Hereunder
follows the transcription of the preface of Houston Stewart
Chamberlain's Mensch
und Gott, 5th edition, published by F. Bruckmann, 1939. The first
edition
appeared in 1921.
|
I
MENSCH UND GOTT
Das Antlitz Gottes kannst du nirgends
finden noch
betrachten
außer in Christo; darum strebe Gott in
Christo
zu erkennen. Denn das wahre Wissen von
Gott wird
weder durch Wortweisheit
noch durch
Denken
erreicht, vielmehr handelt es sich um einen
inneren
Vorgang, der den Geist gottwärts umwandelt
Oliver
Cromwell (Brief an seinen
Sohn)
II
(Leere Seite)
III
MENSCH UND GOTT
BETRACHTUNGEN ÜBER RELIGION UND
CHRISTENTUM
VON
HOUSTON STEWART CHAMBERLAIN
FÜNFTE AUFLAGE
VOLKSAUSGABE
VERLAG VON F. BRUCKMANN, MÜNCHEN
IV
Für Amerika
Copyright
1921 by F. Bruckmann A-G.,
München
Made in
Germany
1. Auflage
1921
2. Auflage
1929
3. Auflage
1933
4. Auflage
1938
5. Auflage
1939
V
DEM TAPFEREN, REINEN HERZEN
— VON JUGEND AUF STRENGER
PFLICHTERFÜLLUNG
GEWEIHT —
DAS ALLEIN, IN NIEMALS ERMATTENDER
HINGABE,
DAS ENTSTEHEN UND VOLLENDEN VORLIEGENDEN
WERKES
— UNÜBERWINDLICH SCHEINENDEN
HINDERNISSEN
ZUM TROTZE —
ERMÖGLICHT HAT:
SEI AN ERSTER STELLE DER DANK
AUSGESPROCHEN
IN EHRFURCHT UND IN LIEBE
VI
(Leere Seite)
VII
VORWORT
Ein Nachwort schicke ich dieser zweiten
Auflage als Vorwort voraus. Ungefähr gleichzeitig mit der ersten
Auflage
von Mensch und Gott erschien
Adolf von Harnack's Marcion:
Das Evangelium vom fremden Gott, womit zum ersten Male die
Gestalt und
die Lehre des großen Reformators des zweiten Jahrhunderts — sonst
in einer Wolke von Verleumdungen und Gehässigkeiten verborgen —
vor
aller Augen klar enthüllt ward. Ein edler Mann, der ein edles
Lebensziel
zum Heile des Christentums im Herzen trug! Da nun Marcion's
religiöse
Überzeugungen auffallende Übereinstimmungen mit den in diesem
meinem Buche vertretenen aufweisen, will ich ein paar Worte ihnen hier
widmen.
Der Gott der Liebe,
der Vater
Jesu Christi, ist nach Marcion nicht identisch mit Jahve, dem Gott der
Juden: „Er ist nicht der Schöpfer, nicht der Gesetzgeber, nicht
der
Richter, er zürnt und straft auch nicht, sondern er ist
ausschließlich
die verkörperte, erlösende und beseligende Liebe“ (S. 18).
Darum
— wegen seiner Weltfremdheit — wird er auch „der fremde Gott“ genannt.
Der Weltschöpfer Jahve steht unermeßlich tief unter dem Gott
der Liebe; er trägt die Verantwortung für das Elend, das die
Welt erfüllt und für die Schlechtigkeit der Menschen; die
Schrift
zeigt ihn ja als rachsüchtig, listig, betrügerisch, zornig
und
er erwählt die Juden, — „ein besonders schlimmes, störrisches
und untreues Volk“ — (S. 113), zu seinen auserkorenen Schützlingen
und verspricht ihnen die Herrschaft über die ganze Welt: kurz, er
ist ein böser Geist, der vom Dasein des Gottes der Liebe nichts
weiß,
bis er es durch Jesum Christum erfährt, den er zum Lohn dafür
durch die Juden ans Kreuz schlagen läßt. Sein Gesetz ist das
Gegenteil von Religion: es führt von dem Gott der Liebe hinweg,
anstatt
zu ihm hinzuführen. „So mußte dem Marcion der Judengott samt
seiner Urkunde, dem Alten Testament, zum
eigentlichen Feinde werden“ (S.
30).
