Here under follows the transcription of Die Zuversicht, (Confidence), war essay by Houston Stewart Chamberlain, published by F. Bruckmann A.-G., Munich 1915.
Synopsis: Fighting the misled English and French people isn't Germany's main task, it also has to overcome the infamous (Niederträchtiche) elements, not only active behind enemy lines, but in Germany itself as well. The reader is summoned to have confidence in Providence, for He has destined Germany for a world-ennobling role. The war is a blessing in disguise, Germany is not just fighting for it's right to exist, but also for Christianity itself.

Hieronder volgt de transcriptie van Die Zuversicht, (Het Vertrouwen), oorlogsessay van Houston Stewart Chamberlain, verschenen bij uitgeverij F. Bruckmann A.-G., München 1915.
Samenvatting: Duitsland heeft niet zozeer te vechten tegen het misleide Engelse en Franse volk alswel tegen infame (Niederträchtiche) elementen die niet alleen achter de vijandelijke linies, maar ook in Duitsland zelf actief zijn. De lezer wordt opgeroepen te vertrouwen op de Voorzienigheid die het Duitse volk een wereldveredelende rol toebedacht heeft. De oorlog moet beschouwd worden als een zegen, Duitsland vecht niet alleen voor zijn bestaansrecht maar ook voor de Christenheid zelve.

Die Zuversicht

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H. S. Chamberlain's war essays 1914 — 1918
Kriegsaufsätze, 1e serie oorlogsessays / 1st series war essays
Neue Kriegsaufsätze, 2e serie oorlogsessays / 2nd series war essays
Hammer oder Amboß, 3e serie oorlogessays / 3rd series war essays
Die Zuversicht, oorlogsessay / war essay
Politische Ideale, ideeën voor een toekomstige duitse staat / ideas for a future german state
Ideal und Macht, oorlogsessay / war essay
Der Wille zum Sieg, oorlogsessays / war essays
Demokratie und Freiheit, oorlogsessay / war essay
Der demokratische Wahn, oorlogsessay / war essay
The one and the other Germany, my translation of Das eine und das andere Deutschland
Ravings of a Renegade, translation of the Kriegsaufsätze

 
Houston Stewart Chamberlain

Die Zuversicht

 

Dem Kriegs- oder Schwertsamt muß
man mit männlichen Augen zusehen:
so wird sich‘s selbst beweisen, daß es
ein Amt ist, an ihm selbst göttlich
und der Welt nöthig und nützlich.
(Luther.)


F. Bruckmann A.-G. München 1915

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    Andren mag es, so hoffe ich, wie mir ergehen: Je verwickelter und bedrohlicher die Lage wird, um so üppiger schießt meine Zuversicht empor; den leichtfertigen, hirnlosen, ehrvergessenen Italienern danke ich einen guten Tag. Immer deutlicher kommt es ans Licht, mit wem Deutschland es eigentlich zu tun hat. Als der Krieg ausbrach, standen wir alle vor einer recht undurchsichtigen politischen Lage: Wer von uns kannte sich aus hinsichtlich der Beziehungen zwischen Serbien und Österreich? wer von uns maßte sich ein Urteil darüber an, ob Graf Berchtold einer guten Eingebung gefolgt war, als er ein so schroffes und kurzfristiges Ultimatum an Serbien stellte? wer konnte mit Sicherheit ergründen, welche Ursachen Rußland dazu veranlaßten, sich der Mörder mit so besinnungsloser Leidenschaft anzunehmen? wer konnte es erklären, daß kluge Franzosen für wildfremde Angelegenheiten ihre geliebte Heimat dem sicheren Ruin entgegenführten? Wo wir auch hinschauen mochten, Frage über Frage tat sich vor uns auf. Waren nicht England und Deutschland zwei Länder, geschaffen, sich zu verstehen, geschaffen, Hand in Hand zu wandeln, beiden Völkern, ja, der ganzen Welt zu Glück und Vorteil? Der Rasse nach vielfach verwandt, der Geschichte nach ohne trübende Erinne-

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rungen, den Interessen nach ohne unüberbrückbaren Widerstreit? In Deutschland glaubte man es und tat das Mögliche, den guten Willen zu bewähren. Deswegen erscholl bei der englischen Kriegserklärung ein Schrei der entrüsteten Überraschung durchs ganze Land, wie ihn ein friedlich Wandelnder ausstößt, der, nächtlings angefallen, tapfer um sich schlägt, doch sich des verwirrenden Staunens nicht erwehren kann, seine Nachbarn plötzlich zu Meuchelmördern umgewandelt zu sehen. Und was für Meuchelmörder! Nicht bloß an die Kehle gingen sie dem Deutschen, auch an die Seele. Ein wohlvorbereiteter Feldzug organisierter Lüge umspannte sofort mit der Blitzesschnelle elektrischer Wellen die gesamte Erdkugel; jenseits der Grenzen Deutschlands war fortan jedes wahre Wort Banngut, einzig die Lüge durfte laufen. Auch andere Kriege haben Übertreibungen, Erfindungen, Verleumdungen mit sich gebracht; so etwas aber, wie jetzt geschah, hat die Welt noch nie erlebt; ohne die überseeische Telegraphie und ohne den ungeheuer angewachsenen Einfluß der Presse war es unmöglich, diese Teufelslist überhaupt zu ersinnen; nunmehr arbeitete sie tadellos und mordete den guten Ruf des verehrungswürdigsten Heeres, das je die Welt gesehen hat, und des gebildetsten, besonnensten, best disziplinierten aller Völker. Kein Wunder, wenn der Angefallene im Kopfe verwirrt wurde. In allen bösen Händeln befindet sich der anständige Mensch zunächst im Nachteil, und hier ward der Deutsche die Beute der abgefeimtesten, ruch-

