischen Verhältnisse, sobald wir gewahr werden, dass sie Attika während Jahrhunderte von den endlosen Umwälzungen der Völkerwanderung abschieden, zugleich aber dazu dienten, ihr eine ausgewählte edle Bevölkerung aus verschiedenen, doch stammverwandten Volkszweigen zuzuführen, die nun miteinander zu einer neuen Rasse verschmolzen.
    ²) Eine interessante Zusammenfassung der verschiedenen Meinungen aus neuester Zeit findet der Leser in Friedrich Rohde's Entstehung und Vererbung individueller Eigenschaften, 1895.

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Zahlen fremder Elemente von einer starken Rasse in kurzer Zeit
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ganz und gar absorbiert zu werden pflegen, dass es aber hierfür, wie die Chemiker sagen, eine bestimmte Kapazität, das heisst, ein bestimmtes Aufnahmevermögen giebt, über welches hinaus das Blut getrübt wird, was durch die Abnahme des Charakteristischen sich kundthut. Italien, in welchem die stolzleidenschaftlichen, überaus genialen Geschlechter kraftvoller Germanen, welche bis ins 14. Jahrhundert ihr Blut rein erhalten hatten, sich später, nach und nach, mit gründlich bastardierten Italikern und Italioten vermengten und so aus der Welt verschwanden, liefert ein Beispiel (siehe Kap. 6 und 9): crossing obliterates characters. Der sorgfältig Beobachtende wird ferner entdecken, dass bei Kreuzungen zwischen Menschenstämmen, die miteinander nicht nächstverwandt sind, die relative Zeugungskraft ein Faktor ist, der noch nach Jahrhunderten durchdringen und den Niedergang des edleren Bestandteiles eines gemischten Volkes nach und nach herbeiführen kann, weil nämlich die relative Zeugungskraft häufig im umgekehrten Verhältnis zum Rassenadel steht.¹) Hierfür er-
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    ¹) Professor August Forel, der bekannte Psychiater, hat in den Vereinigten Staaten und auf den Westindischen Inseln interessante Studien über den Sieg gemacht, den geistig niedrige Rassen über höherstehende durch ihre grössere Zeugungsfähigkeit davontragen. „Ist das Gehirn des Negers schwächer als das der Weissen, so sind seine Fortpflanzungskraft und das Überwiegen seiner Eigenschaften bei den Nachkommen um so mehr denjenigen der Weissen überlegen. Immer strenger sondert sich (darum) die weisse Rasse, nicht nur in sexueller, sondern in allen Beziehungen, von ihnen ab, weil sie endlich erkannt hat, dass   d i e   M i s c h u n g   i h r   U n t e r g a n g  i s t.“   Forel zeigt an zahlreichen Beispielen, wie unmöglich es dem Neger ist, unsere Civilisation mehr als hauttief zu assimilieren und wie er überall „der totalsten urafrikanischen Wildheit anheimfällt“, sobald er sich selbst überlassen bleibt. (Zu näherer Belehrung hierüber ist namentlich das interessante Buch von Hesketh Prichard: Where black rules white, Hayti, 1900, zu empfehlen; wer in den Phrasen von der Gleichheit aller Menschen u. s. w. erzogen ist, wird schaudern, wenn er erfährt, wie es in Wirklichkeit zugeht, sobald in einem Staate die Neger das Heft in der Hand halten.) Und Forel, der als Naturforscher in dem Dogma der einen, überall gleichen „Menschheit“ auferzogen ist, kommt zu dem Schlusse: „Zu ihrem

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leben wir ein Beispiel im heutigen Europa, wo die kurzen runden Schädel immerwährend an Zahl zunehmen und somit langsam die schmalen „Dolichocephalen“ verdrängen, aus denen, nach übereinstimmenden Gräberbefunden, fast die Gesamtzahl der echten alten Germanen, Slaven und Kelten bestand; man erblickt darin das Überhandnehmen einer von den Indogermanen besiegten fremdartigen Rasse (heute meistens als „turanische“ bezeichnet), welche durch animalische Kraft den geistig Überlegeneren allmählich überwindet.¹) Hierher gehört vielleicht auch die eigentümliche Thatsache des zunehmenden Übergewichtes der dunklen Augen vor den grauen und blauen, indem bei Ehen zwischen Menschen mit verschieden gefärbten Augen die dunklen fast
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eigenen Wohl sogar müssen die Schwarzen als das, was sie sind, als eine durchaus untergeordnete, minderwertige, in sich selbst kulturunfähige Menschenunterart behandelt werden. Das muss einmal deutlich und ohne Scheu erklärt werden.“ (Man sehe den Reisebericht in Harden's Zukunft vom 17. Februar 1900.) — Über diese Frage der Rassenmischungen und des beständigen Sieges der niedriger stehenden Rasse über die höher stehende, vergleiche man auch die an Thatsachen und Einsichten gleich reiche Arbeit Ferdinand Hueppe's: Über die modernen Kolonisationsbestrebungen und die Anpassungsmöglichkeit der Europäer an die Tropen (Berliner klinische Wochenschrift, 1901). In Australien z. B. findet in aller Stille, aber mit grosser Schnelligkeit, eine Auslese statt, durch welche der hochgewachsene blonde Germane — so stark vertreten im englischen Blute — verschwindet, wogegen das beigemengte Element des Homo alpinus die Oberhand gewinnt.
    ¹) Eine klare, leichtverständliche Zusammenfassung bei Johannes Ranke: Der Mensch II, 296 fg. Gründlicher, aber darum auch viel schwieriger, ist die Besprechung aller dieser Fragen im zweiten Teil von Topinard's L'Anthropologie. Merkwürdig ist bei letzterem nur die Anwendung des Wortes „Rasse“ für eine hypothetische Wesenheit, deren thatsächliches Dasein zu keiner Zeit nachgewiesen werden kann. „II n'y a plus de races pures“; wer beweist, dass es in diesem apriorischen Sinne anthropologischer Voraussetzungen jemals welche gab? Reine Tierrassen werden nur durch Züchtung und mit Zugrundelegung von Blutmischungen erzielt; warum sollte beim Menschen das Umgekehrte gelten? — Übrigens ist diese ganze „turanische“ Hypothese, wie alle diese Dinge, ein noch sehr luftiges Gedankenbild. Näheres über diese Fragen weiter unten, im Kap. 6.

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ausnahmslos weit zahlreicher in der Nachkommenschaft vertreten sind.¹)
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    Wollte ich hier fortfahren, wir kämen in eines der dornigsten Gebiete der heutigen Wissenschaft hinein. Es ist aber für meinen Zweck durchaus unnötig. Ohne mich um eine Definition zu kümmern, habe ich Rasse im eigenen Busen, in den Hochthaten der Genies, auf den glänzendsten Blättern der Menschengeschichte am Werke gezeigt; dann habe ich auf die wichtigsten Bedingungen aufmerksam gemacht, welche die wissenschaftliche Beobachtung als grundlegend für die Entstehung edler Rassen erhärtet. Dass aus dem Eintritt entgegengesetzter Bedingungen Entartung oder zum Mindesten die Hintanhaltung in der Ausbildung edler Anlagen folgen   m u s s,   scheint höchst wahrscheinlich und dürfte durch Vergangenheit und Gegenwart vielfach belegt werden. Ich war absichtlich vorsichtig und zurückhaltend; durch solche labyrinthisch verwickelte Fragen führt der engste Pfad am sichersten: mir lag einzig daran, eine recht lebhafte Vorstellung davon zu wecken, was reingezüchtete Rasse ist, was sie für das Menschengeschlecht bedeutet hat und noch heute bedeutet.

Die Nation
    Eine sehr wichtige Einsicht habe ich noch nicht ausdrücklich formuliert; sie ergiebt sich aus allem Gesagten von selbst: der Begriff Rasse hat nur dann einen Inhalt, wenn wir Ihn nicht möglichst weit, sondern möglichst eng nehmen; folgen wir dem herrschenden Gebrauch und bezeichnen wir mit diesem Worte möglichst weit zurückliegende, hypothetische Geschlechter, so wird es zuletzt kaum mehr als ein blasses Synonym für „Menschheit“ überhaupt, womöglich mit Einschluss der lang- und der kurzschwänzigen Affen; Rasse heisst nur dann etwas, wenn es sich auf Erfahrungen der Vergangenheit und auf Erlebnisse der Gegenwart bezieht.
    Hier lernen wir nun einsehen, was   N a t i o n   für Rasse zu bedeuten hat. Fast immer ist es die Nation, als politisches Gebilde, welche die Bedingungen zur Rassenbildung schafft oder
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    ¹) Alphonse De Candolle: Histoire des sciences et des savants depuis deus siècles, 2e éd.; pag. 576.

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wenigstens zu den höchsten, individuellsten Bethätigungen der Rasse führt. Wo, wie in Indien, die Bildung von Nationen ausbleibt, da verkümmert der durch Rasse angesammelte Kraftvorrat. Die Konfusion aber, welche unter uns in Bezug auf den Begriff Rasse herrscht, verhindert selbst die Gelehrtesten, diese hohe Bedeutung der Nationen einzusehen, wodurch zugleich das Verständnis für die grundlegenden Thatsachen der Geschichte verschlossen bleibt. Denn in der That, was lehren uns unsere heutigen Historiker über das Verhältnis zwischen Rasse und Nation?
    Ich nehme ein beliebiges Buch zur Hand — Renan's Rede „Was ist eine Nation?“ In Hunderten von anderen begegnet
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man den gleichen Lehren. Die These ist bei Renan deutlich formuliert: „Die Thatsache der Rasse“, schreibt er, „ursprünglich von entscheidender Wichtigkeit, verliert täglich an Bedeutung.“¹) Wie wird diese Behauptung begründet? Durch den Hinweis auf die Thatsache, dass die tüchtigsten Nationen Europas aus gemischtem Blute entstanden sind. Welch eine Menge Trugschlüsse birgt nicht dieser eine Satz, welche Unfähigkeit, sich durch Anschauung belehren zu lassen! Die Natur und die Geschichte zeigen uns kein einziges Beispiel hervorragend edler, physiognomisch individueller Rassen, welche nicht aus einer Vermischung hervorgegangen wären; und jetzt soll eine Nation von so ausgesprochener Individualität wie die englische keine Rasse darstellen, weil sie „aus der Vermengung von Angelsachsen, Dänen und Normannen“ (noch dazu eng verwandte Stämme) hervorgegangen ist! Die klarste Evidenz, die mir den Engländer als ein mindestens ebenso ausgeprägtes Sonderwesen wie den Griechen und den Römer der Glanzepochen zeigt, muss ich leugnen, leugnen zu Gunsten eines willkürlichen, in alle Ewigkeit unbeweisbaren Gedankendinges, zu Gunsten der vorausgesetzten, ursprünglichen „reinen Rasse“. Zwei Seiten früher hatte Renan selber auf
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    ¹) Renan: Discours et Conférences, 3eéd., p. 297: „Le fait de la race, capital à l'origine, va donc toujours perdant de son importance.“

