„Non
putetis quia potuerunt fieri
haereses
per aliquas parvas animas;
non
fecerunt haereses nisi magni homines,
sed quantum magni, tantum mali montes.“
Augustin.
„Nullus
potest haeresim struere, nisi
qui
ardentis ingenii est et habet dona
naturae,
quae a deo artifice sunt creata,
talis
fuit Marcion, quem doctissimum legimus.“
Hieronymus
(Origenes).
I. Einleitung.
Die religionsgeschichtlichen
Voraussetzungen der christlichen Verkündigung Marcions und die
innere Lage der Christenheit bei seinem Auftreten.
Der Mann, dem die folgenden Blätter gewidmet sind, war ein
Religionsstifter; als solchen hat
ihn schon sein Zeitgenosse
und erster literarischer Gegner, Justin der Apologet, erkannt. Aber
Marcion gehörte zu den Religionsstiftern, die selbst nicht wissen,
daß sie es sind. Diese Selbsttäuschung war bei ihm
entschuldbarer als bei irgendeinem anderen; denn der Apostel Paulus hat
keinen überzeugteren Schüler als ihn gehabt, und von keinem
anderen Gott wollte Marcion wissen als von dem, der in dem Gekreuzigten
erschienen war.
1.
Im
ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung las man in Athen und Rom,
vermutlich auch in anderen Städten Altarinschriften, die da
lauteten: „Den unbekannten Göttern“, oder: „Den Göttern
Asiens, Europas und Afrikas, den unbekannten und fremden Göttern“,
vielleicht auch: „Dem unbekannten Gott“ ¹.
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¹ S. über sie die eindringenden
Untersuchungen Nordens („Agnostos Theos“,
1913, S 1 ff).
2 Einleitung