Hereunder follows the transcription of Houston Stewart Chamberlain's Vorwort und Nachträge zur dritten Auflage der Grundlagen des 19. Jahrhunderts, published by F. Bruckmann A.-G., Munich 1901.

Hieronder volgt de transcriptie van Houston Stewart Chamberlain's Vorwort und Nachträge zur dritten Auflage der Grundlagen des 19. Jahrhunderts, verschenen bij uitgeverij F. Bruckmann A.-G., München 1901.

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The Foundations of the nineteenth century
Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts
Kommentare und Besprechungen der Grundlagen
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I


DIE GRUNDLAGEN DES XIX. JAHRHUNDERTS

VORWORT UND NACHTRÄGE ZUR DRITTEN AUFLAGE
II
(Leere Seite)

III


HOUSTON STEWART CHAMBERLAIN
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DIE GRUNDLAGEN
DES
NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERTS

VORWORT UND NACHTRÄGE
ZUR DRITTEN AUFLAGE

Bruckmann Logo

MÜNCHEN

VERLAGSANSTALT F. BRUCKMANN A.-G.
1901

IV


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ALLE RECHTE VORBEHALTEN
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DRUCK VON ALPHONS BRUCKMANN, MÜNCHEN

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VORWORT ZUR DRITTEN AUFLAGE

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(Leere Seite)
 
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    Die dritte Auflage unterscheidet sich von den beiden ersten, ausser durch manche kleine Verbesserungen, nur durch die Beigabe einer Reihe von Nachträgen und durch eine abermalige Durcharbeitung und Ergänzung des Registers.
    An dem Buche selbst fühle ich mich nicht fähig, etwas zu ändern. Es giebt Stellen — z. B. das letzte Drittel des Hellenenkapitels, die Mitte des Germanenkapitels, den einleitenden Teil des neunten Kapitels — von denen ich sehr wohl weiss, dass sie schon rein architektonisch nicht gelungen sind; doch ist das Buch aus einem Guss entstanden, inzwischen haben andere Arbeiten meinen Geist in Anspruch genommen, und ich wagte es nicht, eine bessernde Hand anzulegen. Ein Schelm giebt mehr als er hat; wer schafft, muss lernen, sich in die Grenzen seines Könnens zu bescheiden; er darf nicht mehr wollen.
    Aus diesem Grunde habe ich die Nachträge nicht in den Text aufgenommen, sondern hinter dem Text als blosse abgerissene Zugaben gebracht. Sie sind nicht systematisch entstanden; dazu fehlte mir die Zeit und die Lust; sondern aus dem Vielen, was mir zugesandt worden ist, oder was ich an neuerer Litteratur selber kennen lernte, habe ich Einiges ausgewählt, was mir für meine Leser von besonderem Interesse schien. Im Text habe ich manchmal, doch nicht immer, auf diese Nachträge hingewiesen, denn manche fügte ich ein, als der Druck schon fertig war; ich bitte diese letzteren nicht zu übersehen.
    Thatsächliche Irrtümer sind in sehr geringer Zahl vermerkt worden. Dass Wolfgang Menzel kein Katholik war, wurde schon in der zweiten Auflage als »Berichtigung« gebracht. Einem katholischen Priester verdankte ich die irrtümliche Auskunft; und in der That, Menzel ist seinem Fühlen nach so katholisch, dass der Irrtum verzeihlich ist. Die Sache ist übrigens ohne Belang. — Eine Anzahl Fachgelehrte waren so freundlich, mich auf kleine Versehen auf-

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merksam zu machen; einige habe ich stillschweigend verbessert, andere fand ich zu geringfügig, bei einzelnen konnte ich mich nicht überzeugen, dass meine Angaben irrig sind. Diesen Freunden meines Buches spreche ich den herzlichsten Dank aus.
    Ein Irrtum, der ebenfalls ohne jede Bedeutung ist, hat in gewissen Kreisen eine überflüssige Menge Staub aufgewirbelt; er steht auf S. 498 und die Berichtigung in den Nachträgen S. 1016. Meines pater peccavi wegen musste ich die Sache noch einmal so abdrucken wie sie in den früheren Auflagen stand; von der nächsten Auflage ab wird der Name des betreffenden Herrn aus dem Buche verschwinden.
    Bei der Ergänzung des Registers hat mich ausser dem Wunsche; es möglichst brauchbar zu machen, auch das Mitleid mit jenen Litteraten bestimmt, deren Beruf es ist, »Widersprüche« aufzudecken. Was mir bisher von dieser Art von Kritik über die Grundlagen zu Gesichte kam, war nachweisbar alles auf Grund meines Registers, also offenbar ohne lebendige Kenntnis des Buches gemacht, daher manche Widersprüche noch fehlten; ich hoffe jetzt die Rubrizierung ziemlich vollständig durchgeführt zu haben.

    Charakteristisch für das bisherige Schicksal des Buches ist die sehr warme Aufnahme, die es bei Fachgelehrten gefunden hat. Hervorragende Philologen (Sanskritisten, Assyriologen, Semitisten, Hellenisten, Germanisten), Juristen, Philosophen, Historiker, Naturforscher (namentlich viele Ärzte), Theologen (protestantische und katholische), Kunstgelehrte u. s. w. haben öffentlich das Buch empfohlen, oder mir brieflich ihre Anerkennung ausgesprochen. Auch Männer des praktischen Lebens — Ingenieure, Offiziere, Richter, Pastoren, Beamte, Lehrer — haben in grosser Zahl sich lebhaft für das Buch interessiert. Dass diese Männer alle ohne Ausnahme zugleich scharfe Kritik an meinem Werke geübt haben, erhöht den Wert ihrer Meinung. Diese Thatsache hat mir Freude und Genugthuung bereitet. Ist es mir auch durch eine Tücke des Schicksals nicht vergönnt gewesen, selber der Wissenschaft als Gelehrter zu dienen, kein Leser meiner Grundlagen wird bezweifeln, dass ich mich immer und überall zu ihr bekenne und immer und überall für sie und gegen ihre vielen Feinde und Verächter kämpfen werde. Und diese Stimmung entspringt bei mir keiner bloss äusseren Sympathie, sie dringt ins Innere und bildet eine unerschütterliche Gesinnung und eine Grundlage des ganzen Denkens. Das haben jene Männer gefühlt. Wo die Gelehrsamkeit

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fehlte, hat sie der Ernst der Überzeugung gefesselt, und wo sie mir widersprachen, hat ihnen doch die Methode des Denkens Sympathie eingeflösst.
    Diese Thatsache erwähne ich nun nicht bloss aus dem obengenannten, sondern noch aus einem anderen Grunde; ich thue es im Interesse jener ungelehrten Leser, die sich ein selbständiges Urteil nicht zutrauen, und immer erst wissen müssen, was »man« sagt. Diese sollen erfahren, dass bisher nur namenlose Dilettanten mein Werk völlig verkannt und mich persönlich unflätig geschmäht haben. Nur einzelne halbgebildete Skribenten haben sich bemüssigt gefühlt, »die Würde der Wissenschaft« gegen mich in Schutz zu nehmen, Leute, die das bisschen fadenscheinige Wissen, das sie sich von aussen umgelegt haben, wohlweislich mit dem weiten Mantel der Anonymität zudecken, und deren Name — wenn er doch gelüftet wird — die Anonymität nur gleichsam unterstreicht und noch undurchdringlicher macht. Sie bilden die kontrastierende Ergänzung zu der ersten Gruppe.

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    Ich würde hier schliessen, wenn nicht eine Kritik — eine einzige — gebieterisch Abwehr erforderte.
    Ein Mitarbeiter des Literarischen Centralblattes hat mich des mehr oder minder bewussten Plagiats an Richard Wagner bezichtigt. Wären Wagner's Schriften bekannter als sie sind, ich könnte schweigen; der Vorwurf würde sich von selber richten. So aber drucken selbst wohlwollende Rezensenten die betreffende Behauptung nach; Wagner's Religion und Kunst haben sie — leider — nie gelesen, und da die verwandtschaftlichen Beziehungen des betreffenden Gelehrten seine Vertrautheit mit den Schriften des Bayreuther Meisters gewährleisten, nehmen sie ohne weiteres an, meine Grundlagen seien in der Hauptsache ein Breittreten von Wagner's hundert Seiten auf den Umfang von tausend Seiten, im besten Falle — um mit dem Rezensenten zu reden — ein Sammeln von »Belegen für die Wahrheit dieser (von Wagner) gegebenen Fundamentalsätze.« In Wirklichkeit ist die Behauptung ebenso irrig als injuriös, und indem sie mir das Meine raubt, raubt sie auch dem grossen Wort- und Tondichter das Seine, dasjenige, meine ich, was er mir in der That gegeben hat und wofür ich ihm mit jedem Atemzuge meines Lebens danke.
    Wohl darf ich mich in einem gewissen Sinne einen »Jünger« Wagner's nennen, doch müsste das Wort genau definiert werden,

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ehe ich es als berechtigt anerkennen könnte. Descartes sagt: die grossen Geister reden Unsinn, sobald ihre jünger in ihrem Namen sprechen. Das habe ich an Wagner's angeblichen Jüngern oft genug erfahren, und ich geize nicht danach, ihnen beigezählt zu werden. Als ich ein Werk über Wagner zu schreiben hatte, habe ich mir strengste Selbstbeherrschung zum Gesetz gemacht: erstens, damit Wagner möglichst rein zu Worte komme, zweitens, weil ich empfinden musste, dass uns nicht bloss ein Höhenabstand, sondern fast die ganze geistige Anlage und damit zugleich viele »Fundamentalsätze« der Überzeugung von einander schieden. Meine Ehrfurcht vor Richard Wagner ist viel zu gross, als dass ich es jemals wagen könnte, »seine Ideen auszuführen« (wie das Centralblatt sich ausdrückt), das heisst also, gleichsam in seinem Namen zu sprechen. Ich möchte den Mann sehen, der sich dessen unterfinge; ein zweiter Richard Wagner thäte es gewiss nicht.
    Zu dieser ersten allgemeinen Betrachtung gesellt sich eine zweite. Die Quellen von thatsächlichen Behauptungen kann man angeben; ich habe es in fast überreichlichem Masse gethan, teils als Bekräftigung, teils um dem Leser ein Urteil über meine Quellen zu erleichtern; dagegen gehört mehr Gelehrsamkeit dazu, als ich besitze, um bis zu den »Quellen« von Gedanken und Ideen mit einiger Sicherheit zurückzugehen. Wie Montaigne sagt: L'humaine fantaisie ne peut rien concevoir qui n'y soit. Mein gelehrter Rezensent muss unter dem Einfluss einer starken Hypnose gestanden haben, als er Richard Wagner Ideen als Eigentum vindicierte, die Wagner einfach aus dem gemeinsamen Kulturgut der europäischen Menschheit schöpfte. Welch ein andrer Geist weht uns aus Wagner's Worten entgegen: »Was einmal öffentlich gesagt ist, gehört der Allgemeinheit an und nicht mehr ist es Eigentum Desjenigen, der es gesagt hat. In diesem Sinne würde ich mir jedes Plagiat verzeihen, weil ich es nicht dafür halten könnte.» ¹) Und in der That, Wagner hat die Ideen, welche ihm hier zugeschrieben werden, meistens en bloc von weltbekannten Autoren übernommen. Sein Geist ist in wissenschaftlicher Beziehung eigentümlich unkritisch, fast möchte ich sagen kindlich naiv. Wer ihm Vertrauen einflösst, dem glaubt er alles, von dem nimmt er alles ungeprüft an. Jedenfalls hängt dies mit dem Wesen des absoluten Künstlers zusammen. Wagner's Weltanschauung — als Bestandteil seiner unvergleichlichen
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    ¹) Briefe an Uhlig, Fischer, Heine, 1888, S. 80.