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Grund der anthropologischen Befunde festgestellt, dass bei den ältesten Ariern, Semiten, Turaniern („les groupes aryen primitif, sémitiqtue primitif, touranien primitif“) man Menschen von sehr verschiedenem Körperbau antrifft, langschädelige und kurzschädelige, also auch sie hätten keine „gemeinsame „physiologische Einheit“ besessen. Gott, welche Wahngebilde entstehen nicht, sobald der Mensch nach angeblichen „Ursprüngen“ forscht! Immer wieder muss ich Goethe's grosses Wort anführen: „Lebhafte Frage nach der Ursache ist von grosser Schädlichkeit.“ Anstatt das Gegebene, das Erforschbare so zu nehmen wie es ist und uns mit der Erkenntnis der nächsten, nachweisbaren Bedingungen zu begnügen, glauben wir immer wieder von möglichst weit zurückliegenden, gänzlich hypothetischen Ursachen und Annahmen ausgehen zu müssen, denen wir das Gegenwärtige, Zweifellose ohne Scheu opfern. So sind unsere „Empiriker“ beschaffen. Dass sie nicht weiter als ihre eigene Nase sehen, das glauben wir ihnen gern aufs blosse Wort, leider sehen sie aber nicht einmal so weit, sondern rennen mit besagter Nase gegen faustdicke Thatsachen an und klagen dann über die be-
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treffenden Thatsachen, nicht über ihre eigene Kurzsichtigkeit. Was für ein Ding ist denn diese ursprünglich „physiologisch einheitliche Rasse“, von der Renan redet? Vermutlich ein naher Verwandter von Haeckel's Menschenaffen. Und dieser hypothetischen Bestie zuliebe soll ich leugnen, dass das englische Volk, das preussische Volk, das spanische Volk einen bestimmten, ganz und gar individuellen Charakter besitzt! Herr Renan vermisst die physiologische Einheit: ja, sieht er denn nicht ein, dass die physiologische Einheit durch die Ehe herbeigeführt wird? Wer sagt ihm denn, dass die hypothetischen Urarier nicht auch   g e w o r d e n   waren! Wir wissen allesamt nichts davon: was wir aber wissen, lässt es analogisch vermuten. Es gab unter ihnen schmale Köpfe und breite Köpfe: wer weiss, ob diese Mischung nicht nötig war, um eine edelste Rasse hervorzubringen? Das gemeine englische Pferd und das (zweifellos ursprünglich selber aus einer Mischung hervorgegangene) arabische Pferd waren „physiologisch“ ebenfalls sehr verschieden, und

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aus ihrer Verbindung erzeugte sich doch im Laufe der Zeit die physiologisch einheitlichste und edelste Tierrasse der Welt, das englische Vollblut. Nun sieht der grosse Gelehrte Renan das englische Menschenvollblut gewissermassen vor seinen Augen, nämlich die historischen Zeiten, entstehen. Was folgert er daraus? Er sagt: da der heutige Engländer weder der Kelte aus Caesar's Zeiten, noch der Angelsachse des Hengist, noch der Däne des Knut, noch der Normanne des Eroberers, sondern das Ergebnis einer Durchdringung aller vier sei, so könne man von einer englischen Rasse überhaupt nicht sprechen. Also, weil die englische Rasse eine geschichtlich gewordene ist (wie alle, von denen wir sichere Kunde besitzen), weil sie etwas durchaus neues, eigenartiges ist: darum existiert sie gar nicht! Wahrhaftig, es geht nichts über Gelehrtenlogik!
„Was ihr nicht rechnet,
Glaubt ihr, sei nicht wahr.“
Wir werden über die Bedeutung der Nationen für Rassenbildung ganz anders urteilen. Das römische Reich in seiner lmperiumzeit war die Verkörperung des   a n t i n a t i o n a l e n   Prinzips; dieses Prinzip führte zur Rassenlosigkeit und zugleich zum geistigen und moralischen Chaos; die Errettung aus dem Chaos geschah durch die zunehmend scharfe Ausbildung des entgegengesetzten
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Prinzips der   N a t i o n e n.¹)   Nicht immer hat die politische Nationalität bei der Erzeugung individueller Rassen die selbe Rolle gespielt wie in unserer neueren Kultur; ich brauche nur auf Indien, Griechenland und auf die Israeliten zu verweisen; jedoch schöner, folgenreicher und, wie es scheint, dauerhafter wurde das Problem nie gelöst als bei uns Germanen. Als hätte man sie aus dem Boden gestampft, ist in diesem kleinen europäischen Weltteil eine Reihe durchaus neuer, unterschiedener Gebilde hervorgegangen. Renan meint, nur in der alten   P o l i s   hätte es Rasse gegeben, weil allein dort die numerische Beschränktheit Blutgemeinschaft gestattet habe; das ist ganz
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    ¹) Dies bildet den Gegenstand des achten Kapitels.

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falsch; man braucht nur wenige Jahrhunderte zurückzurechnen, und jeder Mensch zählt Hunderttausende von Voreltern; was also in dem engen Gebiet Athens in verhältnismässig kurzer Zeit geschah, die physiologische Aneinanderknüpfung, das geschah bei uns im Laufe etlicher Jahrhunderte und setzt sich heute noch fort. Weit entfernt, dass die Bildung der Rasse in unseren Nationen abnähme, nimmt sie notwendiger Weise täglich zu. Je länger ein bestimmter Länderkomplex politisch vereinigt bleibt, umso inniger wird jene geforderte „physiologische Einheit“, um so schneller und gründlicher saugt sie fremde Elemente auf. Unsere Anthropologen und Historiker setzen ohne weiteres voraus, in ihren hypothetischen Urrassen seien die spezifischen, unterscheidenden Charakteristika hoch entwickelt gewesen, jetzt jedoch befänden sie sich in progressiver Abnahme; es fände also ein Fortgang aus ursprünglicher Mannigfaltigkeit zu zunehmender Einfältigkeit statt. Diese Annahme widerspricht aller Erfahrung, welche uns vielmehr lehrt, dass Individualisierung eine Frucht wachsender Differenzierung und Absonderung ist. Gegen die Voraussetzung, ein organisches Wesen trete zuerst mit scharf ausgesprochenen Kennzeichen auf, die sich dann allmählich verwischen, spricht die gesamte biologische Wissenschaft; diese zwingt uns geradezu die umgekehrte Hypothese auf: dass das frühe Menschengeschlecht ein bewegliches, verhältnismässig farbloses Aggregat war, aus welchem heraus die einzelnen Typen in zunehmender Divergenz und zunehmend scharfer Individualität hervorgewachsen sind; eine Hypothese, welche durch alle Geschichte bestätigt wird. Nicht also aus Rassentum zur Rassenlosigkeit ist der normale, gesunde Entwickelungsgang der Menschheit, sondern im Gegenteil, aus der Rassenlosigkeit zur immer schärferen Ausprägung der Rasse. Die Bereicherung des Lebens durch neue Individualitäten scheint überall ein höchstes Gesetz
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der unerforschlichen Natur zu sein. Hier spielt nun bei uns Menschen die Nation, welche fast immer Vermischung, gefolgt von Inzucht bewirkt, eine ausschlaggebende Rolle. Ganz Europa beweist es. Renan zeigt, wie viele Slaven mit den Germanen verschmolzen sind, und stellt ziemlich hämisch die Frage, ob man

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überhaupt berechtigt sei, die heutigen Deutschen „Germanen“ zu nennen: nun, mich dünkt, über Namen braucht man in solchen Fällen nicht zu streiten, — was die heutigen Deutschen   s i n d,   hat Herr Renan im Jahre 1870 erfahren können; er erfuhr es ausserdem durch die Gelehrten, deren Fleiss er neun Zehntel seines Wissens verdankt. Das ist der Erfolg von Rassenerzeugung durch Nationenbildung. Und da Rasse nicht bloss ein Wort ist, sondern ein organisches lebendiges Wesen, so folgt ohne weiteres, dass sie nie stehen bleibt: sie veredelt sich, oder sie entartet, sie entwickelt sich nach dieser oder jener Richtung und lässt andere Anlagen verkümmern. Das ist ein Gesetz alles individuellen Lebens. Der feste nationale Verband ist aber das sicherste Schutzmittel gegen Verirrung: er bedeutet gemeinsame Erinnerung, gemeinsame Hoffnung, gemeinsame geistige Nahrung; er festet das bestehende Blutband und treibt an, es immer enger zu schliessen.

Der Held
    Ebenso wichtig wie die klare Erkenntnis des organischen Verhältnisses zwischen Rasse und Nation, ist die des organischen Verhältnisses zwischen der Rasse und ihrer Quintessenz, dem   H e l d e n,   oder Genie. Gemeiniglich glauben wir wählen zu müssen zwischen Heldenanbetung und Heldengeringschätzung. Beides zeugt von ungenügender Einsicht. Was ich schon in der allgemeinen Einleitung ausgeführt habe, braucht nicht wiederholt zu werden; hier aber, wo die Rassenfrage im Vordergrunde steht, tritt uns dieses Problem in einer besonders klaren Fassung entgegen, und bei einiger Kraft der Anschauung müssen wir doch einsehen: der Einfluss der geistig hervorragenden Individuen in einem Geschlecht, wie das menschliche, dessen Eigenheit auf der Ausbildung seiner geistigen Fähigkeiten beruht, ist unermesslich, zum Guten und auch zum Bösen; diese Individuen sind die tragenden Füsse, die bildenden Hände jedes Volkes, sie sind das Antlitz, welches wir Andere erblicken, sie sind das Auge, welches selber die übrige Welt in einer bestimmten Weise erschaut und dem übrigen Organismus mitteilt. Hervorgebracht werden sie jedoch vom gesamten Körper; nur durch dessen Lebensthätigkeit können sie entstehen, nur an ihm und in ihm gewinnen sie Bedeutung.

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Was soll mir die Hand, wenn sie nicht aus einem kräftigen Arm
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als ein Stück, ein Teil davon herauswächst? Was soll mir das Auge, wenn die strahlenden Gestalten, die es erschaute, sich nicht weiterspiegeln in einer dahinter liegenden dunklen, fast amorphen Gehirnmasse? Erscheinungen erhalten erst dadurch Bedeutung, dass sie mit anderen Erscheinungen in Verbindung stehen. Je reicher das Blut unsichtbar in den Adern kreist, umso üppiger werden die Blüten des Lebens hervorsprossen. Die Behauptung, Homer habe Griechenland geschaffen, spricht zwar buchstäbliche Wahrheit aus, bleibt aber einseitig und irreleitend, solange nicht hinzugefügt wird: nur ein unvergleichliches Volk, nur eine ganz bestimmte, geadelte Rasse   k o n n t e  diesen Mann hervorbringen, nur eine Rasse, bei der das sehende und gestaltende Auge in überschwänglichster Weise zur Ausbildung gelangt war.¹) Ohne Homer wäre Griechenland nicht Griechenland geworden, ohne Hellenen wäre Homer nie geboren. Die Rasse, die den grossen Seher der Gestalten gebar, gebar auch den erfindungsreichen Seher der Figuren, Euklid, den luchsäugigen Ordner der Begriffe, Aristoteles, den Mann, der das System des Kosmos zuerst durchschaute, Aristarchos u. s. w. ad infinitum. Die Natur ist nicht so einfach, wie die Schulweisheit es sich träumt: ist grosse Persönlichkeit unser „höchstes Glück“, so ist doch gemeinschaftliche Grösse der einzige Boden, auf dem sie erwachsen kann. Die ganze Rasse z. B. ist es, welche die Sprache schafft, damit zugleich bestimmte künstlerische, philosophische, religiöse, ja sogar praktische Möglichkeiten, aber auch unübersteigliche Schranken. Auf hebräischem Boden konnte niemals ein Philosoph entstehen, weil der Geist der hebräischen Sprache die Verdolmetschung metaphysischer Gedanken absolut unmöglich macht; aus dem selben Grunde konnte kein semitisches Volk eine Mythologie im gleichen Sinne wie die Inder und die
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    ¹) Wer von der ungeheueren Kraft dieser Geschlechter, fähig einem Homer als Grundlage zu dienen, sich eine lebendige Vorstellung machen will, der lese die Beschreibung der Burgen von Tiryns und Mykenä aus atridischer Zeit, wie sie heute noch, nach Jahrtausenden, dastehen.