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losesten Tücke; so heldenhaft er sich gegen überlegene Feinde an allen Grenzen wehrte, diesem Kampf gegen die Lüge war er zunächst nicht gewachsen. Das alte Sprichwort: Qui s‘excuse s‘accuse — Selbstentschuldigung gleicht Selbstbeschuldigung — behält recht; jeder von uns — als einzelner und als Gesamterscheinung — besitzt gegen Verleumdung keine andere Waffe als schweigen und rechttun; mit der Zeit gruppieren sich tüchtige und edle Taten zu einer Sprache, die beredter wirkt als alle Worte, und, wie die Nacht dem Tage weicht, so entschwindet die Lüge — ohne Argumente, ohne Gerichtsspruch... Doch gleichviel, auf diesem Wege erfuhren wir allmählich, wer es eigentlich ist, der allerorten gegen Deutschland schürt und die Völker in den Krieg treibt; Goethe hat diesem Höllengeist ein eigenes Gedicht gewidmet, dessen erste Strophe lautet:
Über‘s Niederträchtige
Niemand sich beklage;
Denn es ist das Mächtige,
Was man dir auch sage.
    Das nun ist die erste Klarheit, die in wachsender „Kläre“ (wie Goethe zu sagen liebte) uns jetzt zuteil wird: recht eigentlich gesprochen führen nicht das russische Volk, das englische Volk, das französische Volk, das italienische Volk usw. Krieg gegen Deutschland, sondern das „Niederträchtige“ ist es — alles Niederträchtige in der ganzen Menschheit — das auferstanden

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ist, um einen Vernichtungskampf gegen das Redliche, das Emsige, das nach Veredlung Strebende, das Hochgemute, das Heiligernste zu führen. Die Niederträchtigen in den an edlen deutschgesinnten Elementen reichen Vereinigten Staaten von Nordamerika kämpfen nicht minder wild und ehrlos als ihre Kumpane an der Thames und Seine. Nicht etwa, daß ich alle jene Völker hierdurch von ihrer Verantwortlichkeit freizusprechen gesonnen wäre: die in ihrer Mitte vorhandenen hoch- und reingesinnten Menschen haben sich von dem Dämon der Niedertracht überrumpeln und knechten lassen, auch sie sind mitgerissen in den Wirbelwind und Strudelstrom der Lüge, der Blindheit, des teufelstollen Wahnsinns, und nunmehr haftet ihnen dieser Sünde Makel für alle Zeiten unauslöschlich an. Ebensowenig kommt es mir bei, allen Einwohnern deutscher Länder die obengenannten, der Niedertracht entgegengesetzten Eigenschaften und Gemütsrichtungen zuzuschreiben; mir genügt es vorläufig, wenn sie nur in einem wahrnehmbaren Maße die beiden Eigenschaften besitzen, die Goethe als unerläßlich vom Deutschen forderte: Ernst und Liebe.
Freunde, treibet nur alles mit Ernst und Liebe; die beiden
Stehen dem Deutschen so schön, den ach! so vieles entstellt.
Deutschland wimmelt von grotesken „Entstellungen“ des echten deutschen Wesens, das heißt also desjenigen Wesens, das — gelebt von edlen Frauen und Männern — in tausend und aber tausend deutlichen Beispielen uns vor Augen steht: Wechsel-

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balge, Fehlgeburten, Verkümmerte, Aufgeblähte, Verdrossene, Wahnwitzige... kurz, alle erdenklichen Zerrbilder und Fratzen. Doch, ich gestehe es, auch diese nehme ich in meine Liebe auf; denn bricht ein entscheidender Tag an, so werfen sie entweder die Schrullen von sich und benehmen sich großartig, oder sie schlüpfen wie die Schnecken ins fensterlose Gehäuse zurück und lassen die handelnde Gesamtheit ungeschoren. Auf die Handelnden kommt es an, sobald von Politik die Rede ist. Und auf der einen Seite sind die handelnden Führer edelgesinnt und höchstens allzu human, auf der andern rücksichtslos niederträchtig, grausam, gemein.
    Wer glaubt denn, die Engländer glichen alle den Schilderungen, die wir jetzt in deutschen Zeitungen lesen? Man könnte England „das Land der Freundlichkeit“ nennen; so schwer der Engländer seine Freundschaft schenkt, so schnell, unaufgefordert, tatkräftig reicht er dem Hilfsbedürftigen die Hand; nirgendwo habe ich Ähnliches gesehen; jeder Deutsche, der in England gereist ist, wird es bestätigen; es scheint sich irgendwie aus dem starken individualistischen Zug von selbst zu ergeben; unsere Menschennatur ist ja voll derartiger Wunderlichkeiten: das Gesetz des „Jeder für sich“ zeugt ein zweites: „Jeder für jeden Andren, der in Not gerät.“ Auch andere hohe Eigenschaften findet man dort stark entwickelt, so z. B. Zurückhaltung und Feingefühl im Umgang; wer mit Engländern aus gebildeten Kreisen verkehrt hat, weiß, was Zartsinn in den