7 Vorwort zur dritten Auflage

Persönlichkeit — ist und bleibt ein unschätzbares Gut; doch wer wissenschaftliche Belehrung bei ihm holt, ist übel beraten, und wer ein Buch von der Art des vorliegenden auf eine derartige Grundlage aufbauen wollte, wäre — nach meinem Dafürhalten — ein Thor.
    Gehen wir jetzt auf das Einzelne ein, denn diese Märe — aus redlicher Überzeugung geboren und durch Unüberlegtheit weiter verbreitet — muss ein für allemal wie ein Unkraut ausgerottet werden.
    Die Hauptstelle, die für uns in Betracht kommt, lautet ungekürzt und wortgetreu: »Hält man sich an das Wesentliche, so darf man sagen: die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts sind eine Ausführung der besonders in Religion und Kunst von Richard Wagner ausgesprochenen Ideen. Diese sind: erstens »der Verderb der christlichen Religion ist von der Herbeiziehung des Judentums zur Ausbildung ihrer Dogmen herzuleiten«, insonderheit ›der durch Herrscherwut eingegebene Gedanke der Zurückführung des Göttlichen am Kreuze auf den jüdischen Schöpfer des Himmels und der Erde, den zornigen und strafenden Gott«. Zweitens, und hier fusst Richard Wagner auf Gobineau's Essai sur l'inégalité des races: »der Verderb der (edelsten) weissen (arischen) Rasse leitet sich nur aus dem Grunde her, dass sie, unvergleichlich weniger zahlreich an Individuen als die niedrigen Rassen, zur Vermischung mit diesen genötigt war, wobei sie durch den Verlust ihrer Reinheit mehr einbüsste, als jene für die Veredelung ihres Blutes gewinnen konnten«, und: »die Rassenvermischung (das Völkerchaos wie es Chamberlain nennt), deren Eigentum die römisch-katholische Kirche ist, ergab den durch Jahrhunderte sich erstreckenden ungeheueren Verderb der semitisch-lateinischen Kirche«. Drittens: »der Begriff der sogenannten deutschen Herrlichkeit (des römischen Kaisertums) war ein undeutscher«; »der römische Staatsgedanke hat nachteilig auf das Gedeihen der deutschen Völker gewirkt« (in der Schrift: Was ist deutsch?). Diese Thesen bilden das Gerüst der Grundlagen; zu ihnen kommt noch eine weitere, bezüglich welcher insonderheit Gobineau der Vorgänger Chamberlain's war: die gesamte neuere Kultur ist eine Schöpfung der Germanen. Das grosse Verdienst Chamberlain's ist es nun, für die Wahrheit dieser gegebenen Fundamentalsätze eingetreten zu sein, für sie Belege von allen Seiten beigebracht zu haben, u. s. w.« ¹)
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    ¹) Literarisches Centralblatt, Jahrgang 1900, Kolumne 438. Kein Wunder, dass der Rezensent des Weiteren behauptet, es könne kein Leser »ein sicheres und bestimmtes Verhältnis« zu meinem Buche gewinnen, wenn er nicht vorher Wagner's Gesammelte Schriften studiert habe.

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Vorwort zur dritten Auflage

    Ob nun wirklich mit diesem ziemlich mageren Inventarium der Inhalt meines Buches erschöpft ist, das kann ich billig dem Urteil des Lesers überlassen; ich glaube, er wird finden, dass ich nicht bloss stofflich, sondern auch gedanklich etwas mehr biete, und dass eine hochgradige Einseitigkeit dazu gehört, um in einem derartigen Werk nur gerade diejenigen Punkte zu bemerken, die eine mögliche Beziehung zu Richard Wagner gestatten. Was mir obliegt zu zeigen, ist, erstens, dass die genannten »Thesen« nicht Wagner's Eigentum sind, zweitens, das meine eigene Auffassung in zwei von den drei „Fundamentalsätzen« wesentlich von der seinen abweicht. Ich werde dies nacheinander an jedem einzelnen Punkt nachweisen.
    Dass der »Verderb der christlichen Religion von der Herbeiziehung des Judentums« herzuleiten sei, ist ein Gedanke, den im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung Marcion ausgesprochen hat, vielleicht schon nicht als Erster, doch mit solcher Kraft der Überzeugung, dass seine Stimme nie wieder ganz verhallte. Im vierten Jahrhundert entstand dann die grosse Sekte der Manichäer, zu welcher selbst ein Augustinus eine Zeit lang gehörte, und die, verzweigt zu Patarenern, Paulicianern, Katharern, Bogumilen u. s. w. bis in unser Jahrhundert hinab zahlreiche Anhänger zählte — ja angeblich heute noch zählt —; sie lehrte, dass das Judentum und die heiligen Bücher der Juden die direkte Schöpfung des Satans seien; für sie gab es kein Christentum, so lange nicht jede Spur des Judentums daraus vertilgt war. Nicht bloss aber in dieser extremen Gestalt, sondern im Schosse der Kirche selbst hat die Überzeugung von dem Verderb der christlichen Religion durch die Beimischung jüdischer Religionselemente nie aufgehört sich kundzugeben; ein besserer Kenner als ich würde wahrscheinlich für jedes Jahrhundert Namen nennen können; es genügt vielleicht, wenn ich auf S. 878 dieser Grundlagen hinweise, wo ich an der Hand mehrfacher Belege gezeigt habe, wie unsere christlichen Mystiker alle notgedrungen religiöse Antisemiten waren und sind. Zugleich ist bekannt, wie unsere Wissenschaft und Philosophie bereits vor anderthalb Jahrhunderten sich vor die Alternative gestellt fand: entweder wir verzichten auf den Judengott oder auf die Wissenschaft (siehe S. 924). Dieser Widerspruch ist so eklatant, dass selbst Männer, die für das Judentum die grösste Sympathie hegen, häufig empfunden haben, dass sie in der Religion zwischen Judentum und Christentum wählen müssen, und dass ein »jüdisches Christentum« ein Widersinn ist. Zwanzig Jahre ehe Wagner sein Religion und Kunst schrieb, hatte Renan in der Sorbonne gesagt:

9 Vorwort zur dritten Auflage

Dans tous les ordres, le progrès pour les peuples indo-européens consistera à s'éloigner de plus en plus de l'esprit sémitique. Notre religion deviendra de moins en moins juive — — — nous deviendrons de plus en plus chrétiens. ¹) Soviel über die Verbreitung eines Gedankens, der jetzt zu einer Entdeckung Richard Wagner's gestempelt werden soll. Das Beste kommt aber noch. Wagner hat nämlich nicht — so weit ich aus seinen Schriften ersehen kann — diese Lehre von dem »Verderb der christlichen Religion durch Herbeiziehung des Judentums« selbständig aus der soeben flüchtig angedeuteten, überreichen historischen Erfahrung geschöpft, sondern er hat sie einfach von seinem auserkorenen Lehrer wörtlich übernommen — nämlich von Arthur Schopenhauer. Der Gedanke und sein Ausdruck, bis herunter zu dem »zornigen und strafenden Gott«, ist eine unveränderte Wiederholung einer von Schopenhauer — wie jeder Gebildete weiss — mit zäher Energie verfochtenen These. Hier handelt es sich wirklich um die blosse vertrauensvolle Wiederholung des Gedankens eines Andern, nicht um die selbständige Neugestaltung (wie bei Schopenhauer) einer uralten Idee. Denn Wagner hat Schopenhauer's Gedanken kritiklos, ungeprüft übernommen, sonst hätte er den Irrtum entdecken müssen, den Schopenhauer's allzu einseitige Betonung buddhistischer Anklänge im Christentum hineingebracht hat. Hier wird man denn sehen, wie wesentlich meine These sich von der Schopenhauer's und Wagner's unterscheidet; wer solche Dinge nicht empfindet, ist kein Meister im Reiche der Gedanken.
    Wagner sagt nämlich, wie man sich erinnert, die Herbeiziehung des Judentums »zur Ausbildung ihrer Dogmen« hätte die christliche Religion verdorben. Das hatte Schopenhauer sechzig Jahre früher gemeint. Schopenhauer hatte nämlich in der christlichen Religion einen rein ethischen und einen dogmatischen Teil unterscheiden wollen und hatte geschrieben: »den rein ethischen Teil möchte ich vorzugsweise, ja ausschliesslich den christlichen nennen, und ihn von dem vorgefundenen jüdischen Dogmatismus unterscheiden«. ²) Dogmatismus ist schon besser als Dogmen, doch erhellt aus dem Zusammenhang und aus anderen Stellen, dass Schopenhauer wirklich das Dogmengebäude im Christentum für eine jüdische Zugabe hielt; und diese Ansicht verträgt nicht die geringste Prüfung. Ich bitte das apostolische und das
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    ¹) De la part des peuples sémitiques dans l'histoire de la civilisation.
    ²) Die Welt als Wille und Vorstellung, 1. Band, 4. Buch.


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athanasische Glaubensbekenntnis aufmerksam zu lesen, und dann zu sagen, was sie Jüdisches enthalten. Nicht einmal der Glaube an Gott den Schöpfer ist spezifisch jüdisch; die Juden selber haben ihn von Ägypten, und ägyptische Religionsgedanken beherrschten zur Zeit Christi die Welt. Alles Übrige, sowohl der architektonische Aufbau der dreieinigen Gottheit mit Himmel, Erde und Hölle, wie auch der ganze Heilsplan, mit dem aus einer Jungfrau geborenen Sohne, der für die Erlösung der Menschheit stirbt ... alles ist gänzlich unjüdisch, sowohl geschichtlich wie ideell. Die grössten Dogmatiker der Welt waren die Indoarier und Eranier; welche Anlage zu kühner und tiefer Dogmenbildung in den Hellenen schlummerte, zeigen die Anfänge der christlichen Kirche; Mythenbildung und Dogmenbildung gehen Hand in Hand, beides hat sich bei uns heute in die Wissenschaft geflüchtet, beides ist den vorwiegend semitischen Völkern völlig fremd. Ich habe nun in diesem Buche (siehe Kapitel 7) zu zeigen gesucht, dass es nicht Dogmen sind, die das Judentum uns gab und wodurch es die christliche Religion verdarb, sondern dass die Beimengung des jüdischen antireligiösen Materialismus die uns natürliche und notwendige, zugleich streng dogmatische und doch stets in lebendigem Flusse befindliche Dogmenbildung verdarb, indem es das Mythische zu einem Geschichtlichen umwandelte und indem es die in ewiger Jugend dahinstürmende, bildliche Erkenntnis mit dem Gorgonenblick semitischen Glaubenswahnes für alle Zeiten zu toter Regungslosigkeit erstarrte. ¹) — Ich kann Recht haben mit dieser Auffassung und ich kann Unrecht haben; doch eines ist sicher: von Wagner und Schopenhauer übernahm ich sie nicht, da sie Beiden unbekannt ist. Und ebenso sicher ist, dass sowohl die allgemeine Geschichtsauffassung, aus welcher meine Überzeugung entwächst, eine andere Geistesanlage bezeugt, wie auch, dass die Wege, die diese Überzeugung der Gegenwart und der Zukunft empfehlen möchte, andere sind, als sie Schopenhauer und Wagner der Welt predigen. ²)
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    ¹) Dazu kommt noch der sehr grosse Anteil, den altägyptische Religionsvorstellungen an dem Aufbau des christlichen Glaubenssystems nahm, den Schopenhauer (und mit ihm Wagner) völlig unberücksichtigt lässt, und den auch ich ungenügend hervorgehoben habe.
    ²) Nebenbei und der Vollständigkeit wegen sei bemerkt, dass ich den Satz, die Zurückführung des Göttlichen am Kreuze auf den jüdischen Schöpfer sei ein »von Herrscherwut eingegebener Gedanke« wahrlich nie unterschrieben hätte. Das ist, was ich Dilettantismus im schlechten Sinne des Wortes nennen würde. Die