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Germanen besitzen. Man sieht, welche bestimmte Wege auch die grössten Männer durch die gemeinsamen Leistungen der ganzen Rasse gewiesen werden.¹) Die Sprache ist es aber nicht
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allein. Homer musste die Mythen vorfinden, um sie gestalten zu können; Shakespeare brachte auf die Bühne die Geschichte, die das englische Volk gelebt hatte; Bach und Beethoven entspriessen Stämmen, die schon den Alten durch ihr Singen auf gefallen waren. Und Mohammed? Hätte er die Araber zu einer Weltmacht erheben können, wenn sie nicht als eine der reinst gezüchteten Rassen der Erde bestimmte „überschwängliche“ Eigenschaften besessen hätten? Hätte ohne den neuen Stamm der Preussen der Grosse Kurfürst das Gebäude begründen, der grosse Friedrich ausbauen, der grosse Wilhelm vollenden können, welches jetzt Deutschland umfasst?

Das rassenlose Chaos
    Hiermit ist unsere erste Aufgabe in diesem Kapitel erledigt:  wir haben eine deutliche, konkrete Vorstellung davon bekommen, was Rasse ist und was sie für das Menschengeschlecht zu bedeuten hat; wir haben auch an einigen Beispielen der Gegenwart gesehen, wie verhängnisvoll die Abwesenheit von Rasse, d. h. also das Chaos unindividualisierter, artenloser Menschenagglomerate wirkt. Wer das nun alles einsieht und darüber nachsinnt, wird allmählich erkennen lernen, was es für unsere germanische Kultur bedeuten mag, dass die auf sie herabgeerbte Kultur des Altertums, welche an wichtigen Punkten noch immer nicht allein ihre Grundlage, sondern auch ihr Gemäuer bildet, ihr nicht durch ein bestimmtes Volk vermittelt wurde, sondern durch ein nationloses, physiognomiebares Gemenge, in welchem die Bastarde das grosse Wort führten, nämlich durch das Völkerchaos des untergehenden römischen Imperiums. Unsere gesamte geistige Entwickelung steht noch heute unter dem Fluche dieser unseligen Zwischenstufe; sie ist es, welche noch im 19. Jahrhundert den
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    ¹) Nach Renan (Israël, I, 102) vermag die hebräische Sprache weder einen philosophischen Gedanken, noch eine mythologische Vorstellung, noch das Gefühl des Unendlichen, noch die Regungen des menschlichen Innern, noch die reine Naturbetrachtung überhaupt zum Ausdruck zu bringen.

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antinationalen, rassenfeindlichen Mächten die Waffen in die Hand gab.
    Schon vor Julius Cäsar beginnt das Chaos zu entstehen; durch Caracalla wird es zum offiziellen Prinzip des römischen Reiches erhoben.¹) So weit das Imperium reichte, so weit hat gründliche Blutvermischung stattgefunden, doch so, dass die eigentliche Bastardierung, das heisst, wie wir jetzt wissen, die Kreuzung zwischen unverwandten oder zwischen edlen und unedlen Rassen fast ausschliesslich im südlichsten und im östlichsten Teil vorkam, dort, wo die Semiten mit den Indoeuropäern zusammentrafen — also in den Hauptstädten Rom und Konstantinopel, dann an der Nordküste Afrikas ganz entlang (sowie auch an den Küsten Spaniens und Galliens), vor Allem in Ägypten, Syrien und Kleinasien.
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    Es ist ebenso leicht als wichtig, sich den Umfang dieses Länderkomplexes vorzustellen. Die Donau und der Rhein treffen an ihrem Ursprung fast zusammen; die beiden Flussgebiete greifen so genau ineinander über, dass es in der Nähe des Albulapasses einen kleinen See giebt, der bei hohem Wasserstande, so wird versichert, auf der einen Seite in die Albula und den Rhein, auf der anderen in den Inn und die Donau abfliesst. Verfolgt man nun den Lauf dieser Flüsse von der Mündung des Alten Rheins in die Nordsee, bei Leyden, den Rhein hinauf und die Donau hinunter bis zu ihrer Mündung in das Schwarze Meer, so erhält man eine ununterbrochene Linie, welche den europäischen Kontinent in der Richtung von Nordwesten nach Südosten durchkreuzt; sie bildet die durchschnittliche Nordgrenze des römischen Reiches während langer Zeit; ausser in Teilen von Dacien (im heutigen Rumänien) haben sich die Römer niemals nördlich und östlich von dieser Grenze dauernd behauptet.²) Diese Linie teilt
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    ¹) Siehe S. 147.
    ²) Das römische Grenzwallsystem schnitt allerdings ein ziemliches Stück nördlich von der Donau und östlich vom Rhein ab, indem der Limes oberhalb Regensburgs nach Westen abzweigte, bis in die Nähe von Stuttgart, von dort wieder nach Norden, bis er westlich von Würzburg den Main traf. Doch wurde dieses sog. „Zehnt-

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Europa (wenn man den asiatischen und afrikanischen Besitz Roms dazurechnet) in fast zwei gleiche Teile. In dem südlichen Teile hat nun die grosse Bluttransfusion (wie die Ärzte die Einspritzung fremden Blutes in einen Organismus nennen) stattgefunden. Betitelt Maspero in seiner Geschichte der Völker der klassischen Orients den einen Band „das erste Durcheinander der Völker“, so könnte man hier von einem zweiten Durcheinander reden. In Britannien, sowie in Rhätien, im allernördlichsten Gallien u. s. w. scheint es freilich trotz der römischen Herrschaft zu keiner eigentlichen Durchdringung gekommen zu sein; auch im übrigen Gallien, sowie in Hispanien hatten wenigstens die aus Rom importierten neuen Elemente etliche Jahrhunderte verhältnismässiger Abgeschiedenheit zur Verschmelzung mit den früheren Einwohnern, ehe andere nachkamen, ein Umstand, welcher die Ausbildung einer neuen, sehr charakteristischen Rasse, der gallo-römischen, ermöglichte. Im Südosten dagegen, und namentlich an allen Kulturzentren (die, wie bereits hervorgehoben, einzig im Süden und Osten lagen) ergab sich ein um so gründlicheres, verderblicheres Durcheinander, als die aus dem Orient Hinzuströmenden selbst lauter halbschlächtige Menschen waren. Unter da-
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maligen Syriern z. B. darf man sich nicht eine bestimmte Nation, irgend ein Volk, eine Rasse vorstellen, sondern vielmehr ein bunte Agglomeration pseudohethitischer, pseudosemitischer, pseudohellenischer, pseudopersischer, pseudoskythischer Bankerte. Leichte Begabung, oft auch eigentümliche Schönheit, das, was die Franzosen un charme troublant nennen, ist Bastarden häufig zu eigen; man kann dies heutzutage in Städten, wo, wie in Wien, die verschiedensten Völker sich begegnen, täglich beobachten; zugleich aber kann man auch die eigentümliche Haltlosigkeit, die geringe Widerstandskraft, den Mangel an Charakter, kurz, die moralische Entartung solcher Menschen wahrnehmen. Den Syrier mache ich darum namhaft, weil ich nicht durch wortreiche
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land“ nicht von Italern, sondern, wie Tacitus erzählt, von „den Leichtfertigsten der Gallier“ bezogen. (Vgl. Wietersheim: Völkerwanderung I, 161 ff.)

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Aufzählungen, sondern durch Beispiele reden möchte; er aber war das Muster des aus allem völkischen Zusammenhang losgerissenen Bastards; gerade deswegen hat er bis zum Einbruch der Germanen (und noch darüber hinaus) eine grosse Rolle gespielt. Wir finden Syrier auf dem kaiserlichen Throne; Caracalla gehört zu ihnen, und das in Seide und Gold gekleidete, wie eine Tänzerin geschmückte Monstrum Heliogabalus wurde direkt aus Syrien importiert; wir finden sie in allen Verwaltungen und Präfekturen; sie, sowie ihr Seitenstück, die afrikanischen Bastarde, reden ein grosses Wort mit bei der Kodifikation des Rechtes und ein geradezu ausschlaggebendes bei der Ausbildung der römischen Universalkirche. Schauen wir uns einen dieser Männer näher an; wir bekommen dadurch sofort ein lebhaftes Bild des damaligen civilisierten Bruchteils Europas und seiner geschäftigen Kulturträger und erhalten somit einen Einblick in die Seele des Völkerchaos.

Lucian
    Der Schriftsteller Lucian ist wohl Jedem, wenigstens dem Namen nach, bekannt; seine hervorstechende Begabung zieht unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf ihn. Geboren an den Ufern des Euphrats, unfern der ersten Ausläufer des taurischen Gebirges in denen noch energische Stämme indoeuropäischer Herkunft wohnten) lernt der Knabe neben der syrischen Landessprache auch griechisch radebrechen. Er zeigt Talent für Zeichnen und Bildhauerei und wird zu einem Bildhauer in die Lehre gegeben, doch erst, nachdem ein Familienconcilium stattgefunden hat, um zu beraten, wie der Junge am schnellsten zu recht viel Geld kommen könne. Diese Sorge ums Geld bleibt fortan das ganze Leben hindurch, trotz der später angehäuften Reichtümer, der Leitstern — — — nein, das wäre zu schön gesagt, der treibende Impuls dieses begabten Syriers; in seiner Schrift Nigrinus gesteht er mit beneidenswerter Offenheit, das Liebste auf der Welt sei
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ihm Geld und Ruhm, und noch als alter Mann schreibt er ausdrücklich, er nehme die ihm von Commodus (dem Gladiatorenkaiser) angebotene hohe Beamtenstelle des Geldes wegen an. Doch mit der Kunst wird's nichts. In einer hochberühmten, aber meines Wissens bisher von keinem Historiker nach ihrem wahren

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Inhalt gewürdigten Schrift, „der Traum“,¹) sagt uns Lucian, weswegen er die Kunst aufgab und es vorzog, Jurist und Litterat zu werden. Im Traume waren ihm zwei Weiber erschienen; die eine „sah nach Arbeit aus“, hatte schwielige Hände, das Gewand über und über von Gips befleckt; die andere war elegant angezogen und stand gelassen da; die eine war die Kunst, andere... wer es nicht schon weiss, wird es nie erraten, andere war — die   B i l d u n g. ²)   Die arme Kunst bemüht sich, durch das Beispiel von Phidias und Polyklet, Myron und Praxiteles ihren neuen Jünger anzueifern, doch vergeblich; denn die Bildung thut überzeugend dar, die Kunst sei eine „unedle Beschäftigung“; den ganzen Tag bleibe der Künstler in einem schmutzigen Kittel über seine Arbeit gebückt, wie ein Sklave; selbst Phidias sei nur „ein gemeiner Handwerker“ gewesen, der „von seiner Hände Arbeit lebte“; — wer dagegen statt Kunst die „Bildung“ erwähle, dem stünden Reichtum und hohe Ämter in Aussicht, und wenn er auf der Strasse spazieren gehe, dann würden sich die Leute anstossen und sagen: „Schau', da geht der berühmte Mann !“³) Schnell entschlossen springt Lucian auf: „das unschöne, arbeitsvolle Leben verliess ich und trat zur Bildung über.“ Heute Bildhauer, morgen Advokat; wer ohne Bestimmung geboren ist, kann alles erwählen;4) wer nach Geld und Ruhm geht, braucht nicht in die Höhe zu schauen und riskiert also nicht, wie der Held des deutschen Kindermärchens, in den
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    ¹) Nicht mit dem „Traum des Schusters Micyllus“ zu verwechseln.
    ²) So wird, und wohl mit Recht, das griechische Wort παιδεία von den besten Übersetzern hier verdeutscht; um Kindererziehung handelt es sich nicht und „Wissenschaft“ würde zu viel besagen. Dem etwaigen Einwurf, dass die erste Frau sich zunächst nicht als die „Kunst“ kurzweg, sondern als „die Kunst, Hermen zu schnitzen vorstellt, ist zu entgegnen, dass sie doch später einfach als Τέχνη bezeichnet wird, und dass die Berufung auf Phidias und andere Künstler keinem Zweifel über die Absicht Raum lässt.
    ³) Das leise Echo vernahmen wir im 19. Jahrhundert: „Nennt man die besten Namen, so wird auch der meine genannt!“
    4) Vergl. S. 244.