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Beziehungen zwischen Mensch und Mensch ist. Mir schrieb vor wenigen Tagen ein hoher deutscher Offizier, der vor dem Feinde steht, nichts sei einem deutschen Manne nützlicher zur Vervollkommnung seines Wesens als ein Aufenthalt in England. Schwerer fällt es, die besonderen Vorzüge des französischen Wesens in Worte zu fassen, sie sind aber groß und wurzeln tief: Frankreich ist das einzige Land, das wahre Gleichheit kennt, und zwar nicht allein eine gesetzlich verordnete, sondern eine echte, in den Sitten der Nation zur Entfaltung gelangte; darum findet in keinem Land echtes Talent schneller Anerkennung und Förderung; Fleiß, Einfachheit, Genügsamkeit bilden dort die Regel; dazu die höchst angenehmen Zugaben: Geschmack, Geschick, Anmut. Im Gegensatz zum Engländer und zum Deutschen, die ohne Frage ihr Bestes in der Absonderung und Vertiefung leisten, entsteht der Franzose überhaupt erst in der Gegenwirkung, wogegen er in der Einsamkeit entschwindet, wie Wasser im leeren Raume, so daß überhaupt nichts mehr vorhanden ist; im Stoß und Gegenstoß lebt er erst auf und ist darum der unerreichte Meister wahrer Geselligkeit, in welcher Mensch sich am Menschen bildet — wogegen der Italiener z. B. nur redet und nicht zuhört, überhaupt, im Gegensatz zum Franzosen, alles auf Bombast und Schein anlegt.
    Dieses Wenige sei nur im Vorübergehen angedeutet, damit das Bekenntnis zu der Sache, die Deutschland vertritt, nicht

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als eine hirnlose Verblendung, als die grundsätzliche Leugnung der Vorzüge anderer Völker gedeutet werde, geboren aus den Eindrücken des flüchtigen Augenblicks. Heute z. B. führt mir ein Zufall die „Jugend“ vom 28. Mai 1900 in die Hand mit einem Aufsatz von mir, in dem ich lese: „Keine Überzeugung hege ich fester und heiliger als die, daß die höhere Kultur der Menschheit an die Verbreitung der deutschen Sprache geknüpft ist.“ Des weiteren wird da ausgeführt, diese Sprache sei eben die unumgängliche Vermittlerin des deutschen Wesens, auf welches es mir ankommt, und zur erreichung dieser Verbreitung sei es unerläßlich, das Deutsche Reich zum führenden Weltstaat zu entwickeln. Es handelt sich bei mir um Überzeugungen, die im Laufe eines schon langen Lebens geworden und gewachsen sind, bis sie dahin gelangten, einen bedeutenden Teil des Inhalts dieses Lebens auszumachen. Nie aber habe ich des Dankes vergessen, den ich den großen Söhnen Frankreichs und Englands, dieser herrlich begabten und — jedes in seiner Art — unvergleichlichen Völker, schulde. Ich halte die Aufforderung, hinfürder England zu hassen, Frankreich zu hassen, Rußland zu hassen, für eine frevle und namentlich ganz und gar undeutsche Zumutung; mögen drüben die Niederträchtigen und die von diesen Irregeführten das edle deutsche Wesen verleumden und hassen, wenn sie danach gelüstet, sie verleihen damit ihrer Niedertracht die letzte Vollendung und zeigen sich als ganz verloren in bodenlose Schlechtigkeit; so hat sich z. B.

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in England eine „Anti-German League“ gebildet, um auch nach dem Kriege jede Spur geistiger Beeinflussung durch Deutschland fernzuhalten — und zwar charakteristischerweise unter der Führung frisch getaufter und frisch umgetaufter „Angelsachsen“ von den Ufern des schönen deutschen Mains: wohl bekomm‘s! Der echte Deutsche steht auf viel zu hoher Kulturstufe, um hier Gleiches mit Gleichem zu vergelten; „Liebe und Ernst“ empfahl ihm Goethe — der selbe Goethe, der ihn hundertmal eindringlich warnt, nie auf Verneinung mit Verneinung zu antworten; in der Liebe wurzelt des Deutschen Kraft, und der Ernst soll sich in diesem Falle in dem zornentflammten und auch haßerfüllten Kampf gegen das Niederträchtige bewähren, das allerorten gegen ihn sich erhoben hat. Daß er hierbei die Völker überwinden muß, die dem Frondienst des Niederträchtigen verfallen sind, liegt auf der Hand; doch wir gelangen auf eine ganz andere Höhe, aus Nacht und Nebel zu strahlend hell beleuchtetem Waffengefilde, sobald wir an Stelle des öden politischen Wirrwarrs die gegenwärtige Weltenschlacht als das erblicken, was sie am letzten ende ist: der Kampf auf Leben und Tod zwischen dem Niederträchtigen und dem Edelgesinnten. Gewiß ficht Deutschland für sein Recht aufs Dasein; seine Feinde machen kein Geheimnis daraus, daß sie das Reich zerstören, aufteilen, aus der Weltkarte austilgen wollen; doch die höhere und eigentliche Weihe erhält der Kampf erst aus der Einsicht, daß Deutschland nicht nur für seine eigene