11 Vorwort zur dritten Auflage

    So verhält es sich mit den ersten jener »von Richard Wagner ausgesprochenen Ideen«, für die ich »von allen Seiten Belege bei gebracht habe«. Hier war einige Ausführlichkeit geboten, denn erhandelte sich um Thatsachen, die nicht einem Jeden geläufig sind und um Gedankennüancen, die zwar Welt von Welt scheiden, doch dem hastigen Leser einer Zeitschriftenzensur leicht verborgen bleiben. Bei dem zweiten und dritten »Fundamentalsatz«, den ich Wagner verdanken soll, kann ich mich kürzer fassen, denn hier hat die Monomanie zur offenbaren Widersinnigkeit geführt.
    Meine Auffassung des Begriffes und der Thatsache »Rasse« ist die zweite meiner »Thesen«, die angeblich in den Schriften Richard Wagner's ihren »Quell« hat. Da Wagner's Schriften zwölf Bände umfassen und also nicht leicht zu überblicken sind, bitte ich den Leser zu einem vortrefflichen Nachschlagewerk zu greifen, das er gewiss auf jeder Bibliothek finden wird; es heisst: Wagner-Lexikon, Hauptbegriffe der Kunst- und Weltanschauung Richard Wagner's in wörtlichen Anführungen aus seinen Schriften zusammengestellt; die Verfasser sind Karl Friedrich Glasenapp, der vortreffliche Wagnerbiograph, und Heinrich von Stein, der begabteste Jünger des Bayreuther Meisters; dass diese beiden Männer, die genauesten Kenner von Wagner's Schriften, nichts übersehen haben, was bei Wagner einem »Fundamentalsatz« gleichkommt, ist sicher. Nun schlage der Leser unter diesen Hauptbegriffen den Begriff »Rasse« nach. Es steht ihm eine Überraschung bevor: das Wort ist überhaupt gar nicht genannt! In der That, Wagner hat sich während seines ganzen Lebens niemals mit der Rassenfrage beschäftigt, und so hat er darüber weder Gedanken, noch Ideen, und noch weniger Fundamentalsätze aufgestellt. In seinen allerletzten Lebensjahren hat er aber zufällig auf Reisen den Grafen Gobineau persönlich kennen gelernt; diese Bekanntschaft führte zur Lektüre von Gobineau's Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen; und jetzt nahm Wagner — wie das bei ihm üblich war — mit grösster Begeisterung und ohne jegliche Kritik die ihm völlig neuen
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Verknüpfung mit dem Alten Testament und somit mit dem Jahve der Juden, beruht in erster Reihe auf der geschichtlichen Persönlichkeit Jesu Christi und wurde sofort von Paulus — als dem verstandesmächtigsten Apostel — durchgeführt. Der weitere Vorgang der Identifizierung des altarischen Weltenschöpfers mit dem Nationalgott der Juden und des menschgewordenen Logos mit beiden ist die gedankenvolle und schmerzensreiche Leidensgeschichte heiligster Männer während mehrerer Jahrhunderte.

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Vorwort zur dritten Auflage

Ideen Gobineau's als nachgewiesene, offenkundige, restlose Wahrheit auf. Und wenige Monate vor seinem Tode schrieb er einen kleinen Aufsatz von zehn Seiten, betitelt Heldentum und Christentum, stilistisch eines der schönsten Gebilde seiner Feder, in welchem er, von Gobineau ausgehend und mit Herbeiziehung tiefmystischer Gedanken über die reinigende Wirkung der Religion auf die Rasse, die Bedingungen untersucht, unter denen — trotz Gobineau's düsteren Prophezeiungen — doch noch »eine wahrhaftige ästhetische Kunstblüte« zu erwarten sei. Dies ist die einzige Schrift, in welcher Wagner das Rassenthema berührt hat. ¹) Ihr sind die Worte entnommen, die mein Rezensent citiert, und Wagner selber giebt sie für nichts anderes aus, als für eine kürzeste Zusammenfassung von Gobineau's Theorie. Und doch wagt der betreffende Rezensent, angesichts meiner Kapitel über das Völkerchaos, über die Juden und über die Germanen zu behaupten: »Chamberlain verdankt die Erkenntnis dieses Problems Richard Wagner«. Das ist kühn!
    Von Wagner kann also, wie man sieht, auch hier nicht die Rede sein, sondern höchstens von Gobineau. Und da muss ich gestehen: ich verehre den geistreichen Franzosen und freue mich über die originelle Physiognomie eines Mannes, der juristische, paragraphose Büchergelehrsamkeit mit den hyperphantastischen Träumereien eines apokalyptischen Weltuntergangverkünders in seinem Kopfe zu vereinen wusste; doch bei dem Gobineau-Rummel der letzteren Zeit reisst mir die Geduld. Es ist ja ganz schön und nützlich und notwendig, dass gewisse Menschen sich der Juristerei, der Kunstgeschichte, der Litteratur widmen, und es ist entschuldbar, wenn sie keine Zeit übrig finden, um von den Arbeiten auf dem Gebiete der Naturwissenschaft Kenntnis zu nehmen; doch ist es wirklich ein starkes Stück, wenn eine Vereinigung solcher Männer das Werk eines der ihrigen, der von Anatomie, Zoologie, Anthropologie, Prähistorie keine blassesten Kenntnisse besass, und der vor einem halben Jahrhundert schrieb, d. h. zu einer Zeit, wo die grosse Ära der Entdeckungen auf diesem Gebiete kaum angegangen war, — es ist, sage ich, ein starkes Stück, wenn ein solches Werk uns heute als der Inbegriff des Wissens und der Weisheit über die Rassenfrage aufgetischt wird, zugleich auch als ein treibendes Ferment in der neuesten Entwickelung unserer Vor-
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    ¹) Man vergl. für Näheres mein Buch Richard Wagner, illustrierte Ausgabe, S. 157.

13 Vorwort zur dritten Auflage

stellungen über die Menschenrassen. An dem Ganzen ist kein wahres Wort. Gobineau's Buch ist interessant als die Widerspiegelung einer leidenschaftlichen, schlecht equilibrierten, aber durchaus edlen und fesselnden Persönlichkeit; solche laufen nicht zu Dutzenden herum, ihnen zu begegnen ist und bleibt eine Lebensfreude; ausserdem besitzt Gobineau eine bedeutende und eigenartige, juristisch-diplomatische Gelehrsamkeit, wodurch sein Buch geeignet wird, den Naturforscher, den Philologen und den Historiker — diejenigen, in deren Kompetenzbereich die Rassenfrage liegt — auf Thatsachen und Dokumente aufmerksam zu machen, die sie leicht übersehen könnten. Es war folglich ein verdienstvolles Unternehmen, das Werk Gobineau's, das nur in Folge seiner Verschrobenheit und perversen Antiwissenschaftlichkeit seinerzeit unbeachtet und völlig einflusslos geblieben war, wieder hervorzusuchen; denn heute kann es nützen, ohne zu schaden. Doch seine Bedeutung in Bezug auf die Rassenfrage wird immer eine nur indirekte und eine beschränkte bleiben. Eine ernst zu nehmende und nützliche Theorie der Rasse kann nicht auf die Märe von Sem, Ham und Japhet und auf noch so geistreiche Intuitionen, vermischt mit haarsträubenden Hypothesen, aufgebaut werden, sondern nur auf gründliche und umfassende naturwissenschaftliche Kenntnisse. Ein Mann wie Gobineau ahnt nicht einmal die enorme Verwickeltheit des Problems, das er so einfach und mit kindlicher Allwissenheit zu lösen unternimmt.
    Was nun meine Darstellung der Rasse anbetrifft, wird jeder Leser — namentlich jeder, der über naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt — einsehen, dass sie ganz und gar in dem naturwissenschaftlichen Gedankenkreise lebt und webt. Es giebt nur wenige Stellen, wo ich mich mit Gobineau und seiner Welt auch nur berühre. Was ich hier weiss und was ich theoretisierend denke, ist alles wissenschaftliches Erbteil aus einem Jahrhundert heisser Arbeit — von Blumenbach bis Ujfalvi —, und mein Meister ist in erster Reihe — wie an Ort und Stelle hervorgehoben — Charles Darwin. Nicht etwa, dass ich diesen grossen Namen für meine Auffassung des Wesens und der Bedeutung der Menschenrassen beanspruchen könnte; er aber war es, der mich zwischen »Rasse« und »Art« zu unterscheiden lehrte, und zwar zu einer Zeit, wo ich noch nicht wusste, dass Wagner überhaupt eine Schrift verfasst hatte. Jene »edelste weisse arische Rasse« Gobineau's, die nach und nach zu Grunde geht, ist gar keine Rasse, sondern eine Art, eine Species, — sonst haben Worte keinen

14 Vorwort zur dritten Auflage

Sinn. Und weit entfernt, die Gobineau'sche Auffassung mir anzueignen, bestreite ich sie, wo ich nur kann (man sehe z. B. S. 267). Kommt es nicht häufiger vor, so ist das, weil Gobineau von »Ursprüngen« ausgeht, während ich diese zur Stunde noch für unerforschlich und ausserdem meinem praktischen Zweck gegenüber für gleichgültig halte, wogegen jene Auffassung der Rasse, die sich aus den Beobachtungen auf zoologischem und botanischem Felde ergiebt und von deren Existenz Gobineau (und mit ihm Wagner) nichts wusste, nämlich der Rasse als eines plastischen, beweglichen, im steten Wellenspiel des Steigens und Sinkens begriffenen Phänomens (siehe z. B. S. 282 und 343), mich in diesem Buche einzig beschäftigt hat.
    Dass bei grundverschiedenem Ausgangspunkte und grundverschiedener Methode die Folgerungen, auch dort, wo sie erfreulicher Weise zusammentreffen nicht genetisch zu einander gehören können, braucht nicht erst ausführlich dargethan zu werden.
    So verhält es sich mit dem zweiten »Fundamentalsatz«, dessen »Quell« in Richard Wagner's Gesammelten Schriften fliessen soll. Bei dem dritten brauche ich mich nicht lange aufzuhalten. Denn auch der am wenigsten gelehrte und gebildete Mensch hat von Ulrich von Hutten und von Martin Luther gehört, und weiss, dass beide von den Nachteilen der Ehe zwischen Deutschland und Rom gar viel Beherzigenswertes gesagt haben. Luther's Satz: »Der Papst und die Seinen mögen sich nicht rühmen, dass sie deutscher Nation gross gut gethan haben mit Verleihung dieses römischen Reiches«, habe ich S. 842 angeführt. Das ist seitdem oft wiederholt worden, bis es in unserem Jahrhundert in wissenschaftlichen Geschichtswerken ersten Ranges ausführlich dargelegt ward. Zum Entdecken blieb da für Wagner nichts. Neu kann bei solchen Dingen höchstens der allgemeine Zusammenhang und die besondere Art der Darstellung sein. Mir lag jeder Gedanke an Originalität fern; ist es mir gelungen, eine sichere, seit Jahrhunderten bekannte, doch immer wieder im Interesse theokratischen Ehrgeizes geleugnete Wahrheit Vielen Leuten in überzeugender Form wieder nahe zu bringen, so ist mein Zweck erreicht.