Keiner hat klarer die
Grundverderbnis
in die das Christentum durch seine Vermählung mit dem Judentum
unfehlbar
verfallen mußte, eingesehen als Marcion und er machte es sich zur
Lebensaufgabe, die Christenheit vom Alten Testament zu befreien und ihr
eine Sammlung von eigenen neuen heiligen Büchern zusammenzustellen:
Marcion ist der eigentliche Urheber
des Neuen Testamentes. Mit
VIII VORWORT
der
Befreiung vom Alten Testament scheiterte
er dagegen — zum dauernden Unheil für das Christentum. Harnack
urteilt,
daß die damalige Kirche recht daran tat, an dem Alten Testament
festzuhalten,
denn das „geschichtliche Vakuum, das hinter der christlichen Religion“
sich aufgetan hätte, wäre ihr tödlich gewesen, doch
fügt
er die bemerkenswerten Worte hinzu: „das Alte Testament im 16.
Jahrhundert
beizubehalten war ein Schicksal, dem sich die Reformation noch nicht zu
entziehen vermochte; es aber seit dem 19. Jahrhundert als kanonische
Urkunde
im Protestantismus noch zu konservieren, ist die Folge einer
religiösen
und kirchlichen Lähmung“ (S. 248).
Die Frage, wovon
Christus uns
erlöst hat, hat sehr verschiedene Beantwortungen erfahren;
Marcion's
Antwort lautet erfrischend eindeutig: „Jesus Christus hat uns von der
Welt
und ihrem Gott erlöst, um uns zu Kindern eines neuen und (uns)
fremden
Gottes zu machen“ (S. 31).
Diese kurze Skizze
möge genügen,
die Teilnahme des Lesers für einen der bedeutendsten Männer
aller
Zeiten auf dem Gebiete der Religion zu wecken. Hoffentlich greifen
viele
nach dem erwähnten vortrefflichen Buch von Harnack.
Meiner gnädigsten Freundin,
Frau Elise Küchler in Frankfurt a. M., bin ich für die
Übernahme
aller Arbeiten, die der Druck der zweiten Auflage dieses Buches mit
sich
brachte, aufrichtig erkenntlich. Sie hat ein gleiches Liebeswerk
für
mehrere andere Neudrucke meiner Schriften auf sich genommen und mit
peinlichster
Treue durchgeführt.
Mein hilfreicher
Freund, Herr
Dr. Paul Gonser, hat die große Freundlichkeit gehabt, ein
vollständiges
Verzeichnis der Anführungen aus dem Neuen Testament und ebenfalls
ein Verzeichnis der Eigennamen anzufertigen, womit er sich gewiß
manchen Leser zu Dank verpflichtet
hat.
Houston Stewart Chamberlain.
Bayreuth zu Weihnachten 1922.
Die d r i
t t e, v i e r t e und f ü n f t
e
A u f l a g e ist ein unveränderter Nachdruck der
zweiten Auflage.
Der Verlag.
IX
INHALTSÜBERSICHT
X
INHALTSÜBERSICHT
1
ZUR VERSTÄNDIGUNG
MAN
MUSS AN DIE EINFALT, AN DAS EINFACHE,
AN DAS URSTÄNDIG PRODUKTIVE
GLAUBEN,
WENN MAN DEN RECHTEN WEG GEWINNEN
WILL.
DIESES IST ABER NICHT JEDEM
GEGEBEN;
WIR
WERDEN IN EINEM KÜNSTLICHEN
ZUSTANDE
GEBOREN UND ES IST DURCHAUS
LEICHTER,
DIESEN IMMER MEHR ZU
BEKÜNSTELN
ALS ZU DEM
EINFACHEN ZURÜCKZUKEHREN.
(G O E T H E)
2
ZUR
VERSTÄNDIGUNG
(Leere Seite)
3
ZUR
VERSTÄNDIGUNG
Der Titel dieses Buches könnte
großartig weltumspannend verstanden werden und ein entsprechend
kühnes,
ja überkühnes Unternehmen erwarten lassen; einer derartigen
Annahme
muß ich gleich entgegentreten und versichern: die Benennung
„Mensch
und Gott“, weit entfernt, auf ein unmögliches Unterfangen zu
deuten,
soll nach meinem Sinne schlicht anzeigen, daß die folgenden
Seiten
der Befassung mit zwei Begriffen gewidmet sind, welche jeden von uns —
er sei auch, wer er möge — nahe betreffen, so nahe, daß ein
Jeder
im Laufe eines langen Lebens sich eine gewisse Zuständigkeit
erwirbt
und damit auch ein Recht, darüber zu reden; an den Anderen liegt
es,
ob sie zuzuhören belieben oder nicht. Über beide Begriffe ist
so viel nachgedacht und sind so viele Gedanken mitgeteilt worden —
häufig
von den bedeutendsten Denkern und den erhabensten Heiligen — daß
keiner sich leicht einbilden wird, neue Aufklärung beitragen zu
können;
jedenfalls bildet es sich der Verfasser des vorliegenden Werkes nicht
ein;
doch meint er, aus neuen Bedürfnissen entstünden neue
Aufgaben,
und hierin liege die Berechtigung eines derartigen Versuches, der
seinen
Zweck erreicht, sobald er nur einigen bedürftigen Seelen
willkommene
Hilfe leistet.