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Brunnen zu fallen. Man glaube nicht, jener „Traum“ sei etwa
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eine Satire; als Rede gab ihn Lucian in seiner Vaterstadt zum Besten, als er sie später einmal, mit Gold und Lorbeeren bedeckt, besuchte; der Jugend von Samosata hielt er — er selber sagt es — seinen Lebenslauf als Beispiel vor. Welche bittere Satire ihr ganzes Schicksal auf das Leben der wahrhaft Grossen bedeutet, verstehen solche Menschen, sonst so geistvoll, niemals; wie hätte sonst ein Heine sich in eine Linie mit einem Goethe stellen können? Nun, Lucian hatte die Bildung erwählt; um sie zu erwerben, begab er sich nach Antiochien. Athen war freilich noch immer die wahre hohe Schule des Wissens und des Geschmackes, galt aber für altmodisch; das syrische Antiochien und das angeblich hellenische, doch bereits im 2. Jahrhundert mit fremden Elementen durch und durch getränkte Ephesus übten eine weit stärkere Anziehung auf die internationale Jugend des römischen Reiches aus. Dort studierte Lucian das Recht und die Beredsamkeit. Doch als intelligenter Mensch empfand er peinlich die Misshandlung der griechischen Sprache seitens seiner Lehrer; er erriet den Wert eines reinen Stiles und setzte nach Athen hinüber. Bezeichnend ist es, dass er nach kurzen Studien daselbst als Anwalt und Redner aufzutreten sich erkühnte; alles hatte er inzwischen gelernt, nur nicht, was sich schickt; die Athener brachten es ihm bei, sie lachten über den „Barbaren“ mit seinen angelernten Fetzen fremder Bildung und gaben ihm damit einen Wink vom Himmel; er entwich nach einem Ort, wo man es mit dem Geschmack nicht so genau nahm, nach Massilia. Diese phönizisch-diasporische Hafenstadt hatte soeben durch die Ankunft Tausender von palästinischen Juden ein so ausgesprochenes Gepräge erhalten, dass sie einfach   „d i e   J u d e n s t a d t“   hiess; doch kamen hier Gallier, Römer, Spanier, Ligurier, alles Erdenkliche zusammen. Hier, in Neuathen, wie ihre Einwohner mit zarter Anerkennung ihres eigenen Geisteswertes Massilia zu nennen beliebten, lebte Lucian viele Jahre und wurde ein reicher Mann; die Advokatur gab er auf, dazu hätte er Lateinisch gründlich studieren müssen, ausserdem war die Konkurrenz gross, und schon in Antiochien hatte er als Jurist keinen besonderen

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Erfolg gehabt; was diese reich gewordenen Kaufleute am nötigsten brauchten, war Bildung, „moderne“ Bildung und Anstandslehre. War nicht gerade „Bildung“ Lucian's Ideal, sein Traum gewesen? Hatte er nicht in Antiochien studiert und sogar in Athen „öffentlich geredet“? Er hielt also Vorträge; die Zuhörer verhöhnten ihn aber nicht, wie in Athen, sondern zahlten jedes Honorar, das er
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zu fordern beliebte. Ausserdem reiste er in ganz Gallien als bestellter Prunkredner herum, damals ein sehr einträgliches Geschäft: heute die Tugenden eines Verblichenen feiernd, den man niemals im Leben sah, morgen zur Verherrlichung eines religiösen Festes beitragend, das zu Ehren irgend einer lokalen gallorömischen Divinität gegeben wurde, deren Namen ein Syrier nicht einmal aussprechen konnte. Wer sich von dieser Rednerei eine Vorstellung machen will, sehe sich die Florida des gleichzeitigen, aber afrikanischen Mestizen Apulejus an;¹) es ist dies eine Sammlung kürzerer und längerer oratorischer Effektstücke, geeignet in Jede beliebige Rede eingeschoben zu werden, um dann, als scheinbar plötzliche Eingebung, die ganze Versammlung durch den Reichtum des Wissens, den Witz, die Empfindungstiefe des Redners zu verblüffen und hinzureissen; es liegt da alles nebeneinander „auf Lager“: das Gedankentiefe, das fein Pointierte, die geistreiche Anekdote, das devot Unterthänige, das von Freiheitsgelüsten Strotzende, ja, die Entschuldigung, nichts vorbereitet zu haben, und der Dank für die Standbilder, mit welchen man den Redner überraschen könnte! Gerade solche Dinge malen einen Menschen, und ihn nicht allein, sondern eine ganze Kultur, oder, um mit Lucian zu sprechen, eine ganze „Bildung“. Wer den Fürsten Bismarck in einer seiner grossen Reden hat mühsam nach dem Worte ringen gehört, wird mich schon verstehen. — Mit 40 Jahren kehrt Lucian Gallien den Rücken; sich in einem bestimmten Orte niederlassen, sein Geschick mit dem irgend eines Landes dauernd verbinden, das kommt ihm nicht bei; Nationen
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    ¹) Apulejus rühmt sich ausdrücklich seiner gemischten Herkunft. Übrigens hat auch er in Syrien und Ägypten studiert und ist in Griechenland gereist, hat also ungefähr den selben Bildungsgang wie Lucian gehabt.

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gab es ausserdem keine; kehrt Lucian jetzt vorübergehend in seine Heimat zurück, so geschieht das ebenfalls nicht aus einem Herzensbedürfnis, sondern, wie er selber aufrichtig gesteht, „um sich denen, die ihn arm gekannt hatten, reich und schön gekleidet zu zeigen.“¹) Dann richtet er sich auf längere Zeit in Athen ein, schweigt aber diesesmal still und studiert fleissig Philosophie und Wissenschaft in dem redlichen Bemühen, endlich herauszufinden,
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was sich wohl hinter dieser ganzen vielgerühmten hellenischen Kultur verberge. Dass dieser Mann, der 20 Jahre lang „hellenische Bildung“ gelehrt und dabei Reichtum und Ehren eingeheimst hat, plötzlich merkt, er habe niemals auch nur das erste Wort von dieser Bildung verstanden, das ist ein fast rührender Zug und ein Beweis ungewöhnlicher Begabung. Daher habe ich gerade ihn herausgewählt. In seinen Schriften findet man auch neben den Wortwitzeleien und den vielen guten Spässen und ausser dem Talent, flott zu erzählen, manche scharfe, bisweilen schmerzdurchzuckte Bemerkung. Was konnte aber bei diesem Studium herauskommen? Wenig oder nichts. Wir Menschen sind eben nicht Brettsteine; man wurde in Athen ebensowenig ein Anderer durch gelehrten Unterricht, als man heute in Berlin, wie es Professor Virchow von dem Einfluss der dortigen Universität erhofft, eine „schöne Persönlichkeit“ wird, wenn man nicht bei der Immatrikulation schon eine war. Das Wissen des Menschen ist an nichts so eng geknüpft wie an sein Sein, mit anderen Worten, an seine bestimmte Art zu sein, seine bestimmte Organisation. Plato meinte: Wissen sei Erinnerung; die heutige Biologie deutet dieses Wort ein wenig um, giebt dem Philosophen jedoch Recht. In einem durchaus inhaltreichen Sinne darf man behaupten, jeder Mensch kann nur   w i s s e n,   was er   i s t.   Lucian empfand selber,
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    ¹) Die Fliegenden Blätter 1896 haben ein Bild, welches einen Kommerzienrat und seine Frau, soeben in ihren Wagen eingestiegen, zeigt:
S i e:   Wo fahren wir denn heute hin?
E r:   Na, natürlich durch die Stadt; lassen uns von den Leuten beneiden!
Das ist genau die nämliche Kulturstufe.

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alles, was er bisher gelernt und gelehrt hatte, sei blosses Flitterwerk; That-sachen, nicht die Seele, aus welcher diese Thaten erwachsen; die Hülle, doch ohne den Leib; die Schale, doch ohne den Kern. Und als er nun endlich das einsah und die Schale aufbrach, was fand er? Nichts. Natürlich nichts. Erst bringt die Natur den Kern hervor, die Schale ist eine spätere Accrescenz; erst wird der Leib geboren, dann hüllt man ihn ein; erst schlägt ein Heldenherz, dann werden die Heldenthaten vollbracht. Lucian konnte als Kern nur sich selbst finden; sobald er sich die Fetzen römischen Rechtes und hellenischer Poesie vom Leibe riss, entdeckte er einen begabten syrischen Mestizen, einen Bastard aus fünfzig ungeklärten Blutmischungen, den selben, der mit dem sichern Instinkt der Jugend Phidias als einen Handwerker verachtet und für sich das erwählt hatte, was bei möglichst wenig Mühe möglichst viel Geld und die Bewunderung des gemeine Trosses einbrächte. Alle Philologen der Welt mögen mir versichern, Lucian's Bemerkungen über Religion und Philosophie seien tief, er sei ein kühner Kämpfer gegen Aberglauben u. s. w., nie werde ich es ihnen glauben. Lucian war ja unfähig zu wissen,
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was Religion, was Philosophie überhaupt ist. In vielen seiner Schriften führt er alle möglichen „Systeme“ nacheinander auf, z. B. im Ikaromenippus, im Verkauf der philosophischen Charactere, u. s. w.; immer ist es nur das Alleräusserlichste, was er begreift, das formelle Moment, ohne welches die Kundgebung eines Gedankens nicht möglich ist, das aber wahrlich mit dem Gedanken selber nicht verwechselt werden darf. Ebenso in Betreff der Religion. Aristophanes hatte gespottet wie später Voltaire; bei diesen beiden Männern ging aber die Satire aus einem positiven, konstruktiven Gedanken hervor, und überall leuchtet die fanatische Liebe zur eigenen Volksart durch, zu dieser festen, bestimmten Blutgemeinde, die einen Jeden von ihnen mit ihren Traditionen, ihrem Glauben, ihren grossen Männern umfing und trug; Lucian dagegen spottet wie Heine,¹) es ist kein edles Ziel,
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    ¹) Nur hinkt dieser zweite Vergleich einigermassen, da Heine doch einem bestimmten Volk angehörte und in Folge dessen eine bestimmtere Physiognomie besass.

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keine tiefe Überzeugung, kein gründliches Verstehen vorhanden; wie ein Wrak auf dem Ocean treibt er ziellos herum, nirgends daheim, nicht ohne edle Regung, doch ohne einen Gegenstand, dem er sich hätte opfern können, hochgelehrt, doch ein Muster jener Bildungsungeheuer, von denen Calderon sagt, dass sie
Alles wissen, nichts erfahren.
Eines aber verstand er, und das macht auch seinen ganzen Wert als Schriftsteller für uns aus: er verstand den Geist, dem er glich, nämlich die ganze bastardierte, verkommene, entartete Welt um ihn herum; er schildert sie und geisselt sie, wie das nur einer konnte, der selber dazu gehörte, der ihre Motive und ihre Methoden aus eigener Erfahrung kannte.   H i e r   fehlte der Kern nicht. Daher die köstlichen Satiren auf die Homerkritiker, auf den bis auf das Mark der Knochen verderbten Gelehrtenstand, auf die religiösen Schwindler, auf die aufgeblasenen roh-ignoranten Millionäre, auf die ärztlichen Quacksalber u. s. w. Hier wirkten sein Talent und seine Welterfahrung zusammen, um Ausserordentliches zu stande zu bringen. — Und damit meine Schilderung nicht unvollendet bleibe, will ich noch hinzufügen, dass jener zweite Aufenthalt in Athen, wenn er den Lucian auch nicht lehrte, was Mythologie und Metaphysik, noch was heldenhafte Gesinnung sei, doch für ihn die Quelle neuer Einnahmen wurde. Dort wandte er sich nämlich fleissig der Schriftstellerei zu, schrieb seine Göttergespräche, seine Totengespräche, wahr-
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scheinlich überhaupt die meisten seiner besten Sachen. Er erfand eine leichte dialogische Form (wofür er sich den Ehrentitel „Prometheus der Schriftsteller“ beilegte!); im Grunde genommen sind es gute Feuilletons, von der Art wie der Philister sie früh zum Kaffee noch jetzt gern liest. Sie brachten ihm, als er sich nun wieder auf Reisen begab und sie öffentlich vortrug, Unsummen ein. Doch auch diese Mode ging vorbei, oder vielleicht hatte der ältere Mann das Nomadisieren satt. Er liess das eine Erbe, hellenische Kunst und Philosophie, liegen, und wandte sich zum andern, zum römischen Recht; er wurde Staatsanwalt (sagen die Einen), Gerichtspräsident (sagen die Andern) in Ägypten und starb in diesem Amte.