    Ich bin zu Ende. Wer diese Seiten gelesen hat, begreift, warum ich mein Buch hier in Schutz nahm, warum ich versuchen musste, einer bedauerlichen, irreführenden Konfusion bei Zeiten den Riegel vorzuschieben. Zugleich ging es an meine persönliche Ehre. Denn der Rezensent schreibt: »Die Erkenntnis jener Probleme verdankt

15 Vorwort zur dritten Auflage

Chamberlain Richard Wagner. Man darf sich darüber wundern, dies weder im Vorwort noch im Buche sonst ausgesprochen zu finden, um so mehr als u. s. w.« Ich werde somit der absichtlichen Verschweigung meiner Quellen beschuldigt, und einige »doch« und »vielleicht«, die dann folgen, vermögen nicht die verletzende Insinuation aufzuheben. Auch hiergegen müsste es mir im Interesse meiner Leser erlaubt sein, mich zu wehren.
    Und doch, weder die Rücksicht auf mein Buch, noch die auf meinen litterarischen Ruf hätte mich zu reden vermocht, wenn nicht jene unüberlegt geschriebene und sorglos nachgedruckte Beurteilung etwas berührt hätte, was ich als ein Heiligstes im Herzen trage, nämlich mein Verhältnis zu Richard Wagner.
    »Ist das Genie vorbeigeschritten, so ist es, als habe sich das Wesen der Dinge umgewandelt, denn sein Charakter ergiesst sich über alles, was es berührt«; diese Worte Diderot's habe ich auf S. 896 dieser Grundlagen angeführt; sie sprechen meine eigene Erfahrung aus, eine bestimmende Erfahrung meines Lebens. Ich würde nicht leben wollen und gewiss könnte ich nicht schaffen, wenn nicht jener unvergleichliche Mann, alles um sich verklärend, über die Welt geschritten wäre. Seine Kunst ist die höchste und vollendetste, welche die Menschheit besitzt; mehr als jede andere ist sie das, was Goethe forderte: »eine lebendig augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen«; wer sie jemals wahrhaft erfahren, glaubt. Für mein Empfinden aber steht die Persönlichkeit Wagner's so hoch wie seine Kunst. So vollendet ist sie natürlich nicht, denn er war ganz Mensch; doch bewährt dieser Mensch im ganzen Verlaufe seines Lebens eine so erhabene Gesinnung, er ist so restlos hingegeben an ein ideales Ziel, er ist so hinreissend selbstvergessen, er ist von dem Edlen in der Menschennatur so verwegen überzeugt, es besteht in ihm eine so vollkommene Harmonie zwischen Wollen und Können — der Gedanke kein Phantom, sondern fähig, sich augenblicklich in die That umzusetzen, — dass ihm gegenüber Ehrfurcht, Liebe und Bewunderung in gleichem Masse gefordert werden; mir ist aus der Weltgeschichte kaum ein Mann bekannt, bei dem das in ähnlicher Weise zutreffe. Ein solcher Mann wirkt auf Andere wie eine Naturkraft: er weckt Leben, er schenkt Selbstvertrauen, er regt das auf, was in Seelentiefen unbewusst schlummerte. Wie Diderot sagte: es ist, als habe er das Wesen der Dinge umgewandelt, — darunter auch das Wesen des eigenen Selbst.

16 Vorwort zur dritten Auflage

    Ich sagte oben, ich könne mich nicht unbedingt zu den »Jüngern« Richard Wagner's rechnen, und in der That, meinen geistigen Anlagen ist es angemessener, ein Jünger Goethe's und Kant's und Cuvier's zu sein; ich sagte auch, dass ich in manchen Beziehungen Wagner's Führerschaft wenig traue, dass ich vielmehr ihr kritisch ablehnend gegenüber stehen müsse; doch das sind Erkenntnisse, die mein Verhältnis eines dankbar und liebevoll Empfangenden in keiner Weise berühren. Le génie laisse loin de lui l'esprit qui de critique avec raison, fährt Diderot an derselben Stelle fort. Auch wo er von irrtümlichen Voraussetzungen ausgeht, schafft Wagner Bewundernswertes und Beherzigenswertes, wie z. B. in der obengenannten Schrift Heldentum und Christentum, und ich glaube, die leichtfertige Art, in der ein solcher Künstlergeist mit Thatsachen verfährt, wird ihm durch die Gewissheit eingegeben, dass er doch zu einer höheren Wahrheit durchdringt, gleichviel von welchen Voraussetzungen er ausgeht; darum nimmt er die ersten besten an, die er leicht assimilieren kann. Wagner schwört heute bei Feuerbach und morgen bei Schopenhauer, er ist heute Republikaner und morgen Gottesgnadentumverfechter, heute rührt die Entartung der Menschheit von der Nahrung her, morgen von der Rassenvermischung — und doch ist er der selbe, und was er der Menschheit zu sagen hat: über das Wesen der Kunst, über eine künstlerische Kultur, über das Verhältnis zwischen Kunst und Religion u. s. w. bleibt unverändert, gleichviel aus welchen Materialien er den Unterbau gezimmert hat. Künstlerische Intuitionen sind wie die ägyptischen Pyramiden; sie werden von der Spitze nach abwärts zu gebaut; was darunter liegt, ist bloss staubiges Gerüst. Eine »Thatsache« giebt es bei Wagner, in die ich unbedingt vertraue: er selber.
    Jener Rezensent rührt nun nicht nur an meiner litterarischen Ehre, sondern er bringt mich in den Verdacht der Undankbarkeit. Mit Recht wird Untreue, wenn auch nicht als das schwerste, so doch als das schwärzeste Verbrechen betrachtet. Für sie giebt es keine Sühne; nur der Wahnsinn kann sie entschuldigen. Seit Jahren streiten die Gelehrten darüber, in welchem Augenblick Nietzsche thatsächlich in Wahnsinn verfiel; und doch liegt es klar vor aller Augen: in dem Augenblick, als er von Wagner abfiel. Und schön war es und wohlthuend, dass der arme Mann sich dann öffentlich gegen den Freund wandte, dass er ihn mit Kot bewarf, dass er das Heiligtum seines Herzens vor aller Welt niederriss und zugleich alles andere Edle

17 Vorwort zur dritten Auflage

verleugnete, aus dem er in heissem Ringen sein gutes Ich nach und nach aufgebaut hatte; das war echte Natur; so sprach die gute Mutter für ihn und erklärte laut: seht, er ist nicht untreu, er ist von Sinnen. Doch, welcher schwarzen Niedertracht beschuldigen wir den Mann, der Richard Wagner das verdankt, was ich ihm verdanke, und den wir verdächtigen, er benütze Wagner's Arbeiten, um die eigenen daraus aufzurichten, und er verheimliche dann diesen Ursprung seiner Leistungen! Da wäre Wahnsinn wahrlich das bessere Teil.

    W i e n,   im September 1901.

            Houston Stewart Chamberlain.


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NACHTRÄGE
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21 Nachträge

    Zu S. 9. — Von einem Rezensenten wurde mir übel vermerkt, ich hätte hier Prof. Henry Thode's Aufsatz über Die Renaissance, dem ich offenbar meinen Gedankengang verdanke, nicht erwähnt. Nun ist der betreffende Aufsatz in den »Bayreuther Blättern«, Juli 1899, erschienen. Die allgemeine Einleitung zu den Grundlagen ist aber im Sommer 1896 geschrieben, Ende August 1898 gedruckt und am 1. März 1899 im Buchhandel gewesen.
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    Zu S. 15. — Das Erwachen des Germanen zu freier Lebensbethätigung im 13 Jahrhundert lässt sich noch vielfach belegen. Von besonderem Interesse schienen mir folgende zwei Thatsachen.
    Hyrtl teilt mit (Das Arabische und Hebräische, in der Anatomie 1879, S. XI), dass gegen Schluss des 13. Jahrhunderts die erste Secierung einer menschlichen Leiche nach einer Unterbrechung von eintausendsechshundert Jahren stattfand, und zwar von dem Norditaliener Mondino de' Luzzi ausgeführt.
    Cantor (Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, 2. Aufl., II, 3) sagt, im 13. Jahrhundert habe »ein neuer Zeitabschnitt in der Geschichte der mathematischen Wissenschaft« begonnen. Dies war namentlich das Werk des Leonardo von Pisa, der als Erster die indischen (fälschlich arabisch genannten) Zahlenzeichen bei uns einführte, und des Jordanus Saxo, aus dem Geschlecht der Grafen von Eberstein, der uns mit der Buchstabenrechnung bekannt machte.
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    Zu S. 28. — Selbst in der allerkürzesten Aufzählung der genialsten Naturforscher des Jahrhunderts hätten Louis Agassiz, Michael Faraday und Julius Robert Mayer nicht unerwähnt bleiben dürfen.
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Nachträge

    Zu S. 57—59. — Man versäume nicht, das schöne Buch von Maurice Maeterlinck: La vie des abeilles, 1901, zu lesen. Auch dieser neueste unter den Beobachtern der Bienen weist auf Huber hin als auf den genialsten und zuverlässigsten aller bisherigen Forscher (S. 9).
    Auf dem Zoologenkongress zu Berlin, am 13. August 1901, hielt der bekannte Psychiater und Ameisenforscher Forel einen Vortrag, in welchem er auf Grund seiner neuesten Arbeiten (seine Beobachtungen reichen jetzt über einen Zeitraum von dreissig Jahren!) den Ameisen den Besitz des Gedächtnisses, der Fähigkeit, verschiedene Sinneseindrücke im Hirn zu verknüpfen, und des Handelns mit Überlegung bestimmt zuschrieb. — (Dass es Ameisen giebt, die genau ebenso »überlegt« weben wie der Mensch, nämlich mit Gespinstfäden, die sie nicht selber erzeugen, kann man in Carl Chun's Aus den Tiefen des Weltmeeres, 1900, S. 117 fg., belegt finden.)
    Schon Montaigne bemerkt in seiner Apologie de Raimond Sebond: Tout ce qui nous semble étrange, nous le condamnons, de même ce que nous n'entendons pas; comme il nous advient au jugement que nous faisons des bêtes. Elles ont plusieurs conditions qui se rapportent aux nôtres; de celles-là, par comparaison, nous pouvons tirer quelque conjecture: mais ce qu'elles ont en particulier, que savons-nous que c'est?
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    Zu S. 66. — Wie viel älter der Gebrauch der Schrift in dem Gebiete hellenischer und vorhellenischer Kultur ist, als man bis vor kurzem voraussetzen zu müssen glaubte, wird täglich augenscheinlicher. So hat man z. B. jetzt in dem (sogenannten) Palast des Minos auf Kreta, dessen jüngste Teile nachweislich nicht später als 1550 Jahre vor Christo entstanden sind, ganze Bibliotheken und Archive gefunden. Die Schrift ist noch nicht entziffert worden, doch fällt den Gelehrten ihr »freies, europäisches Aussehen« auf, im Gegensatz zu allen asiatischen und ägyptischen Schriftzeichen. (Siehe A. J. Evans in The Annual of the British School at Athens, Nr. VI, Session 1899—1900, S. 57. Man vergleiche auch S. 18 und 29 und die Tafeln 1 und 2.) Der Gebrauch der Schrift war also üblich, schon lange ehe die Achäer überhaupt bis in den Peloponnes eingedrungen waren.
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    Zu S. 77, Anm. 2. — Besonders interessant ist es zu beobachten, wie in der Zoologie, in der man am Anfang des 19. Jahrhunderts sehr vereinfachen zu dürfen geglaubt hatte und wo man unter dem Einfluss Darwin's bestrebt gewesen war, alle Tiergestalten wenn irgend