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Existenz kämpft, sondern damit zugleich für das Dasein und die Sicherheit auf unsrem Gestirne überhaupt des Anstands, der Rechtlichkeit, der Menschenwürde, der wahren edlen Geistesfreiheit, für die allmähliche Hinaufführung unsers Geschlechtes auf eine höhere Stufe des Gemeinwohls, der geistigen und sittlichen Entwicklung. Deutschlands Feind ist nicht dieses und jenes Volk, sondern ein Ring von völlig seelenlosen, herzlosen, ehrlosen Geschäftsjobbern, welche die Unterjochung der ganzen Menschheit unter den einen Mamon beschlossen haben; Deutschland steht ihnen im Wege; um Deutschland wegzuräumen, haben sie von langer Hand alles vorbereitet und jetzt unter gewissenloser Ausnutzung der ungeheuren ihnen zur Verfügung stehenden Mittel heillose Begriffsverwirrung angestiftet und fast alle Völker der Erde in Wahnsinn gejagt. Diesem Teufelsgezücht gegenüber steht Deutschland als Gottes Streiter: Siegfried wider den Wurm, Sankt Georg, der Drachenbezwinger.
    Hier aber geht uns eine weitere Klarheit auf.
    Genau der gleiche Dämon der Niedertracht, der die anderen Völker unterjocht hat, war auch in Deutschland emsig am Werke; zehn Jahre später, und Gott hätte vielleicht auf Erden keinen Streiter mehr gefunden. Schon wandelte Deutschland am Rande des Abgrunds. Die Hochschätzung des Geldes, die Verspottung aller idealen Regungen, die wachsende Macht des undeutschen Teiles der Presse, die systematische Untergrabung

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der Verehrung des Königtums, des Heeres, der christlichen Überzeugungen: üble, verräterische Einflüsse waren am Werke, und ein großer Teil des deutschen Volkes blieb entweder stumpfsinnig oder ließ sich nach und nach auf die schiefe Ebene verlocken. Vielleicht wird einstens dieser Krieg als Deutschlands Errettung aus tödlicher Gefahr gepriesen werden. Indem der Deutsche, ob er es will oder nicht, zu Gottes Streiter gestempelt wird,   m u ß   er das Niederträchtige aus seinem eigenen Busen verbannen; sonst schwindet alle Zuversicht. Der Schatz der Reinheit und der idealen Anlagen, der ihm bisweilen so tief ins Innere hinabsank, daß er kaum mehr auffindbar war,   m u ß   jetzt hervorgeholt werden, denn er bildet die einzige Waffe, mit der er hoffen kann zu überwinden. Und wir haben in der Tat den beglückenden Vorgang erlebt: Überall erhob sich von neuem das alte, unvergleichliche Echtdeutsche und trat ans Licht der Sonne; jetzt, wo es ans Leben ging, brachen im ganzen Volke der „Ernst“ und die „Liebe“ hervor, die, wenn man nur die Bildfläche betrachtete, beide arg gefährdet geschienen hatten. Dauernde Errettung aus den Klauen des Undeutschen und Widerdeutschen ist jedoch nur zu erhoffen, insofern es gelingt, das Bewußtsein dessen, was jetzt vorgegangen ist, allgemein zu machen. Nicht um einen Kampf von heute und morgen handelt es sich ja in diesem Kriege, vielmehr um ein gewaltiges Ringen, das ein Jahrhundert und mehr dauern kann; ein schneller Sieg hätte auf Deutschlands Zukunft ver-

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hängnisvoller wirken können als eine Niederlage; denn es kommt in erster Linie auf eine Wiedergeburt an, auf ein Reinen und Stählen der Seele. Deutschland muß wollen; und um zu wollen, muß das eigene Innere würdig und mächtig sein: dann nur ist der Sieg ihm letzten Endes gewiß.
    In diesem Zusammenhang möchte ich nun Worte anführen, die im November 1914 an mich gerichtet wurden; den Schreiber will ich nicht nennen; *) tiefe Erkenntnisse sind aus jedem Munde willkommen; nur so viel sei gesagt: wenige Männer verfügen über ein so umfassendes Urteil alle Lebenserscheinungen des gegenwärtigen Deutschlands betreffend, keiner ist würdiger, mit hoher Achtung angehört zu werden. „Es ist meine feste Überzeugung, daß das Land, dem Gott Luther, Goethe, Bach, Wagner, Moltke, Bismarck und Wilhelm I. schenkte, noch zu großen Dingen berufen ist, zum Segen der Menschheit zu wirken. Gott hat uns in harter Schule wieder auf den Weg gewiesen, zur Arbeit an der fernen Lösung dieser Dinge, damit wir uns auf uns selbst besinnen und kraftvoll einigen sollten, um als sein Werkzeug zur Rettung der Menschheit wieder besser zu dienen; denn wir waren daran, unserem altbewährten Wesen untreu zu werden. Er, der uns diese Prüfung schickte, wird uns auch sie zu lösen helfen.“ Diese kurzen Worte enthalten alles: die Bestimmung, die Besinnung, die Zuversicht.
    Pflicht des Deutschen ist es, an die Bestimmung seines Vaterlandes — und in einem weiteren Sinne überhaupt an
—————
    *) It was Kaiser Wilhelm II himself, in a telegram dated Nov. 25th, 1914, 8:15 pm.