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    Ich glaube, eine einzige solche Laufbahn führt uns das seelische Chaos, welches damals unter dem einförmigen Gewand des streng verwaltenden römischen Imperiums verborgen lag, deutlicher zu Gemüt, als manche gelehrte Auseinandersetzung. Man kann von einem Mann wie Lucian nicht sagen, er sei unmoralisch gewesen, nein, was man an einem solchen Beispiel einsehen lernt, ist, dass Moral und Willkür zwei sich widersprechende Begriffe sind. Menschen, die nicht mit ihrem Blute bestimmte Ideale erben, sind weder moralisch noch unmoralisch, sondern einfach „amoralisch“. Wenn ich mir ein Modewort für meinen Zweck zurechtlegen darf: sie sind diesseits von gut und böse. Sie sind auch diesseits von schön und hässlich, diesseits von tief und flach. Der Einzelne vermag es eben nicht, sich ein Lebensideal und ein moralisches Gesetz zu erschaffen; gerade diese Dinge können nur bestehen, wenn sie   g e w a c h s e n   sind. Darum war es auch sehr weise von Lucian, dass er es trotz seines Talentes zeitig aufgab, dem Phidias nachzueifern. Ein Schönredner für die Marseilleser konnte er werden, auch ein Gerichtspräsident für die Ägypter, ja, selbst ein Feuilletonist für alle Zeiten, ein Künstler aber nie, ein Denker ebensowenig.

Augustinus
    Nun könnte man freilich einwerfen, es seien aus dem damaligen Völkerchaos sehr bedeutende Männer hervorgegangen, die in einem tiefer eindringenden Sinne als Lucian auf die zukünftigen Geschlechter bis heute hinab gewirkt haben. Hierdurch wird die unwiderlegbare Erkenntnis von der Bedeutung der Rasse für das Menschengeschlecht durchaus nicht aufgehoben. Mitten in einem Chaos können einzelne Individuen noch ganz reiner Rasse sein, oder, wenn das nicht, doch vorwiegend einer bestimmten Rasse angehören. Ein solcher Mann, wie Ambrosius z. B., ist ganz
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gewiss aus echtem, edlem Stamme, aus jener starken Rasse, die Roms Grösse gemacht hatte; zwar kann ich es nicht beweisen, denn in jener chaotischen Zeit weiss die Geschichte von keinem bedeutenden Manne genau anzugeben, woher er stammte; es kann aber auch Niemand das Gegenteil beweisen, und so muss seine Persönlichkeit entscheiden. Ausserdem darf nicht übersehen werden, dass, wenn die planlose Vermischung nicht ganz

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wild vor sich geht, die Vorzüge einer prädominierenden Rasse noch während Generationen vorhalten, wenn auch noch so geschwächt, und dass sie in einzelnen Individuen atavistisch von Neuem aufflammen können. Dafür bietet die Tierzüchterei experimentelle Beweise in grosser Anzahl. Man nehme ein Stück Papier und zeichne sich einen Stammbaum; man wird sehen, dass, wenn man nur vier Generationen zurücksteigt, ein Individuum schon dreissig Voreltern zählt, dreissig Menschen, deren Blut in seinen Adern fliesst. Nimmt man nun zwei Rassen, A und B, an, so wird eine solche Tafel deutlich machen, wie verschiedengradige Bastardierung bei einer Völkermischung vorkommen muss, von dem direkt aus A und B zusammengesetzten Vollbastard, bis zu dem Individuum, bei welchem nur einer der sechzehn Urahnen ein Bastard war u. s. w. Ausserdem entstehen gerade durch Kreuzung, wie es die Erfahrung täglich lehrt, häufig ungewöhnlich schöne und begabte Menschen; es kommt aber, wie ich gesagt habe, nicht allein auf das Individuum an, sondern auf dessen Verhältnis zu anderen Individuen, zu einem einheitlichen Komplex; kommt dieser einzelne Bastard in eine bestimmte Rassenumgebung hinein, so kann er sehr auffrischend auf sie wirken, gerät er in einen Menschen   h a u f e n,   so ist er, wie Lucian, ein Span unter Spänen, nicht ein Zweig an einem lebendigen Baume. Auch die unermessliche   M a c h t   d e r   I d e e n   muss in Anschlag gebracht werden. Zwar werden sie von unechten Erben missdeutet, misshandelt, missbraucht — wie wir das beim pseudorömischen Recht und bei der platonischen Philosophie sahen — doch wirken sie gestaltend weiter. Was hielt denn diese Völkeragglomeration noch zusammen bis zur erlösenden Ankunft des starken Dietrich von Bern, wenn nicht die Agonie des alten, echten Imperiumgedankens? Woraus schöpften jene Menschen des Völkerchaos Gedanken und Religion? Aus sich selbst nicht, nur von Juden und Hellenen. Und so war denn alles Bindende, Leben-erhaltende der Erbschaft grosser Rassen entnommen. — Man nehme irgend einen der Grössten aus dem Völkerchaos, z. B. den ehrwürdigen, durch Temperament und
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Gaben gleich ausgezeichneten   A u g u s t i n u s.   Um ohne Vor-

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eingenommenheit zu urteilen, wolle man vom eigenen reinreligiösen Standpunkt absehen, und dann frage man sich, ob es in diesem so eminenten Kopfe nicht heillos chaotisch zuging? Jüdischer Jahveglaube, hellenische Mythologie, alexandrinischer Neoplatonismus, römische Hieratik, paulinische Theophanie, der Blick auf den Gekreuzigten... alles das ist in seiner Vorstellungswelt durcheinander geworfen. Manche ungleich höherstehenden — weil eben reinen, rassenechten — religiösen Gedanken eines Origenes muss Augustinus des hebräischen Materialismus wegen verwerfen, zugleich führt aber gerade er die urarische Vorstellung der Notwendigkeit als Prädestination in die Theologie ein, wodurch das Urdogma alles Judentums, die unbedingte Willkür des Willens, in die Brüche geht. ¹) Zwölf Jahre schreibt er an einem Buche gegen die heidnischen Götter, glaubt jedoch selber an ihre Existenz in einem so handgreiflichen, fetischistischen Sinne wie seit tausend Jahren vor ihm kein kultivierter Grieche; er hält sie nämlich für Dämonen und als solche für Geschöpfe Gottes, man dürfe nur nicht, meint er, sie für Schöpfer halten („immundos spiritus esse et perniciosa daemonia, vel certe creaturas non Creatorem, veritas christiana convincit“). In seinem Hauptwerk De civitate Dei streitet Augustinus Kapitel lang mit seinem Landsmann Apulejus über die Natur der Dämonen und sonstiger guter und schlechter Geister, bestrebt, sie, wenn auch nicht zu leugnen, so doch zu einem geringfügigen einflusslosen
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    ¹) Zwar ist Augustinus so vorsichtig wie nur möglich; so sagt er z. B. von dem Vorherwissen Gottes und dem dieser Annahme widersprechenden freien Willen des Menschen: „Wir umarmen beide Überzeugungen, wir bekennen uns zu beiden, treu und wahrhaftig; zu jener, damit wir rechtgläubig seien, zu dieser, damit wir tugendhaft leben“ (illud, ut bene credamus; hoc, ut bene vivamus); vergl. De civitate Dei V. 10. Hiermit hängt dann jene weitere Frage eng zusammen, ob Gott selber „frei“ sei oder unter dem Gesetze stehe; der Intellekt neigt bei Augustinus offenbar zu letzterer Annahme, sein dogmatisches Glaubensbekenntnis zu ersterer. Ist eine Handlung schlecht, weil Gott sie verboten hat, oder musste sie Gott verbieten, weil sie schlecht ist? In seinem Contra mendacium, c. 15, spricht sich Augustinus für die zweite Alternative aus; in anderen Schriften für die erste.

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Element herabzudrücken und somit wüsten Aberglauben durch echte Religion zu ersetzen; nichtsdestoweniger neigt er allen Ernstes zu der Ansicht, Apulejus selber sei durch die Salbe der thessalischen Hexe in einen Esel verwandelt worden, was um so komischer wirkt, als Apulejus zwar Manches über Dämonen geschrieben, niemals aber daran gedacht hatte, diese Verwandlung für eine wahre Begebenheit auszugeben, als er seinen Roman:
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Die Metamorphosen oder der Goldene Esel verfasste. ¹) Auf diesen Gegenstand kann ich mich natürlich hier nicht näher einlassen, das würde mich viel zu weit führen; er verdiente ein ganzes Buch für sich; und doch wäre die ausführliche Kennzeichnung des geistigen Zustandes der Edlen unter diesen Söhnen des Chaos die rechte Ergänzung zu der Skizze des leichtsinnigen Lucian.²) Man würde sehen, dass überall das Gleichgewicht gestört ist; hier, bei Lucian, redet der entfesselte Intellekt das grosse Wort und der Mangel an moralischer Kraft richtet die schönsten Anlägen zu Grunde, dort, bei Augustinus, ringt der Charakter in einem verzweifelten Kampfe und ruht nicht eher, als bis er sein Denken zu Boden geworfen und in Fesseln geschlagen hat.
    So sahen die Menschen aus, durch welche uns Neueren das Erbe des Altertums übermacht wurde. „Wie Schiffbrüchige sind wir, die eine wilde Brandung ans Ufer geworfen hat“, ruft Ambrosius schmerzerfüllt aus. Durch die Hände dieser Schiffbrüchigen gingen Philosophie und Recht, die Begriffe über Staat, Freiheit, Menschenwürde; sie waren es, welche den früher nur im ignorantesten Abschaum der Bevölkerung lebenden Aberglauben (Dämonenglauben, Hexenwesen u. s. w.) zu der Würde aner-
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    ¹) Diese Erzählung scheint damals kursiert zu haben; denn auch Lucian hat einen: Lucius oder der bezauberte Esel, der allerdings so aussieht, als wäre er aus Bruchstücken des Apulejischen übersetzt. Augustinus meint von der Verwandlung „aut finxit, aut indicavit“, neigt aber offenbar zu letzterer Annahme.
    ²) Über die unvereinbaren Widersprüche im religiösen Denken und Fühlen des Augustinus habe ich im 7. Kapitel ausführlich gesprochen und somit die hier gefühlte Lücke einigermassen ausgefüllt.