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möglich auf einen einzigen Stamm zurückzuführen, jetzt, bei fortschreitenden Zunahmen der Kenntnisse, eine immer grössere Komplikation des ursprünglichen Typenschemas entdeckt wird. Cuvier glaubte mit vier »allgemeinen Bauplänen« auszukommen. Bald aber war man gezwungen, sieben verschiedene, auf einander nicht zurückführbare Typen anzuerkennen und vor etwa dreissig Jahren fand Carl Claus, dass neun Typen das Minimum sei. Dieses Minimum genügt aber nicht. Sobald man nicht einzig die menschliche Bequemlichkeit und die Bedürfnisse des Anfängers ins Auge fasst (wofür Richard Hertwig's bekanntes und sonst vortreffliches Lehrbuch ein klassisches Beispiel bietet), sobald man die strukturellen Unterschiede, ohne Bezug auf Formenreichtum und dergleichen gegen einander abwägt, kommt man bei den heutigen genaueren anatomischen Kenntnissen mit weniger als sechzehn verschiedenen, einander typisch gleichwertigen Gruppen nicht aus. (Siehe namentlich das meisterhafte Lehrbuch der Zoologie von Fleischmann, 1898.) — Zugleich haben sich die Anschauungen in Bezug auf manche grundlegende zoologische Thatsachen durch genaueres Wissen völlig verändert. So galt es z. B. vor zwanzig Jahren, als ich bei Karl Vogt Zoologie hörte, für ausgemacht, dass die Würmer in unmittelbarer genetischer Beziehung zu den Wirbeltieren stünden; selbst so kritisch selbständige Darwinisten wie Vogt hielten diese Thatsache für ausgemacht und wussten gar viel Herrliches über den Wurm zu erzählen, der es bis zum Menschen gebracht habe. Inzwischen haben viel genauere und umfassendere Untersuchungen über die Entwickelung der Tiere im Ei zu der Erkenntnis geführt, dass es innerhalb der »Gewebetiere« (alle Tiere, heisst das, die nicht aus einfachen, trennbaren Zellen bestehen), zwei grosse Gruppen giebt, deren Entwickelung vom Augenblick der Eibefruchtung an nach einem grundverschiedenen Plane vor sich geht, so dass jede wahre — nicht bloss äusserlich scheinbare — Verwandtschaft zwischen ihnen ausgeschlossen ist, sowohl die von den Evolutionisten vorausgesetzte genetische, wie auch die rein architektonische. Und siehe da: die Würmer gehören zu der einen Gruppe (die ihren Höhepunkt in den Insekten findet) und die Wirbeltiere gehören zu der anderen und dürfen nur mehr von Tintenfischen und Seeigeln abstammen! (Vergl. namentlich Karl Camillo Schneider: Grundzüge der tierischen Organisation in den Preussischen Jahrbüchern 1900, Julinummer, S. 73 fg.)
    Solche Thatsachen dienen als Belege und als Bestätigungen des S. 77 Behaupteten, und es ist durchaus notwendig, dass der Laie, der

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stets gewohnt ist, in der Wissenschaft seines Tages einen Gipfel zu vermuten, sie als ein Übergangsstadium zwischen einer vergangenen und einer zukünftigen Theorie erkennen lerne.
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    Zu S. 78. — Wilson's Buch ist inzwischen (1900) in zweiter, vermehrter Auflage erschienen. Der citierte Satz steht S. 434 unverändert. Das ganze letzte Kapitel, Theories of Inheritance and Development, ist allen Denen zu empfehlen, die statt Phrasen eine wirkliche Einsicht in den augenblicklichen Zustand wissenschaftlicher Erkenntnis in Bezug auf die Grundthatsachen der tierischen Gestalt besitzen wollen. Sie werden ein Chaos finden. Wie der Verfasser (S. 434) sagt: »Die ungeheure Grösse des Problems der Entwickelung, gleichviel ob ontogenetisch oder phylogenetisch, ist unterschätzt worden«. Jetzt sieht man ein, dass jedes neuentdeckte Phänomen nicht Aufklärung und Vereinfachung, sondern neue Verwirrung bringt und neue Probleme, so dass ein bekannter Embryolog (siehe Vorwort) vor kurzem ausrief: »Jedes Thierei scheint sein eigenes Gesetz in sich zu tragen!« Rabl kommt in seinen Untersuchungen Über den Bau und die Entwickelung der Linse (1900) zu ähnlichen Ergebnissen; er findet, dass jede Tierart ihre spezifischen Sinnesorgane besitzt, deren Unterschiede schon in der Eizelle bedingt sind. So wird denn durch die Fortschritte der wahren Wissenschaft — und im Gegensatz zu dem Nonsens über Kraft und Stoff, mit dem Generationen von leichtgläubigen Laien verblödet worden sind — unsere Auffassung des Lebens eine immer »lebendigere«, und der Tag ist wohl nicht mehr fern, wo man einsehen wird, dass es vernünftiger wäre, das Unbelebte vom Standpunkt des Lebendigen aus, als umgekehrt, deuten zu wollen.
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    Zu S. 80. — Dass die hellenischen Denker unmöglich von Semiten beeinflusst sein konnten, hat schon Immanuel Kant eingesehen, der, als Hasse eine darauf hinzielende Bemerkung machte, ungeduldig abwehrte: Phönizier und Hebräer sind keine Philosophen!« (Letzte Äusserungen Kant's, S. 24.)
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    Zu S. 87. — Meine Behauptung, die römische Kirche habe im Jahre 1822 »die Erlaubnis erteilt, an das heliocentrische System zu glauben«, beruht, wie es scheint, auf Irrtum. Ein namhafter katholischer Gelehrter hat bei Gelegenheit einer Besprechung von Hertling's

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Das Prinzip des Katholizismus und die Wissenschaft in der Beilage zur Münchener Allgemeinen Zeitung dargethan, dass seit 1822 die Kirche zwar das Werk des Kopernikus aus dem Index gestrichen und den Druck von Büchern, welche die Bewegung der Erde lehren, gestattet hat, dass aber die Bullen, in denen verboten wird, an die Bewegung der Erde   z u   g l a u b e n,   niemals aufgehoben oder irgendwie in ihrer Geltung eingeschränkt worden sind. Nach römischer Lehre darf also ein Gläubiger von dem heliocentrischen System Kenntnis nehmen, er darf aber nicht daran glauben. (Leider habe ich bei Abfassung dieses Nachtrages das betreffende Blatt nicht zur Hand; der Leser findet den Aufsatz in dem Jahrgang 1898 oder 1899 oder 1900.)
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    Zu S. 147—148. — Zum Verständnis des Charakters Caracalla's und seiner Beweggründe, empfehle ich die kleine Schrift von Prof. Dr. Rudolf Leonhard: Roms Vergangenheit und Deutschlands Recht, 1889, S. 93—99. Er zeigt auf wenigen Seiten, wie dieser Syrer, »ein Sprössling der karthagischen Menschenschlächter und der Landsleute jener Baalspriester, welche ihre Feinde in Feueröfen zu werfen pflegten« (die Juden thaten desgleichen, siehe 2 Samuel, 12, 31), die Vernichtung Roms und die Vernichtung der noch lebenden Reste hellenischer Bildung als sein Lebensziel erfasst hatte, zugleich die Überflutung der europäischen Kulturwelt mit dem pseudosemitischen Auswurf seiner Heimat. Das alles geschah planmässig, tückisch, und unter dem Deckmantel der Phrasen von Weltbürgertum und Menschheitsreligion. So gelang es, Rom in einem einzigen Tag auf ewig zu vernichten; so wurde das ahnungslose Alexandrien, der Mittelpunkt von Kunst und Wissenschaft, ein Opfer der rassenlosen, heimatslosen, alle Grenzen niederreissenden Bestialität.
    Vergessen wir nie — nie einen Tag — dass der Geist Caracalla's unter uns weilt und auf die Gelegenheit lauert! Anstatt die blöden und lügenhaften Menschheitsphrasen nachzuplappern, die schon vor achtzehnhundert Jahren in den semitischen »Salons« Roms Mode waren, thäten wir besser daran, uns mit Goethe zu sagen:

Du musst steigen oder sinken,
Du musst herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboss oder Hammer sein.
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Nachträge

    Zu S. 160 und 174. — Bezüglich der vorwiegend semitischen und syrischen Rassenangehörigkeit der späteren, von uns übertrieben bewunderten Kodifizierer und Einbalsamierer des römischen Rechts, vergl. die soeben genannte Festschrift Leonhard's, S. 91 ff.
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    Zu S. 200. — Hier und überall bitte ich, statt »Himmelreich«   R e i c h   G o t t e s   zu lesen. Der Ausdruck Uranos oder »Reich der Himmel« kommt nur bei Matthäus vor und ist sicher nicht die richtige Übersetzung irgend eines von Christus gebrauchten Ausdrucks. Die anderen Evangelisten sagen: das Reich Gottes. (Vergl. meine Ausgabe der Worte Christi, S. 260, und für die nähere Ausführung H. H. Wendt's Lehre Jesu, 1886, S. 48 und 58.)
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    Zu S. 216. — Die Evangelien selbst bezeugen die unüberbrückbare Trennung zwischen Galiläern und Juden. Namentlich bei Johannes wird immer von »den Juden« wie von etwas Fremdem gesprochen, und die Juden ihrerseits (7, 52) erklären: »aus Galiläa stehet kein Prophet auf«.
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    Zu S. 267 fg. — Man muss wohl bemerken, dass wenn auch Ujfalvi an dem genannten Orte sagt: le terme d'aryen est de pure convention, er das nur in einem gewissen, bedingten Sinne meint. Er hat seitdem selber nicht aufgehört, die Stammesgeschichte der Arier zu studieren und hat seine Ansichten infolgedessen so weit modificiert, dass er jetzt behauptet, die Eranier und die Inder seien deux branches d'une même grande famille und er spricht von den vestiges de la nation encore indivise des Indo-Iraniens (siehe L'Anthropologie, 1900, S. 24 fg.) und erwartet noch heute, im Hindukusch lebendige Reste der Aryens les plus purs aufzufinden (ebenda, S. 224).
    Es ist überhaupt bemerkenswert, dass die gelehrten Ethnologen und Anthropologen immer weniger den Ausdruck »Arier« entbehren können, immer mehr ihm einen konkreten Inhalt beilegen; man beachte z. B. das Werk von Lapouge L'Aryen, son rôle social, 1899. Auch Historiker können des Begriffes Arier ebenfalls nicht entraten. Und doch wird Unsereiner, wenn er noch so vorsichtigen und streng beschränkten Gebrauch dieser Vorstellung macht, von akademischen Skribenten und namenlosen Zeitungsreferenten verhöhnt! Möge der Leser der Wissenschaft mehr trauen als den offiziellen Verflachern und Nivellierern und als den berufsmässigen antiarischen Konfusions-