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die Bestimmung des deutschen Wesens — zu glauben. Nicht Hochmut und nicht Übermut liegt in dieser Erkenntnis, vielmehr handelt es sich um eine göttliche Fügung, vor welcher der einzelne sich in Demut zu beugen hat; nicht sein sind Verdienst und Ruhm, sein ist nur die Pflicht, dieser Bestimmung sich nach Kräften würdig zu erweisen. Die Ahnung oder die Gewißheit dieser besonderen Bestimmung lebt schon lange unter den Besten des deutschen Volkes; manche Worte — so z. B. das von Geibel — sind heute in aller Munde. Zu tieferen Gedanken regt eine weniger geläufige Bemerkung Richard Wagner‘s an: „Anstreitig ist der ganzen Anlage des Deutschen eine große, anderen Nationen kaum erkennbare Aufgabe vorbehalten“; die Anlage bezeichnet Wagner als „den Geist reiner Menschlichkeit“, die Aufgabe faßt er zusammen, die Deutschen seien „zu Veredlern der Welt bestimmt“; und als letztes Ziel dieser Veredlung schwebt ihm vor: „das Erwachen des Menschen zu seiner einfach-heiligen Würde“. Nicht an diese Bestimmung zu glauben, ist Torheit, ist Verrat; denn in diesem Glauben allein wurzelt alle Zuversicht, und nur felsenfeste Zuversicht siegt. Hier hat ein andrer großer Deutscher — aus ähnlichen Gedankengängen wie der Bayreuther Meister — uns folgende Mahnung zugerufen: „Wenn die Wahrheit im Streit mit Kräften den Sieg erhalten soll, so muß sie selbst erst zur Kraft werden!“ Mattherzige, „räsonierende“ Deutsche haben gegen mich die Beschuldigung erhoben, ich schmeichelte

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den Deutschen, ich führte sie durch Lob und Preis irre, anstatt ihnen ihre Unzulänglichkeiten und Fehler und Sünden vorzuhalten; ich bin doch nicht Vorstand einer Korrektionsanstalt, und die Weltlage ist wahrlich nicht dazu angetan, langweiligen Homilien Gehör zu verschaffen; muß es denn erst gesagt werden: die Deutschen sind — individuell genommen — genau so wie die Bewohner andrer Länder, gut und böse, gescheut und dumm, geistvoll und bleiern, das Mittelmäßige wiegt bei ihnen wie anderswo vor, und das zum Erbarmen Kleinliche ist nicht gerade spärlich vertreten; nach dem allen frage ich gar nicht, und hat sich je einer von mir geschmeichelt gefühlt, ich bitte es ihm ab, denn er war sicher nicht gemeint. Die Frage liegt für mich an ganz anderm Orte. Ist es auf diesem Planeten infolge jahrtausendlanger Entwickelung dahin gekommen, daß Deutschland — und in einem weiteren Sinne überhaupt   d a s   D e u t s c h e,   innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen — ein Werkzeug Gottes, ein unentbehrliches, ein unersetzliches Werkzeug Gottes geworden ist? Das frage ich, und diese Frage bejahe ich mit dem Schreiber des oben angeführten Briefes, mit Goethe, der die Deutschen „das edelste Geschlecht“ nennt, mit Kant, der sie für fähig und bestimmt hält, das Gute aller anderen Nationen in sich aufzusaugen, mit Schiller und Wagner, die ich anführte, mit Carlyle und vielen anderen. Zu schmeicheln gibt es da keine Veranlassung; Pflichterfüllung und Opfermut werden verlangt; weiter nichts.

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Der dümmer geborene Deutsche muß schauen, daß einige Lichtstrahlen sein Hirn erhellen, der verdrossene muß heiteren Mutes werden, der lasterhafte darf auf keine Schonung hoffen. Schopenhauer sagt bekanntlich, der eigentliche Nationalcharakter der Deutschen sei die Schwerfälligkeit: wie dem abzuhelfen sei, hat inzwischen das preußische und jetzt das deutsche Heer gezeigt; es zeigten es dann aber auch deutsche Wissenschaft und deutsche Industrie, deutscher Landbau und deutsche Unternehmungslust. Die Ungläubigen und die Nörgler müssen nur trachten, daß sie irgendwo unterschlüpfen, sonst fliegen sie eines Tages hinaus. Dieser Glaube an die Bestimmung des Deutschen ist kein bloßes Wort, kein leerer Lufthauch, sondern eine Kraft, er ist — wie Schiller es vorhin verlangte — „die Wahrheit, die zur Kraft wird, und als Kraft den Sieg erhält“. An dem selben Orte ruft der erhabene Denker und Dichter uns noch zu: „Erkühne dich, weise zu sein! Energie des Mutes gehört dazu, die Hindernisse zu bekämpfen, welche sowohl die Trägheit der Natur als die Feigheit des Herzens der Belehrung entgegensetzen.“ Denjenigen Deutschen, der an jene Bestimmung seines Volkes und seiner Sprache nicht glaubt, klage ich der Trägheit und der Feigheit an: Trägheit des Verstandes, der sich nicht vertiefen will, bis er erfaßt, worauf es ankommt, und Feigheit des Herzens, da er es nicht wagt, sich offen zu einem großen weltgeschichtlichen und Weltgeschichte schaffenden Gedanken zu bekennen.