Bei einem solchen
Vorhaben kommt
es in erster Reihe darauf an, den Standort des Betrachters genau zu
bestimmen:
in diesem Buche redet der Laie, nicht der Geistliche, es redet der
Weltmann,
nicht der Fachgelehrte. Freilich, es hat dieser Weltmann sein Leben
lang
den betreffenden Fragen nahegestanden und redlich gestrebt, sich zu
unterrichten
— wobei er keine Mühe scheute, stets das Bedeutendste, das
Gründlichste,
das Zuverlässigste ausfindig zu machen und es sich, soweit es ihm
seine Laienbildung gestattete, anzueignen, und zwar dieses Beste allein
mit grundsätzlicher Außerachtlassung alles Minderwertigen
und
namentlich alles Phantastischen und Dilettantenhaften:
daraus folgt eine Kenntnis der
Ergebnisse
gelehrter Forscher und ihre Fruchtbarmachung, nicht aber die
Geistesrichtung
des fachmännischen Gelehrten mit ihren Vorzügen und
Beschränkungen.
Man darf nicht übersehen, daß bei den hier behandelten
Fragen manches
jegliche Gelehrsamkeit weit übersteigt, so daß Denkkraft und
Seelentiefe mehr als Wissen zu bedeuten haben; während andrerseits
die Ergebnisse derjenigen Forschungen, zu denen ausgedehnte
philologische
und historische Kenntnisse vonnöten sind, von jedem gebildeten
Laien
4
ZUR
VERSTÄNDIGUNG
verstanden
und aufgenommen werden können.
Ein bedeutendster unter den neueren Religionsforschern, F. Crawford
Burkitt,
sagt hierüber: „Es liegt gar nichts in dem Wesen der von uns
Theologen
behandelten Gegenstände, was geeignet wäre, den aufmerksamen
Leser zu verhindern, jeden Schritt des zurückgelegten Weges
mitzumachen;
auch kann er das Recht beanspruchen, darüber zu urteilen, ob er
uns
folgen will oder nicht“ (The Gospel
History and its Transmission, 3. Aufl.,
S. 7). Der deutsche Leser wird wohl daran tun, sich diese Worte
einzuprägen;
denn die übertriebene Einschätzung der ausschlaggebenden
Bedeutung,
nicht allein des Wissens der Fachgelehrten, sondern auch ihres Urteils,
wirkt verhängnisvoll; wer sich nicht die volle
Selbständigkeit
des Urteils bewahrt, begibt sich der Würde eines freien Menschen
und
verliert damit zugleich die Fähigkeit, sich das durch die
gelehrten
Arbeiten Errungene wirklich anzueignen; besser ist es, manches falsch
zu
verstehen als sich willenlos dem Urteil Anderer zu fügen — woraus
gar keine Seelenüberzeugung, vielmehr nur ein blasses
Fürwahrhalten
sich ergibt.
Hier muß
nebenbei eine Bemerkung
eingeschaltet werden, die, ohne große Bedeutung zu besitzen,
immerhin
für die Beurteilung des vorliegenden Werkes nicht belanglos ist.
Die besonderen
Bedingungen, unter denen diese Arbeit zur Ausführung kam,
erschwerten
in einem solchen Maße das Nachsuchen in Büchern und
Aufzeichnungen,
daß hiermit so sparsam wie möglich vorgegangen werden
mußte;
wer darum nur die im Text genannten Schriften beachtet, wird eine weit
schmälere Grundlage der durchgeführten Studien voraussetzen
als
die, welche in Wirklichkeit vorliegt. Daraus erklärt sich auch das
Fehlen manches mit Recht erwarteten Namens. Dies sei ein für
allemal
in Kürze ausgesprochen.
Die Erwähnung
von Lücken
gemahnt mich daran, fernerstehende Leser aufmerksam zu machen,
daß
ich schon in mehreren meiner Bücher die Gelegenheit fand, mich
eingehend
sowohl mit den allgemeinen Fragen aller Religion, wie auch mit vielen
darauf
bezüglichen Einzelfragen, einzelnen Zeitläuften und einzelnen
Persönlichkeiten zu beschäftigen — ich nenne Richard Wagner,
Die Grundlagen, Worte Christi, Arische
Weltanschauung, Immanuel
Kant, Goethe,
Deutsches Wesen, Lebenswege:
meine
unüberwindliche Abneigung gegen Wiederholungen
hat mich veranlaßt, alle diese Stellen als bekannt vorauszusetzen.