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machern. Denn würde auch bewiesen, dass es in der Vergangenheit nie eine arische Rasse gegeben hat, so wollen wir, dass es in der Zukunft eine geben soll.
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    Zu S. 276. — Die Goten, die später in hellen Scharen zum Mohammedanismus übertraten, dessen edelste und fanatischeste Verfechter sie wurden, sollen früher in grossen Zahlen das Judentum angenommen haben, und ein gelehrter Fachmann der Wiener Universität versichert mir, die moralische und intellektuelle, sowie auch die physische Überlegenheit der sog. »spanischen und portugiesischen Juden« sei eher aus diesem reichlichen Zufluss echt germanischen Blutes zu erklären, als aus jener Züchtung, die ich einzig hervorgehoben habe und deren Bedeutung er übrigens auch nicht unterschätzt wissen wollte.
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    Zu S. 277—288. — Zu meinem lebhaften Bedauern habe ich erst jetzt (1901) Dr. Albert Reibmayr's Inzucht und Vermischung beim Menschen (Leipzig und Wien, bei Deuticke, 1897) kennen gelernt. Das vortreffliche Werk, erschienen im selben Augenblick, als ich mein Kapitel über das Völkerchaos schrieb, empfehle ich allen Lesern der Grundlagen als eine unentbehrliche Ergänzung zu manchem bei mir nur skizzierten Gedankengang.
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    Zu S. 287. — Nach Albrecht Wirth: Volkstum und Weltmacht in der Geschichte, 1901, S. 159, kommt den Chilenen noch das zu gute, dass ihre Indianer — die Araukaner — einer besonders edlen Rasse entstammen, so dass die Spanier, die sich mit ihnen mischen, an Zähigkeit und Kriegsmut gewinnen.
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    Zu S. 289. — Professor August Forel, der bekannte Psychiater, hat in den Vereinigten Staaten und auf den Westindischen Inseln interessante Studien über den Sieg gemacht, den geistig niedrige Rassen über höherstehende durch ihre grössere Zeugungskraft davontragen. »Ist das Gehirn des Negers schwächer als das der Weissen, so sind seine Fortpflanzungskraft und das Überwiegen seiner Eigenschaften bei den Nachkommen um so mehr denjenigen der Weissen überlegen. Immer strenger sondert sich (darum) die weisse Rasse, nicht nur in sexueller, sondern in allen Beziehungen, von ihnen ab, weil sie endlich erkannt hat, das   d i e   M i s c h u n g   i h r   U n t e r g a n g   i s t.«   Forel zeigt

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an zahlreichen Beispielen, wie unmöglich es dem Neger ist, unsere Civilisation mehr als hauttief zu assimilieren und wie er überall »der totalsten urafrikanischen Wildheit anheimfällt«, sobald er sich selbst überlassen bleibt. Und Forel, der als Naturforscher in dem Dogma der einen, überall gleichen »Menschheit« auferzogen ist, kommt zu dem Schlusse: »Zu ihrem eigenen Wohl sogar müssen die Schwarzen als das, was sie sind, als eine durchaus untergeordnete, minderwertige, in sich selbst kulturunfähige Menschenunterart behandelt werden. Das muss einmal deutlich und ohne Scheu erklärt werden.« (Man siehe den Reisebericht in Harden's Zukunft vom 17. Februar 1900.) — Über diese Frage der Rassenmischungen und des beständigen Sieges der niedriger stehenden Rasse über die höher stehende, vergleiche man auch die an Thatsachen und Einsichten gleich reiche Arbeit Ferdinand Hueppe's: Über die modernen Kolonisationsbestrebungen und die Anpassungsmöglichkeit der Europäer an die Tropen (Berliner klinische Wochenschrift, 1901). In Australien z. B. findet in aller Stille, aber mit grosser Schnelligkeit, eine Auslese statt, durch welche der hochgewachsene blonde Germane — so stark vertreten im englischen Blute — verschwindet, wogegen das beigemengte Element des Homo alpinus die Oberhand gewinnt.
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    Zu S. 297 (und 319). — Ein holländischer Gelehrter macht mich darauf aufmerksam, dass die Grenze des römischen Reiches von dem sogenannten »Alten Rhein« gebildet wurde, der nicht bei Rotterdam in die See mündet, sondern über Utrecht nach Leyden fliesst. Meine Behauptung aber in Bezug auf das genaue Zusammentreffen der früheren Grenze der chaotischen Rassenbastardierung mit der heutigen Grenze der römischen Kirche stimme nur um so auffallender; denn sobald man den Oude Rijn überschreite, und zwar trotzdem er bloss einen schmalen Kanal bildet, werde das Verhältnis der Protestanten zu den Katholiken wie 2:1, um dann weiter nach Norden einer fast ganz protestantischen Bevölkerung zu weichen; wogegen im Süden, in den Provinzen Nordbrabant und Limburg, die Bevölkerung überwiegend katholisch sei, mit der bemerkenswerten Ausnahme von Zeeland, dessen Inselgebiet niemals vom Imperium einverleibt wurde und darum eine rein germanische Bevölkerung bewahrte, die ihre Rasse in dem Heldenkampf gegen Spanien bewährte und heute noch in ihrer antirömischen Gesinnung bezeugt.
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    Zu S. 308. — Eine ergreifende Schilderung des Gemütszustandes aller tiefer Beanlagten im Völkerchaos giebt Ambrosius, wenn er in seiner Rede auf den Tod des Kaisers Theodosius ausruft: »Wie Schiffbrüchige sind wir, die eine wilde Brandung ans Ufer geworfen hat.«
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    Zu S. 328. — Die Wiener Zeitungen vom 30. und 31. Juli 1901 berichten über eine Rede, die der Wiener Rabbiner, Herr Dr. Leopold Kahn, in einem Saale der orthodoxen jüdischen Schule in Pressburg über den Zionismus hielt. In dieser Rede machte Dr. Kahn folgendes Geständnis: »Der Jude wird sich nie assimilieren können; er wird niemals die Sitten und Gebräuche anderer Völker annehmen. Der Jude bleibt Jude unter allen Umständen. Jede Assimilation ist nur eine rein äusserliche.« Beherzigenswerte Worte! Eigentümlich und — von einem ganz anderen Standpunkt aus — ebenso bemerkenswert sind Worte, die wir in einem autobiographischen Fragment des Botanikers Ferdinand Cohn finden. Cohn, der im Gegensatz zu Kahn die Assimilation predigt, meint der Jude sei befähigt, »wenn auch nicht Germane, so doch Deutscher zu werden«. (Ferdinand Cohn, Blätter der Erinnerung, 1901, S. 13.) Ich glaube kaum, dass der Begriff »Deutscher« sich so völlig von dem Begriff »Germane« scheiden lässt. Es bliebe nicht vielmehr als eine geographische Geburtortsbestimmung.
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    Zu S. 358. — Zu meiner Behauptung bez. der Armenier schreibt Albrecht Wirth (Volkstum und Weltmacht in der Geschichte, S. 25): »Mir scheint, dass Chamberlain zu weit geht, wenn er den Armeniern bloss 1/10 arischen Blutes zuerkennen will; dies trifft bei den Städtern zu, deren Söhne zu uns nach Europa kommen, dagegen sind die ländlichen Armenier, wenigstens die ich in den Alpen des nördlichen Kurdistans gesehen habe, häufig braunblond und blauäugig und von den arischen Kurden kaum zu unterscheiden.«
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    Zu S. 359 fg. — Bezüglich des Namens   H e t h i t e r   bemerke ich noch ausdrücklich, obwohl der Text deutlich genug ist, um jedem Missverständnis vorzubeugen, dass er für mich dasselbe ist, wie für einen Mathematiker das X in einer zweifellos richtig aufgestellten, jedoch noch nicht zahlenmässig gelösten Rechnung. — Eine neueste Zusammenfassung unserer heutigen Kenntnisse über die Hethiter

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findet der Leser in Winckler's Die Völker Vorderasiens, 1900, S. 18 fg.
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Zu S. 373—374. — Gewisse jüdische Rezensenten der Grundlagen haben mit besonderer Lebhaftigkeit gegen diese Ausführungen — die jüdische Auffassung von »Sünde« betreffend — Einspruch erhoben. Doch spricht es nicht zu ihren Gunsten, dass sie, um mich zu diskreditieren, meine Quellen — die anerkannt ersten Autoritäten unserer Zeit — völlig verschweigen, und dadurch ihren Lesern die Sache so hinstellen, als handelte es sich um die Privatmeinung eines eingestandenermassen ungelehrten Menschen. In Wahrheit handelt es sich um eine völlig sichere, unbestreitbare, wissenschaftlich nachweisbare Thatsache.
    Zur Ergänzung der Ausführungen im Text mögen noch folgende zwei Citate dienen:
    »Im Hebräischen bedeutet Gut und Böse zunächst nur   h e i l s a m   und   s c h ä d l i c h;   auf Tugend und Sünde werden die Ausdrücke nur übertragen, sofern deren Wirkung frommt oder schadet« (Wellhausen: Prolegomena zur Geschichte Israels, 4. Ausg., S. 307).
    »Bei den Juden .... besteht keine innere Verbindung zwischen dem Guten und dem Gute; das Thun der Hände und das Trachten des Herzens fällt auseinander« (Wellhausen: Israelitische und jüdische Geschichte, 3. Ausg., S. 380).
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    Zu S. 381. — Bezüglich des europäischen, nicht semitischen Ursprungs unserer Schriftzeichen, vergl. den Nachtrag zu S. 66.
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    Zu S. 397. — Ein hervorragender jüngerer Semitist teilte mir vor kurzem mit, dass die neuere Forschung täglich mehr den rein fetischistischen, götzenanbeterischen Charakter aller ursprünglichen semitischen Religionsformen aufdecke. Nur durch Anregungen von aussen und durch Blutmischungen (wie bei den Juden) habe sich eine Erhebung zu höheren Auffassungen bewirken lassen.
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    Zu S. 408. — Da meine Behauptungen in Bezug auf Pânini und die indische Philologie von ignoranten Rezensenten (siehe z. B. die Grenzboten, 1900, Nr. 14, S. 23) in Frage gestellt worden sind, gebe ich noch zwei Citate.
    Theodor Benfey — dessen Recht, über diese Frage ein ent-

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scheidendes Urteil abzugeben. nur von Unwissenden geleugnet werden kann — schreibt in dem im Text genannten Werk, S. 35—36: »In Bezug auf Sprachwissenschaft sind es die Inder, welche schon im grauesten Altertum sie nicht etwa anbahnten, sondern eine Hauptstütze derselben — die wissenschaftliche Behandlung einer Einzelsprache — bis zu einer Vollendung führten, die das Staunen und die Bewunderung aller deren erregt, welche genauer damit bekannt sind, die selbst jetzt noch nicht allein unübertroffen, sondern selbst noch unerreicht dasteht, die in vielen Beziehungen als Muster für ähnliche Thätigkeiten betrachtet werden darf, die durch ihre Methode und Resultate vorzugsweise, ja fast allein es möglich machte, dass die moderne Sprachwissenschaft mit dem Erfolg, den man ihr allgemein zuerkennt, ihre Aufgabe aufnehmen und ihrem Ziele entgegenzuführen vermochte.«
    Und Georg von der Gabelentz sagt in seinem monumentalen Werke Die Sprachwissenschaft, 2. Aufl. 1901, S. 22: »Pânini's Wunderwerk ist die einzige wahrhaft vollständige Grammatik, die eine Sprache aufzuweisen hat.«
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    Zu S. 427 fg. — Wie tief der Einfluss Babyloniens auf die Juden gewirkt hat, wie sehr sie auch hier lediglich Verarbeiter der Gedanken Anderer waren, wird täglich klarer. Hugo Winckler schreibt (Die politische Entwickelung Babyloniens und Assyriens, 1900, S. 17—18):
    »Bereits vermögen wir aus den assyrischen Inschriften zu erkennen, dass einige Aussprüche der Propheten auf ähnliche Reden und Paroleausgaben anspielen, die vom Hofe der Assyrierkönige ausgegangen waren. Selbstverständlich hat nicht nur Israel »Sprecher« (Propheten) erzeugt, sondern der ganze Orient hat auf diese Weise zum Volke sprechen müssen.
    Mittelbare Zeugnisse solcher politischer Lehren, welche in der Hauptsache auf die Weltauffassung des babylonischen Priestertums zurückgehen, liegen in der vom Christentum so begünstigten Apokalypsenlitteratur vor, welche für uns mit der Prophetie Daniels beginnt. Immer mehr wird auch klar, dass die theokratische Entwickelung, welche Juda nimmt, mit Bestrebungen in Babylonien und im ganzen assyrischen Reiche Hand in Hand gegangen ist. Die Verfassungsordnungen unter Hiskia und Josia fallen zusammen mit entsprechenden Erscheinungen in Assyrien und Babylonien, und seine Durchbildung im Sinne der Theokratie hat das Judentum ja im Exil, in