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    Auch für die „Besinnung“, zu der jene Briefstelle uns anregt, liefert uns Schiller‘s Weisheit die denkbar wertvollste Erläuterung. Er belehrt uns nämlich, daß solche großen Grundwahrheiten — wie hier die Bestimmung Deutschlands — nur dann zu „bewegenden Kräften“ werden, wenn es gelingt, sie in „Triebe“ umzusetzen. Handeln tut einzig der Trieb. Und in diesem Falle ist jetzt gottlob! der Trieb gegeben; unsere Feinde haben dafür gesorgt. Die Bestimmung des deutschen Wesens war schon längst von bedeutenden Männern erkannt und verkündigt; doch merkte man im öffentlichen Leben wenig oder nichts davon, und man wurde verhöhnt, wenn man davon sprach; die Deutschen waren teils beschäftigt, in nüchterner Treue ihren Pflichten und Arbeiten nachzugehen, taub für alle weltgeschichtlichen Betrachtungen, andere aber lernten eifrig die aus Paris importierten Negertänze tanzen und klatschten negerhaften Verhunzungen der göttlichen Werke der Hellenen Beifall, gründeten Monistenbunde, beschnitten Heeresbudgete usw.; Persönlichkeiten schätzte man in manchen Kreisen nach Maßgabe ihrer Millionen und nach der Pferdekraftzahl ihrer Autos; kurz, die „Kultur des Niederträchtigen“ war schon im Anzug; „wir waren daran, unserem altbewährten Wesen untreu zu werden“. Nunmehr aber wurde der Trieb — den Deutschen zum Heil — gewaltsam ihnen ins Herz gesenkt; denn wer nicht an die göttliche Bestimmung Deutschlands glaubt, der tut besser daran, sich heute aufzuhängen als erst morgen; erblicken

18 Die Zuversicht

wir diese Welt in Waffen gegen Deutschland, und an seiner Seite nur Österreich und die braven Türken, so müssen wir gestehen, deutsches Hoffen kann ohne Gott nicht bestehen.
    Hier nun finden wir die felsenfeste Zuversicht; wir fühlen, wir wissen, daß Gott mit den Deutschen ist — und das will mehr besagen als eine Welt in Waffen. Diese Zuversicht ist darum so unerschütterlich, weil zu aller Inbrunst und magischen Gewalt des Glaubens noch die Überzeugungskraft und Ruhe einer wissenschaftlichen Evidenz hinzukommt. Wie man Gott und Natur unterscheidet, so kann man in unserer Zuversicht auf den Sieg der deutschen Sache ein göttliches und ein naturnotwendiges Element unterscheiden: ein jedes steht für sich da, und doch sind sie beide Erscheinungen der gleichen in Gefühl und Vernunft wurzelnden Überzeugung. Das Gottvertrauen fand in der oben angeführten Briefstelle ergreifenden Ausdruck; doch betrachte man die Stelle näher, und die Natur kommt auch zu ihrem Rechte: denn außerordentlich müssen die Naturanlagen eines Volkes sein, welches innerhalb weniger Geschlechter Luther und Bismarck, Friedrich und Wilhelm, Goethe und Schiller, Bach und Wagner, Scharnhorst und Moltke hervorbringt — der anderen alle zu geschweigen. In dem gegenwärtigen Kriege treten nun gerade diese allgemeinen Naturanlagen des ganzen Volkes — also die zeugenden Kräfte — stark hervor; keine Einzelgestalten überragen leitend das Ganze, darum erblicken wir dieses um so deutlicher. Weder

19 Die Zuversicht

ein Bismarck noch ein Moltke noch ein Roon weilt unter uns; ein einziger wahrhaft genialer Stratege von weltgeschichtlicher Bedeutung hat sich offenbart, doch unter einschränkenden Bedingungen; denn vor dem Kriege lag er auf einem toten Geleise vergessen, so daß sein Genie keine Früchte trug, und auch jetzt nimmt er nur fragmentarisch am Werke teil; einzelne viel versprechende Beanlagungen blitzten außerdem hier und dort auf, verschwanden aber, überschattet. So tritt denn die sonst im Kriege entscheidende Gestalt des großen Schlachtenlenkers zurück, und das beispiellos Großartige bilden jetzt die Leistungen — nicht einzelner, sondern der vielen, d. h. des namenlosen   G a n z e n:   die bis in die letzte Einzelheit durchdachte Organisation, das Beharrungsvermögen in den veränderten Lebensbedingungen des Schützengrabens, die alles je erlebte weit übertreffenden Marschleistungen, die gleichmäßig tadellose Dienstverrichtung vieler Millionen Menschen... Abgesehen von dem Kampfwert dieser Truppen, zeugt ihre gewaltige Friedensarbeit hinter allen Fronten von einer geistigen Durchbildung und lebensvollen Gliederung, wie sie die Welt niemals gesehen hat, und dies wiederum beweist einen durchschnittlichen Grad von Bildung auf allen Stufen — geistiger Entwickeltheit und sittlicher Zuverlässigkeit —‚ dem kein Volk der Erde auch nur entfernt Ähnliches an die Seite stellen kann. So angenehm der Besitz großer Feldherren ist und wäre, diese Offenbarung der in sich selbst gefestigten Heereskraft bildet

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eine unvergleichliche Grundlage der Zuversicht; ein Moltke und ein Hindenburg kann der Feindeskugel erliegen, und alles gerät ins Wanken, die deutsche Armee — das wissen wir jetzt — wird niemals wanken. Durch die Erfindungskraft einzelner und durch die wortlose Hingabe von Tausenden edelstgesinnter Männer ist nach und nach ein Gebilde erzeugt worden, zu dem man nur in Ehrfurcht hinaufblicken kann. Da lernt man nachfühlen, was Goethe unter „Ernst“ und „Liebe“ verstanden wissen wollte! Und übrigens: Deutschland besitzt doch die genialen Männer; würde die Not groß, man brauchte sie bloß zu rufen; Hindenburg‘s Errettung von Preußen hat‘s uns wieder gezeigt. — Ein Gleiches, oder wenigstens sehr Ähnliches, gilt aber von dem Verhalten und den Leistungen des ganzen im Zivilleben verbliebenen deutschen Volkes: es hat eine Disziplin, eine Intelligenz, eine Tatkraft, eine Anpassungsfähigkeit, eine Aufopferungsfreudigkeit an den Tag gelegt, die große Hoffnungen für die Zukunft wecken und die trostlosen parlamentarischen Zustände der letzten Jahre fast vergessen lassen. Schopenhauer‘s Definition ist zuschanden geworden; mag auch der einzelne Deutsche oft schwerfällig sich geben, die Gesamtheit hat schon eine hohe Stufe von zweckmäßigem Ineinanderwirken und infolgedessen von Leistungsfähigkeit erreicht; sie eifert schon ihrem Heere nach. Dies ist der Weg, auf dem Deutschland weiter wandeln muß, auch in Friedenszeiten, in immer vollkommenerer Organisation: der