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kannter Dogmen erhoben; sie waren es, welche aus den disparatesten Elementen eine neue Religion zusammenschmiedeten und welche die Welt mit der römischen Kirche beschenkten, einer Art Wechselbalg des römischen Imperiumgedankens; zugleich waren sie es, die mit der Wut der Schwachen alles Schöne aus der Vergangenheit, wo sie nur die Hand darauf legen konnten, jede Erinnerung an grosse Geschlechter zerstörten. Hass und Verachtung wurde gegen jede Errungenschaft der reinen Rassen gelehrt; ein Lucian verspottet die grossen Denker, ein Augustinus schmäht die Heiden aus Roms heroischer Zeit, ein Tertullian schimpft Homer „einen Lügner“. Sobald die orthodoxen Kaiser Constantius, Theodosius u. s. w. auf den Thron kommen (ohne Ausnahme Rassenbastarde, der grosse Diocletian war der letzte Kaiser aus reinem Blute)¹) wird mit der systematischen Vernichtung aller Monumente des Altertums begonnen. Zugleich
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wird die bewusste   L ü g e   zur angeblichen Beförderung der Wahrheit eingeführt: so bedeutende Kirchenväter wie Hieronymus und Chrysostomus ermutigen die „pia fraus“, den frommen Betrug; bald darauf kommt die Begründung von Macht und Recht des römischen Stuhles anstatt durch Mannesmut und Sieg durch grossartig betriebene Dokumentenfälschung; ein so ehrwürdiger Historiker wie Eusebius hat die einer besseren Sache würdige Naivetät, einzugestehen, er modele Geschichte um, überall, wo dadurch der „guten Sache“ Vorschub geleistet werde. Fürwahr, dieses aus der Rassenvermischung und dem antinationalen Universalwahn hervorgegangene Chaos ist ein grauenvoller Anblick!

Asketischer Wahn
    Vielleicht hat man noch nie — ich wenigstens wüsste nicht wo — darauf hingewiesen, dass die plötzlich über die damalige Welt hereingebrochene Epidemie der Asketik unmittelbar mit dem Ekel vor jener entsetzlichen Welt zusammenhing; Einige wollen darin einen unerhörten religiösen Aufschwung, Andere eine religiöse Krankheit erblicken; das heisst aber die Thatsachen Allegorisch deuten, denn Religion und Askese hängen nicht not-
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    ¹) Vergl. auch das S. 150 fg. Ausgeführte.

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wendig zusammen. Nichts in dem Beispiel Christi konnte zur Askese anregen; den frühen echten Christen war sie gänzlich unbekannt; noch 200 Jahre nach Christus schrieb Tertullian: „Wir Christen gleichen nicht den Brahmanen und Gymnosophisten Indiens, wir leben nicht in Wäldern, noch verbannt aus der Gesellschaft der Menschen: wir fühlen, dass wir Gott, dem Herrn und Schöpfer, für Alles Dank schulden, und von keinem seiner Werke verbieten wir den Genuss; nur mässigen wir uns, damit wir dieser Dinge nicht mehr als zuträglich geniessen oder einen schlechten Gebrauch davon machen“ (Apologeticus, Kap. 42). Warum drang nun auf einmal unchristliche Askese in das Christentum ein? Ich meinesteils glaube, hier liegen physische Ursachen zu Grunde. Aus dem durch und durch bastardierten Ägypten und Syrien war die Askese schon vor der Geburt Christi hervorgegangen; überall dort, wo das Blut am gemischtesten war, hatte sie Fuss gefasst. Pachomius, der Gründer des ersten christlichen Klosters, der Urheber der ersten Mönchsregel, ist ein oberägptischer Serapisdiener, der das, was er in den Genossenschaften der fastenden und sich kasteienden Serapisasketen gelernt hatte, ins Christliche übertrug.¹) Wer in jener Welt des unnationalen Chaos noch einen Funken edler Regung besass, musste eben vor sich selber Widerwillen emp-
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finden. Nirgends, wo gesunde Verhältnisse herrschten, ist die unbedingte Keuschheit gepredigt worden; im Gegenteil, die alten Völker — Arier, Semiten, Mongolen — durch einen wunderbaren Instinkt geleitet, stimmen in diesem einen Punkte überein, dass sie das Erzeugen von Kindern als eine der heiligsten Pflichten betrachten; wer ohne Sohn starb, war ein Fluchbeladener. Freilich kannte das alte Indien Asketen; diese durften aber nicht eher in die Einsamkeit der Wälder scheiden, als bis des Sohnes Sohn geboren war; was hier als Idee und Absicht zu Grunde liegt, Ist also der syrisch-christlichen Asketik fast diametral entgegengesetzt. Heute verstehen wir das; denn wir sehen, dass nur eins zur Veredelung des Menschen führt: die Zeugung reiner Rassen,
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    ¹) Vergl. Otto Zöckler: Askese und Mönchtum, 1897, I. 193 fg.

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die Begründung bestimmter Nationen. Söhne zu zeugen, die   r e c h t e n   S ö h n e,   ist also unfraglich die heiligste Pflicht des Individuums der Gesellschaft gegenüber; was er auch sonst leisten mag, nichts wird von so dauerndem, unauslöschbarem Einfluss sein wie der Beitrag zur zunehmenden Veredelung der Rasse. Von dem beschränkten, falschen Standpunkt Gobineau's aus ist es allerdings ziemlich gleichgültig, denn wir können nur schneller oder langsamer zu Grunde gehen; noch weniger Recht haben Diejenigen, welche ihm zu widersprechen scheinen, dabei aber die selbe hypothetische Annahme ursprünglich reiner Rassen machen; wer aber belehrt ist, wie edle Rasse in Wahrheit entsteht, weiss, dass sie jeden Augenblick von Neuem entstehen kann; das hängt von uns ab; hier hat die Natur uns eine hohe Pflicht deutlich gewiesen. Jene Männer aus dem Chaos also, welche die Zeugung für eine Sünde und die gänzliche Enthaltung von ihr für die höchste aller Tugenden hielten, sie begingen ein Verbrechen gegen das heiligste Gesetz der Natur, sie suchten durchzusetzen, dass alle guten, edlen Männer und Frauen ohne Nachkommenschaft blieben und nur die bösen sich vermehrten, d. h. sie thaten, was an ihnen lag, um die   V e r s c h l e c h t e r u n g   des Menschengeschlechtes herbeizuführen. Ein Schopenhauer mag die Aussprüche gegen die Ehe aus den Kirchenvätern freudig zusammentragen und darin eine Bestätigung seines Pessimismus erblicken; für mich ist der Zusammenhang ein ganz anderer: dieser plötzliche Abscheu gegen die natürlichsten Triebe des Menschen, ihre Umwandlung aus heiligster Pflicht in schmählichste Sünde, hat eine tiefere Begründung in jenen unerforschlichen Urquellen unseres Wesens, wo das Physische und das Metaphysische noch nicht auseinander getreten sind. Nach Kriegen und Pesten, sagt die Statistik, mehren sich die Geburten in anormaler Weise — die Natur hilft sich selber; in jenem
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Chaos, welches aller Kultur mit ewigem Niedergange drohte, mussten die Geburten möglichst hintangehalten werden; mit Abscheu wandten sich die Edlen von jener Lasterwelt hinweg, vergruben sich in die Wüsteneien, verbargen sich in die Felsenhöhlen, stellten sich hinauf auf hohe Säulen, kasteiten sich und

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thaten Busse. Kinderlos schwanden sie dahin.¹) Selbst wo die menschliche Gesellschaft in Auflösung begriffen ist, sehen wir eben einen grossen Zusammenhang; was der Einzelne denkt und thut, lässt allemal eine zweifache Deutung zu: die individuelle und die Deutung in Bezug auf das Allgemeine.

Heiligkeit reiner Rasse
Hier berühren wir nun eine tiefe Erkenntnis; wir sind nahe daran, das gewichtigste Geheimnis aller menschlichen Geschichte zu erschliessen. Dass der Mensch nur im Zusammenhang mit dem Menschen im wahren Sinne des Wortes überhaupt „Mensch“ wird, das sieht wohl Jeder ein. Manche haben auch das tiefe Wort Jean Paul's, das ich einem früheren Kapitel als Motto voranstellte, begriffen: „Nur durch den Menschen tritt der Mensch in das   T a g e s l i c h t   des Lebens ein“; Wenige aber sind bisher zu der Erkenntnis vorgedrungen, dass dieses Menschwerden und dieses „ins Tageslicht des Lebens eintreten“ dem Grade nach von bestimmten organischen Bedingungen abhängt, Bedingungen, die früher vom Instinkt unbewusst geachtet wurden, die es aber jetzt — wo durch die Vermehrung des Wissens und die Ausbildung des Denkens die instinktiven Regungen an Kraft verloren haben — an uns wäre, bewusst anzuerkennen und zu achten. Aus dieser Betrachtung des römischen Völkerchaos ersehen wir nämlich, dass   R a s s e — und die die Rassenbildung ermöglichende Nation — nicht allein eine physisch-geistige, sondern auch eine moralische Bedeutung besitzt. Hier liegt etwas vor, was man als   h e i l i g e s   G e s e t z   bezeichnen kann, das heilige Gesetz des Menschwerdens: ein „Gesetz“, da es in der ganzen Natur angetroffen wird, „heilig“, insofern es bei uns Menschen unserem freien Willen anheimgegeben bleibt, ob wir uns veredeln oder
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    ¹) Im vierten Jahrhundert zählte das römische Imperium Hunderttausende von Mönchen und Nonnen. Dass ein Abt 10 000 Mönche in einem Kloster vereinigte, war nicht selten, und im Jahre 373 zählte die eine einzige ägyptische Stadt Oxyrynchus 20 000 Nonnen und 10 000 Mönche! Nun bedenke man die damaligen Gesamtbevölkerungszahlen, und man wird sehen, welchen grossen Einfluss diese asketische Epidemie auf das Nichtvermehren der Bastardengeschlechter haben musste. (Nähere Angaben siehe bei Lecky: History of European Morals, 11th edition II, 105 fg.)

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entarten wollen. Dieses Gesetz lehrt uns nun die   p h y s i s c h e   Beschaffenheit als die Grundlage jeder Veredelung erkennen. Was ist denn auch ein vom Physischen getrenntes Moralisches? Was wäre eine Seele ohne Leib? Ich weiss es nicht. Birgt unser Busen ein unsterbliches Teil, reichen wir Menschen mit unseren Gedanken bis an ein Transscendentes, welches wir, wie ein Blinder, mit sehnsuchtsvollen Händen betasten, ohne es je erschauen zu können, ist unser Herz der Kampfplatz zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen, so muss auch die Beschaffenheit dieses Leibes — der Busen, das Hirn, das Herz — von unermesslicher Tragweite sein. „Wie auch immer der gewaltige dunkle Hintergrund der Dinge in Wahrheit beschaffen sein mag, der Zugang zu ihm steht uns einzig in eben diesem unserem armen Leben offen, und also schliesst auch unser vergängliches Thun diese ernste, tiefe und unentrinnbare Bedeutung ein“, sagt Solon in dem schönen Dialog Heinrich's von Stein. ¹) „Einzig in diesem Leben!“ Womit leben wir aber, wenn nicht mit unserem Leibe? Ja, hier brauchen wir gar nicht in irgend ein Jenseits, (welches Manchem problematisch erscheinen wird) hinüberzuschauen, wie es Stein's Solon in der angeführten Stelle thut: der Zugang auch zu diesem irdischen Leben steht uns doch offenbar einzig und allein durch unsern Leib offen, und dieses Leben wird für uns arm oder reich, hässlich oder schön, schal oder kostbar sein, je nach der Beschaffenheit dieses unseres einzigen allumfassenden Lebensorganes. Nun habe ich aber oben an Beispielen aus der methodischen Tierzüchtung, sowie an Beispielen aus der menschlichen Geschichte deutlich gemacht, wie   R a s s e   entsteht und progressiv veredelt wird, auch wie sie andrerseits vergeht; was ist nun diese Rasse, wenn nicht ein Kollektivbegriff für eine Reihe einzelner Leiber? Es ist jedoch kein willkürlicher Begriff, kein Gedankending, sondern diese Individualitäten sind durch eine unsichtbare, dabei aber durchaus reelle, auf materiellen Thatsachen beruhende Macht miteinander verkettet. Freilich besteht die Rasse aus Individuen; doch das Individuum selbst kann nur
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    ¹) Helden und Welt: dramatische Bilder (Chemnitz 1883).