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Babylonien, im Verkehre und unter dem Einfluss babylonischer Wissenschaft und Lehren erhalten.«
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    Zu S. 457. — Sehr schön hat Albrecht Wirth in seinem, in diesen Nachträgen mehrfach genannten Buch Volkstum und Weltmacht in der Geschichte das Verhältnis zwischen Rasse und Ideen nachgewiesen. Damit hängt seine bemerkenswerte These zusammen, dass Civilisation als äusseres Gewand jedem angehängt werden könne, Kultur dagegen ohne Blutmischung völlig unübertragbar bleibe.
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    Zu S. 485. — Die demoralisierende Wirkung des jüdischen Blutes auf die gotische Rasse scheine ich nicht hoch genug angeschlagen zu haben. Sayce sagt in seinen Races of the Old Testament (2. Aufl., S. 74): »Im spanischen Adel giebt es wenige Familien, die nicht mit jüdischem Blut infiziert sind.« Und Prof. Dr. Paul Barth schreibt bei Gelegenheit einer Kritik dieser Grundlagen in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie, Jahrgang 1901, S. 75: »Noch mehr als er es thut, hätte Chamberlain auf die Wirkung des semitischen Blutes, die sich bei den Spaniern offenbart, hinweisen können. Durch den semitischen Zusatz sind die Spanier fanatisch geworden, haben sie jeden Begriff ins äusserste Extrem ausgebildet, so dass er seinen vernünftigen Sinn verliert: die religiöse Hingebung bis zum »Kadavergehorsam« gegen die Befehle des Oberen, die Höflichkeit bis zur peinlichen, ceremoniellen Etiquette, die Ehre zur wahnwitzigsten Empfindlichkeit, den Stolz zu lächerlicher Grandezza, so dass   s p a n i s c h   bei uns im Volksgebrauch fast gleichbedeutend mit   u n v e r n ü n f t i g   geworden ist.«
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    Zu S. 494. — Inzwischen hat J. Deniker eine neue Einteilung aller europäischen Menschen in sechs Haupt- und vier Nebenrassen vorgeschlagen. So wechselt das Bild von Jahr zu Jahr!
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    Zu S. 498. — Herr Anatole Leroy-Beaulieu — der es mir ausserdem nicht verzeihen kann, dass ich ihn in der ersten Auflage mit seinem bedeutenden Bruder Paul, dem Nationalökonomen, verwechselt hatte — legt gegen die hier erzählte Anekdote Verwahrung ein; sie sei nicht von ihm. Eigentlich brauchte ich von seiner Berichtigung keine Notiz zu nehmen. Denn er wendet sich ausschliesslich an die Juden, durch Vermittlung eines ihrer Hauptorgane, welches ebenso-

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wenig wie die übrige jüdische Tagespresse von meinen Grundlagen Notiz genommen hatte, und ausserdem begeht er in seiner Berichtigung eine wissentliche und absichtliche Irreführung, indem er die Anmerkung unterdrückt, in welcher ich ausdrücklich erklärte, es sei mir nicht gelungen, die Anekdote in dem Buche zu finden, und nun mich pathetisch auffordert, ihm die Seite des Buches zu nennen, auf dem sie stünde. Doch im Interesse der Genauigkeit stelle ich also fest, dass die von mir auf S. 498 erzählte Thatsache nicht Herrn Leroy-Beaulieu und seine Familie betrifft, und ich bedauere, dass mein Gedächtnisfehler einem redlichen Manne Ärgernis verursacht hat.
    Eigentümlich ist folgendes Zusammentreffen, für dessen buchstäbliche Genauigkeit einer der besten Namen unter Frankreichs jüngeren Schriftstellern haftet. Als ich Leroy-Beaulieu's Brief an die »Frankfurter Zeitung« erhielt (Oktober 1900), war ich in Paris. Ich ging sofort zu dem betreffenden Herrn, der seit Jahren ständiger Mitarbeiter der Revue des Deux-Mondes und weit und breit für sein phänomenales Gedächtnis bekannt ist. Ich erzählte ihm die Anekdote und fragte ihn, ob er sie kenne. »Ja gewiss«, antwortete er, »ich erinnere mich, sie gelesen zu haben.« Und wo? fragte ich. »Bei uns, in der Revue des Deux Mondes«, war die sofortige Antwort. Wissen Sie noch, wer sie erzählt hat? fuhr ich fort. Nach einigem Besinnen erwiderte er: »Leroy-Beaulieu«. Dass die Anekdote gedruckt ist, unterliegt also keinem Zweifel, und es muss irgend eine merkwürdig zwingende Gedankenassociation auf Leroy-Beaulieu führen. Vielleicht gelingt es, bis zur nächsten Auflage die wirkliche Quelle aufzufinden.
    Für die auf S. 498 erwähnte Thatsache ist diese Angelegenheit übrigens völlig belanglos. Denn ich habe seitdem erfahren, dass die Gabe, den Rassenjuden sofort instinktiv zu erkennen, bei kleinen Kindern sehr verbreitet ist, namentlich bei Mädchen. Mündlich und schriftlich habe ich Zeugnisse dafür aus den verschiedensten Teilen Deutschlands und Europas erhalten. Es handelt sich also gar nicht um eine vereinzelte Thatsache, die erst belegt und erwiesen werden müsste, sondern ein Jeder kann sich in seiner Umgebung von ihr überzeugen. Interessant ist, dass es die kleinsten Kinder sind, solche, denen der Begriff »Jude« noch völlig fremd ist, bei denen die Rassenantipathie sich am sichersten und heftigsten kundthut; später stumpft sich der Instinkt ab.
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    Zu S. 518—519. — Immanuel Kant bewunderte die eiserne Konsequenz der römischen Kirche und betrachtete das Verbot des Bibellesens als »den Schlussstein der römischen Kirche« (Hasse: Letzte Äusserungen Kant's, 1804, S. 29). Zugleich pflegte er sich über die Protestanten lustig zu machen, »welche sagen: forschet in der Schrift selbst, aber ihr müsst nichts anderes darin finden, als was wir darin finden« (Reicke: Lose Blätter aus Kant's Nachlass II, 34). — Interessant in Bezug auf die Verschärfung, welche die neue Indexkonstitution eingeführt hat, ist die Thatsache, dass hinfürder nicht bloss Bücher, welche theologische Fragen berühren, bischöflich approbiert sein müssen, sondern nach § 42 und 43 auch solche, welche von Naturwissenschaft und Kunst handeln, von keinem gläubigen Katholiken absque praevia Ordinariorum venia veröffentlicht werden dürfen.
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    Zu S. 527. — Vielleicht hätte ich hier mit grösserem Nachdruck darauf hinweisen sollen, dass von Beginn an die Wirksamkeit der Jesuiten sich hauptsächlich als eine antireformatorische bethätigt hat. So wussten z. B. zwei der unmittelbaren Schüler und Genossen des Ignatius, Salmeron und Lainez, auf dem Conzil von Trient die ausschlaggebenden Stellen zu erobern, der eine als Eröffner jeder Debatte, der andere als der das Schlusswort sprechende Redner. Kein Wunder, dass »die Freiheit eines Christenmenschen«, über die Luther so herrliche Worte geschrieben hatte, auf diesem Conzil ein für alle Mal geknebelt wurde! Die grosse katholische Kirche betrat schon die Bahn, die sie nach und nach zu einer jesuitischen Sekte herabwürdigen sollte.
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    Zu S. 599. — Unsere ganze Vorstellung der Hölle und der Höllenqualen ist, wie man jetzt weiss, aus der altägyptischen Religion übernommen. Dante's Inferno ist auf uralten ägyptischen Denkmälern genau abgebildet. Interessanter noch ist die Thatsache, dass auch die Vorstellung der opera supererogationis, des Gnadenschatzes, durch welchen Seelen aus dem Fegefeuer (auch ein ägyptisches Erbe!) erlöst werden können, ebenfalls uraltes ägyptisches Gut ist. Die Totenmessen und die Gebete für Verstorbene, die heute eine so grosse Rolle in der römischen Kirche spielen, bestanden in buchstäblich der selben Form etliche Jahrtausende vor Christus. Auch auf den Grabsteinen las man wie heute: »O ihr Lebenden auf Erden, wenn ihr an diesem Grabe vorbeigeht, sprecht ein andächtiges Gebet für die Seele des Ver-

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storbenen N. N.« (Vergl. Prof. Leo Reinisch: Ursprung und Entwickelungsgeschichte des Ägyptischen Priestertums.)
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    Zu S. 605—606. — Der bekannte Kirchenhistoriker Prof. Gustav Krüger hat in einer sympathischen Kritik der Grundlagen mir einen Vorwurf daraus gemacht, dass ich Nestorius »edel« genannt habe; es sei ein haarsträubendes Beispiel meiner »nicht selten positiv unrichtigen Urteile»; er schreibt das Wort »edel« zwischen Anführungsstrichen und setzt ein (!) dahinter. Der Laie muss glauben, ich hätte einen ungeheuren »Patzer« gemacht; ich selber war ganz erschrocken. Doch als ich in den Geschichtswerken nachschlug, gewann ich, wie früher, den Eindruck, dass dieser gewaltsame, undiplomatische Sanguiniker und Choleriker ein wirklich edler Mann war, ein Mann, der für seine Überzeugung alles opferte, und dessen Überzeugungen sehr gesunde waren. Und als ich vor einigen Wochen anderer Dinge wegen in Harnack's Dogmengeschichte im Abriss blätterte, entdeckte ich, dass dieser grosse Theologe — dessen Autorität Prof. Krüger nicht in Frage stellen wird — ähnlich urteilt wie ich. Er spricht (§ 41, S. 198) von Nestorius als von einem »eitlen, polternden, aber nicht unedlen Bischof«; das heisst also, er legt — wenn auch in gemässigter negativer Form — Nachdruck auf den Adel seiner Gesinnung, und das will zu jener Zeit und unter derartigen Kirchenhirten etwas sagen. Sollte wirklich der Unterschied zwischen »nicht unedel« und »edel« ein so gewaltiger sein, dass das eine Prädikat höchste Weisheit bedeutet, während das andere geeignet ist, einen Verfasser lächerlich zu machen?
    Bei dieser Gelegenheit möchte ich eine allgemeine Bemerkung anknüpfen.
    Es ist natürlich nicht schwer nachzuweisen, dass ein ungelehrter Mann ungelehrt ist; gerade die Fachgelehrten haben mir aus meinem Unwissen keinen Vorwurf gemacht. Doch haben mich einige — namentlich Historiker, Theologen und Juristen — in Aufsätzen oder brieflichen Zuschriften auf eine Reihe von »Irrtümern« aufmerksam gemacht, und ich muss mich entschuldigen, dass es mir mit den meisten dieser Berichtigungen so gegangen ist wie mit Prof. Krüger's Nestorius; ich habe sie dankend ablehnen müssen. Meine Urteile sowie meine ganze Auffassung können natürlich Schritt für Schritt bestritten werden; doch könnte ich nachweisen, dass ich keine thatsächliche Behauptung leichtfertig gewagt habe und dass ich auch an allen jenen Stellen, wo ich — um mein Buch nicht zu einem monströsen Anmerkungsarsenal