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einzelne innerlich frei, äußerlich genau angegliedert; die Gesamtheit erlöst aus den tausend Hemmungen vorsintflutlicher demokratischer Erbzwangsvorstellungen zu bewußt planvollem, wissenschaftlich sicherem Aufbau der aus der Gegenwart zu gestaltenden Zukunft. Tut das Deutschland, dann wird es alle Hindernisse überwinden und — der Welt zum Heil — die vorherrschende Weltmacht werden, das heißt: es wird seine gottgegebene Bestimmung erfüllen. Gewiß empfinden wir es hart, in einem so kritischen Augenblick wie dem gegenwärtigen auch hier keinen großen Lenker zu besitzen und an Stelle des ungestümen und rücksichtslosen germanischen Mannes, den wir alle ersehnen, nur tadellose, pflichttreue Beamte und ebenso tadellose, in allen Gesellschaftskünsten bewanderte Diplomaten, doch schöpfen wir Trost aus dem Einblick, der uns gerade dadurch in die unbewußt gewachsene, machtvolle Festigkeit und Entschlossenheit des „anonymen Ganzen“ geboten wird. Früher, wo der große Kanzler die unentrinnbaren Kriege so genau voraussah und ihnen mit ewig bewundernswertem Scharfsinn die denkbar günstigsten Umstände politisch schuf, da blieb dem Gesamtkörper der Nation die Anhäufung von Prüfungen erspart, an denen er sich jetzt bewährt und stärkt: auch hier also letzten Endes berechtigte Zuversicht. — Zu dieser gewaltigen Volkskraft möchte ich auch die Persönlichkeit des Kaisers rechnen. Besitzt er vielleicht nicht die wunderbare Gabe seines Großvaters für die Be-

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urteilung von Persönlichkeiten, so besitzt er in einem merkwürdigen Grade die Gabe, dem dunklen, halbbewußten Willen der gärenden, zeugenden Schichten des Volkes Gestalt und damit Leben zu geben; daher das Zündende seines Wortes und Beispiels. Wo stünde heute Deutschland ohne des Kaisers Werk — die deutsche Marine? Und griff es nicht von Anfang an der lebendige Teil des Volkes auf? Und diese Regung hat er verstanden, nach und nach zum Allgemeinwillen des ganzen Volkes zu entwickeln — denn nicht bloß wußte er besser als alle Reichstage, was not tat, er wußte, wofür die Allgemeinheit zu gewinnen sein würde. Hier irrt sein Urteil nicht. Auch wo das edle Feuer seines Temperaments ihn über die Grenzen diplomatischer Vorsicht hinwegriß, immer verlieh er damit dem Drängen von Millionen Stimme. Der hartnäckige Widerstand, den der Kaiser bei manchen seiner Pläne — so z. B. in bezug auf die Schule — erfahren mußte, ging nie vom eigentlichen Volke aus, immer vom geeichten Beamtentum; das Volk jubelte, die Geheimräte wollten nicht mittun. Und wer weiß, wie oft das geschehen sein mag, und vielleicht noch geschieht? Das ist Staatsgeheimnis. Jedenfalls begrüßt es unsere Zuversicht mit Freuden, wenn zu einer Zeit der Umwälzung und der Neugeburt, wie der jetzigen, der Monarch sich nicht in der traditionellen Rolle des Hemmschuhs gefällt, sondern vielmehr den kühnsten Vortrab anführt.

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    Ein letztes sei noch genannt — falls die Zensur es erlaubt; für mich bildet es die Quelle der reinsten, hellsten, höchsten Zuversicht: Deutschland kämpft fürs Christentum!
    Deutsche Katholiken und deutsche Protestanten haben sich wiedergefunden; gemeinsam kämpfen und sterben sie, gemeinsam wohnen sie religiösen Andachten bei, gemeinsam singen sie: „Ein‘ feste Burg ist unser Gott!“ Diese Kraft wird sich als unüberwindlich erweisen: die Sache des Christentums ist an die deutschen Fahnen geheftet. Wer den Osten von Europa kennt, weiß, auf welcher Stufe primitivster Superstitionen die orientalische Kirche zurückgeblieben ist: man mag ihr, wie jeder Gemeinschaft, die den Namen des Heilands heilig hält, Achtung zollen, doch besitzt sie nicht die allergeringste Werbe- oder Widerstandskraft. Frankreich wird seit dem Jahre 1870 in unmittelbar gegenchristlichem Sinne regiert; schon seit Jahren ist nie mehr ein Christ zum Ministeramt zugelassen worden — ich rede nicht von Rasse, ich rede von Glauben und Gesinnung; die Ausrottung alles Christlichen bildet den einzigen gemeinsamen Punkt der sich sonst bekämpfenden Parteien. England ist seit den Stuarts das Vaterland der religiösen Heuchelei. „Es gibt in Europa Mächte, die von der Frömmigkeit viel Wesens machen, und, indem sie Unrecht wie Wasser trinken, sich in der Rechtgläubigkeit für Auserwählte gehalten wissen wollen“: ob Kant bei diesen Worten die anglikanische Kirche vor Augen hatte, erinnere ich mich nicht, jedenfalls passen sie