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innerhalb bestimmter Bedingungen, welche in das Wort „Rasse“ zusammengefasst werden, zu der vollen, edelsten Entfaltung seiner Anlagen gelangen. Zu Grunde liegt zwar ein einfaches Gesetz, das jedoch nach zwei Seiten zugleich hindeutet. Die gesamte organische Natur, die vegetabilische sowohl wie die animalische, beweist, dass die Wahl der miteinander Zeugenden von ent-
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scheidendstem Einfluss auf das neugezeugte Individuum ist; ausserdem beweist sie aber, dass   d a s   h i e r   w a l t e n d e   P r i n z i p   e i n   k o l l e k t i v e s   und   p r o g r e s s i v e s   ist, indem zuerst ein gemeinsamer Grundstock nach und nach gebildet werden muss, woraus dann, ebenfalls nach und nach, Individuen von durchschnittlich höherem Werte hervorgehen als es ausserhalb eines solchen Verbandes der Fall ist, und unter diesen wieder zahlreiche Individuen mit geradezu „überschwänglichen“ Eigenschaften entstehen. Das ist eine Thatsache der Natur, genau in dem selben Sinne wie irgend eine andere, nur sind wir hier, wie bei allen Phänomenen des Lebens, weit entfernt, sie analysieren und ausdeuten zu können. Was man nun beim Menschengeschlecht nicht übersehen darf, ist der Umstand, dass hier das Schwergewicht auf das Moralische und Geistige fällt. Darum bedeutet für uns Menschen der Mangel an organischem Rassenzusammenhang vor allem moralische und geistige Zerfahrenheit. Wer nirgends herkommt, geht auch nirgends hin. Das einzelne Leben ist zu kurz, um ein Ziel ins Auge zu fassen und zu erreichen. Das Leben eines ganzen Volkes wäre ebenfalls zu kurz, wenn nicht Rasseneinheit ihm einen bestimmten, beschränkten Charakter aufprägte, wenn nicht die überschwänglichste Blüte vielseitiger und abweichender Begabungen doch durch Stammeseinheit zusammengefasst würde, was ein allmähliches Reifen, eine allmähliche Ausbildung nach bestimmten Richtungen gestattet, und wodurch das begabteste Individuum schliesslich doch einem überindividuellen Zwecke lebt.
    Man könnte die Rasse, wie sie in Zeit und Raum entsteht und besteht, mit dem sogenannten   K r a f t f e l d   eines Magneten vergleichen. Nähert man einen Magnet einem Haufen von Eisenfeilspänen, so nehmen diese bestimmte Richtungen an, so dass

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eine Figur entsteht, mit einem deutlich markierten Mittelpunkt, von wo aus nach allen Richtungen Linien ausstrahlen; je näher man den Magneten rückt, um so fester und mathematischer erscheint die Zeichnung; nur wenige Spänchen haben sich in genau die gleiche Richtung gelagert, alle aber sind durch den Besitz des gemeinsamen Mittelpunktes und dadurch, dass die relative Lage jedes Individuums zu allen anderen keine willkürliche, sondern eine gesetzmässige ist, zu einer thatsächlichen und zugleich zu einer idealischen Einheit verknüpft. Das ist jetzt kein Haufen mehr, sondern eine Gestalt. So unterscheidet sich eine Menschenrasse, eine echte   N a t i o n   von einem Menschenhaufen. Dem Näherrücken des Magneten gleicht der durch reine Zucht immer fester sich ausprägende Rassencharakter. Die einzelnen
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Mitglieder der Nation mögen noch so verschieden beanlagt sein, nach noch so verschiedenen Richtungen in ihren Bethätigungen auseinanderstrahlen, zusammen bilden sie eine gestaltete Einheit, und die Kraft — oder sagen wir lieber die Bedeutung — jedes Einzelnen ist durch seinen organischen Zusammenhang mit zahllosen anderen vertausendfacht.
    Wir sahen vorhin den hochbegabten Lucian sein Leben schier vergeuden; wir sahen den edlen Augustinus zwischen den erhabensten Gedanken und dem krassesten, dümmsten Aberglauben ratlos hin- und herpendeln: solche, aus aller notwendigen Angehörigkeit losgerissene Menschen, solche arme Bastarde unter Bastarden befinden sich in einer fast ebenso naturwidrigen Lage, wie eine unselige Ameise, die man zehn Meilen weit von ihre Neste trüge und dort hinsetzte. Diese wäre doch wenigstens nur durch äussere Verhältnisse verunglückt, jene aber sind durch ihre eigene innere Beschaffenheit aus jeder echten Zusammengehörigkeit verbannt. Man lernt eben bei dieser Betrachtung einsehen, dass, was man auch über die causa finalis des Daseins denken mag, das menschliche Individuum jedenfalls nicht als vereinzeltes Individuum, nicht als beliebig austauschbarer Brettstein, sondern nur als Teil eines organischen Ganzen, eines besonderen Geschlechtes seine höchste Bestimmung erfüllen kann.¹)
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    ¹) „Die Individuen und die Gesamtheit sind identisch“, hatten

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Die Germanen
    Kein Zweifel! das rassen- und nationalitätlose Völkerchaos des spätrömischen Imperiums bedeutete einen unheilvollen, Verderbnis bringenden Zustand, eine Versündigung gegen die Natur. Nur   e i n   Lichtstrahl glänzte über jene entartete Welt. Er kam aus dem Norden. Ex septentrione Lux! Nimmt man eine Karte zur Hand, so scheint freilich auf den ersten Blick das Europa des 4. Jahrhunderts auch nördlich der Imperium-Grenzen ziemlich chaotisch; gar viele Völker stehen da nebeneinander und verschieben sich unaufhörlich: die Alemannen, die Marcomannen, die Sachsen, die Franken, die Burgunder, die Goten, die Vandalen, die Slaven, die Hunnen und noch manche andere. Chaotisch sind jedoch dort nur die   p o l i t i s c h e n   Verhältnisse; die Völker sind echte, reingezüchtete Rassen, Männer, die ihren Adel als einzige Habe dorthintragen, wohin das Schicksal sie treibt. In einem der nächsten Kapitel werde ich von ihnen zu reden haben. Den weniger Belesenen möchte ich vorläufig nur warnen, dass er sich die Sache nicht etwa so vorstelle, als seien die „Bar-
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baren“ plötzlich in das hochcivilisierte römische Reich „eingebrochen“. Diese in weiten Schichten der oberflächlich Gebildeten verbreitete Vorstellung entspricht den Thatsachen ebenso wenig wie die fernere, dass dann in Folge dieses Einbruches die „Nacht des Mittelalters“ herabgesunken sei. Durch diese Geschichtslüge wird uns die vernichtende Wirkung jener nationlosen Zeit verhüllt, und aus dem Erretter, aus dem Töter des nächtlichen Wurms ein Zerstörer gemacht. Während Jahrhunderte waren schon die Germanen ins römische Reich eingedrungen, und wenn auch manchmal mit feindlicher Gewalt, so doch im Ganzen als das einzige Prinzip des Lebens und der Kraft. Ihr allmähliches Eindringen in das Imperium, ihr allmähliches Aufsteigen zu einer ausschlaggebenden Macht hatte seitdem nach und nach stattgefunden, ebenso wie ihre allmähliche Civilisierung;¹) bereits im
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die indischen Denker gelehrt (siehe Garbe's Sâmkhya-Philosophie, S. 158).
    ¹) Hermann ist ein römischer Kavalier, spricht fliessend lateinisch und hat römische Verwaltungskunst eingehend studiert. Ähnlich die meisten anderen Germanenfürsten. Auch ihre Truppen

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4. Jahrhundert zählte man zahlreiche Soldatenkolonien aus den verschiedensten germanischen Stämmen (Batavier, Franken, Suevier u. s. w.) im ganzen europäischen Bereich des römischen Imperiums;¹) in Spanien, in Gallien, in Italien, in Thracien, ja, selbst oft in Kleinasien sind es der Hauptsache nach zuletzt Germanen, die gegen Germanen die Schlachten schlagen. Germanen waren es, welche immer wieder die asiatische Gefahr vom östlichen Reiche heldenmütig abwehrten; Germanen retteten vor hunnischer Verwüstung auf den catalaunischen Gefilden das westliche Reich. Schon früh im 3. Jahrhundert war ein kühner gotischer Hirt zum Imperator ausgerufen worden. Man braucht nur eine Karte vom Ausgang des 5. Jahrhunderts anzuschauen, um sofort zu erblicken, welche einzig segensvolle Kraft der Gestaltung hier einzugreifen begonnen hatte. Sehr auffallend ist ebenfalls der Unterschied, der sich hier in hundert Dingen kundthut zwischen dem angeborenen Anstand, dem Geschmack, der Intuition rauher aber reiner, edler Rassen und der Seelenbarbarei der civilisierten Mestizen. Theodosius, seine Helfershelfer (die christlichen Fanatiker) und seine Nachfolger hatten ihr Möglichstes gethan, um die Monumente der Kunst zu vernichten; dagegen war
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die erste Sorge Theodorich's, des Ostgoten, umfassende Massregeln zum Schutz und zur Ausbesserung der römischen Denkmäler zu treffen. Dieser Mann konnte nicht schreiben, seine Unterschrift musste er durch eine Metallschablone durchzeichnen — das Schöne aber, an welchem die einzig mit ihrer „Bildung“, ihrer Jagd nach Ämtern und Auszeichnungen, ihrer Goldgier beschäftigten Bastardseelen achtlos vorübergingen, das Schöne, welches den edleren Geistern des Völkerchaos als ein Werk des Teufels verhasst war, der Gote verstand sofort es zu schätzen; die Bildwerke Roms erregten dermassen seine Bewunderung, dass er einen besonderen Beamten zu ihrem Schutze ernannte. Auch
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waren im ganzen römischen Imperium zu Hause und dadurch mit den Sitten sog. civilisierter Menschen bekannt, lange ehe sie mit Kind und Kegel in diese Länder einzogen.
    ¹) Zusammenfassung bei Gobineau: Ungleichheit der menschlichen Rassen, Buch VI, Kap. 4.

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die religiöse Toleranz blitzte vorübergehend überall dort auf, wo der noch unverdorbene Germane Herr wurde. Bald traten auch die grossen christlichen Bekehrer auf, alles Männer aus dem hohen Norden, Männer, die nicht durch „fromme Lügen“, sondern durch die Reinheit ihrer Herzen überzeugten.
    Lediglich der falsche Begriff eines Mittelalters ist es, im Bunde mit der Unwissenheit in Bezug auf die Bedeutung von Rasse, der zu der bedauerlichen Vorstellung führt: der Eintritt der rauhen Germanen bedeute das Einbrechen einer tiefen Nacht über Europa. Es ist unbegreiflich, wie solche Hallucinationen so lange vorhalten können. Will man wissen, wohin die imperiale Afterkultur noch hätte führen können, so schaue man sich um in der Geschichte, in der Litteratur und in der Wissenschaft des späteren Byzanz, an denen unsere Historiker gerade heute mit einer Ausdauer arbeiten, einer besseren Sache würdig. Es ist ein jämmerliches Schauspiel. Dagegen wirkt die Besitznahme des weströmischen Reiches durch die Barbaren wie das Es werde Licht! der Bibel. Freilich musste ihr Wirken zunächst der   p o l i t i s c h e n,   nicht der civilisatorischen Gestaltung gelten, und das war ein schwieriges Werk, welches heute noch nicht ganz beendet ist. War das aber ein Geringes? Wodurch hat denn Europa Physiognomie und Bedeutung, wodurch seine geistig-moralische Präponderanz erhalten, wenn nicht durch die Begründung und Ausbildung von   N a t i o n e n?   Gerade dieses Werk war die Erlösung aus dem Chaos. Wenn wir heute etwas sind, wenn wir hoffen dürfen, vielleicht noch etwas mehr zu werden, so verdanken wir es in erster Reihe jener politischen Umgestaltung, die im 5. Jahrhundert (nach langen Vorbereitungen) begann, und aus der im Laufe der Zeit neue grosse Volksrassen, herrliche neue Sprachen, eine neue, zu den kühnsten Hoffnungen berechtigende Kultur entsprangen. Dietrich von Bern,
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der starke und weise, der ungelehrte Freund von Kunst und Wissenschaft, der tolerante Vertreter der Gewissensfreiheit inmitten einer Welt, wo Christen wie Hyänen sich gegenseitig zerfleischten, ist uns wie ein erstes Pfand, dass es doch wieder einmal Tag werden könne auf dieser armen Erde. Und wenn in der