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anzuschwellen — keinen gelehrten Gewährsmann genannt habe, mich doch an anerkannte wissenschaftliche Autoritäten anschliesse.
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    Zu S. 629. — Dass die Päpste thatsächlich den römischen Kaiserstuhl bestiegen und ihm ihre Machtansprüche verdanken, bezeugt neuerdings ein römisch-katholischer Kirchenhistoriker. Professor Franz Xaver Kraus schreibt in der Wissenschaftlichen Beilage zur Münchener Allgemeinen Zeitung vom 1. Februar 1900, Nr. 26, S. 5: »Bald nachdem die Cäsaren aus den Palästen des Palatin gewichen, setzten sich die Päpste in demselben fest, um so in den Augen des Volkes   u n b e m e r k t   a n   d i e   S t e l l e   d e r   I m p e r a t o r e n   z u   r ü c k e n.«
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    Zu S. 633. — Da die Behauptung, der Papst habe »in seinem Syllabus der gesamten europäischen Kultur den Krieg erklärt« auf Widerspruch gestossen ist, erinnere ich an den Wortlaut des § 80 des genannten Dokumentes: Si quis dixit: Romanus Pontifex potest ac debet cum progressu, cum liberalismo et cum recenti civilitate sese reconciliare et componere; anathemo sit. Was übersetzt werden kann: »Die Versöhnung des Papstes mit der Kultur unserer Tage ist weder möglich noch wünschenswert« (Döllinger).
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    Zu S. 647. — Wer den Versuch einer grundsätzlichen Widerlegung meiner in diesem Kapitel und an anderen Orten des Buches geäusserten Ansichten über Wesen und Geschichte der römischen Kirche kennen lernen will, dem empfehle ich Professor Dr. Albert Ehrhard's »Kritische Würdigung« dieser Grundlagen, ursprünglich in der Zeitschrift Kultur erschienen, und jetzt als Heft 14 der von der Leo-Gesellschaft herausgegebenen Vorträge und Abhandlungen (1901, bei Mayer & Co., Wien) im Buchhandel zu haben.
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    Zu S. 742. — M. von Brandt, ein zuverlässiger Kenner, schreibt in seinen Zeitfragen, 1900, S. 163—164: Die angeblichen Erfindungen der Chinesen aus grauer Vorzeit — Porzellan, Schiesspulver, Kompass — »sind erst spät vom Ausland nach China gebracht worden«.
    Übrigens wird es aus den Arbeiten Ujfalvi's immer klarer, dass Rassen, die wir (mit den Anthropologen) als »arische« bezeichnen müssen, früher durch ganz Asien sich erstreckten und bis tief hinein ins chinesische Reich ihre Sitze hatten. Die Saken (ein ursprünglich arischer Stamm) sind erst anderthalb Jahrhunderte vor Christus aus

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China vertrieben worden. (Man vergleiche Mémoire sur les Huns blancs von Ujfalvi in der Zeitschrift L'Anthropologie, Jahrgang 1898, S. 2S9 ff. und 384 ff., sowie einen Aufsatz von Alfred C. Haddon im Nature vom 24. Januar 1901 und den daran sich schliessenden Aufsatz des Sinologen Thomas W. Kingsmill über Gothic vestiges in Central-Asia in derselben Zeitschrift vom 25. April 1901.)
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    Zu S. 771. — In den Jahresberichten der Geschichtswissenschaft (XXII, 97) bemerkt Helmolt als Ergänzung zu der Anmerkung auf dieser Seite der Grundlagen: »Seit 638 erlaubte ein kaiserlich chinesisches Gesetz den Nestorianern, Mission zu treiben; eine Inschrift vom Jahre 781 erwähnt den nestorianischen Patriachen Chanan-Ischu und berichtet, dass seit dem Beginne christlicher Predigt in China 70 Missionare dorthin gezogen seien; südlich vom Balkaschsee sind mehr als 3000 Grabsteine nestorianischer Christen gefunden worden.«
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    Zu S. 807. — Bezüglich der immer weiter gähnenden Kluft, welche das Lebende vom Unbelebten scheidet, verweise ich auf den Nachtrag zu S. 78. Diese Einsicht bricht sich unter Männern der Wissenschaft immer mehr Bahn. Hans Driesch, der bekannte erfolgreiche zoologische Experimentator, weist in seiner Schrift Die Biologie als selbständige Grundwissenschaft die Absurdität nach »jener Ansicht, welche im   L e b e n   ein Problem sieht, welches nicht nur mechanistisch, sondern sogar physikalisch-chemisch, d. h. in unsere Physik-Chemie prinzipiell auflösbar sei.« Und er fügt hinzu: »Phrasen sind immer eine bequemere Handhabe als Denken.« Diese Meinung wird heute gewiss von der Mehrzahl der philosophisch gebildeten, selbständig denkenden Naturforscher geteilt; Belege liessen sich in beliebiger Menge beibringen.
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    Zu S. 847. — Über Luther's befreiende That, welche der ganzen Welt, auch den stockkatholischen Staaten zugute gekommen ist, sagt Treitschke (Politik I, 333): »Seit Martin Luther's grosser befreienden That ist mit der alten Lehre (der Überlegenheit der Kirche über den Staat) ganz und für immer nicht bloss in den evangelischen Ländern gebrochen worden. Man wird es einem Spanier allerdings nicht begreiflich machen, dass Spanien Martin Luther die Selbständigkeit seiner Krone verdankt. Luther sprach den grossen Gedanken aus, dass der Staat an sich eine sittliche Ordnung sei, ohne dass er der Kirche

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seinen schützenden Arm zu leihen brauche; hiebei liegt sein grösstes politisches Verdienst.«
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    Zu S. 879. — Goethe's Abscheu vor den Vorstellungen der Hölle und des Teufels ist bekannt. Besonders schönen und gemessenen Ausdruck findet er in den Bekenntnissen einer schönen Seele. »Nicht einen Augenblick ist mir eine Furcht vor der Hölle angekommen, ja die Idee eines bösen Geistes und eines Straf- und Quälortes nach dem Tode konnte keineswegs in dem Kreise meiner Ideen Platz finden u. s. w.«
    Dieses Zeugnis ist von hohem Werte.
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    Zu S. 924. — Was eine historische   S c h ö p f u n g   anbetrifft, so hat Kant seine Meinung mit aller wünschenswerten Deutlichkeit ausgesprochen. »Eine Schöpfung kann als   B e g e b e n h e i t   unter den Erscheinungen nicht zugelassen werden, indem ihre Möglichkeit allein schon die Einheit der Erfahrung aufheben würde« (Kritik der reinen Vernunft, zweite Analogie der Erfahrung).
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    Zu S. 938. — Die Anmerkung 3 auf dieser Seite, welche Ratschläge über Kant-Litteratur giebt, ist, wie ich erfahre, vielfach beachtet worden, und meine eigene Erfahrung ist durch die Erfahrungen Anderer jetzt reicher. Die Briefe Reinhold's finden die meisten heutigen Leser allzutrocken und grossväterlich; die Preisschrift des Professor Lasswitz hat den einen Nachteil, von einem Mathematiker geschrieben zu sein, was manchen abschreckt. Das Richtige ist wohl doch, erst den Menschen kennen und lieben zu lernen, was durch die Schilderungen seiner Zeitgenossen Wasiansky (Immanuel Kant in seinen letzten Lebensjahren, Königsberg 1804), Jachmann (Immanuel Kant, geschildert in Briefen an einen Freund, Königsberg 1804) und Borowski (Darstellung des Lebens und Charakters Immanuel Kant's, Königsberg 1804) am sichersten und schnellsten gelingt. Wasiansky's kleines Buch ist tief ergreifend; Borowski's ist namentlich deswegen interessant, weil seine biographische Skizze Kant vorgelegen hat und von ihm durchgesehen und annotiert worden ist. Jachmann hat neun Jahre lang Kant's Vorträge gehört. Mir ist kein neueres Buch bekannt, das für die lebendige Kenntnis des Mannes auch nur entfernt Ähnliches leistet wie diese alten; sie sind unersetzlich und sollten neu gedruckt werden. — Um sich hineinzuleben in Kant's Gedanken-

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welt, und zwar auf Grundlage eines umfassenden geschichtlichen Überblicks, ist vielleicht kein Buch geeigneter als das (S. 860 genannte) geistvolle Werk Friedrich Albert Lange's: Geschichte des Materialismus. Viel empfohlen wird Friedrich Paulsen's Immanuel Kant, sein Leben und seine Lehre, das im Jahre 1899 in 3. Auflage erschien. Es gehört dieses Buch zu Frommann's »Klassikern der Philosophie« und erstrebt also eine edle Popularität; der Name des Verfassers genügt als Bürgschaft für eine gründliche und bemerkenswerte Leistung; doch ist Paulsen's Darstellung von Kant's Philosophie (namentlich seiner Kritik) nur mit sehr vielen »Salzkörnchen« zu geniessen, nicht allein wegen ihres polemischen Charakters, sondern namentlich weil sie eine bestimmte Tendenz verfolgt, die über Kant hinaus weisen will. Ich glaube, der Anfänger wird die Darstellung in Windelband's Geschichte der neueren Philosophie, 2. Aufl. 1899, zweiter Band, S. 1—I73, ansprechender finden und daraus mehr positiven Gewinn davontragen. Für solche, die Kant's Denken ernstlicher ergründen wollen und sich nicht fähig fühlen, es ohne führende Hand zu thun, möchte ich namentlich die Schriften des Professor August Stadler empfehlen: als Begleitschrift zu den Prolegomena und der Kritik der reinen Vernunft sein Buch Die Grundsätze der reinen Erkenntnistheorie in der Kantischen Philosophie, 1876; bei dem Studium der Metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft sein Buch Kant's Theorie der Materie, 1883; und als Auslegung der Kritik der Urteilskraft sein Buch Kant's Teleologie und ihre erkenntnistheoretische Bedeutung, 1874 (letzteres noch etwas unreif). — Für Naturforscher und alle solche, die gern von der Naturwissenschaft aus an philosophische Probleme herantreten, weil sie hier festen Boden unter den Füssen fühlen, hat des Ophthalmologen August Classen's Buch Über den Einfluss Kant's auf die Theorie der Sinneswahrnehmung und die Sicherheit ihrer Ergebnisse, 1886, dauernden Wert. — Schliesslich will ich bemerken, dass eine vortreffliche, handliche, billige und mit Register versehene Ausgabe der Kritik der reinen Vernunft, von Karl Vorländer besorgt, kürzlich bei Otto Hendel erschienen ist, welche neben der grösseren und in Bezug auf diplomatische Genauigkeit einzig massgebenden von Benno Erdmann (5. Auflage 1900) warm zu empfehlen ist. Sonst kann einzig noch die Ausgabe von Kehrbach in Reclam's Universalbibliothek empfohlen werden.
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    Zu S. 987. — Über Goethe's häufig noch verkanntes Verhältnis

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zur Musik wäre noch viel hinzuzufügen. Namentlich müsste man auf viele Gedichte hinweisen, wie auf das an Marie Szymanowska, wo er so herrliche Worte für »den Götterwert der Töne« gefunden hat. An seinen Freund Zelter schreibt er (24. August 1823) über »die ungeheure Gewalt«, welche Musik auf ihn ausübe, und sagt, »sie falte ihn auseinander, wie man eine geballte Faust freundlich flach lässt«. Dass Goethe sich auch eingehend und erfolgreich mit der Theorie der Tonkunst abgab, ist uns aus seinen Tagebüchern bekannt, sowie aus den interessanten Tabellen zur Tonlehre, die zuerst in dem Briefwechsel mit Zelter IV, 221 ff., jetzt in der Weimarer Ausgabe, 2. Abteilung, Buch 11, S. 285 ff. veröffentlicht wurden.

 

 
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Letzte Änderung am / Laatste wijziging / Last update: 9 September 2005