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wie angegossen. Wer sich weiter belehren will, schlage nach bei Byron, Goethe, Schopenhauer, Carlyle. Diese Kirche — von Anfang an ein rein politisch-soziales Gebilde, zusammengestellt aus verstecktem Katholizismus und unaufrichtigem Protestantismus — änderte stets mit jeder wechselnden Regierung die Farbe; und so erlebten wir‘s auch jetzt, wo die Kirche so viel zur Klärung und Hebung hätte beitragen können, daß anglikanische Bischöfe von der Kanzel herab über des Deutschen Kaisers Majestät in einer Weise zu sprechen sich erdreisteten, daß einem über diese „Nachfolger der Apostel“ — denn so nennen sie sich — die Schamröte ins Gesicht steigen muß. Und dann nehme man die Monatsschrift der „evangelischen Missionen“ zur Hand, oder eine entsprechende katholische, und sehe, in welcher Weise die Engländer die deutschen protestantischen und katholischen Missionen in Afrika jetzt behandelt haben: alles plündernd, zerstörend, die entsagungsvolle Arbeit vieler Jahre gänzlich vernichtend, die Männer und die Frauen den Schwarzen zu jeder Gewalttat preisgebend, sie wie Vieh einpferchend und zu sicherem Tode an die ungesundesten Orte der Tropen entsendend! Den gleichen Kräften gegenüber haben sich die Japaner durchaus anständig benommen und sie, wie es sich gehört, einfach in ihrem segensreichen Wirkungskreise, mit nur einigen Einschränkungen, weiter walten lassen. Auch einzelne Neger und Negerinnen zeigten Mitleid mit den armen Unschuldigen und kamen ihnen mit Brot, Wasser, Pflege zu Hilfe; kein englischer

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Beamter tat desgleichen. Das sind doch keine Christen! Die Regierungen, welche wilde Sepoys und Gorkhas, Senegalneger, Wüstenaraber gegen die zivilisierteste und humanste Armee der ganzen Weltgeschichte losläßt, Bauchaufschlitzer, Verstümmler, Augenausstecher, haben jedes Anrecht verwirkt, für christliche Regierungen zu gelten. Demgegenüber erlebten wir im deutschen Heere ein Wiederaufflammen des christlichen Bewußtseins, das große Hoffnungen weckt. Denn zu seiner besonderen Aufgabe, zu seiner „Bestimmung“, kann Deutschland unmöglich die überschwengliche Kraft gewinnen, wenn es sich nicht — und sei es auch in verschiedenen Abstufungen und Gleichnissen — zu Jesus Christus bekennt. Aus dem Unglauben, sagte Goethe, — dem keiner in dieser Beziehung Beschränktheit oder Eifer vorwerfen wird — entstehen „schwache, kleingesinnte, zurückschreitende, auf sich selbst beschränkte Menschen“; solche Menschen sind der Bestimmung Deutschlands nicht gewachsen. Ein andres Wort des selben hohen Denkers lautet: „Die Menschen sind nur so lange produktiv, als sie noch religiös sind“; um im Laufe einiger Jahrhunderte eine neue, bessere Weltverfassung zustande zu bringen, wird Deutschland andauernd „produktiv“ sein und bleiben müssen; die Ära des unaufhaltsamen Schaffens bricht erst an. Es mag Manchem wunderbar vorkommen, vielleicht ihn stutzig machen, daß ich hier Religion und Politik so unmittelbar aneinander gliedere; Religion bildet aber überall das innerste Rad: wer auf die höchste Religion verzichtet,

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verzichtet auf die höchste Kraft. Selbst Diderot, der ungläubige, mußte als Philosoph und Menschenbeobachter bekennen: „Die christliche Religion ist allen Religionen der Welt überlegen“, und Luther spricht: „Ein Christe ist ja ein seliger Mensch und ein gewaltiger Herr.“ Ohne eine große Gesinnung kann ein großes Werk nicht vollbracht werden; diese Größe ist nicht Natur, sie ist Übernatur, Gott schenkt sie durch Christus. Die deutschen Helden in den Schützengräben, hinter den Kanonen, auf den eisigen Nachtmärschen, den Winden in schwachen Luftschiffen trotzend, in des Meeres schwarzen Tiefen dem Tode entgegenfahrend — sie alle haben‘s erfahren; jetzt muß die Erschütterung sich weiterpflanzen und die ganze Nation aufrütteln und aufrichten. Denn hieß es in jener angeführten Briefstelle: „Wir waren daran, unserem altbewährten Wesen untreu zu werden“, so gilt das nirgends mehr als von unserm Christentum. Ein ganzes Heer von Antichristen war im Anzug; uns tat dringend not die Mahnung des Göttlichen: „Wenn das innere Licht in dir zur Finsternis wird, wie groß wird dann die Finsternis sein!“
    Der Sieg des Lichtes über die Finsternis drinnen in der Seele des deutschen Volkes bildet den kräftigsten Stamm meiner aus hundert Wurzeln gespeisten Zuversicht.

Bayreuth, 25. Mai 1915.

 
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Letzte Änderung am / Laatste wijziging / Last update: 25 November 2005