5
ZUR
VERSTÄNDIGUNG
Für den Standpunkt des Verfassers
wären weiter zu berücksichtigen Rassenangehörigkeit,
Bildungsgang und Lebensschicksal:
die Beantwortung dieser Fragen erteilt mein im Jahre 1919 erschienenes
Buch Lebenswege meines Denkens.
Bei einem der
Religion gewidmeten
Buch kommt namentlich der Frage nach der A b s i c h t,
aus der es entstand,
Bedeutung zu. Hierauf antworte ich am besten historisch.
Die erste Anregung,
ein Buch über
Religion zu schreiben, erhielt ich vor etwa achtzehn Jahren von einem
süddeutschen
Verleger; diesen hatte Otto Pfleiderer, der in weitesten Kreisen
bekannte,
erst vor kurzem gestorbene Berliner Theologe, veranlaßt, sich an
mich zu wenden, indem er mich, auf Grund der Abschnitte über Jesus
Christus und über Religion und Kirchengeschichte in meinen Grundlagen
für befähigt hielt, ein allgemein umfassendes
volkstümliches
Werk auszuführen. So sehr dieser Vorschlag mich auch verlockte,
nie
habe ich mich entschließen können, seine Ausführung in
Angriff zu nehmen:
ich mußte befürchten,
einerseits
ins Uferlose zu geraten, andrerseits keine Gelegenheit zu finden,
dasjenige
zu sagen, was zu sagen ich auf dem Herzen hatte. Später drangen
verehrte
Freunde — unter denen ich nur Julius Wiesner
und Leopold von
Schröder
nennen will
— in mich, eine ganz anders geartete
Schrift zu verfassen: eine Art religiösen Bekenntnisses oder eine
Erzählung meiner allerpersönlichsten religiösen
Erlebnisse.
Auch dieser Anregung habe ich mich nicht entschließen können
zu folgen: ein gewisses Scheugefühl hielt mich davon ab. Es
klangen
mir die Worte der „schönen Seele“ in den Ohren:
„Hätte ich doch immer geschwiegen,
und die reine Stimmung in meiner Seele zu erhalten gesucht! Hätte
ich mich doch nicht durch Umstände verleiten lassen, mit meinem
Geheimnisse
hervorzutreten!“ Dennoch kreiste unablässig im innersten
Gemüte
die Sehnsucht, mir selber einige der beseligendsten Herzenserfahrungen
durch Gestaltung möglichst deutlich zu vergegenwärtigen,
zugleich
mit der Vorstellung, ein derartiges Beginnen könne den Freunden
meines
Schrifttums einige Freude und vielleicht auch Anleitung gewähren.
Eines Tages gewann dieser Wunsch gebieterische Gewalt: ich legte meine
anderen Arbeiten aus der Hand und widmete mich dieser (vergl. Lebenswege,
S. 152).
Erzähle ich das
so umständlich,
so geschieht es, weil ich mir bewußt geworden bin, daß die
beiden nicht zur Ausführung ge-
6
ZUR
VERSTÄNDIGUNG
kommenen
Vorschläge dennoch die
vorliegende Schrift beeinflußt haben: ohne Pfleiderer's Anregung
hätte ich vielleicht doch nicht so weit umhergeschaut, wie hier
geschehen
ist; und hätte mich nicht der Gedanke an eine Bekenntnisschrift
lange
beschäftigt, so wäre ich schwerlich auf die Beschränkung
geraten, die jetzt gebietet und dieses Buch, zwar nicht zu einem
ausdrücklichen,
aber dessen ungeachtet zu einem geheimen Bekenntnis geschaffen hat.
Namentlich
letzterer Umstand besitzt für den „Standpunkt“ des Verfassers, den
wir zu bestimmen suchen, entscheidende Bedeutung: habe ich auch
überall
Tatsachen und gelehrte Ergebnisse herangezogen nach Maßgabe des
mir
zu Gebote Stehenden, so habe ich mich doch fast an keiner Stelle
über
die Grenze dessen hinausgewagt, was mir im Laufe des Lebens zu einem
Herzensbekenntnis
geworden ist; denn wo dies nicht der Fall war, fühlte ich mich
wankend
und fand keine Freude daran, bloße Meinungen vorzutragen. Zwar
habe
ich überall streng an mich gehalten, in der Überzeugung, man
sage mehr, wenn man die letzten Worte unausgesprochen lasse;
nichtsdestoweniger
findet die rechte Fühlung zu diesem Buche nur derjenige, der den
Herzschlag
darin vernimmt.
Letzte Änderung
am: 27 März 2005