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nun folgenden Zeit des wilden Kampfes, in jenem Fieber, durch welches allein die europäische Menschheit genesen und aus dem bösen Traum der entarteten, fluchbeladenen Jahrhunderte des scheinbar geordneten Chaos zu frischem, gesundem, stürmisch pulsierendem, nationalem Leben erwachen sollte, wenn da Gelehrsamkeit und Kunst, sowie auch das Flitterwerk angeblicher Civilisation unbeachtet, fast vergessen blieben, so bedeutet das, bei Gott, keine Nacht, sondern den Anbruch des Tages. Ich weiss nicht, woher die Herren vom Gänsekiel die Berechtigung nehmen, nur ihre eigenen Waffen zu ehren; unsere europäische Welt ist zunächst und zuvörderst das Werk — nicht von Philosophen und Bücherschreibern und Bildermalern — sondern sie ist das Werk der grossen germanischen Fürsten, das Werk der Krieger und Staatsmänner. Derjenige Entwickelungsgang, aus dem unsere heutigen Nationen hervorgegangen sind — und das ist doch offenbar der politische — ist der grundlegende, entscheidende. Man übersehe jedoch nicht, dass wir auch alles andere, was zu besitzen wert war, diesen echten, edlen Menschen verdanken. Jedes jener Jahrhunderte, das 7., das 8., das 9., hat grosse Gelehrte; wer sie beschützt und ermutigt, sind die Fürsten. Man pflegt zu sagen, die Kirche sei die Retterin des Wissens, der Kultur gewesen: das ist nur in einem sehr bedingten Sinne wahr. Man muss — was ich im folgenden Abschnitte dieses ersten Teiles zeigen werde — lernen, die frühe christliche Kirche nicht als einen einfachen, einheitlichen Organismus zu betrachten, selbst nicht innerhalb des westeuropäischen römischen Verbandes; die Zentralisierung und der blinde Gehorsam gegen Rom, die wir heute erleben, waren in früheren Jahrhunderten gänzlich unbekannt. Freilich gehörte fast jede Gelehrsamkeit und Kunst der Kirche an; ihre Klöster und Schulen waren die Schutz- und Pflegestätten, wohin friedliche Gedankenarbeit in jenen rauhen Zeiten sich flüchtete; doch bedeutete damals der Eintritt in die Kirche als Mönch oder Weltgeistlicher kaum mehr als die Aufnahme in einen privilegierten, besonderen Schutz geniessenden Stand, welche den so Bevorzugten keine nennenswerten Verpflichtungen als Gegenleistung auferlegte. Jeder gebildete Mensch,

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jeder Lehrer und Student, jeder Arzt und Rechtskundige gehörte
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bis zum 13. Jahrhundert der Klerisei an; es handelt sich aber hierbei um eine rein formelle Sache, die ihren Grund lediglich in gewissen Rechtsverhältnissen findet; und gerade aus diesem Stand heraus, das heisst aus der Mitte jener Männer, welche die Kirche genau kannten, ist alle Empörung gegen sie hervorgegangen, gerade die Universitäten wurden die Hochschulen der Befreiung der Nationen. Die Fürsten haben die Kirche beschützt, wogegen die gelehrten Kleriker sie befehdet haben. Deswegen hat aber auch die Kirche ununterbrochen   g e g e n   die grossen Geister, die sich, um in Ruhe zu arbeiten, in ihren Schutz begeben hatten, Krieg geführt; hätte es an ihr gelegen, so wären Wissen und Kultur nie wieder flügge geworden! Doch die selben Fürsten, welche die Kirche beschützten, beschützten die von ihr verfolgten Gelehrten. Schon im 9. Jahrhundert taucht im fernen Norden (aus den schon damals an bedeutenden Männern reichen Schulen Englands hervorgegangen) der grosse Scotus Erigena auf: die Kirche that, was sie konnte, um dieses hellglänzende Licht auszulöschen; doch Karl der Kahle (der selbe, welcher angeblich dem römischen Papste grosse Schenkungen gemacht hatte) streckte seine fürstliche Hand über Scotus aus; als dieser Schutz nicht mehr hinreichte, lud ihn Alfred nach England ein, wo er die Schule von Oxford zu hoher Blüte trieb, bis er im Auftrag der kirchlichen Zentralgewalt von Mönchen erdolcht wurde. Vom 9. bis zum 19. Jahrhundert — von der Ermordung des Scotus bis zum Erlass des Syllabus — blieb das Verhältnis unverändert. In letzter Instanz ist die geistige Wiedergeburt das Werk der Rasse im Gegensatz zur rassenlosen Universalkirche, das Werk germanischen Wissensdurstes und germanischen, nationalen Freiheitsdranges. Aus dem Schosse der katholischen Religion sind ununterbrochen grosse Männer hervorgegangen: Männer, welche, wie man anerkennen muss, der spezifisch katholische Gedanke mit seiner umfassenden Grösse, seinem harmonischen Aufbau, seiner symbolischen Reichhaltigkeit und Schönheit getragen und grösser gemacht hat, als sie ohne ihn geworden wären; die römische Kirche aber, rein als solche, d. h. als organi-

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sierte, weltliche Theokratie, hat stets als Tochter des verfallenen Imperiums, als letzte Vertreterin des universalen, antinationalen Prinzips gehandelt. Mehr als alle Mönche der Welt hat der eine Karl der Grosse für die Verbreitung von Unterricht und Wissen gethan. Er hatte eine vollständige Sammlung der Nationalpoesie der Germanen anlegen lassen: die Kirche vernichtete sie. Ich nannte auch vorhin Alfred. Wo hat ein Kirchenfürst,
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wo hat ein Scholastiker für die Erweckung neuer Geisteskräfte, für die Klärung lebender Idiome, für die damals doch einzig dringende Förderung nationalen Bewusstseins so viel gethan, wie dieser eine Fürst? Der bedeutendste neuere Historiker Englands hat die Persönlichkeit dieses grossen Germanen in das eine Wort zusammengefasst: „er war ein echter   K ü n s t l e r.“ ¹)   Von wem aus dem Völkerchaos könnte man das selbe sagen? In jenen angeblich dunklen Jahrhunderten sehen wir ein um so regeres geistiges Leben, je weiter wir nach Norden gehen, d. h. je mehr wir uns von dem Herd der verderblichen „Bildung“ entfernen, und je ungemischter die Rassen sind, die uns entgegentreten. Die grossartigste Litteratur entfaltet sich — nebst menschenwürdiger Freiheit und Ordnung — vom 9. bis zum 13. Jahrhundert in der fernen Republik Island; ebenso finden wir im abseits gelegenen England im 7., 8. und 9. Jahrhundert eine Blüte echter Volkspoesie, wie seither nur selten. ²) Die leidenschaftliche Liebe zur Musik, die hier zu Tage tritt, berührt uns, als vernähmen wir den Flügelschlag eines vom Himmel sich langsam herabsenkenden Schutzengels, eines Engels, der künftige Zeiten verkündet; hören wir König Alfred in seinem auserwählten Sängerchor selber mitsingen, sehen wir ein Jahrhundert später den wildleidenschaftlichen Gelehrten und Staatsmann Dunstan niemals, weder auf dem Pferde noch im Rate, die Harfe aus der Hand geben, dann gedenken wir dessen, dass auch bei den Griechen   H a r m o n i a   die Tochter des Kriegsgottes Ares war. Krieg an Stelle scheinbarer Ordnung brachten unsere rauhen
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    ¹) Green: History of the English People, Buch I, Kap. 3.
    ²) Oliver F. Emerson: History of the English Language, S. 54.

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Väter, zugleich aber Schöpferkraft an Stelle öder Sterilität. Und in der That, in allen bedeutenderen Fürsten jener Zeit begegnen wir einer eigentümlich ausgebildeten Vorstellungskraft; sie sind eben Gestalter. Man hätte alles Recht, was Karl der Grosse an der Grenze des 8. und 9. Jahrhunderts war und that, mit dem zu vergleichen, was Goethe an der Grenze des 18. und 19. war und that. Beide waren Ritter im Kampfe gegen die Mächte des Chaos, beide Gestalter; beide „bekannten sich zu dem Geschlecht, das aus dem Dunkeln ins Helle strebt“.
    Nein und tausendmal nein! Die Vernichtung jenes Undinges eines unnationalen Staates, jener Form ohne Inhalt, jenes seelenlosen Menschenhaufens, jener Vereinigung der nur durch gleiche Steuern und gleichen Aberglauben, nicht durch gleiche Herkunft
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und gleichen Herzschlag aneinandergeknüpften Bastarde, jener Versündigung an dem Geschlechte der Menschen, die wir in das Wort Völkerchaos zusammengefasst haben — sie bedeutete nicht das Niedersinken der Nacht, sondern das Entreissen eines grossen Erbes aus unwürdigen Händen, das Anbrechen eines neuen Tages.
    Doch bis heute ist es uns noch nicht gelungen, alle Gifte jenes Chaos aus unserem Blute zu entfernen. Auf weiten Gebieten behielt schliesslich das Chaos doch die Oberhand. Überall, wo der Germane nicht zahlreich genug auftrat, um physisch die übrigen Einwohner durch Assimilation zu überwinden, also namentlich im Süden, machte sich das chaotische Element immer mehr geltend. Ein Blick auf unseren heutigen Zustand zeigt, wo Kraft ist, wo nicht, und wie dies von der Zusammensetzung der Rassen abhängt. Ich weiss nicht, ob man schon bemerkt hat, wie eigentümlich genau die heutige Grenze der römischen Universalkirche mit der früher bezeichneten durchschnittlichen Grenze des römischen Imperiums zusammenfällt, also mit der Grenze der chaotischen Bastardierung? So ist z. B. der Oude Rijn heute nur noch ein schmaler Kanal; trotzdem bildet dieses frühere Flussbett noch immer die Religionsgrenze zwischen Katholiken und Protestanten. Der östliche Teil fällt freilich weg, weil hier (in Serbien, Bosnien u. s. w.) die slavischen Einwanderer des 8. Jahr-

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hunderts und die Bulgaren alles Fremde niedermachten; in wenigen Gegenden des heutigen Europa ist die Rasse so ungemischt, und   r e i n e   Slaven haben niemals die römische Kirche angenommen. Auch an anderen Stellen giebt es hier und da ein Hinüber- und ein Herübergreifen über die frühere Grenzlinie, doch nur um ein Weniges, was überdies leicht durch politische Verhältnisse zu erklären wäre. Im Ganzen ist die Übereinstimmung auffallend genug, um zu ernsten Gedanken anzuregen: Hispanien, Italien, Gallien, die Rheingegenden, die Länder südlich von der Donau! Noch ist es erst Morgen und immer wieder strecken die Mächte der Finsternis ihre Polypenarme aus, saugen sich an hundert Orten an uns fest und suchen uns in das Dunkel, aus dem wir hinausstrebten, zurückzuziehen. Ein Urteil über diese scheinbar höchst verwickelten, in Wahrheit durchsichtigen Verhältnisse erlangen wir weniger durch ausführliches chronistisches Detailwissen, als durch die klare Erkenntnis der in diesem Kapitel vorgetragenen geschichtlichen Grundthatsachen.


Ende des Kapitels 4 / End of chapter 4.
 
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